Karmische Potenziale, Tendenzen und ständige Gewohnheiten

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Kurzer Rückblick auf das Gelug-Prasangika-System des Karmas 

Zuletzt haben wir über die wesentlichen Bestandteile des Karmas gemäß der Darstellung im Gelug-Prasangika-System gesprochen. Wir haben gesehen, dass es beim Karma um den geistigen Drang geht, der einen Pfad des geistigen, physischen oder verbalen Karmas hervorbringt. Es ist ein Zwang und auf der physischen und verbalen Ebene bezieht sich Karma auf die Gestalt unseres physischen Verhaltens oder den Klang unserer verbalen Aktionen oder des verbalen Verhaltens. Das nennt man die offenbarende Form. Dann gibt es auch die nichtoffenbarende Form, wie diesen neuronalen Pfad, der ebenfalls beim physischen und verbalen Verhalten vorhanden ist. Vor jeder Art der Handlung, ob geistig, physisch oder verbal, haben wir das Karma des geistigen Drangs. 

Während dem physischen und verbalen Verhalten gibt es die offenbarende Form; ihre Gestalten und Klänge sind ebenfalls Karma. Zusätzlich zum Karma während der Handlung physischen und verbalen Verhaltens, gibt es die nichtoffenbarende Form, die danach fortgesetzt wird. Kurz gesagt haben wir diese drei verschiedene Aspekte des Karmas und sie umfassen das, was die Handlung hervorbringt, die Handlung selbst, und einige Aspekte setzen sich auch über die Handlung hinaus fort. Über all das haben wir gesprochen. 

Wie Karma laut Tsongkhapa funktioniert 

Wie ist nun die eigentliche Funktionsweise des Karmas laut Tsongkhapa? Zunächst tritt ein Geistesfaktor in Erscheinung und hierbei handelt es sich um den Geistesfaktor, mit dem wir eine Handlung ausführen wollen. Umgangssprachlich würden wir beispielsweise sagen, dass wir gern jemanden besuchen, gern mit jemanden sprechen oder gern zum Kühlschrank gehen würden, um uns etwas zu essen zu holen. Es ist ein Geistesfaktor und er entsteht in einem bestimmten Moment und ähnelt dem, was wir in der Vergangenheit getan haben. Anders ausgedrückt, wollen wir gern eine Handlung wiederholen, die wir vorher ausgeführt haben.

Man könnte auch sagen, wir wünschen etwas zu tun und in diesem Fall würde man es entweder als gleichbedeutend mit, oder begleitet von einer Absicht beschreiben. Aus verschiedenen Gründen wollen wir also gern etwas tun, sagen oder denken. Auch muss es die Umstände geben, die dazu führen, eine Sache in diesem Moment tun zu wollen. Diese Umstände können sich auf eine bestimmte Zeit, einen Ort und die Gemeinschaft beziehen, in der wir uns befinden. Es kann das sein, was in dem Moment gerade in unserem Leben passiert und kann in Bezug darauf entstehen, glücklich oder unglücklich zu sein. Außerdem hängt es von vergangenen Tendenzen ab, auf bestimmte Weise zu handeln, zu sprechen oder zu denken. Wir könnten auch aus einer motivierenden Emotion heraus etwas tun wollen, weil wir vielleicht wütend sind, oder auf einer ganz grundlegenden Ebene einfach nach einer unmöglichen Art des „Ichs“ greifen. Vielleicht meinen wir beweisen zu müssen, wie stark oder wie gut wir in diesem oder jenem sind.

Geistiges Karma 

Als Nächstes kommt das geistige Karma: der zwingende geistige Drang entsteht, der uns in die Richtung dieses zwanghaften Gedankenganges lenkt. Zunächst möchte ich zum Beispiel gern etwas haben – das ist der Geistesfaktor – und dann gibt es diesen geistigen Antrieb, der mich zu dem Gedankengang lenkt, wie ich es bekommen kann. Dieser Pfad des Denkens und Planens, wie ich etwas bekommen oder wie ich jemandem wehtun kann, funktioniert entweder als positives karmisches Potenzial oder als negatives karmisches Potenzial, wobei wir Potenzial auch als Kraft bezeichnen könnten. In diesem Fall wäre das Positive etwas befleckt Positives und im Grunde ist es notwendig, hier etwas präziser zu sein. Das, wovon hier die Rede ist, wird normalerweise mit Verdienst übersetzt und das Gegenteil davon würde man als Sünde bezeichnen, was jedoch ein furchtbares Wort ist. Je nachdem, von welchem Blickwinkel wir diese zwei Dinge betrachten, können wir sie entweder als karmische Potenziale oder als karmische Kräfte betrachten und das sind die Begriffe, die ich gern als Übersetzung benutze. Dieses karmische Potenzial oder die karmische Kraft ist entweder positiv oder negativ und das bedeutet, dass sie entweder aus einer konstruktiven, einer befleckt konstruktiven, oder einer destruktiven Situation herrührt. 

