SEE Learning: Ein Welt-Bürger werden

Soziales, emotionales und ethisches Lernen, Emory University, gekürzte Fassung

Soziales, emotionales und ethisches (SEE) Lernen ist ein Programm, das an der Emory University im Center for Contemplative Science and Compassion-Based Ethics entwickelt wurde. Es ist darauf ausgerichtet, emotional gesunde und ethisch verantwortungsbewusste Individuen, soziale Gruppen und Gemeinschaften zu fördern. In diesem dritten und letzten Teil: „SEE Learning: Ein Welt-Bürger werden“ kommen wir zu dem Verständnis der gegenseitigen Abhängigkeit in der Welt. Hier geht es darum, wie alle Menschen auf ähnliche Weise nach Glück streben und wie wir auf einer globalen Ebene etwas zur Veränderung beitragen können.

Die Welt, in der wir leben, wird immer komplexer, globaler und interdependent. Die Herausforderungen, mit denen sich derzeitige und zukünftige Generationen konfrontiert sehen, sind von Natur aus weitreichend und folgenschwer, und Lösungen erfordern höchstwahrscheinlich neue Denk- und Herangehensweisen, die kooperativ, fachübergreifend und global ausgerichtet sind. Mitgefühl allein reicht für das Engagement der Welt nicht aus. Es muss um eine verantwortungsbewusste Entscheidungsfindung ergänzt werden, die auf einem Verständnis für die größeren Systeme beruht, innerhalb derer wir leben.

Die globale Ebene mag zunächst abschreckend erscheinen, aber sie baut auf dem gleichen Wissen und den Fertigkeiten der persönlichen und sozialen Bereiche auf. Sie wird lediglich auf Gemeinschaften, Kulturkreise und die globale Gesellschaft ausgeweitet. Die Anzeichen sind, dass wir so, wie wir unser eigenes Verhalten und das von anderen verstehen können, auch die Fähigkeit des Verstehens haben, wie Systeme funktionieren. Aus einem Vertiefen dieses Bewusstseins und dem kritischen Denken in komplexen Situationen, kann ethisches Engagement hervorgehen. Das Lösen von Problemen wird zu einem ganzheitlichen Vorgang, in dem wir unsere Tendenz vermeiden, Angelegenheiten in kleine, zusammenhanglose Teile zu zersplittern.

Der globale Bereich wird durch die folgenden Themen erforscht:

  • Anerkennung von Interdependenz
  • Gemeinsame Menschlichkeit erkennen
  • Gemeinschaftsbezogenes und globales Engagement

Anerkennung von Interdependenz

Interdependenz basiert auf dem Konzept, dass Dinge und Ereignisse nicht ohne Zusammenhang entstehen, sondern dass ihre Existenz von einer Reihe anderer Dinge und Ereignisse abhängt. Eine einfache Mahlzeit, die wir essen, kommt beispielsweise aus verschiedenen Regionen und hängt von vielen Menschen ab, wenn wir die Zutaten einmal zurückverfolgen. Interdependenz heißt also, dass Veränderungen in einem Gebiet zu Veränderungen in einem anderen führen. Wirkungen haben Ursachen und können tatsächlich aus einer Vielzahl von Ursachen und Bedingungen hervorgehen.

Wenn wir über Interdependenz nachdenken, geht es nicht um das Entwickeln eines rein theoretischen Verständnisses der Funktionsweise unserer globalen Systeme, sondern darum, diese Kenntnisse mit den eigenen Anliegen und der Sorge um das Wohl der Menschheit und der Erde zu verknüpfen. Wir können Interdependenz aus zweierlei Perspektiven betrachten:

  • Interdependente Systeme verstehen
  • Individuen in einem Systemkontext

Interdependente System zu verstehen bezieht sich darauf, von einem Fokus auf uns und andere zu einem „äußeren“ Fokus auf weitreichendere Systeme überzugehen. Wir richten unser Gewahrsein darauf, die Prinzipien der Interdependenz und der globalen Systeme, wie Ursache und Wirkung, zu verstehen. Mit Individuen in einem Systemkontext erkennen wir, wie unsere Existenz, wie auch die von anderen in unserem Umfeld, eng mit einer Vielzahl von Ereignissen, Ursachen und Menschen weltweit verflochten ist.

