Bitte um Belehrung
Wir wissen vielleicht, wie wir auf unserem Sitzkissen praktizieren, aber wie praktizieren wir in unserem täglichen Leben? Jeden Tag praktizieren wir 30 Minuten auf unserem Kissen, aber es bleiben dreiundzwanzigeinhalb Stunden übrig. Wie praktizieren wir, während wir unseren persönlichen Bedürfnissen nachgehen? Wie praktizieren wir, wenn wir zu geschäftlichen Terminen gehen, wenn wir fahren oder wenn wir mit unserem Familien zusammen sind? Ich dachte, es wäre für Schüler wie uns wirklich nützlich, etwas darüber von Ihnen zu hören und dies wäre meine Bitte für die Belehrung.
Die Schwierigkeit, das in der Meditation Gelernte in die Praxis umzusetzen
Das ist ein wirklich gutes Thema. Ich bin ein erkannter Lama oder Rinpoche, doch wie gerade gesagt wurde, ist es auch für mich eine Herausforderung, abseits meines Kissens zu praktizieren. Ja, manchmal ist es schwierig, meine Praxis abseits meines Kissens aufrechtzuerhalten, aber ich gebe nicht auf und das ist alles. Es ist wichtig, nicht aufzugeben. Ich möchte nicht aufgeben. Wenn ich auf meinem Kissen praktiziere, habe ich eine Wertschätzung gegenüber dem, was ich dort lerne. Ich schätze auch, was ich von meinen Lehrern gelernt habe, doch trotz allem weiß ich, dass meine Hingabe nicht vollständig ist.
Hingabe entsteht durch den Vorgang der Meditation. Die Meditation gibt uns den Anstoß, sie regt uns zu tieferer Hingabe an. In der buddhistischen Sprache nennen wir unsere persönliche Meditation „raumgleich“ und was in der Nachmeditation in unserem täglichen Leben passiert, nennen wir „illusionsgleiche nachfolgende Verwirklichung“. Es ist gut zu meditieren, doch oft erkennen wir die Wichtigkeit und Notwendigkeit für die Praxis als Teil unseres Lebens nicht so ganz. Im tibetischen Buddhismus gibt es bestimmte Verpflichtungen, die wir auf uns nehmen. Es gibt Dinge, die wir lesen, bestimmte Sadhanas, die wir ausführen und bestimmte Gebete, die wir rezitieren sollten. Doch im Laufe der Zeit werden diese Verpflichtungen Dinge, zu denen wir uns zwingen müssen.
Ich weiß, dass ich in jedem Moment, in jeder Situation wählen kann, wie ich reagiere. Ich bin mir bewusst, dass ich immer eine Wahl habe und weiß, dass ich mit all dem Wissen und der Erfahrung, die ich habe, in der Lage sein sollte, mich für die richtige Reaktion zu entscheiden. Natürlich bin ich sehr vertraut mit meiner ersten Wahl. Diese Wahl kommt von meinem verblendeten Geist. Ich will mich selbst beschützen und an meinen verblendeten, negativen Gefühlen festhalten. Oft kann ich dennoch nicht die Gegenmittel anwenden, die ich in der spirituellen Ausbildung gelernt habe. Noch immer übertrage ich nicht die Weisheit der persönlichen Praxis auf mein tägliches Leben, doch wenn sich die Probleme und meine mangelhafte und negative Erwiderung zeigen, meine ich, das dies vielleicht eine Möglichkeit ist. In dem Moment, wenn ich mir die Zeit nehme, um wirklich meine Situation zu betrachten, fange ich an zu verstehen, dass mir dies genauso passieren sollte, damit ich lernen kann, es als Gegenmittel zu nutzen, um meine negative Erwiderung zu überwinden.
Praktiziere ich auf meinem Kissen, habe ich eine gute Motivation und eine gute Praxis. Wir wissen, dass die Meditation wichtig ist, aber es ist schwer zu erkennen, wie uns unsere Meditation tatsächlich mit dem verbindet, was wir danach, in den Stunden nach der Meditation, machen werden. Wir haben nicht immer das Gefühl, das, was in unserer persönlichen Meditation geschieht, mit unseren alltäglichen Erfahrungen, mit den Dingen, die wir nach dem Beenden der Meditation tun, verbinden müssen. Ich gebe zu, dass ich nicht immer die Gegenmittel, die ich in meiner spirituellen Ausbildung erlernt habe, anwende. Ich habe nicht immer diese Weisheit. Oft sehen wir nicht die Verbindung und das trifft auch für mich zu. Ich finde es sogar schwer, es damit zu verbinden.