Karmische Potenziale – Erklärung nichtkongruenter beeinflussender Variablen 

Der zwanghafte Gedankengang und das Planen selbst ist ein karmisches Potenzial. Es hat die potenzielle Kraft, Resultate hervorzubringen. Ist das zwanghafte Denken zu einem Ende gekommen, macht dieses karmische Potenzial dieser Weise, sich etwas gewahr zu sein, mit all den komplexen Dingen, die zu einem Pfad des Karmas gehören, eine Phasenumwandlung durch. Der Denkprozess und der Komplex von Dingen, die damit verbundenen sind, ist eine Weise, sich etwas gewahr zu sein. Dieser Pfad des Karmas, dieses Potenzial, wandelt sich von einer Weise, sich etwas gewahr zu sein, in eine Abstraktion um. Das ist vielleicht das einfachste Wort dafür. Es handelt sich hierbei um einen Fachbegriff, aber das Wort ist nicht wirklich gut. Die eigentliche Übersetzung ist: „eine nichtkongruente beeinflussende Variable, die weder die Form eines physischen Phänomens, noch eine Weise ist, sich etwas gewahr zu sein“. Das ist ganz schön viel. 

Gehen wir es einmal Wort für Wort durch. Es handelt sich also um eine Variable und das heißt, sie ist nicht statisch und ändert sich von einem Augenblick zum nächsten. Sie ist beeinflussend, was bedeutet, dass sie einen Einfluss auf das hat, was wir erfahren. Sie ist nicht wie die anderen Arten nichtstatischer Phänomene. Sie ist keine Form eines physischen Phänomens, wie ein Anblick, ein Klang, ein Geruch, ein Geschmack oder eine körperliche Empfindung. Sie ist nicht ein Teil unseres physischen Körpers und ist keine Weise, sich etwas gewahr zu sein, wie Bewusstsein, Emotion, Konzentration oder andere Geistesfaktoren. Sie begleitet die verschiedenen Momente der Erfahrung, aber sie sind nicht kongruent miteinander. 

Bewusstsein und andere Geistesfaktoren sind kongruent und das heißt, dass sie fünf Dinge miteinander teilen. Das ist ähnlich, wie bei kongruenten oder gleichseitigen Dreiecken, falls ihr euch an das Fach Geometrie in der Schule erinnern könnt. Das Bewusstsein, die Emotionen und all die Geistesfaktoren teilen die gleichen Sensoren der Wahrnehmung miteinander, wie die lichtempfindlichen Zellen der Augen oder die geräuschempfindlichen Zellen der Ohren. Dann teilen sie auch das gleiche Objekt der Ausrichtung miteinander. Wenn man beispielsweise ein Gemälde betrachtet, sind sowohl das Bewusstsein, als auch das Interesse und die Ebene des Glücklichseins auf das Gemälde gerichtet. All diese Dinge teilen das gleiche Objekt der Ausrichtung miteinander und alle stützen sich dabei auf die lichtempfindlichen Zellen der Augen. Das dominiert die Art der Erfahrung und hier ist es eine visuelle. 

Außerdem teilen sie alle das gleiche geistige Hologramm. Das wird normalerweise mit Aspekt übersetzt, aber diese Übersetzung hat keine genaue Bedeutung. Wenn wir etwas sehen, trifft das Licht auf unsere Augen und wird in elektrische und chemische Signale umgewandelt, und was wir dann tatsächlich wahrnehmen, ist ein geistiges Hologramm, das eine Entschlüsselung dieser neuronalen und chemischen Informationen ist. Sie teilen auch die gleiche Zeit miteinander; mit anderen Worten treten sie alle gleichzeitig auf. Schließlich kommen sie alle zusammen und treten harmonisch auf.

