Die Rolle spiritueller Lehrer im digitalen Zeitalter

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Ich möchte über die Rolle und Notwendigkeit des spirituellen Lehrers speziell im heutigen digitalen Zeitalter sprechen. Wir in den westlichen und nicht traditionell buddhistischen Ländern finden nicht dieselben Umstände und Bedingungen für ein Dharma-Studium vor, wie sie in Tibet oder selbst noch unter den Flüchtlingen in Indien vorherrschten. Zuerst einmal leben die meisten von uns in einem Familienstand. Wir sind nicht Mönche oder Nonnen in einem Kloster, die ihre ganze Zeit buddhistischen Studien oder Praktiken widmen können. Das ist nun einmal unsere Realität. Wir gehen arbeiten; viele von uns haben Familie. Wir haben außer unserer buddhistischen Praxis noch viele andere Aufgaben. 

Wenn wir die traditionelle Darstellung des Buddhismus betrachten, wird klar, dass dort großer Wert auf den spirituellen Lehrer gelegt wird. Aber aus den buddhistischen Lehren wissen wir auch, dass nichts von sich aus, unabhängig vom Kontext, existiert. Die traditionelle Darstellung der Rolle eines Lehrers stand natürlich im Zusammenhang mit der Art und Weise, wie Buddhismus in der traditionellen Gesellschaft studiert und praktiziert wurde. Und das fand vor allem in Klöstern statt.

Das traditionelle Muster in der tibetischen Gesellschaft

In der tibetischen Gesellschaft brachten Familien Kinder zum Beispiel im Alter von sechs oder sieben Jahren ins Kloster, damit sie dort aufgenommen würden. Sie lebten dann mit im Haus eines Lehrers. Der Lehrer wurde so eine Art Vaterfigur bzw. die Lehrerin im Nonnenkloster hatte eine Art Mutterrolle. Die Kinder wurden vom Lehrer versorgt. Die Lehrer versorgten sie mit Essen und Unterkunft. Das unterscheidet sich sehr davon, wie es bei uns heute ist, nicht wahr?

Es gab einen Lehrer, der den Kindern das Lesen beibrachte. Er lehrte sie Gebete und wie man sie rezitierte. Anfangs war das vor allem Auswendiglernen. Etwa im Alter von 13 Jahren begannen die Kinder dann normalerweise, bei einem anderen Lehrer debattieren zu lernen. Dieser Lehrer half ihnen, die Methoden dafür zu lernen, und die jungen Mönche debattierten dann miteinander. Mittlerweile lernen das auch Nonnen. Aber auch das ist ganz anders als das, was heute im Westen üblich ist, stimmt‘s?

Der Abt des Klosters oder ein großer Lama gab dann größeren Gruppen im Kloster Belehrungen. Dabei konnte es sich um Lam-rim oder Ähnliches handeln. Andere Lehrer gaben außerdem Initiationen. Und es gab einen Abt, bei dem man Novizengelübde und vollständige Gelübde ablegte. Das ist eine weitere Art von Lehrer.

Oft hören wir den Ausdruck „Wurzelguru“. Wir hören, dass die Beziehung zum Lehrer die Wurzel des Pfades ist. Was bedeutet hier der Ausdruck „Wurzel“? Welcher von all den verschiedenen Lehrern in einer traditionellen buddhistischen Gesellschaft war nun der Wurzelguru? Das Wort „Wurzel“ gibt Hinweise darauf. Eine Pflanze entsteht zuerst aus einem Samen, nicht aus einer Wurzel. Was tut die Wurzel für die Pflanze? Die Wurzel gibt ihr Stabilität. Sie verankert sie im Boden und durch sie bekommt die Pflanze Nahrung. 

Der Wurzelguru ist derjenige, der uns Inspiration gibt. Sie ist wie Nahrung für die Pflanze. Inspiration kommt nicht nur durch Charisma, denn es gibt auch ziemlich zweifelhafte Persönlichkeiten, die Charisma haben. Auch Rockstars haben Charisma. Ein Wurzelguru inspiriert dadurch, dass er ein lebendiges Beispiel der Lehren Buddhas ist. Solch eine Person ist ein ideales Rollenvorbild, auch wenn wir nicht sonderlich viel Kontakt mit ihr haben. Zu wissen, dass es jemanden gibt, der uns inspiriert und Kraft gibt, uns in Richtung eines Ziels zu bewegen, hilft und nährt uns. Wir brauchen Kraft für den Weg. Er ist nicht einfach.

In vielen Fällen ist der Wurzelguru jemand, mit dem man gar nicht viel Kontakt hat. Für viele Menschen ist das zum Beispiel Seine Heiligkeit der Dalai Lama. Wie viele Menschen pflegen schon persönlichen Umgang mit Seiner Heiligkeit? Das sind nur sehr wenige, und es sind meist sehr fortgeschrittene Praktizierende.