Interdependente Systeme verstehen

Interdependenz ist sowohl ein Naturgesetz als auch eine fundamentale Realität des menschlichen Lebens. Niemand kann ohne die Unterstützung zahlloser anderer überleben, geschweige denn sein Potential entfalten, durch deren Arbeit die grundlegenden Notwendigkeiten wie Nahrung, Wasser und Obdach bereitgestellt werden, sowie die dafür erforderliche Infrastruktur zahlloser Einrichtungen für Bildung, Rechtsstaatlichkeit, Regierungsbehörden, Landwirtschaft, Transportwesen, Gesundheitswesen und so weiter. Große und weithin bekannte Krisen, wie die weltweite Rezession von 2007-2009, sowie die zunehmende Besorgnis in Bezug auf den Klimawandel und globale gewalttätige Konflikte veranschaulichen diese Art der wirtschaftlichen und ökologischen Interdependenz auf einer globalen Ebene.

In traditionellen Kulturkreisen gab es eine Art der Verbundenheit mit anderen, die viel tiefgreifender im Alltag integriert war. Das Überleben hing oft davon ab, Ressourcen miteinander zu teilen, sowie auf sozialer Ebene in Bezug auf das Ernten, Bauen und Verteidigen miteinander zu kooperieren. Seit der industriellen Revolution sind wir, mit dem Wunsch unseren wirtschaftlichen Status anzuheben, mobiler geworden und haben die Verbindung zur Gemeinschaft verloren. Daraus ist die Illusion der Unabhängigkeit hervorgegangen, mit dem Glauben daran, wir würden andere nicht mehr brauchen, sobald wir erwachsen sind. Dieser trügerische Sinn von Eigenständigkeit trägt zu einem wachsenden Gefühl von psychologischer und sozialer Isolation bei. Wir sind jedoch ausgesprochen soziale Wesen, dessen Überleben und psychologisches Wohlergehen von der Beziehung zu anderen abhängt.

Individuen in einem Systemkontext

Um unserem Verständnis von interdependenten Systemen einen Sinn zu verleihen, müssen wir es auch in Betracht ziehen, wie wir alle in das Gesamtbild passen. Das hilft der Tendenz entgegenzuwirken, uns selbst als abgetrennt von anderen oder irgendwie unabhängig vom Gesamtsystem zu betrachten. Hier erforschen wir unsere Verhältnisse zu anderen Menschen und die Komplexität dieser Beziehungen. Es gibt drei Unterteilungen:

  • Ein aufrichtiges Gefühl von Wertschätzung gegenüber anderen auf einer systemischen Ebene
  • Ein tieferes Gewahrsein in Bezug auf unser Potenzial, das Leben anderer zu prägen
  • Ein wachsendes Streben danach, Maßnahmen zu ergreifen, die für ein weitreichenderes Wohlergehen sorgen

Wir beginnen damit zu erkennen, wie unser Verhalten andere beeinflusst und umgekehrt. Dann erforschen wir die verschiedenen Weisen, wie andere zu unserem Wohlergehen beitragen. Dies können wir tun, indem wir eine Liste erstellen, die wir immer wieder durchgehen. Anstatt uns einfach nur, wie im sozialen Bereich, auf die uns bekannten Menschen auszurichten, geht es hier um ein viel breiteres Spektrum: Individuen, Gemeinschaften und Systeme, die wir nicht unbedingt persönlich kennen. Zu verstehen, dass wir ohne die Unterstützung unzähliger Wesen nicht erfolgreich sein – geschweige denn überleben – können, ist daher unverzichtbar, um eine echte Wertschätzung gegenüber anderen zu entwickeln.

Jeder spielt eine Rolle in dem riesigen Netz der Menschen, die das eigene Leben unterstützen, und wenn wir das erkennen, erwächst daraus ein Gefühl für Wechselwirkung. Wir müssen nicht mehr genau sehen, wie andere Menschen uns nützen, um zu akzeptieren, dass es höchstwahrscheinlich in irgendeiner Form einen Nutzen gibt. Nimmt dieses Gewahrsein zu, wird eine auf Gegenseitigkeit beruhende, beiden Seiten zuträgliche Form von Beziehungen gestärkt und allmählich einer engen egozentrischen oder konkurrierenden Einstellung vorgezogen. Dieses wachsende Gefühl von Verbundenheit mit anderen wirkt dem Gefühl der Einsamkeit entgegen, indem es die Kapazität zu einfühlsamer Freude steigert. Es ermöglicht, sich an den Errungenschaften anderer mitzufreuen, und stellt ein Gegenmittel zu Neid, Eifersucht, harter Selbstkritik und unrealistischen Vergleichen mit anderen dar.

