Die zweite Phase und drei Übungen zum Beruhigen des Geistes

Übungen für die zweite Phase zum Beruhigen des Geistes

Wir haben die Phase der Übungen zum Beruhigen des Geistes mit Fotos von Bekannten, Freunden und Feinden abgeschlossen. Die zweite Phase wird in zwei Teilen ausgeführt. Im ersten Teil setzen wir uns im Kreis und betrachten einander mit gewissem Abstand. Im nächsten Teil geht es dann darum, direkt mit einem Partner zu arbeiten. Wenn wir direkt mit Leuten praktizieren, ist die Energie viel stärker und es ist viel herausfordernder. 

Auch wenn wir in der Übung mit den Fotos diesem Vorgang folgen, ist es nicht angemessen, nur mit einem ruhigen Geist dazusitzen und einander anzusehen, denn wenn wir keine fürsorgliche Geisteshaltung haben, können Menschen sich ziemlich unwohl dabei fühlen, wenn sie sich nur gegenseitig mit einem ruhigen Geist betrachten. Es kann sich voreingenommen oder kalt und distanziert anfühlen und daher machen wir es nicht so. Die Leute sehen dafür mich mit einem ruhigen Geist an, denn ich fühle mich dabei nicht unwohl, weil sie es ja sowieso ständig während des Vortrags tun. Ich werde einfach auf den Boden sehen, weil es für manche vielleicht unangenehm ist, wenn ich den Blick erwidere. Das bezieht sich auf alle Lehrer oder Ausbilder, die anderen bei diesen Übungen helfen. Jene, die sich ganz hinten befinden, sollten aufstehen oder näher kommen und mich nicht auf dem Fernseher, sondern live sehen. Es ist ein ziemlicher Unterschied, mich live oder auf dem Fernseher anzusehen.

Geführte Meditation

  • Zuerst kommen wir zur Ruhe.
  • Seht mich bitte mit einem ruhigen Geist an und nutzt dabei eine der verschiedenen Methoden, die wir vorgestellt haben.
  • Lasst die Erfahrung zur Ruhe kommen.
  • Fokussiert euch auf den Atem. 

Achtet auf den Unterschied, als ich mich bewegt und als ich mich nicht bewegt habe. Wir neigen dazu, ständig alles, was wir sehen, mit einer Stimme in unserem Innern zu kommentieren, was ziemlich albern ist. Wie schnell konntet ihr wieder ins Gleichgewicht kommen, nachdem ich eine plötzliche Bewegung gemacht habe? Hier bekommen wir einen Einblick oder Geschmack davon, wie unser Geist arbeitet und wie all die Geräusche ablaufen, wenn wir verschiedene Situationen betrachten. Wenn Dinge um uns herum passieren, ist es erstaunlich, wie viel wir dazu kommentieren, anstatt sie einfach zu betrachten, zu erfahren und uns damit auseinanderzusetzen. 

Mit der Dharma-Methode, die als die Prasangika-Methode bezeichnet wird, Dinge zu einer absurden Schlussfolgerung zu führen, ist es hilfreich, das, was wir tun, zur Kenntnis zu nehmen und zu hinterfragen. Sind wir Radio-Kommentatoren, die der Welt etwas verkünden wollen? Was ist es für eine unglaubliche Zeitverschwendung und welche Distanz wird zwischen dem erzeugt, etwas zur Kenntnis zu nehmen und zu erwidern. Das ist etwas, woran wir arbeiten. Es ist nicht notwendig, der Kommentator zu sein, und auch nicht der Kläger, der alles kritisiert. 

Wenn wir beispielsweise mit dem Auto fahren und jemanden sehen, der nicht so gut fährt, denken wir: „was für ein Idiot“ und nachdem wir ihn dann überholt haben, setzen wir unsere geistigen Kommentare fort. Können wir, wenn wir auf der Autobahn hinter einem Lastwagen herfahren und es lange keine Überholspur gibt, einen ruhigen Geist bewahren, sind wir wirklich fortgeschritten. Können wir es tun, ohne in unserem Geist Kommentare über den Lastwagen und dessen Fahrer abzugeben? Das ist ziemlich herausfordernd.