Wie ist es mit dem Altern? Das Altern tritt in jedem Augenblick unserer Erfahrung auf. Wir werden älter und das ändert sich von einem Augenblick zum nächsten. Es ist eine Variable und beeinflusst uns zweifellos. Es ist weder eine Weise, sich etwas gewahr zu sein, noch die Form eines physischen Phänomens. Unser Älterwerden richtet sich beispielsweise nicht auf das Gemälde, wenn wir es betrachten. Es ist nicht abhängig von den lichtempfindlichen Zellen unserer Augen. Es ist nicht kongruent mit jedem Moment unserer Erfahrung, aber es begleitet sie. Es findet statt und ist daher ein Beispiel dieser nichtkongruenten beeinflussenden Variablen. Gewissermaßen ist es etwas abstrakt, aber präzise. Es ist nicht in dem Sinne abstrakt, vage zu sein. Vielmehr ist es nicht konkret. Es ist eine Zuschreibung – beispielsweise fragen wir, wie alt jemand ist – und das ändert sich von einem Augenblick zum nächsten, während wir immer älter werden. Ich denke, das ist ein sehr klares Beispiel.

Das konventionelle „Ich“ ist die gleiche Art von Phänomen. Das „Ich“ wird jedem Augenblick der Erfahrung zugeschrieben. Es ist nichtkongruent , keine Weise, sich etwas gewahr zu sein und keine Form eines physischen Phänomens. Karmisches Potenzial ist hier auch so eine Art des Phänomens. Es ist eine nichtkongruente beeinflussende Variable. Es wird dem geistigen Kontinuum zugeschrieben, es setzt sich von einem Augenblick zum anderen fort und ändert sich jeden Moment, denn es kann verstärkt oder abgeschwächt werden und Resultate hervorbringen. Durch das karmische Potenzial wird etwas bewirkt. Es ist keine Form eines physischen Phänomens und keine Weise, sich etwas gewahr zu sein. Es ist beispielsweise nicht auf das Bild gerichtet, wenn ich es betrachte. 

Ich hoffe, ihr könnt dem folgen. Es ist wirklich essenziell, ein Verständnis davon zu bekommen, um die gesamte buddhistische Betrachtungsweise des Selbst, aber auch des Karmas verstehen zu können.

Als Nächstes geht das karmische Potenzial in Bezug auf das geistige Karma eine Phasenumwandlung durch. Zunächst handelt es sich um einen Pfad des Denkens oder eine Weise, sich etwas gewahr zu sein. Hören wir jedoch auf zu denken, wird es zu einer nichtkongruenten Variablen, um den Begriff etwas abzukürzen. Außerdem ist es eine Zuschreibung. Wovon ist es gemäß dem Gelugpa-Prasangika-System eine Zuschreibung? Es ist eine Zuschreibung des konventionellen „Ichs“, das wiederum eine Zuschreibung der Gestalt der fünf Aggregate ist, die sich von einem Augenblick zum nächsten ändern. In gewisser Weise wird es von dem „Ich“ Huckepack genommen, welches selbst der Gestalt der fünf Aggregate zugeschrieben ist. Als Zuschreibungen des geistigen Kontinuums, können das konventionelle „Ich“ und das karmische Potenzial sowohl nichtkonzeptuell als auch konzeptuell erkannt werden, im Gegensatz zu Kategorien, die dem geistigen Kontinuum geistig zugeschrieben sind und nur konzeptuell erkannt werden können.

Das konzeptuelle „Ich“ setzt sich von einem Leben zum nächsten fort und trägt das karmische Potenzial, das ihm zugeschrieben ist. Die Gestalt der Aggregate kann sich ständig ändern. Zum Zeitpunkt des Todes ist das Bewusstsein lediglich der Geist des klaren Lichts und das subtilste Bewusstsein. Es hat jedoch immer eine Gestalt: entweder jene der fünf Aggregate, oder die eines Kontinuums oder wie immer man es bezeichnen möchte. Ihr wird immer das „Ich“ zugeschrieben und so behalten wir stets unsere Individualität bei. Das karmische Potenzial wird von diesem „Ich“ getragen; es reitet auf ihm. 