Betrachten wir die traditionelle Gesellschaft, so zeigt sich, dass keiner dieser Lehrer uns wie ein kleines Kind behandelt und uns, wenn wir uns entmutigt fühlen, in den Arm nimmt und sagt: „Ist ja gut. Mach weiter. Ich hab dich immer noch lieb.“ So etwas werden wir in der traditionellen tibetischen Gesellschaft nicht finden. Und das gilt nicht nur für den Wurzelguru, sondern auch für alle anderen Arten von Gurus. Niemand in der traditionellen Gesellschaft wird dich in den Arm nehmen und dir versichern, dass alles o. k. ist. Es ist hart, und sie sind tatsächlich sehr streng. In der traditionellen Gesellschaft schlugen sie die Schüler sogar. Das entspricht nicht westlichem Standard, aber das gibt es.

Im weiteren Verlauf bekam man dann Unterweisungen und es wurde erwartet, dass man ihre Bedeutung ergründete, indem man mit den anderen Schülern debattierte. Wenn man sie im eigenen Leben anwenden wollte, musste man im Grunde selbst dahinterkommen, wie man das macht. Niemand zwingt einen. Das ist das traditionelle Modell.

Die Entwicklung im Westen

Als Westler mit unserem heutigen Hintergrund ist kaum einer von uns bereit, sich in solch einen sozialen Kontext und ein derartiges System einzufügen. Und selbst wenn man bereit ist, es zu versuchen, halten das nicht viele durch. Es ist hart. Jenes System hat sich im Zusammenhang mit der traditionellen tibetischen Gesellschaft entwickelt und es hat innerhalb dieser Gesellschaft funktioniert und fantastische Meister hervorgebracht. Aber nun tauchen wir Westler auf der Bildfläche auf und wollen Buddhismus studieren, aber nicht in dem Umfeld und in dem Stil, wie es früher im traditionellen Tibet üblich war.

Die Sache wird noch komplexer und herausfordernder dadurch, dass unsere heutige westliche Gesellschaft jetzt, 2015, sehr verschieden ist von der, sagen wir der 1960er Jahre, als ich zum ersten Mal den tibetischen Buddhismus begegnete. Die westliche Gesellschaft ist inzwischen völlig anders. Als ich anfing, gab es noch keine Dharma-Zentren im Westen. Für Leute, die Buddhismus studieren wollten, standen weder Übersetzungen noch Übersetzer zur Verfügung. Man musste die Sprache lernen und nach Indien reisen, quasi wie Pioniere.

Diese Zeiten sind vorbei, und die Rolle, die der spirituelle Lehrer für uns Westler damals hatte, war ziemlich anders. Um ganz ehrlich zu sein, es war fast so, als wäre man eine Art Haustier für sie. Sie konnten uns nicht so recht ernst nehmen. Was wollten wir dort? Viele von uns zogen tibetische Kleider an und waren stoned oder was auch immer. Wie konnten sie uns da ernst nehmen?

In der nächsten Phase baute Seine Heiligkeit dann die Bibliothek in Dharamsala auf, und in Nepal wurde das Kloster Kopan gegründet. Man begann uns etwas ernster zu nehmen, bot Kurse und Unterweisungen an, in denen es allmählich auch Übersetzer gab. Es ist interessant, sich die Entwicklung anzusehen, wie wir an den tibetischen Buddhismus herangingen, und die Interaktion zwischen westlichen Studenten und den Lehrern zu betrachten. Sie erwarteten nicht, dass wir in unseren Studien oder Praktiken sehr weit kommen würden - ganz bestimmt nicht, denn wir waren ja nicht bereit 100 oder 1000 Seiten tibetischen Text auswendig zu lernen. Dadurch unterschieden wir uns schon mal von den tibetischen Studenten, die sie unterrichteten. Für die tibetischen Lehrer war das wie Kindergarten, dauernd mussten sie alles wiederholen, und wenn sie dann nach Monaten ein paar einfache Fragen stellten, etwa welches denn die drei Juwelen sind, konnten die Leute das nicht beantworten. Wie konnten sie uns da denn wirklich ernst nehmen? Trotzdem waren sie unglaublich geduldig und freundlich und einfach wunderbar.

Wie sollten wir mit diesen Lehrern umgehen? In den Texten heißt es, man solle sie als einen Buddha betrachten. Wir hatten keine Ahnung, was das bedeutete. Man fiel von einem ins andere Extrem. Entweder wurde der Guru für unfehlbar und allmächtig gehalten, oder diese Anweisung wurde einfach ignoriert. Egal in welches Extrem wir gerieten, es war sehr verwirrend. Im Nachhinein denke ich, dass beides ziemlich ungesund war. Aber in jener frühen Zeit gab es zumindest vollständig qualifizierte Lehrer, bei denen wir studierten.

Damals wurden auch eine Menge sehr hohe Initiationen erteilt, sowohl an Tibeter als auch an die paar Westler, die zugegen waren. Aber wir waren bei diesen Veranstaltungen eine kleine Minderheit. Die große Mehrheit der Teilnehmer bestand aus tibetischen Mönchen und Nonnen. Nachdem sie an der Initiation teilgenommen hatten, erhielten sie bestimmte Verpflichtungen. Dabei handelte es sich um die Verpflichtung, jeden Tag die Sadhana-Praxis durchzuführen. Auch viele von uns, die dort anwesend waren, fühlten sich dazu verpflichtet und bemühten sich anfangs sehr, dies auch einzuhalten.