Übungen der dritten Phase zum Beruhigen des Geistes

Lasst uns weitermachen. Die dritte Phase besteht darin, in Bezug auf uns selbst einen ruhigen Geist zu haben. Wir führen diese Übung in drei Teilen aus. Im ersten Teil betrachten wir unsere Hand mit einem ruhigen Geist. Wir betrachten beide Seiten der Hand; wir drehen sie herum, ohne zu kommentieren, wie sie aussieht oder wie die Nägel aussehen, also beispielsweise wie schön oder wie hässlich sie ist. Wir betrachten die Hand einfach mit einem ruhigen Geist.

Geführte Meditation – Teil Eins

  • Zuerst beruhigen wir uns.
  • Dann betrachten wir unsere Hand mit einem ruhigen Geist und nutzen eine der drei Methoden, um das Kommentieren oder irgendwelche Emotionen, die vielleicht ebenfalls hochkommen, zu beruhigen.
  • Wir lassen alles los, was hochkommt.
  • Dann nehmen wir unsere Hand wieder runter und lassen die Erfahrung zur Ruhe kommen.
  • Wir fokussieren auf den Atem.

Fragen oder Bemerkungen

Ich habe nie geglaubt, wie viele Geräusche es da in meinem Innern gibt und finde die Übung äußerst hilfreich. Als ich mich in der Übung auf Sie konzentriert habe, bin ich durch den Versuch, mich zu beruhigen, gleichgültig geworden. Wo liegt die Grenze, etwas nicht zu kommentieren und gleichgültig zu sein? Können Sie etwas dazu sagen?

Wie gesagt ist dies nur eine Hälfte. Leider existieren wir in linearer Zeit und können immer nur eine Sache auf einmal lernen. Mit der fürsorglichen Geisteshaltung kümmern wir uns um diese Gleichgültigkeit. Wir können nicht einfach nur beobachten. Wenn Menschen mit buddhistischen Studien beginnen, machen sie oftmals nur Übungen, um den Atem und die Gefühle im Körper zu beobachten, und wenn das die einzige Sache ist, die sie tun, wird das ziemlich unausgeglichen. In der Theravada-Tradition wird diese Art der Meditation stets mit der so genannten „Metta“-Meditation über Liebe und Mitgefühl ausgeglichen. Wir können nicht nur die eine Sache machen.

Während der Übung mit der Hand kamen körperliche Problem hoch, wie ein Jucken in meinem Ohr, aber ich war nicht in der Lage, diese Methoden darauf anzuwenden.

Dies sind nicht die einfachsten Methoden für so etwas. Zunächst gibt es keinen Grund, warum man sich nicht kratzen sollte. Wir machen hier keine strikte Zen-Meditation, bei der wir uns nicht bewegen dürfen oder mit einem Stock geschlagen werden. Eine andere Methode, die zwar viel später im Training kommt, aber die wir nutzen können, besteht darin zu erkennen, dass es nur ein Gefühl ist. Es ist nur ein Gefühl und keine große Sache. Wir können den Juckreiz nicht einfach ausatmen; dadurch wird er nicht weggehen. Wir können aber die Anspannung ausatmen, die wir deswegen in uns haben, die Gedanken, die wir darüber haben, und können dies zu unserem Schwerpunkt der Aufmerksamkeit machen. Im Leben gibt es Situationen, in denen wir uns kratzen können, und andere, in denen dies nicht möglich ist, wenn wir beispielsweise ein großes, schweres Tablett mit Geschirr tragen. Wir werden warten müssen, bis wir das Tablett abstellen. Tragen wir ein Baby, können wir es nicht einfach fallenlassen, um uns an der Nase zu kratzen. Es ist alles eine Sache, wie viel Aufmerksamkeit wir etwas schenken. Wenn unsere Aufmerksamkeit größtenteils auf das Baby gerichtet ist, geht der Juckreiz gewissermaßen fast von selbst weg.

Könnten Sie etwas genauer erklären, warum die Prasangika-Schule Dinge ins Absurde führt und ob diese Methode auch auf das angewendet werden kann, was wir hier tun?