Analogie zum Film „Braveheart“ – Die Notwendigkeit, stark und entschlossen zu sein
Ich möchte ein wenig über den Film „Braveheart“ reden. Das ist ein Film, der mir sehr gefallen hat. Vielleicht haben ihn einige von euch auch gesehen. In dem Film weiß William Wallace , der von Mel Gibson gespielt wird, dass sich eine riesige Armee ihm und seinen Leuten nähert. Sie alle haben große Angst, doch irgendwie ist Wallace in der Lage sie zu ermutigen und schließlich will sich niemand von ihnen ergeben. Stattdessen haben sie alle das Gefühl, dass der kommende Tag es wert ist, an ihm zu sterben. Sie alle bleiben äußerst stark. Der von Mel Gibson verkörperte Mann hält eine leidenschaftliche Rede und obwohl ich nur zugeschaut und nicht selbst Teil des Films war, wurde ich sehr in das Drama hineingezogen, das ich mir ansah. Ich hatte das Gefühl, Teil des Films und der kleinen Armee von Wallace zu sein. Am liebsten wollte ich dort bei dem Rest seiner Männer sein.
Wenn wir dort auf unserem Kissen sitzen, passiert im Grunde etwas ähnliches. Wir wollen stark sein und nicht versuchen, durch Schlaf, Drogen oder irgendwelche anderen Dinge unseren Problemen für ein paar Minuten oder Stunden zu entfliehen. Auf unserem Kissen zu sitzen verleiht uns Kraft und wenn wir das Gefühl haben, dass unsere Kraft groß ist, haben wir auch die Überzeugung, die in unserer Praxis gefehlt hat.
Einer der größten Meister der Kadampa-Tradition meditierte über die zehn destruktiven Handlungen und wie sie aus negativen Emotionen entstehen, worauf er dachte: „Heute ist es meine Aufgabe, mich mit dem großen Stock des ethischen Verhaltens davor zu beschützen, dass negative Emotionen auftauchen und die Gelegenheit nutzen, mich zu schwächen. Meine Aufgabe besteht darin, still zu stehen und stark zu sein.“ Wir sagen manchmal: Reiß dich zusammen. Klingt das nach einem „brave heart“, nach einem mutigen Herzen? Ja, das ist wirklich ein mutiges Herz. Wir schützen uns vor den Negativitäten unserer Situation. Es ist vergleichbar mit unserem Immunsystem – die beste Weise, eine Krankheit zu bekämpfen, ist, unser Immunsystem zu stärken.
Diese Medizin einzunehmen, mag umstritten sein, aber wir bleiben stark. Vielleicht dauert es etwas, sagen wir einen Monat, doch danach merken wir, dass es uns wirklich beschützen und helfen kann. Und dann muss uns niemand sagen: „tu das nicht“, und sogar wenn uns das andere sagen, haben wir Mitgefühl gegenüber ihnen, keine Wut, weil sie nicht diese Erfahrung haben. Sie denken, ich würde etwas Dummes tun, doch ich weiß, dass es mir wirklich hilft. Buddha sagte: „Du bist dein eigener Beschützer. Außen gibt es niemanden, der dich beschützen kann. Es liegt an dir. Du bist dein eigener Beschützer.“
In der Zeit, die wir in der Meditation verbringen, wollen wir nicht der Realität entfliehen, sondern uns selbst stärken, unser Gewahrsein stärken und Kraft und Energie in unseren Meditationsvorgang bringen. Und mit der Zeit fühlen wir uns stärker und unser Selbstvertrauen wächst.