Gemeinsame Menschlichkeit erkennen

Ein umfassenderes Verständnis für wechselseitige Abhängigkeit sollte, insbesondere in Kombination mit den Fertigkeiten zu empathischer Anteilnahme, die im sozialen Bereich kultiviert wurden, zu mehr Anteilnahme am Leben anderer Menschen führen und uns erkennen lassen, wie wir miteinander verbunden sind. Dies kann gestärkt, erweitert und untermauert werden, indem es ganz ausdrücklich darum geht, unser gemeinsames Menschsein zu würdigen. Hier nutzen wir unser kritisches Denkvermögen, um zu erfassen, wie alle menschlichen Wesen ganz grundlegend in Bezug auf ihr Innenleben und ihre Lebensnotwendigkeiten viel gemeinsam haben. Damit können wir ein Maß an Wertschätzung, empathischer Anteilnahme und Mitgefühl kultivieren, das jeden einzelnen Menschen überall auf der Welt einzuschließen vermag, selbst solche, die weit weg leben oder ganz anders sind als wir. Wir untersuchen unsere gemeinsame Menschlichkeit auf zweierlei Weise:

  • Würdigen der grundlegenden Gleichheit aller
  • Einschätzung, wie Systeme das Wohlbefinden beeinflussen

Mit dem Würdigen der grundlegenden Gleichheit aller erkennen wir, dass alle – von unseren Freunden und unserer Familie bis hin zu Fremden – auf der anderen Seite der Welt grundlegend gleich sind in ihrem Streben nach Glück und Wohlergehen, sowie ihrem Wunsch, Leiden zu vermeiden. Wenn wir einschätzen, wie Systeme das Wohlbefinden beeinflussen, erkennen wir, dass globale Systeme unser Wohl entweder fördern oder gefährden, indem sie positive Werte annehmen oder problematische Glaubensvorstellungen aufrechterhalten.

Würdigen der grundlegenden Gleichheit aller

Wir dehnen die Erkenntnis der grundlegenden Gleichheit der Menschen auf diejenigen außerhalb unserer unmittelbaren Gemeinschaft und letztlich auf die gesamte Welt aus. Dies geschieht, indem wir darauf achten, was alle Menschen gemeinsam haben, wie z.B. unser Streben nach Erfolg und unser Wunsch, Leiden und Unzufriedenheit zu vermeiden. Das hilft, Vorurteile und die Tendenz zu verringern, die Bedürfnisse anderer zu ignorieren.

Indem wir andere auf diese Weise betrachten, kann sich unsere „In-Group“ auf Menschen ausdehnen, die anderen Nationalitäten, Ethnien oder Religionen angehören. Diese Fähigkeit zeigt sich in der Gesellschaft auf unterschiedliche Weise: von der einzelnen Blutspende, über die Flut an Spenden nach Naturkatastrophen, hin zum Protest gegen die ungerechte Behandlung von Bevölkerungsgruppen, denen man selbst nicht angehört. Die Fähigkeit, wechselseitige Abhängigkeit anzuerkennen und am Schicksal anderer empathisch Anteil zu nehmen, wirkt wie ein Gegenmittel für viele der Hindernisse, die wir in der Beziehung mit anderen haben mögen, wie Vorurteile, Distanziertheit und die mangelnde Anteilnahme an den Problemen derjenigen, die nicht zur unmittelbaren Bezugsgruppe gehören. 

Konzentrieren wir uns auf uns selbst, scheint die Welt klein und unsere Probleme und Sorgen scheinen riesig zu sein. Richten wir unseren Fokus hingegen auf andere, weitet sich unsere Welt aus.  Unsere eigenen Probleme driften an die Peripherie unseres Denkens; sie wirken kleiner, und wir steigern unsere Kapazität für Beziehungen bzw. mitfühlendes Handeln.