Solange wir uns in Indien oder Nepal aufhielten, hatten wir Zeit dazu, diese Verpflichtungen zu erfüllen – sie beanspruchten immerhin mindestens ein oder zwei Stunden am Tag. Aber nachdem wir in den Westen zurückgekehrt waren, mussten die Meisten eine Arbeit antreten und viele heirateten und gründeten eine Familie. Ich frage mich, wie viel Prozent der Leute, die damals in den 1970 er Jahren solche Verpflichtungen eingingen, sie heute tatsächlich noch einhalten. Es wird wohl nicht mehr als eine Handvoll sein.

Aber man muss auch im Sinn behalten, dass die Lamas, die die Initiation geben, nicht in erster Linie an die Westler dachten. Ihr Hauptinteresse galt den tibetischen Mönchen und Nonnen im Publikum, und das ist ja auch richtig so. Wir waren nichts Besonderes, wir saßen bloß in einer Ecke mit dabei. Wie gesagt, ganz in der Nähe von dem tibetischen Hund, der auch dort in der Ecke hockte.
Fairerweise muss man allerdings auch sagen, dass es einigen von uns durchaus ernst war und die Lehrer das auch merkten. Aber wir mussten uns anstrengen. Wir konnten dabei nicht passiv bleiben. Wir mussten aktiv werden und die Lehrer aufsuchen und Fragen stellen. Damals waren die Tutoren Seiner Heiligkeit in der Nähe. Die großen Meister der alten Generation waren noch da. Wir konnten tatsächlich zu ihnen gehen, ihnen Fragen stellen, und sie nahmen uns ziemlich ernst. Die meisten dieser Studenten lernten Tibetisch. Aber es war dennoch nur eine Handvoll, und für diese paar Westler wurde die Beziehung zum spirituellen Lehrer erheblich realistischer. Aber das war nicht einfach.

Lasst mich ein Beispiel geben. Trijang Rinpoche, der inzwischen verstorbene Tutor Seiner Heiligkeit, war ein unglaublicher Lehrer. Alle waren beeindruckt, wie gütig er war und noch vieles mehr. Immer wenn ich ihn aufsuchte, wollte er wissen, was ich gerade studierte, und dann stellte er mir Testfragen, was die zehn diese und die acht jene Faktoren wären. Es war immer eine Mutprobe, ihn zu besuchen, aber so nahm er mich wenigstens ernst. Serkong Rinpoche sagte zum Beispiel: „Ach, du interessierst dich für Tantra? Dann sag mir, was diese Gottheit alles in den Händen hält? Wie sind die unterschiedlichen Köpfe genau angeordnet? Welche Farbe haben sie?“ Und ich wusste es nicht mehr. Wie sollte er mich da für einen ernsthaften Schüler halten? Er nannte meine Geste „die westliche Ich-weiß-nicht-Mudra“ oder die Mudra der Ignoranz.

Die Entstehung von Dharma-Zentren

In der nächsten Phase begann dann die Entstehung der Dharma-Zentren. Inzwischen gibt es überall im Westen solche Dharma-Zentren, und wir brauchen nicht mehr nach Indien oder Nepal zu reisen. Aber welchen Ausbildungsgrad haben die Lehrer, die in diesen Zentren unterrichten? Entweder es gibt dort keinen ansässigen Lehrer oder ein berühmter Lehrer kommt vielleicht ein oder zweimal im Jahr zu Besuch oder es gibt dort einen jüngeren Lehrer, der meistens ohne Kenntnis der Landessprache und gemeinsam mit einem jungen Übersetzer dorthin entsendet wird. Sie haben vielleicht ihren Geshe-Abschluss gemacht, aber größtenteils zum Beispiel keinerlei Lehrerfahrung. In anderen Traditionen haben sie möglicherweise sie eine Drei-Jahres-Klausur abgeschlossen, aber gleichfalls keine Lehrerfahrung, und da sind sie nun.

Wie verhalten wir uns ihnen gegenüber? Das ist die interessante Frage. Was ist ihre Rolle und wie gehen wir mit ihnen um? Da ist nun eine Person, die erwartungsgemäß ein Buddha sein soll, sich aber nicht wie ein Buddha verhält. Was nun? Wir erwarten, dass sie uns Initiationen erteilt, also geben sie uns eine Chenresig- oder eine Tara-Initiation. In der tibetischen Gesellschaft würden sie das gar nicht wagen, aber im Westen erwarten wir das von ihnen. Sie sollen tun, was wir wünschen, und viele von ihnen kommen dem nach. Werden sie dadurch zu einem tantrischen Meister?

Das gegenwärtige digitale Zeitalter

Mittlerweile leben wir im digitalen Zeitalter. Aber bereits vor dem digitalen Zeitalter wurden viele Übersetzungen und immer mehr Bücher geschrieben. Es war schon überwältigend, und dann taucht das Internet auf und es wird einfach unglaublich. Wir geben bei Google “Buddhismus“ ein und bekommen zehn Millionen Artikel angezeigt. Wir wissen gar nicht, wo wir anfangen sollen. Was sollen wir da machen? Was ist das denn?
Und inzwischen ist es nicht nur das Internet. Das alles gibt es auch auf dem Mobiltelefon. Das ist jetzt ein ganz anderes Zeitalter und eine andere Gesellschaft. Die meisten Leute erhalten ihre Informationen zunehmend über ihr Smartphone, wo und wann immer sie gerade wollen. Wir müssen jetzt nicht mehr nach Indien fahren. Wir müssen eigentlich auch nicht in ein Dharma-Zentrum gehen. Wir können auf buddhistische Lehren zugreifen, wann und wo immer wir wollen.