Unsere Praxis stärken
In dem Film „Braveheart“ sagt Mel Gibson in seiner Rolle als William Wallace, dass es notwendig ist, den Mut zu entwickeln, zu lieben und uns vor den Konsequenzen der Situationen im Leben zu beschützen. Dasselbe können wir über unser Immunsystem sagen. Kämpfen wir gegen eine Krankheit, benötigen wir ein Immunsystem, das stark und widerstandsfähig ist. Nehmen wir Medizin ein, um unsere Krankheit zu bekämpfen, mag sie zwar wirksam sein, aber vielleicht hat sie auch Nebenwirkungen. Am besten ist es, unser eigenes starkes Immunsystem zu entwickeln, um in der Lage zu sein, auf natürliche Weise gegen Krankheiten angehen zu können.
In ähnlicher Weise sollte es unser Ziel sein, unsere eigene persönliche Praxis zu verbessern. Unsere eigene Praxis aufzubauen und unsere Überzeugung in unserer Praxis zu entwickeln, braucht Zeit und Bemühung. Wir sollten unsere Bemühungen mit Entschlossenheit fortsetzen und daran glauben, dass wir stark genug sind, um erfolgreich zu sein. Stoßen wir auf ein Problem in unserer persönlichen Schulung, sollten wir in der Lage sein, das Problem ruhig und sorgfältig zu betrachten. Haben wir ein Problem, das ein Risiko für unsere Praxis darstellt oder droht, sie zu unterbrechen, sollten wir diese Bedrohung kontrollieren und meistern können. Wir sind selbst dafür verantwortlich, unsere persönliche Praxis aufzubauen und mit Kraft in unserem Herzen und Geist setzen wir unsere persönliche Schulung fort. Wie Buddha sagte: „Ich bin mein eigener Schutzherr. Wer sonst sollte mich beschützen?“
Unseren Geist stärken
Unsere Praxis sollte sich nicht darauf fokussieren, äußere Bedingungen zu bewältigen und zu kontrollieren. Vielmehr sollten wir nach innen schauen, auf unseren eigenen Geist, und Wege finden, unseren Geist stärker zu machen. Shantideva führte in „Eintritt in das Verhalten eines Bodhisattva“ dieses Beispiel an. Wir wollen uns vor den spitzen Steinen schützen, auf denen wir laufen, doch sollten wir deswegen versuchen, das gesamte Land, auf dem wir laufen, mit Leder zu bedecken? Ist das die beste Weise, uns selbst zu beschützen? Wie viel Leder würden wir brauchen, um das ganze Land damit zu bedecken? Anstatt zu versuchen, genügend Leder zu finden, um das ganze Land damit zu bedecken, ist es natürlich viel sinnvoller, ein gutes Paar Schuhe zu finden, die uns vor diesen Steinen schützen können.
Mit Shantidevas Beispiel wird uns geraten, unseren eigenen Geist zu stärken. Zusätzlich dazu wird in den Kangyur-Texten mit den tatsächlichen Worten des Buddhas und in den Tengyur-Kommentaren der indischen Meister, die ihm folgten, gelehrt, dass wir unseren eigenen Geist entwickeln und stärken sollten.
Wissen, warum wir unseren Geist stärken wollen
Es ist wichtig uns zu fragen, warum wir unseren Geist entwickeln wollen. Was ist der Zweck und was ist der Grund dafür, den Geist erwachen zu lassen? Das gilt auch für unsere Praxis. Wir hören andere darüber reden, wie vollkommen ihre Praxis ist, doch wir fragen nicht, was sie vollkommen macht. Was macht sie so gut? Schauen wir nur einmal, wie wir darauf reagieren, wenn ein neues iPhone auf den Markt kommt. Sofort wollen wir diese neue Version haben und fragen nicht, warum sie so gut ist. Wir wollen sie haben, weil wir glauben, dass es ja die beste Version sein muss, weil es die neueste ist. Und unsere Kinder wollen ebenfalls das neueste iPhone haben, nicht unbedingt, weil es das beste ist, sondern weil andere Kinder es haben.
In ähnlicher Weise üben wir uns, wenn wir den Dharma praktizieren, weil er gut ist und unseren Geist kultivieren wird. Doch darüber hinaus sollten wir wissen wollen, was wir tun müssen, um unseren Geist erwachen zu lassen und die Mängel eines nicht erleuchteten Geistes verstehen. Kommt dann der Tag, an dem wir auf unsere eigenen persönlichen Probleme oder Schwierigkeiten stoßen, können wir uns an unsere persönliche Praxis als Orientierungshilfe wenden und sie wie eine Medizin nutzen, die wir gegen eine Krankheit verschrieben bekommen haben. Dann werden wir auch entdecken, was funktioniert oder was nicht funktioniert.