Einschätzung, wie Systeme das Wohlbefinden beeinflussen

Systeme können das Wohlbefinden auf kultureller und struktureller Ebene fördern oder gefährden – indem sie positive Werte stärken oder problematische Überzeugungen und Ungerechtigkeiten aufrechterhalten. Wir können uns Zeit nehmen und darüber nachdenken wie wir uns fühlen, wenn wir Ungerechtigkeit, Vorurteilen, Voreingenommenheit oder Bevorzugung ausgesetzt sind. Beispiele aus der Geschichte und dem Tagesgeschehen können die Auswirkungen solcher problematischen Systeme veranschaulichen. Schließlich können wir untersuchen, ob Vorurteile und Voreingenommenheit jemals wirklich gerechtfertigt werden können oder ob alle Menschen gleichermaßen ein Recht dazu haben, glücklich zu sein.

Ein breiteres Empathievermögen zu kultivieren ist entscheidend, denn als Mensch scheint unsere angeborene Fähigkeit zur Empathie nicht automatisch die großen Leiden oder Probleme auf Systemebene bewältigen zu können. Beispielsweise haben die meisten von uns die Tendenz, sich mehr in ein einzelnes Opfer als in eine große Anzahl von Opfern einzufühlen. Indem wir jedoch von strukturellen und kulturellen Problemen lernen, werden unser Verständnis und die Einsicht in das Leiden sowie die Komplexität unserer Antworten und Handlungen im Bezug zu leidvollen Erfahrungen vielfältiger und effektiver. 

Durch die Anerkennung der gemeinsamen Menschlichkeit können wir lernen, über ethnische und soziale Gruppen hinweg zu kommunizieren und zusammenzuarbeiten, während wir gleichzeitig ein besseres Verständnis und realistischere Erwartungen an andere haben. Indem wir ein größeres Gewahrsein dafür haben, was wir mit anderen teilen, werden wir besser in der Lage sein, erkennbare Unterschiede zu schätzen, anstatt ihnen zu misstrauen, was zu einem Abbau von Vorurteilen und Ausgrenzung führt. Durch das Verständnis, wie das Wohlbefinden des Einzelnen durch Systeme geprägt ist, wird Empathie tiefer und umfassender werden, ebenso wie das hinterfragende Denken über mögliche Lösungen für menschliches Leid.

Gemeinschaftsbezogenes und globales Engagement

Wechselseitige Abhängigkeit anzuerkennen, sich für die zahlreichen Formen zu sensibilisieren, in denen wir von anderen profitieren, und unsere gemeinsame Menschlichkeit spürbar anzuerkennen, kann Verantwortungsbewusstsein hervorbringen. Es wir ganz natürlich den Wunsch in uns wecken, aktiv zu werden und die vielen freundlichen Gesten und Vorzüge, die uns Andere erfahren lassen, zurückzugeben und sich für notleidende Menschen einzusetzen. Doch wie kann effektives Engagement innerhalb von komplexen Systemen oder auf gesellschaftlicher bzw. globaler Ebene aussehen?

Sinn und Zweck von SEE Learning bestehen darin, uns zu befähigen, unser eigenes Potential als mitfühlende Welten-Bürger zu erkennen und umzusetzen. Um dies zu erreichen, gilt es zwei Schritte zu erforschen:

  • Unser Potenzial für einen effektiven positiven Wandel in der Gemeinschaft und der Welt
  • Die Beteiligung an kommunalen und globalen Lösungen

Diese zwei Punkte sind ähnlich, aber beim ersten geht es darum zu erkennen, was wir selbst tun können, um positive Veränderungen basierend auf unseren Fähigkeiten und Möglichkeiten zu bewirken. Die zweite besteht darin uns zu helfen, kreative Lösungen für Probleme, welche die Gemeinschaft oder die Welt betreffen, zu reflektieren.

Unser Potenzial für einen effektiven positiven Wandel in der Gemeinschaft und der Welt

Wollen wir uns für die Gemeinschaft oder globale Belange engagieren und uns der jeweiligen Thematik so annehmen, dass dies uns selbst und anderen zuträglich ist, und uns dabei nicht entmutigen lassen und soll unser Einsatz realistisch und effektiv sein, müssen wir sowohl unsere Grenzen als auch unsere Kapazitäten ausloten. Dazu ist es wichtig herauszufinden, dass nicht alles unmittelbar in der eigenen Macht liegt und dass tiefsitzende Probleme sich meist nur langsam verändern. Es bedeutet jedoch nicht, dass effektives Handeln unmöglich ist. Fühlen wir uns bei der Auseinandersetzung mit problematischen Situationen machtlos, wird dies die Entwicklung von Mitgefühl für andere und uns selbst viel schwieriger machen, denn Mitgefühl - der Wunsch oder die Absicht, Leiden zu lindern - hängt von Zuversicht ab, basierend auf der Überzeugung, dass Leiden gemildert werden kann.