Was wird in diesem digitalen Zeitalter aus dem spirituellen Lehrer?

Nun stellt sich die Frage: Was ist mit dem spirituellen Lehrer? Wo bleibt die Rolle des spirituellen Lehrers in einer solchen Gesellschaft und einer solchen Zeit? Ich denke, diese Frage stellt eine große Herausforderung dar, vor allem für die jungen Leute, die die ganze Zeit an ihrem Smartphone hängen. Als Nachfolger des Mahayana denken wir nicht nur daran, was uns passt und unserer eigenen Komfortzone angemessen ist. Wir blicken vielleicht nicht wie ein 20-jähriger andauernd auf unser Smartphone, aber trotzdem liegt uns an anderen und an der Zukunft aller. Deswegen sind das Fragen, die wir ernst nehmen sollten in Hinsicht auf die Tragfähigkeit des Buddhismus und dessen Anpassungsfähigkeit an die veränderte Zeit.

Wir können uns natürlich über das digitale Zeitalter und die Leute der jüngeren Generation beklagen. Wir können uns gänzlich von ihnen abwenden, weil sie ja doch nur mit ihrem Smartphone beschäftigt sind und immerzu SMS schreiben, oder wir können gute Buddhisten sein und die Realität akzeptieren. Dann lautet die Frage: Wie können wir uns darauf einstellen? Als der älteren Generation liegt es in unserer Verantwortung, uns auch um die jüngere Generation zu kümmern, die in den digitalen und Medien zu Hause ist. Um dieser Verantwortung gerecht zu werden, müssen wir die Funktionen eines spirituellen Lehrers im traditionellen Kontext überprüfen, und auch im Zusammenhang damit, wie sie entstanden sind. Was sind die eigentlichen Funktionen des spirituellen Lehrers? Wie kann er diese Rolle angesichts des gegenwärtigen Zeitalters erfüllen? Das ist die Art und Weise, wie wir mit jeder Situation oder jedem Problem umgehen können. Wie gesagt, ich denke, unsere Verantwortung gegenüber dem Bodhisattva-Pfad beinhaltet, anderen von Nutzen zu sein.

Untersuchung der Rolle eines spirituellen Lehrers und wie diese Rolle im digitalen Zeitalter erfüllt werden kann

Was sind die unterschiedlichen Funktionen eines spirituellen Lehrers? Was tun spirituelle Lehrer?

Ein spiritueller Lehrer vermittelt korrekte Informationen

Zuerst einmal erteilen sie korrekte Information. Ursprünglich, als Buddha lehrte, wurde nichts aufgeschrieben. Man musste es von jemandem hören und dafür brauchte man natürlich einen Lehrer oder zumindest jemanden, der es sich gut eingeprägt hatte, denn Bücher gab es noch nicht. Wie hätte man mit den Inhalten arbeiten können, ohne sie auswendig zu lernen? Das führte zum Brauch des „Lung“ (mündliche Übertragung) und des Auswendiglernens. In diesem Zusammenhang steht das.

Selbst als es dann geschriebene Fassungen von Texten gab – wie viele gab es davon? Sie mussten mit der Hand auf Palmblätter geschrieben oder eingeritzt werden. Eine solche Kopie, deren Herstellung Tausende von Stunden dauerte, war sehr kostbar. Man wollte natürlich nicht, dass Kinder mit schmuddeligen Fingern sie anfassten, also musste weiter auswendig gelernt werden. Es ist immer wichtig, den Zusammenhang von etwas im Sinn zu behalten.
Heute müssen wir nicht einmal mehr Bücher kaufen. Das Internet bietet ein enormes Ausmaß an Information. Das Internet-Angebot ist sogar besser, denn wir haben Suchmaschinen zur Verfügung und können alles leichter finden. Das hat sowohl Vorteile als auch Nachteile. Der Nachteil ist, dass wir nur nach dem suchen, was uns interessiert, und kaum den ganzen Artikel lesen. Der Vorteil ist: Wenn wir nach etwas suchen, können wir es auch finden.

Die Lehren sind normalerweise nicht ganz einfach zu verstehen, und deswegen erklärte der Lehrer sie. Doch auf einer gut gestalteten Website im Internet können Erklärungen von vielerlei Texten zur Verfügung stehen. Es können sogar Video- oder Audio-Aufzeichnungen von Lehrern dabei sein, die die Texte erklären. Wir müssen nicht irgendwohin reisen, um diesen Lehrer aufzusuchen. Sehr umfangreiche Websites bieten die Inhalte sogar für viele in der jeweils eigenen Sprache an und haben oft eine riesige Auswahl an Sprachen. Wenn wir in ein Kloster gehen, kann es hingegen sehr schwierig sein, dort überhaupt jemanden zu finden, der unsere Sprache spricht.