Wir alle erfahren in unserem Leben Leiden und mit jeder Erfahrung sammeln wir Erkenntnisse darüber, was Leiden bedeutet und wie wir davon beeinflusst werden. So erfahren wir beispielsweise mit der tiefen und herzzerreißenden Traurigkeit, die wir mit dem Tod eines geliebten Menschen empfinden, die schmerzhaftesten Momente des Leidens. Wenn wir den Gegenstand des Leidens in unserem eigenen Leben untersuchen, entwickeln wir ein tieferes Verständnis davon. Das ist die Lektion, die Buddha lehrte und es ist unsere Verpflichtung, diese Lektion zu lernen.
Gibt es einen Weg, Leiden zu beenden?
Entwickelt sich unter Verständnis, fragen wir uns, ob es eine endgültige Freiheit davon gibt. Wir wissen, dass Leiden in unserem gesamten Leben, sowohl jetzt als auch in unserer Zukunft, auftreten. Gibt es einen Weg, die Unausweichlichkeit des Leidens in unserer Zukunft zu vermeiden? Wir fragen uns, ob wir die emotionalen Schmerzen zukünftiger Leiden erfahren müssen, oder ob es einen Weg gibt, all die Ursachen davon heute und in der Zukunft vollkommen zu beenden. Wenn wir Kopfschmerzen habe, können wir eine Tablette nehmen, damit sie aufhören, doch diese Medizin ist keine Garantie dafür, dass uns Kopfschmerzen in der Zukunft nicht wieder Schmerzen und Leiden verursachen werden. Wir würden gern eine Medizin oder eine bestimmte Dosierung finden, die unsere Kopfschmerzen vollständig und für immer beenden und genauso würden wir gern alle Ursachen unserer zukünftigen Leiden vollständig beseitigen.
Unsere Dharma-Praxis lehrt uns, was die Ursachen des Leidens sind und wie wir diese Ursachen in der Zukunft beseitigen können. Betrachten wir die drei Juwelen – den Buddha, den Dharma und den Sangha – so ist der Dharma das wichtigste Juwel. Der Dharma belehrt uns über Leiden und die Ursachen des Leidens. Das ist der wichtigste Teil der Lehren des Dharma.
Diese Lehren kommen von unseren spirituellen Lehrern. Unsere Lehrer sind Vertreter des Buddha und daher verstehen wir, dass sie die Lehren des Buddhas selbst sind. Durch diese Lektionen lernen wir, wie wir die Ursachen des Leidens beenden. Es sind die Lehren, in denen es hauptsächlich um unsere eigene persönliche Situation geht und wir sollten sie verstehen und in unserem eigenen Leben anwenden.
Leiden und die Ursachen des Leidens sind der Hauptaugenmerk der vier edlen Wahrheiten. Sie sind der wichtigste Fokus unserer Meditation. Zunächst hören wir die Lehren und um weitere Einblicke und ein Verständnis zu erlangen, verbringen wir Zeit damit, tief über die Lehren, die wir gehört haben, nachzudenken. Dann meditieren wir über unser Verständnis dieser Lehren. Zunächst üben wir uns in so genannter analytischer oder klar erkennender Meditation. Wir nutzen unser logisches Denken, um zu einem korrekten Verständnis zu gelangen. Daraufhin nutzen wir Vergegenwärtigung sowie unsere Aufmerksamkeit und Konzentration, um das Verständnis, das wir erlangt haben, zu stabilisieren.
Unseren Geist darin schulen, einsgerichtet zu sein, und warum man dies tut
Um uns zu helfen, dieses Ziel zu erreichen, gibt es eine Meditationsmethode, durch die wir unseren Geist darin schulen, fokussiert und einsgerichtet zu sein. Mit ihr kann unser Geist so viel er möchte ein bestimmtes Objekt untersuchen und auswerten. Wir mögen denken, dieser Vorgang scheine recht schwierig zu sein, und so wollen wir uns nicht auf die Schulung einlassen. Wir möchten wissen, inwieweit uns das Entwickeln unserer Fähigkeit, fokussiert zu bleiben, helfen kann.