Können Sie etwas genauer beschreiben, was zum Zeitpunkt des Todes mit der unterschiedlichen Gestalt geschieht?

Es handelt sich zum Zeitpunkt des Todes noch immer um das konventionelle „Ich“. Die Gestalt ist nur das Kontinuum in Bezug auf den Geist des klaren Lichts und das subtilste Bewusstsein. Die fünf Aggregate sind nicht vorhanden, aber da ist trotzdem noch das konventionelle „Ich“ als Zuschreibung auf das, was wir als unsere Todes-Existenz bezeichnen. 

Das ist nichts wirklich Ungewöhnliches. In unserer gewöhnlichen Sprache reden wir beispielsweise davon, das potentiell erfolgreich sein oder potenziell krank werden zu können. Ein Potenzial wird dem „Ich“ zugeschrieben. Wir sagen nicht, der Körper hätte dieses Potenzial krank zu werden, sondern wir haben es. Und wir sagen auch nicht, der Geist hätte das Potenzial erfolgreich zu sein, sondern wir haben es. Das „Ich“ wird der Gestalt unserer gesamten Existenz zugeschrieben und somit hat das „Ich“ das Potenzial, erfolgreich zu sein. 

Karmische Tendenzen und ständige karmische Gewohnheiten 

Um es noch einmal zu wiederholen: karmisches Potenzial ist entweder befleckt konstruktiv oder destruktiv. Genau genommen wird das karmische Potenzial, wenn es diese nichtkongruente Variable ist, als karmisches Potenzial bezeichnet, das die Wesensnatur einer karmischen Tendenz angenommen hat. Eine karmische Tendenz ist meine Übersetzung des Wortes „Samen“, was die wörtliche Bedeutung des Begriffes ist. 

Nachdem der Pfad des zwanghaften Denkens zu einem Ende gekommen ist, tritt eine karmische Tendenz und eine ständige karmische Gewohnheit in Erscheinung. Bei beiden handelt es sich ebenfalls um nichtkongruente beeinflussende Variablen und beide sind dem konventionellen „Ich“ zugeschrieben. Beide sind unspezifische Phänomene, weder konstruktiv noch destruktiv und sie können in beide Richtungen gehen. Karmische ständige Gewohnheiten lassen ihre Resultate fortwährend, in jedem Augenblick, entstehen. Das Resultat, das sie entstehen lassen, ist wahrhaft begründete Existenz. Das ist eine ständige karmische Gewohnheit. Die ständigen Gewohnheiten störender Emotionen, der Unwissenheit oder des mangelnden Gewahrseins, tun dies ebenso. 

Könnten Sie klarstellen, was wahrhaft begründete Existenz auslöst?

Wenn wir über ständige Gewohnheiten sprechen, umfasst das die ständigen Gewohnheiten störender Emotionen, des Greifens nach wahrer Existenz und der Unwissenheit, und alle tun das gleiche. Sie sind verantwortlich für das Hervorbringen wahrhaft begründeter Existenz und sie tun das in jedem Augenblick, ohne Unterlass, bis wir mit dem Erreichen der Erleuchtung eine wahre Beendigung all dieser Dinge erlangen. 

Karmische Tendenzen bringen ihre Resultate, auf der anderen Seite, in Abständen, oder anders ausgedrückt, von Zeit zu Zeit hervor. Das gleiche trifft auf die Tendenzen der störenden Emotionen zu. Wir werden nicht ständig, in jedem Augenblick unserer Existenz, wütend. Das deutsche Wort dafür ist „intermittierend“ und heißt soviel wie „manchmal“. Karmische Tendenzen rufen also manchmal ihre Resultate hervor. Diese karmischen Tendenzen rufen ihre Resultate in Abständen solange hervor, bis sie tatsächlich zu einem Ende kommen und damit fertig sind, ihre Resultate hervorzubringen. Dann werden sie zu dem, was zuweilen als verbrannte Samen bezeichnet wird, wobei sich das Wort „Samen“ auf die Tendenz bezieht.