Jetzt, wo unser Leben ungeheuer geschäftig ist und immer geschäftiger wird, können wir die Lehre auf unserem Smartphone lesen, während wir in der S- oder U-Bahn sitzen oder wann auch immer. So ist das ist leichter in unserem Terminkalender unterzubringen. Hier ein bisschen und dort ein bisschen zu lesen ist allerdings nicht gerade die effektivste Methode hinsichtlich der Konzentration. Aber besser als gar nichts.

Und genau so, wie manche Lehrer nicht sehr klar in ihrem Unterricht sind und nicht unsere Sprache sprechen, während andere mehr Klarheit vermitteln und keinen Übersetzer brauchen, so ist es auch mit den Websites. Eine Website kann so gestaltet sein, dass sie den Nutzern eine sehr komfortable, reichhaltige Erfahrung bietet. Sie kann leicht zu lesen, visuell ansprechend sein und so weiter. In vielerlei Hinsicht kann eine gut gestaltete Website den Zweck der Vermittlung von Information besser erfüllen als ein Lehrer mit einem Übersetzer, der unsere Sprache nicht gut spricht und etwas eher verwirrend ausdrückt.

Eines der Probleme besteht wohl darin, dass in einem Dharma-Zentrum dauernd neue Leute hereinschauen – was ja eigentlich ein gutes Zeichen ist. Aber dann kommt so ein Anfänger herein, und der Lehrer muss ihn entweder ignorieren oder von vorn anfangen und die anfänglichen Informationen wiederholen, damit der Neuling nicht völlig verwirrt wird. Eine Website kann einiges an Anfänger-Material anbieten, wenn klar gekennzeichnet ist, wo man beginnen soll und dass dies die ersten Schritte sind. Ein Dharma-Zentrum kann effektiver genutzt werden, wenn Anfänger solches Material zur Hand haben. Wenn sie dann Gefallen daran finden und weitermachen wollen, können sie sich in die Kursstruktur eingliedern. Die Website muss natürlich leicht zu finden und auf allen Geräten gut zugänglich sein, und sie muss in gewissem Sinne über soziale Medien oder andere gängige Methoden propagiert werden, um die Leute zu erreichen.

Es gibt heute mit den sozialen Medien viel wirksamere Möglichkeiten, eine große Anzahl von Menschen zu erreichen, als wir in der Vergangenheit je hatten, zum Beispiel indem man die Option anbietet, regelmäßig einen Newsletter zu bekommen. Das sollten wir nutzen.

Ein spiritueller Lehrer beantwortet Fragen

Was ist mit der Beantwortung von Fragen? Wenn wir uns die Fragen anhören, die die meisten Westler den Lamas stellen, zum Beispiel bei einer öffentlichen Veranstaltung mit Seiner Heiligkeit, zeigt sich schnell, dass viele davon ziemlich banal sind. Außerdem wissen viele Menschen einfach nicht, wie man eine Frage stellt. Eine Website kann häufig gestellte Fragen mitsamt deren Beantwortung anzeigen. Wenn es um etwas geht, auf das wir dort keine Antwort finden, dann suchen wir einen Lehrer auf. Auf diese Weise verschwenden wir nicht die Zeit anderer Studenten und des Lehrers mit offenkundigen oder trivialen Inhalten. So kann die Funktion des Lehrers, Fragen zu beantworten, sehr unterstützt werden. Diese sollten auch zuvor durchgesehen werden, um banale Fragen auszusortieren. Auf diese Weise kann der Lehrer ein erheblich größeres Publikum erreichen als nur die Leute, die Zeit und Geld haben, regelmäßig ein Dharma-Zentrum aufzusuchen.

Westler wollen von einem Lehrer Rat, wie man die Lehren in unserem westlichen Alltag anwendet

Eine weitere Funktion, die Westler mögen, die es aber in traditionellen buddhistischen Gemeinschaften und Klöstern eigentlich nicht gab, sind Ratschläge, wie man die Lehren in unserem Alltag und bei persönlichen Problemen anwendet. Das gehörte nicht zur traditionellen Rolle eines buddhistischen Lehrers. Aber wir hätten das gern. Wenn nun ein tibetischer Mönch, der sein Leben in einem indischen Kloster verbracht hat, in den Westen kommt, hat er wirklich keine Ahnung, wie unser Alltagsleben aussieht. Es ist für ihn sehr schwierig uns sinnvolle Ratschläge zu geben in Hinsicht darauf, wie man eine gute Ehe oder Partnerschaft führt, mit eigenen Kindern umgeht, eine Arbeitsstelle behält, seine finanziellen Verantwortungen erfüllt usw. Wo sollte seine Erfahrung damit denn auch herkommen? Normalerweise wird diese Rolle deshalb von langjährigen westlichen Schülern erfüllt.