Heute leben wir in einer Mobilfunkwelt und es scheint, dass wir ohne unsere Mobiltelefone nicht sein können. Wir können nicht alleine sitzen, ohne unser Telefon in der Hand, auf dem wir uns die neuesten Nachrichten ansehen. Die meisten von uns können nicht zur Arbeit gehen oder das Haus ohne sie verlassen. Bei jeder Gelegenheit schauen wir nach, ob dort etwas Neues erschienen ist, das unsere Aufmerksamkeit fordert. Es ist zu einer Gewohnheit geworden.
Vor ein paar Tagen kam mich mein Bruder besuchen. Irgendwann sagte er, dass er ins Bad müsse, doch schon nach wenigen Sekunden kam er wieder. Ich fragte ihn, ob er fertig sei, doch er antwortete: „Nein, aber ich habe mein Telefon vergessen und kann nicht ohne im Bad sitzen“. Sogar im Bad ist es uns wichtig, das Mobiltelefon bei uns zu haben!
Arbeiten wir daran, unseren einsgerichteten Fokus zu entwickeln, wollen wir wissen, inwieweit das einen Vorteil in unserem Leben bietet. Die Antwort hat nur wenig mit unserer Kultur oder unserer Religion zu tun. Als Kind war es leicht, unseren Geist zu fokussieren, um einsgerichtete Konzentration zu haben. Wenn ein Kind ein Spiel spielt, ist es darauf fokussiert, auch wenn das Spiel keinen großen Sinn ergibt. Ein kleines Kind hat keine großen Verpflichtungen und das macht es auch einfacher, sich zu konzentrieren.
Shamatha-Praxis
Wenn wir älter werden, lernen wir uns auf komplexere Dinge zu fokussieren, besonders auf Dinge, die uns anziehen. Doch es ist notwendig, nicht nur die Fähigkeit der Einsgerichtetheit mit Dingen zu entwickeln, die uns anziehen, sondern mit jeder anderen Sache, die hilfreich für uns sein und uns dahin führen wird, bessere Menschen zu werden. Es ist also wichtig, unsere Fähigkeit des einsgerichteten Fokussierens auf alle Themen zu entwickeln. Außerdem sollten wir unsere Meditationspraxis, „Shamatha“ im Sanskrit, zu dem Punkt entwickeln, an dem unsere Fähigkeit, uns einsgerichtet zu fokussieren, mit einem Gefühl der Leistungsfähigkeit verbunden ist – einem beflügelnden Gefühl unseres Geistes und Körpers, dazu in der Lage zu sein, auf jede Sache, die wir wählen, fokussiert zu bleiben, und so lange unseren Fokus darauf richten zu können, wie wir wollen.
Die Notwendigkeit, über korrekte Informationen zu verfügen, um sich einsgerichtet auf das zu fokussieren, was nützlich ist
Lama Tsongkhapa, der große tibetische Meister, lehrte, dass wir uns auf ein Thema fokussieren sollten, bei dem es um Verständnis geht – wie das Fokussieren auf das Verständnis der Unbeständigkeit, Leerheit oder auf das Mitgefühl gegenüber allen fühlenden Wesen. Um dies zu erreichen, ist es notwendig, eine korrekte Information über diese Themen zu haben, betonte Lama Tsongkhapa. Laut ihm funktioniert es nicht, wenn jemand uns anweisen würde, wütend zu werden. Wir benötigen Informationen über etwas, das uns wütend machen soll. In ähnlicher Weise benötigen wir korrekte Informationen über Unbeständigkeit, Leerheit und Mitgefühl, um sie mit korrektem Verständnis zu entwickeln.
Über etwas wütend zu werden, wird uns jedoch nichts nützen und Information über etwas zu bekommen, das uns wütend machen wird, ist somit nicht sehr hilfreich. Was uns hingegen im täglichen Leben helfen wird, ist ein korrektes Verständnis über nützliche Themen, wie Unbeständigkeit, Leerheit und Mitgefühl zu bekommen, sie in Situationen anzuwenden, wo sie gebraucht werden und sich mit diesem Verständnis einsgerichtet auf sie zu fokussieren, während man sie anwendet.