Phasenumwandlungen 

Tsongkhapas besondere Behauptung besteht jedoch darin, dass diese Tendenzen weiterhin als erschöpfte, verbrannte Samen dem konventionellen „Ich“ zugeschrieben werden. Sie sind nicht vollkommen beseitigt, auch wenn sie nicht mehr das hervorbringen, was wir für gewöhnlich als Resultat einer karmischen Tendenz betrachten würden. Vielmehr machen sie eine Phasenumwandlung durch und werden zu ständigen karmischen Gewohnheiten oder funktionieren als solche. Man kann also nur mit der Erleuchtung eine wahre Beendigung von ihnen erlangen. Der Begriff Phasenumwandlung bezieht sich auf einen Vorgang, bei dem sich beispielsweise auch Wasser zu Dampf oder Eis umwandelt. 

Wir haben bereits über eine Art der Phasenumwandlung gesprochen, bei der die karmische Kraft eine Weise, sich etwas gewahr zu sein, zu einer nichtkongruenten beeinflussenden Variablen umwandelt. Hier haben wir nun eine weitere Art der Phasenumwandlung und nun könntet ihr vielleicht damit anfangen, Tabellen für euch selbst zu erstellen. 

Karmische Potenziale bringen ebenfalls ihre Resultate in Abständen hervor, jedoch sind sie entweder befleckt konstruktiv oder destruktiv. Es ist wichtig, daran zu denken, dass karmische Tendenzen unspezifisch sind und das ist in Bezug auf die Art der Resultate, die sie hervorbringen können, von maßgeblicher Bedeutung. Aber da die karmischen Potenziale während der Phase nichtkongruenter beeinflussender Variablen die Natur von karmischen Tendenzen angenommen haben, machen sie, nachdem sie ihre Resultate hervorgebracht haben, wie die unspezifischen karmischen Tendenzen die gleiche Art der Phasenumwandlung durch und werden zu einer ständigen karmischen Gewohnheit, die dem konventionellen „Ich“ zugeschrieben wird.

Das karmische Potenzial setzt sich nicht nur als eine ausgebrannte Tendenz fort, nachdem es keine weiteren Resultate mehr hervorbringt, sondern auch im Fall von negativem karmischen Potenzial. Denn wenn wir uns mit den vier Gegenkräften und einer Art der Vajrasattva-Meditation reinigen, beseitigen wir dadurch nicht das negative karmische Potenzial. Es setzt sich weiter mit der essentiellen Natur einer Tendenz fort und geht eine Phasenumwandlung durch. Dann wirkt es als eine ständige karmische Gewohnheit, durch die Allwissenheit verhindert wird. 

Um es noch einmal zu wiederholen: karmische Potenziale sind konstruktiv oder destruktiv. Karmische Tendenzen sind hingegen unspezifisch und im Fall der Reinigung von negativem karmischen Potenzial durch eine Art der Vajrasattva-Praxis, haben wir uns nicht von den unspezifischen karmischen Tendenzen gelöst. In gewisser Weise verbrennen wir das negative karmische Potenzial. Wie gesagt, sollte man sich dazu Tabellen erstellen, aber wenn man gut darin ist, Dinge zu visualisieren, muss man es nicht auf Papier festhalten. Dann kann man die Tabelle einfach im Geist visualisieren und zusammenstellen. Das ist einer der Vorzüge, sich im Visualisieren zu schulen. 

Negative Potenziale zu reinigen heißt nicht, sie aus dem geistigen Kontinuum zu löschen oder zu entfernen. Man bringt sie lediglich dazu, eine Phasenumwandlung durchzumachen. Sie sind immer noch da und können zugeschrieben werden, und weil wir nach wie vor karmische Tendenzen haben, könnten wir die negativen Handlungen, die wir in der Vergangenheit begangen haben, in der Zukunft wiederholen. Es bedeutet nicht, das wir sie nie wieder ausführen würden.

Auf diese Weise können wir uns das vorstellen. Da gibt es den Pfad des geistigen Karmas, der ein karmisches Potenzial ist und eine Phasenumwandlung durchgeht. Wir haben noch immer ein karmisches Potenzial, nur das es nun eine nichtkongruente beeinflussende Variable ist. Ob wir nun vom Pfad des Denkens oder der nichtkongruenten Variablen sprechen, in die das Potenzial im Nachhinein umgewandelt wird: beide sind entweder konstruktiv oder destruktiv. Betrachten wir unsere imaginäre Tabelle, in der eine Phase der Denkvorgang und die andere eine nichtkongruente beeinflussende Variable ist. Es ist ganz einfach: in beiden Phasen sind sie entweder konstruktiv oder destruktiv. 