Man ist vielleicht nicht in der Lage, ein ganzes System zu ändern, aber man kann so handeln, dass ein Wandel bestmöglich unterstützt wird, indem man sich auf die wichtigsten Elemente innerhalb eines Systems fokussiert. Das kann ein Gefühl der Wirksamkeit geben, ohne von der Wucht der globalen und systemischen Themen überwältigt zu sein. Wenn man die wenigen Hauptfaktoren identifiziert, die für die Mehrzahl der Auswirkungen in einem System verantwortlich sind, kann man sich auf die Bearbeitung dieser Faktoren konzentrieren und signifikante Ergebnisse erzielen. Es lohnt sich auch darüber nachzudenken, dass auch wenn nicht sofort große Veränderungen herbeigeführt werden können, selbst die kleineren Veränderungen, die bewirkt werden können, lohnenswert sind. Denn kleine Veränderungen können zu größeren Veränderungen werden,  oder größere Veränderungen können durch kollektive kleinere Aktionen (z.B. Sortieren von Wertstoffen aus Deponieabfällen) geschaffen werden. Durch ein tiefes Verständnis der voneinander abhängigen Systeme gewinnen wir die Gewissheit, dass kleinere Handlungen und Verhaltensweisen die Voraussetzungen für eine größere Wirkung in der Zukunft schaffen, auch wenn die Ergebnisse jetzt noch nicht direkt ersichtlich sind.

Komplexe soziale und globale Themen müssen in kleinere Einheiten unterteilt werden, um analysiert und verstanden zu werden. Zu sehen, wie wir mit unseren Handlungen die kleineren Bestandteile von Problemen angehen können und wie sich diese Komponenten innerhalb von größeren Systemen gegenseitig aufeinander beziehen, steigert unser Selbstbewusstsein und unser Gefühl der Wirksamkeit und Handlungsmöglichkeit. Dafür benötigen wir kritisches Denkvermögen. Hier umfasst es ein von grundlegenden menschlichen Werten geprägtes Durchdenken komplexer Themen. Obwohl es nicht garantiert, dass die unternommenen Schritte notwendigerweise auch von anderen als zuträglich erachtet werden, erhöht diese Art hinterfragenden Denkens die Wahrscheinlichkeit von konstruktiven Ergebnissen.

Die Beteiligung an kommunalen und globalen Lösungen

Auch wenn es uns nicht möglich sein mag, Lösungen herbeizuführen, können wir trotz allem über Probleme und mögliche Lösungen nachdenken. Um sie anzugehen, können wir folgendes Schema nutzen:

  • Erkenne die Systeme und deren Komplexität
  • Schätze kurz- und langfristige Konsequenzen von Handlungen ein
  • Beurteile Situationen im Kontext grundlegender menschlicher Werte
  • Minimiere den Einfluss störender Emotionen und Vorurteile
  • Pflege eine offene, kooperative und bescheidene Haltung
  • Wäge die Vor- und Nachteile bestimmter Schritte ab

Nur zu oft erfolgen Handlungen ohne eine vernünftige Einschätzung der kurz- und längerfristigen Folgen. Setzen wir uns mit einem bestimmten Thema auseinander, können wir uns vergegenwärtigen, welche verschiedenen Bevölkerungsgruppen von einem bestimmten Vorgehen betroffen sind. Je vertrauter uns dieser Prozess wird, desto selbstverständlicher überdenken wir weitere Implikationen von Handlungen und mögliche Auswirkungen auf Bevölkerungsgruppen, die auf den ersten Blick überhaupt nichts mit der anstehenden Angelegenheit zu tun haben. Wir sollten auch der Frage nachgehen, in welchem Bezug das vorliegende Thema zu grundlegenden menschlichen Werten steht und wie Lösungen zu individuellem, sozialem und globalem Gedeihen führen.