Auf einer Website könnten allgemeine Ratschläge erteilt werden, wie man die Lehren in einem westlichen Umfeld im Alltag anwendet. Dabei wird nicht alles für jeden passen, aber einige allgemeine Richtlinien können aufgezeigt werden. Das wäre hilfreich. Dies ist in der Tat eine interessante Frage. Was sind wir als Westler, mit unserem westlichen Hintergrund, gewohnt und was erwarten wir? Bei uns gibt es Pastoren, an die man sich im Allgemeinen wenden kann, wenn man Trost oder Rat in familiären Angelegenheiten usw. braucht. Es gibt Ratgeber, und wenn wir mehr professionelle Hilfe brauchen, können wir einen Therapeuten aufsuchen. Wir haben Einrichtungen, wo man sich persönlich mit uns befasst, und ich denke, viele von uns erwarten das auch von einem buddhistischen spirituellen Lehrer. Das ist jedoch keine Rolle, die sie traditionell innehatten. Wie sollen wir das handhaben?
Man kann sich verschiedene Lösungen dafür überlegen, die man dann ausprobieren kann, um zu sehen, ob sie dem Bedarf entsprechen. Viele Menschen haben das Bedürfnis, zumindest eine gewisse persönliche Unterstützung zu erhalten. An wen wenden wir uns dafür?

Westler möchten ein Gemeinschaftsgefühl und Unterstützung

Wir könnten uns an die Gruppe von Menschen in unserem Dharma-Zentrum wenden, wenn es dort ein Gemeinschaftsgefühl gibt. In vielen Zentren, die ich besucht habe, ist ein Gefühl für gegenseitige Unterstützung – also dass man zum Beispiel jemanden besucht, wenn er krank ist, sich um ihn kümmert, ihm etwas zu essen bringt usw. – allerdings eher die Ausnahme. Es gibt dort eigentlich kein solches Gemeinschaftsgefühl, wie man es zum Beispiel in manchen kirchlichen Gruppen findet.

Somit stellt sich die Frage, ob wir eine solche Art gemeinschaftlicher Fürsorge, wenn zum Beispiel jemand krank ist oder im Krankenhaus liegt, fördern können. Kann vielleicht eine online-Gemeinschaft oder soziale Gruppe Unterstützung anbieten? Leute, die solchen Gruppen angehören, sind im Grunde bereit, teilzunehmen. Ich kann diese Frage nicht beantworten, aber es ist interessant, sich damit zu befassen. Wie viel Unterstützung kann man eigentlich von einer online-Gemeinschaft bekommen? Ist eine Online-Gruppe imstande, für jemanden einkaufen zu gehen oder ihm etwas zu kochen, wenn er krank ist? Ist sie etwas, das man dafür nutzen kann, den Wunsch nach solch persönlicher Interaktion zu erfüllen, obwohl es sich um eine digitale Gemeinschaft handelt? Es scheint auf jeden Fall die Art zu sein, wie viele Menschen ständig in Kontakt sind über kurze Textmitteilungen oder was auch immer.

Westler möchten, dass der spirituelle Lehrer ihre Übungen anleitet

Eine weitere Rolle, die Westler vom spirituellen Lehrer wünschen, die aber im traditionellen buddhistischen Umfeld auch nicht üblich ist, ist die eines Übungsleiters. Wir würden uns jemanden wünschen, der uns darin schult, wenn wir uns hinsetzen und meditieren. Tibetische Lehrer meditieren nicht mit ihren Schülern. So etwas gab es nicht in den Klöstern. Sie machten gemeinsam Pujas, aber Meditation war für jeden seine eigene Angelegenheit. Das war etwas, was man für sich allein im Zimmer übte. Aber für uns Westler ist das etwas, was in unserer Kultur ziemlich fremd ist, und wir haben gern jemanden, der uns dabei anleitet. Ähnlich wie beim Training in einem Fitnesscenter oder Sportclub kann das entweder ein Gruppentrainer sein, wenn wir in einer Gruppe meditieren, oder ein persönlicher Trainer bzw. Übungsleiter. Tibeter, die als Lehrer eingesetzt sind, fühlen sich dabei sehr unbehaglich. Ich habe das als Übersetzer mitbekommen, sozusagen hinter den Kulissen, dass sie besorgt waren, was dabei zu tun sei und wie sie eine Meditation anleiten sollten. Im Kloster gab es so etwas nicht. Was wollen die Leute? Sie wussten nicht, was sie da machen sollten.

Mein wichtigster Lehrer, Serkong Rinpoche, für den ich als Dolmetscher tätig war, wurde nach einem Lam-rim-Kurs, in dem er den ganzen Lam-rim durchgegangen war, von den Schülern gebeten, eine Meditation über Lam-rim anzuleiten. Seine Antwort war: „Also gut, wir setzen uns hin und ihr geht in eurer Meditation den gesamten Lam-rim durch. Das machen wir jetzt zwei Minuten lang.“ Die Leute schauten ihn fassungslos an, und er sagte: „Na gut, drei Minuten.“ Das ist die Vorstellung davon, eine Meditation zu leiten. Es zeigt deutlich, dass die tibetischen Lehrer so etwas aus ihrer Kultur nicht kannten.