Drehe ich das geistige Bild einmal um, damit ihr es in der richtigen Reihenfolge sehen könnt. Ich betrachte es von meinem Standpunkt aus und dann wäre hier das Denken und dort der Punkt, an dem wir mit dem Denken aufgehört haben. Diese Linie ist konstruktiv oder destruktiv. Sie ist das Potenzial. Nachdem die Handlung zu einem Ende gekommen ist und wir mit dem Denken aufgehört haben, das hier begonnen hat, haben wir eine karmische Tendenz, die unspezifisch ist und auch eine karmische Gewohnheit, die unspezifisch ist. Versucht das einmal zu visualisieren. Ihr macht alle möglichen Visualisierungs-Praktiken und jetzt könnt ihr diese Fähigkeit nutzen. 

Wo ist die nichtkongruente beeinflussende Variable, nachdem die Handlung beendet ist?

Wenn die Handlung beendet ist, haben wir nichtkongruente beeinflussende Variablen als Zuschreibungen des geistigen Kontinuums. Was ist dem geistigen Kontinuum zugeschrieben? Karmische Potenziale, karmische Tendenzen und ständige karmische Gewohnheiten. Aber die karmischen Potenziale waren auch die Handlung und das Denken selbst. Die karmischen Tendenzen und die ständigen karmischen Gewohnheiten sind hingegen nicht die Handlung und das Denken. Das karmische Potenzial hat im Grunde drei Phasen, denn wenn es erst einmal als Potenzial zu einem Ende gekommen und durch die Phasenumwandlung zur Natur einer karmischen Tendenz geworden ist, geht es die letzte Phasenumwandlung durch und am Ende sind es dann ständige karmische Gewohnheiten. Auch die Gedankenkette ist ein karmisches Potenzial.

Das ist vielleicht etwas verwirrend und daher gehen wir es Stück für Stück durch. Zunächst haben wir das Denken. Das ist ein karmisches Potenzial und es ist konstruktiv oder destruktiv. Dann ist die Handlung beendet und nach der Handlung setzt sich das karmische Potenzial fort, aber als eine nichtkongruente Variable, die zugeschrieben wird. Nach der Handlung gibt es auch zwei unspezifische Dinge: die karmische Tendenz und die ständige karmische Gewohnheit, wobei die ständige karmische Gewohnheit bis hin zur Erleuchtung vorhanden ist und erst endet, wenn wir Erleuchtung erlangen. Nachdem das karmische Potenzial und die karmische Tendenz keine weiteren Resultate mehr hervorbringen, gehen sie eine Phasenumwandlung durch und werden beide zu ständigen karmischen Gewohnheiten und funktionieren auf diese Weise. Davon werden wir nicht frei sein, bis wir erleuchtet sind. Das karmische Potenzial geht diese Phasenumwandlung durch und wird zu einer ständigen karmischen Gewohnheit, die auf die gleiche Weise wie eine karmische Tendenz damit aufhört, ihr Resultat hervorzubringen. Man sagt, es wäre ein karmisches Potenzial mit der gleichen Wesensnatur einer Tendenz, denn es verhält sich in dieser Hinsicht wie eine Tendenz. 

All das betrifft lediglich das geistige Karma und den Pfad des geistigen Karmas. In Bezug auf physisches und verbales Karma, haben wir vorher darüber nachgedacht und haben diesen Pfad des geistigen Karmas bereits im Vorfeld. Hierbei handelt es sich nicht um Karma, sondern den Pfad des geistigen Karmas. Dann haben wir einen Drang, also weiteres geistiges Karma, um das umzusetzen, worüber wir nachgedacht haben. Auf diese Weise ergibt sich der Pfad des physischen oder verbalen Karmas und in diesem Fall handelt es sich um Karma. Ich beziehe mich hier auf die Tatsache, dass es während der Handlung, wie bei der Gestalt des Klanges, eine offenbarende Form gibt. 