Um die Klarheit und das Gefühl der Leistungsfähigkeit zu haben, unser Verständnis mit einsgerichtetem Fokus anwenden zu können, ist es notwendig, dieses Verständnis zu entwickeln, und wir erlangen es durch analytische Meditation. Um analytische Meditation bestmöglich zu praktizieren, müssen wir korrekte Informationen über die Thematik oder den Geisteszustand bekommen, den wir entwickeln wollen, und sie dann studieren, bis wir sie verstehen. Auf dieser Grundlage können wir praktizieren, in diesem Zustand fokussiert zu bleiben.
Die Notwendigkeit, sich an Meditation zu erfreuen
Meditation erfordert, dass wir eine vortreffliche Motivation haben, doch davor ist es notwendig, am Vorgang selbst Freude zu empfinden. Unsere Meditationspraxis sollte etwas sein, woran wir uns erfreuen. In unserer Zeit der Meditation sollten wir Freude empfinden. Gibt es in dem, was wir tun, Vergnügen und Freude, wollen wir es natürlicherweise wieder tun. Wir werden uns auf die zukünftige nächste Übung freuen. Es ist wie mit dem Fernsehen. Finden wir eine neue Serie, sehen uns ein paar Teile an und finden sie langweilig, werden wir sie nicht weiter verfolgen. Doch fanden wir sie wirklich interessant und haben uns daran erfreut, werden wir die neuen Teile in der Zukunft mit Spannung erwarten.
Das ist auch die Herangehensweise an die Meditation, die wir brauchen. Wenn wir unsere Meditationspraxis beginnen, sollten wir das Gefühl haben: „Ja, das ist es, was ich brauche. Danach habe ich gesucht.“ Das ist die Motivation, die wir benötigen. Wir sollten uns an der Übung selbst erfreuen und daran arbeiten, dieses Gefühl ganz automatisch entstehen zu lassen. Diese Motivation wird uns helfen.
Die Notwendigkeit, überzeugt zu sein, dass die Meditation uns nützen wird
Buddha lehrte, dass es nur eine Wahrheit gibt. Was er mit dieser Lehre meinte, war, dass es nur eine Wahrheit, die tiefste Wahrheit, gibt, die endgültig dem Leiden und den Ursachen des Leidens ein Ende setzen kann. Wahrheiten, die vereinbart wurden und durch Konventionen entstehen, nennt man konventionelle Wahrheiten, doch sie können dem Leiden und den Ursachen des Leidens kein endgültiges Ende setzen.
Wir müssen von der Tatsache überzeugt sein, dass die tiefste Wahrheit das Gegenmittel gegen Leiden ist, bevor wir es erfolgreich als Gegenmittel einsetzen können und genauso verhält es sich mit unserer Meditation. Bevor wir unsere Meditation beginnen, ist es notwendig überzeugt davon zu sein, dass diese Meditation unseren geistigen Zustand verbessern und uns helfen wird, mit schwierigen Situationen umzugehen. Um diese Überzeugung zu haben, benötigen wir, wie gesagt, korrekte Informationen über diesen Geisteszustand und darüber, wie wir ihn entwickeln; wir sollten ein korrektes Verständnis von beidem haben. Mit dieser Überzeugung kommt ein Gefühl von Dankbarkeit, dass es solch eine Methode gibt und dass Buddha sie lehrte.
Dieses Wissen, Verständnis, diese Überzeugung und Dankbarkeit wird uns die Inspiration geben, die in unserer Meditation zu Erfolg führen wird, und diese Inspiration sollte so stark sein, dass wir Gänsehaut bekommen oder sie uns sogar zu Tränen rührt. Dann, nachdem wir den ersten Teil unserer Meditationssitzung damit verbringen, diese Inspiration zu erzeugen, bringen wir den Geisteszustand hervor, auf den wir uns fokussieren wollen und bleiben einsgerichtet darauf fokussiert. Wir sollten unser Verständnis nicht nur auf einer akademischen Ebene belassen, sondern sie in unserem täglichen Leben anwenden, wenn wir diese nützlichen Geisteszustände entwickeln.