Um dem Standpunkt meines Lehrers gerecht zu werden: Was er damit zum Ausdruck brachte, war, dass wir imstande sein sollten, den ganzen Lam-rim in der Zeitspanne durchzugehen, die man braucht, um einen Fuß in den Steigbügel eines Sattels zu setzen und das andere Bein über das Pferd oder Yak zu schwingen. Man sollte nicht meinen, Meditation würde bedeuten, dazusitzen und im Schneckentempo den Lam-rim durchzugehen. Das ist nicht das Ziel. Das Ziel ist, den Inhalt einfach so parat zu haben. Aber der Lehrer würde bestimmt nicht im Schneckentempo Schritt für Schritt durch diesen ganzen Prozess führen.

Ein spiritueller Lehrer inspiriert einen

Auf einer Website kann man geleitete Meditationen als Audio oder Podcast oder Video einstellen. Man kann sogar zu festgesetzten Zeiten einen Livestream anbieten, bei dem die Leute die Meditation zu Hause durchführen können. Per Website wird zwar niemand da sein, der die Körperhaltung korrigiert, aber es kann eine allgemeine Anleitung gegeben werden. Das ist schon mal ein Anfang.

Und ich denke, wir können auch über Videos ein gewisses Ausmaß an Inspiration von einem Lehrer bekommen. Das ist natürlich nicht dasselbe wie Inspiration in der persönlichen Begegnung, aber es ist immerhin etwas. Wie viele Menschen haben denn tatsächlich Gelegenheit, mit den größten der großen Meister solchen persönlichen Kontakt zu pflegen? Diejenigen, die lediglich in unserem Zentrum lehren, sind vielleicht nicht übermäßig inspirierend, oder? Und selbst wenn manche Leute im Zentrum sie inspirierend finden, ist das vielleicht nicht bei allen der Fall. Wir müssen aber nicht rund um die Welt reisen, um unterschiedliche Lehrer aufzusuchen und einen zu finden, der uns inspiriert. Es ist durchaus wichtig, jemanden zu finden, der uns inspiriert. Aber wir können auf unseren Mobilgerät oder unserem PC zu Hause danach suchen und von den meisten großartigen Lehrern Videos finden. Wir können das alles durchgehen und jemanden finden, der uns persönlich besonders inspiriert. Das spart enorm viel Zeit und Geld. Und wenn die betreffende Person noch lebt, versuchen wir, sie aufzusuchen. Es ist ein bisschen wie online-Shopping. Und warum auch nicht? Es erleichtert vieles.

Ein spiritueller Lehrer erteilt Gelübde und Initiationen

Wenn wir zu einer fortgeschritteneren Ebene weitergehen – wie steht es mit dem Erteilen von Gelübden und Initiationen? Seine Heiligkeit der Dalai Lama wurde danach befragt, vor allem im Zusammenhang mit der Kalachakra-Initiation und dergleichen. Er entschied Folgendes: Wenn der Lehrer zu dem Zeitpunkt, an dem er zum Beispiel Bodhisattva- oder tantrische Gelübde erteilt – allerdings nicht bei vollständigen Mönchs- oder Nonnengelübden –, bewusst die Menschen, die über Internet zu schauen, mit als Teilnehmer akzeptiert, und wenn diese Menschen in ihrem Geist ernsthaft die Gelübde ablegen, und der Lehrer dabei im Sinn hat, dass er die Initiation allen erteilt, die zu dieser Zeit als Zuhörer dabei sind, nicht erst ein Jahr später oder so, dann ist das in Ordnung. Das ist das Gleiche wie bei ehrenamtlichen Helfern, die nicht tatsächlich in der Halle dabei sind, sondern sich das Ganze auf einem großen Bildschirm ansehen. Wie gesagt, das gilt nicht, wenn man sich Jahre später bloß die Aufzeichnung ansieht oder anhört. Aber es ist ein ziemlich großer Schritt, nicht wahr?

Das digitale Zeitalter nutzen

Wie wir also gesehen haben, lassen sich viele Funktionen eines Lehrers über digitale Hilfsmittel erfüllen, nicht unbedingt als Ersatz dafür, sondern als Ergänzung oder vielleicht als erste Schritte. Statt das Umfeld des digitalen Zeitalters, in dem wir leben, zu verunglimpfen, lasst uns sehen, wie es am besten genutzt werden kann.

Wann ist es von wesentlicher Bedeutung, eine unmittelbare Beziehung zu einem spirituellen Lehrer zu haben?

Was nicht digital erledigt werden kann, ist die Rolle eines Lehrers bei der Anleitung eines überaus ernsthaften Schülers, der sehr fortgeschritten ist, und insbesondere dabei, mit ihm zusammen an dessen Persönlichkeit zu arbeiten. Das gilt für Leute, für die die buddhistische Praxis oberste Priorität in ihrem Leben hat und die sozusagen einen ungeschriebenen Vertrag mit einem spirituellen Lehrer eingegangen sind. Ganz gleich, was der Lehrer tut, sie werden nie wütend auf ihn und niemals sarkastisch oder ihm etwas vorwerfen. Was immer er tut oder sagt, werden sie als eine Lehre betrachten. Und zwar entweder eine Lehre, was sie tun sollen, oder eine Lehre, was sie nicht tun sollen. Das erfordert ungeheures Vertrauen und Verbindlichkeit und emotionale Reife. Es ist klar, dass nur eine verschwindend kleine Anzahl von uns auf dieser Stufe ist, wo wir wahrhaft ein richtiger Schüler in diesem Sinne sein können und es die Zeit wert ist, die der Lehrer in uns investiert.