Wie beim Pfad des geistigen Karmas, handelt es sich ebenso um ein positives oder negatives karmisches Potenzial. Das betrifft eine offenbarende Form und ist genau das Gleiche wie in unserer Diskussion über geistige karmische Pfade. Es setzt sich in der offenbarenden Form als ein positives oder negatives Potenzial fort und macht, nachdem die Handlung zu einem Ende kommt, die Phasenumwandlung durch, um dann als positives oder negatives Potenzial, als eine Zuschreibung und eine nichtkongruente beeinflussende Variable fortzubestehen. Das ist das Gleiche, wie beim Denken. Der einzige Unterschied besteht darin, dass physisches und verbales Karma als karmisch betrachtet werden, geistiges Karma jedoch nicht. All die anderen Mechanismen sind gleich.

Es wird lediglich die nichtoffenbarende Form hinzugefügt. Denkt daran, dass die nichtoffenbarende Form beim Pfad des Karmas in Erscheinung tritt und sich danach fortsetzt. Auch das wirkt als ein karmisches Potenzial, das konstruktiv oder destruktiv ist. Diese nichtoffenbarende Form setzt sich bis hin zur Erleuchtung fort und bringt in Abständen Resultate hervor. Sie wird nur dann zu einem Ende kommen, wenn wir uns wirklich entscheiden, diese Handlung nie wieder auszuführen, ob sie nun konstruktiv oder destruktiv ist. In diesem Sinne ist sie wie ein Bodhisattva-Gelübde, denn wir geloben nie davon abzulassen, bis wir Erleuchtung erlangt haben und folglich verlieren wir das Bodhisattva-Gelübde, wenn wir es tun.

Entscheiden wir uns also, niemals wieder jemandem behilflich zu sein, niemals wieder zu lügen oder was auch immer es sein mag, befindet sich die nichtoffenbarende Form nicht länger in unserem geistigen Kontinuum. Das ähnelt diesen anderen Merkmalen, über die wir gesprochen haben. Sie geht keine Phasenumwandlung durch, um zu einer ständigen karmischen Gewohnheit zu werden. Sie ist verschwunden und das ist, wie bereits erwähnt, in Bezug darauf von maßgeblicher Bedeutung, wie wir laut dem Prasangika-System den Formkörper eines Buddhas erlangen; aber dazu später. 

Ansammlung von Verdienst, dem Netzwerk positiver Kraft 

Sprechen wir von der so genannten Ansammlung von Verdienst, diesem Netzwerk positiven Potenzials, was bezieht das mit ein? Wie ich bereits erklärt habe, ist es viel leichter, sich an diese Dinge zu erinnern und mit ihnen zu arbeiten, wenn wir Dinge visualisieren und uns darin schulen können, dies zu tun. Es ging also um das positive Potenzial des geistigen, physischen und verbalen Pfades. Beim physischen und verbalen Pfad ist es die offenbarende Form. Außerdem haben wir die nichtoffenbarende Form physischer und verbaler Phänomene oder Ereignisse, und sie setzt sich während der Handlung und auch danach weiter fort. Sie ist auch ein karmisches Potenzial in diesem Netzwerk positiver Kraft oder positiven Potenzials. Dann gibt es die Kontinua der geistigen, physischen und verbalen Pfade, nachdem jeder von ihnen als Zuschreibung eine Phasenumwandlung von einem karmischen Potenzial, einer nichtkongruenten beeinflussenden Variablen, durchgegangen ist

Es ist nicht wirklich so kompliziert. Um es noch einfacher zu erklären, gibt es die Handlung, also das Denken, Sprechen oder Handeln. Jede von ihnen ist ein karmisches Potenzial und dieses karmische Potenzial besteht während der Handlung und auch danach. Während der Handlung ist es entweder eine Weise, sich etwas gewahr zu sein, also zu denken; eine physische Gestalt; oder aber ein Klang. Danach ist es eine nichtkongruente beeinflussende Variable, das ist bei allen dreien gleich. Des Weiteren gibt es sowohl während der Handlung als auch danach die nichtoffenbarende Form und hierbei handelt es sich um eine subtile Form. All das ist nicht so schwer zu verstehen.

Die karmischen Tendenzen und ständigen karmischen Gewohnheiten sind unspezifisch, also weder konstruktiv noch destruktiv, und daher nicht im Netzwerk positiven Potenzials enthalten.

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