Eine offene Geisteshaltung und die Bereitschaft, mit anderen zusammenzuarbeiten, ihre Perspektiven, Meinungen, Kenntnisse und Erfahrungen zu respektieren und von ihnen zu lernen, ist eine enorme Unterstützung für gemeinschaftsbezogenes und globales Engagement. Gesunde Debatten sind nur möglich, wenn alle berücksichtigen, dass andere ihre Standpunkte auch aus Überlegungen und Erfahrungen ableiten, selbst wenn diese nicht mit den eigenen übereinstimmen. Ohne intellektuelle Bescheidenheit und Offenheit gibt es keine echte Diskussion und keinen Konsens, und Gespräche können zu unproduktivem Streit und Machtkämpfen degenerieren.

Es gibt nur wenige ernsthafte Probleme, die wir als Individuen allein, ohne mit anderen zu kooperieren und zusammenzuarbeiten, lösen können und dies erfordert die Fähigkeit, den eigenen Standpunkt und die eigenen Werte klar zu formulieren. Gesellschaftliches und globales Engagement profitiert also sehr von der Fähigkeit, den eigenen Standpunkt auszudrücken, Fragen zu stellen, im Gespräch von anderen zu lernen und sich auf konstruktive Weise an Diskussionen zu beteiligen. Klar artikulierend auf der Basis des eigenen kritischen Denkens und tief empfundener eigener Werte kommunizieren zu können, und in der Lage zu sein, so zu sprechen, dass andere sich gesehen und inspiriert fühlen, auch zu Gunsten derer, die keine Stimme haben – das ist eine starke Kraft für uns alle als Welten-Bürger und Führungspersönlichkeiten, die Änderungen herbeiführen.

Zusammenfassung 

In den ersten zwei Teilen haben wir gelernt, unsere Emotionen zu steuern und harmonisch mit unserer Familie, unseren Freunden und Kollegen umzugehen. In diesem dritten und letzten Teil beginnen wir die gegenseitige Abhängigkeit in der Welt zu verstehen, wie alle Menschen auf ähnliche Weise nach Glück streben und Leiden vermeiden wollen, und wie unsere Handlungen zu einer globalen Veränderung beitragen können.

Diese Welt, in der wir leben, ist komplex. Als Erwachsene scheint es uns zuweilen, als könnten wir für uns selbst und ohne die Hilfe von anderen überleben. Es kann sich so anfühlen, als würden andere Menschen in dieser Welt keine Rolle spielen, denn schließlich sind sie ja ganz anders als wir. Und oft kann es so aussehen, als wäre es unmöglich oder zu schwierig, eine echte Veränderung in der Welt zu bewirken. Verstehen wir die Realität unserer Situationen – wie alle Nahrung, die wir zu uns nehmen, alle Kleidung, die wir tragen und die Autos, die wir fahren, auf die Arbeit anderer zurückzuführen ist, werden wir auf natürliche Weise ein Gefühl der Wertschätzung für sie haben. Sehen wir, dass diese Mitmenschen wie wir ebenfalls nach Glück streben, werden wir auch ihnen wünschen, glücklich zu sein. Schließlich werden wir mit dem Wissen, dass kleine Handlungen schrittweise zu großen Resultaten führen werden, überzeugt davon sein, dass all unsere konstruktiven Taten – egal wie klein – für die Welt einen Nutzen haben werden.

Dieses Programm ist nicht dazu da, lediglich gelesen zu werden, um es dann zu vergessen; vielmehr ist es notwendig, es Punkt für Punkt zu praktizieren. Wir Menschen sind alle verschieden, aber wir stehen vor einer Reihe von Herausforderungen und erleben unterschiedlichste Begegnungen und soziale Situationen. Doch wenn es darum geht, die Höhen und Tiefen des Lebens zu meistern, macht es einen deutlichen Unterschied, ob Handlungen und Entscheidungen von eng gefasstem Eigeninteresse motiviert sind oder ob darin die Interessen anderer Menschen berücksichtigt werden. Wir können nur dann erfolgreich mit möglichen Konsequenzen umgehen, wenn ein größeres Verständnis für unsere Impulse und Vorurteile besteht, gepaart mit der Fähigkeit, unsere Reaktionen zu regulieren, und der Bereitschaft, die zu einer Situation beitragenden Faktoren kritisch zu untersuchen. Wir können nach vorn gehen und unser eigenes enormes Potenzial erkennen, etwas Gutes zu bewirken: für uns, andere und die Welt.


Möchten Sie mehr dazu erfahren, können sie die vollständige Fassung des SEE Learning Framework lesen und etwas über die anderen Programme des Center for Contemplative Science and Compassion-Based Ethics lernen.

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