Video: Jetsünma Tenzin Palmo — „Internet versus Lehrer“ 
Um die Untertitel einzublenden, klicken Sie auf das Untertitel-Symbol unten rechts im Video-Bild. Die Sprache der Untertitel kann unter „Einstellungen“ geändert werden.

Verpflichtung gegenüber einem spirituellen Lehrer

Es ist sehr wichtig, dass wir uns selbst innerlich überprüfen, wie hoch unser Grad an Verbindlichkeit ist und ob es fair ist, ein höheres Ausmaß an Verbindlichkeit von Seiten des Lehrers uns gegenüber zu erwarten, als wir selbst einzugehen bereit sind. Und wie zeigen wir unsere Verbindlichkeit? Wie zeigen sie nicht nur, indem wir praktizieren, sondern indem wir dem Lehrer helfen, wo immer wir können. Wir können digitale links an Freunde weiterleiten, spenden oder, wenn wir mit dem Lehrer zusammenarbeiten, ihn darin unterstützen, anderen zu helfen. So lassen wir uns auf die Beziehung ein und das ist ein größeres Ausmaß an Verbindlichkeit. Dann passt alles zusammen im Hinblick darauf, wie wir die Verbindung in unserer Einstellung und unserem Verhalten umsetzen.

Zusammenfassung

Ich denke, dass es möglich ist, die Art und Weise, wie wir Buddhismus praktizieren und wie er im heutigen digitalen Zeitalter im Westen gelehrt wird, an die veränderten gesellschaftlichen Bedingungen und die Kultur anzupassen, und dass dadurch junge Leute und zukünftige Generationen immer noch Zugang zu diesen wunderbaren Lehren haben werden. Es kommt immer auf geschickt eingesetzte und wirksame Mittel an.

Fragen

Ist es für einen westlichen Buddhisten möglich, sein oder ihr ganzes Leben ohne einen Lehrer auszukommen?

Nein, das würde ich nicht sagen. Der Punkt ist, dass wer immer der Autor der Website ist zum Lehrer wird, und man auf digitalem Wege Zugang zu ihm hat. Dann kann man, wenn es einem wirklich ernst ist, diesen Lehrer persönlich aufsuchen. Man kann aber mit dem digitalen Kontakt zu dem Lehrer über dessen Website, dessen geleitete Meditationen und Online-Fragestunden anfangen.

Wann braucht man einen persönlichen Lehrer?

Wie gesagt, man muss das eigene Ausmaß der Verbindlichkeit überprüfen. Willst du bloß hingehen, weil du Aufmerksamkeit möchtest und etwas Besonderes sein willst, oder weil es dir wirklich ernst ist mit dieser Verbindlichkeit? Ich denke, das muss jeder selbst entscheiden – wie es im „Geistestraining in sieben Punkten“ heißt: Von den beiden Zeugen – den anderen und dir selbst – bist du der hauptsächliche Zeuge, um festzustellen, auf welcher Ebene du dich befindest.

Außerdem – einfach praktisch gesehen – sind die großen Lehrer die meiste Zeit auf Reisen. Wenn man nicht gerade sehr wohlhabend und als eine Art Groupie überall mit hinreisen kann, wird der persönliche Kontakt mit dem Lehrer immer ziemlich begrenzt sein, selbst wenn man ein durchaus ernsthafter Schüler ist. Für viele Menschen ist Seine Heiligkeit der Dalai Lama der Lehrer, der sie am meisten inspiriert, also ein Wurzellehrer. Sie haben keinen persönlichen Kontakt zu ihm, aber wann immer er beispielsweise nach Europa kommt, versuchen sie hinzufahren. Das ist mit Ausgaben verbunden, aber sie bemühen sich hinzufahren. Eine Menge Leute ziehen großen Nutzen daraus.

Ich denke, wenn man so etwas macht, ist es wichtig, dass man nicht mit einer Groupie-Mentalität hinfährt, weil das eben die Sache ist. Sondern vielmehr mit der wirklich aufrichtigen Motivation, dass du etwas von diesem Lehrer lernen willst. Viele Menschen fahren hin, um spirituellen Auftrieb zu erlangen. Sie brauchen eine Stärkung von Inspiration.

Widmung

Lasst uns mit einer Widmung schließen. Wir denken: Möge alles, was an positiver Kraft und Verständnis hieraus entsteht, sich immer weiter vertiefen und als Ursache dafür wirken, dass jeder auf realistische Weise, wie es jetzt möglich ist, Zugang zum spirituellen Lehrer haben kann. Indem man auf gesunde Weise auf einen Lehrer vertraut, ohne zu viel zu erwarten oder den Wert eines Lehrers gänzlich beiseite zu schieben, können wir auf dem Pfad voranschreiten, anderen von größtmöglichem Nutzen sein und schließlich Erleuchtung erlangen, und dann wahrhaft fähig sein zu helfen. Es geht darum, mit dem anzufangen, was jetzt vorhanden ist. Es steht allerlei zur Verfügung. Es kommt darauf an, es sinnvoll zu nutzen.