Die drei Hauptaspekte des Pfades

Ich verneige mich vor meinen erhebenden, unfehlbaren Lamas.

(1) Nach bestem Vermögen will ich versuchen zu erklären: die essentielle Bedeutung aller schriftlichen Äußerungen der Triumphierenden, den Pfad, der von den heiligen Nachkommen der Siegreichen gepriesen wird, die Furt für die Glücklichen, die sich nach der Befreiung sehnen.

(2) Hör zu mit einem klaren (Geist), O Glücklicher, dessen Geist dem Pfad, der den Siegreichen erfreut, folgen will indem er den Freuden der zwanghaften Existenz unverhaftet ist und der du darauf brennst, deinem Leben der Ruhepause und der bereichernden Faktoren Bedeutung zu verleihen.

(3) Sich sehr für die angenehmen Früchte des Ozeans zwanghafter Existenz zu interessieren und ohne reine Entsagung zu sein: dies ist keine Methode, um den Frieden (der Befreiung zu erreichen) – tatsächlich werden die beschränkten Wesen vollkommen gefesselt von der Anhaftung, für die Dinge, die sich in zwanghaften Situationen finden – bemühe dich deshalb als erstes um Entsagung.

(4) Indem du deinen Geist daran gewöhnst, dass es keine Zeit zu verschwenden gibt wo ein Leben der Ruhepause und bereichernden Faktoren so schwer zu finden ist, wende dich ab von deiner Besessenheit mit den Erscheinungen dieses Lebens. Indem du immer und immer wieder an die Probleme der sich wiederholenden Wiedergeburt denkst und daran, dass (die Gesetze) der Ursachen und Wirkungen des Verhaltens nie trügerisch sind, wende dich ab von deiner Besessenheit mit den Erscheinungen der zukünftigen (Leben).

(5) Wenn du, indem du dich in dieser Weise gewöhnst, nie, nicht einmal einen Augenblick, einen Geist in dir entstehen lässt, der nach dem Glitzerwerk des wiederkehrenden Samsara greift, und du die Haltung entwickelst, die sich Tag und Nacht immer stark nach der Befreiung sehnt, dann hast du die Entsagung erzeugt.

(6) Doch selbst diese Entsagung wird nicht zur Ursache für die Schönheiten und die Seeligkeit eines unvergleichlich reinen Zustandes (der Erleuchtung), wenn sie nicht von der Entwicklung einer reinen Bodhichitta-Ausrichtung begleitet wird. Deshalb erzeugen die Verstandbegabten eine höchste Bodhichitta-Ausrichtung.

(7) Davongetragen von den Strömen der vier gewaltigen Flüsse, gebunden von den straffen Fesseln des schwer abwendbaren Karma, in das mit Maschendraht bewehrte Loch des Greifens nach wahrer Identität geworfen, völlig eingehüllt in die pechschwarze Finsternis der Unwissenheit,

(8) Unaufhörlich geplagt von den drei Arten des Leidens ein Leben nach dem anderen, in der unendlichen zwanghaften Existenz – nachdem du an die Bedingungen deiner Mütter gedacht hast, die sich in derartigen Situation wiederfinden, entwickle eine höchste Absicht des Bodhichitta.

(9) Doch selbst wenn du die Gewohnheit der Entsagung und der Bodhichitta-Ausrichtung entwickelt hast, und dir doch das unterscheidende Gewahrsein fehlt, dass die verweilende Natur der Realität erkennt, wirst du nicht in der Lage dazu sein, die Wurzel deiner zwanghaften Existenz zu durchtrennen. Bemühe dich daher in den Methoden, mit denen man das Verständnis des abhängigen Entstehens verwirklichen kann.

(10) Jeder, der erkannt hat, dass (die Gesetzmäßigkeit) von Ursache und Wirkung des Verhaltens in Bezug auf alle Phänomene von Samsara und Nirvana niemals eine Täuschung ist und die Stützhilfen der eigenen (Kognitionen), die auf (inhärente Existenz) abzielen, worin auch immer diese bestanden, hat auseinanderbrechen lassen, dieser oder diese hat den Pfad betreten, der die Buddhas erfreut.

(11) Erscheinungen sind nicht trügerische abhängige Entstehungen und Leerheit ist von allen Behauptungen (unmöglicher Existenzweisen) getrennt. Solange dir diese beiden Einsichten getrennt erscheinen, hast du noch nicht die Absicht des Fähigen verwirklicht.

(12) Doch wenn nicht abwechselnd sondern zugleich deine Gewissheit, die auf der bloßen Ansicht des nicht trügerischen abhängigen Entstehens basiert, all die Weisen, in denen du Objekte (als inhärent existierend) ansiehst, auseinanderfallen lässt, dann hast du die Erkenntnis der korrekten Sicht verwirklicht.

(13) Wenn du darüber hinaus weißt, dass die Erscheinung das Extrem der Existenz eliminiert, und die Leerheit das Extrem der Nicht-Existenz, und wie die Leerheit als Ursache und Wirkung aufgeht, dann wirst du niemals von Sichtweisen, die an Extremen haften, davon gerissen werden.

(14) Hast du so die Punkte dieser Drei Hauptaspekte des Pfades, so wie sie sind, verstanden, begieb’ dich in die Einsamkeit und, indem du die Kraft der freudigen Ausdauer entfachst, vollende rasch das uralte Ziel, mein Sohn.