Momentan können wir hier nicht tiefgründig analysieren, warum sie diese Methode benutzen. Das würde ziemlich kompliziert werden, denn dann müssten wir uns fragen, ob es im Universum eine inhärente Existenz von Logik gibt. Gibt es im Universum etwas Inhärentes, das es logisch macht? Das ist ziemlich metaphysisch. In der Prasangika-Schule geht man nicht davon aus, dass es im Universum etwas Inhärentes gibt, das es von sich aus logisch macht. Daher nutzen sie im Grunde diese Methode der absurden Schlussfolgerungen, denn wenn eine Argumentation zu dieser Absurdität führt, können wir beruhend darauf sagen, dass etwas absurd ist. Wir setzen diese Denkweise dann nicht weiter fort. In der eigentlichen Philosophie wird sie mehr im Sinne von logischen Absurditäten benutzt, die aus einer Überlegung folgen würden. Es scheint, dass man sie auch auf Bilder anwenden kann, wie wenn jemand wie ein Hündchen herumspringt, weil er so aufgeregt ist, uns zu sehen. Sind wir wie ein Hündchen oder wie ein menschliches Wesen?

Ich habe viele Ängste und ein starkes Gefühl, mich dem entziehen zu wollen. Wenn ich versuche, keine Kommentare abzugeben und etwas zu projizieren, scheint das fast unmöglich zu sein; es muss da etwas sein, dem man eine persönliche Interpretation bezüglich all der Ereignisse geben kann,die sich hier entfalten. Es ist mir sogar schwer, wach oder präsent zu bleiben, wenn ich nicht interpretieren kann, was entsprechend meiner eigenen logischen Weise des Fühlens oder Denkens abläuft. 

Du sprichst hier einige gute Punkte an, die geklärt werden müssen. Zunächst einmal sprechen wir davon, störende und unnötige Kommentare zu beruhigen. Es geht nicht darum, mit dem Denken oder Einschätzen von Dingen aufzuhören. Die Rede ist davon, wie wir zwanghafte Geräusche in unserem Innern dazu bringen können aufzuhören, damit wir klar denken können. Der wichtige Punkt in diesem Satz ist, dass wir uns beruhigen, damit wir klar denken können. Wir wollen auf keinen Fall unser Einschätzen von Dingen beseitigen. Das ist die Grundlage des unterscheidenden Gewahrseins oder der Weisheit, wie es für gewöhnlich übersetzt wird. 

Was ist das Denken? Im Westen identifizieren wir das Denken mit einem geistig verbalen Vorgang. Tatsächlich wäre das ziemlich langsam und ineffizient, wenn wir wirklich jeden Schritt unseres Denkvorgangs verbalisieren würden. Erkennen wir, dass ein Großteil der verbalen Energie in unserem Innern eigentlich ziemlich unnötig ist, hilft uns das, schneller zu denken, damit wir schneller antworten können und nicht diese Zeitverzögerung haben. Wir können einen Raum betreten und nur mit dem Blick einschätzen, was los ist, was die Situation ist und wie wir handeln müssen. Aus einer tibetisch buddhistischen Sichtweise ist das ein Denkvorgang; er muss jedoch nicht in unserem Innern verbalisiert werden. Das würde viel länger dauern.

In Bezug darauf, was du zuerst gesagt hast, wollen wir nicht wie ein Polizist sein; es ist nicht so, dass wir nicht denken sollten oder nicht verbalisieren sollten. Das würde eine ganz andere Art der Ethik in diese Art von Training bringen, die unpassend ist. Diese beurteilende Geisteshaltung kommt aus unseren kulturellen Verhaltensweisen. Wir meinen, wenn wir denken, wären wir schlecht und folgen nicht den Anweisungen. In unserem wesentlichen Verständnis ist die Ethik grundsätzlich eine Sache des Gehorsams. Wir gehorchen den Gesetzen, entweder den himmlischen oder biblischen, oder den legislativen. Mit diesem Hintergrund denken wir, dass wir hier mit den Anweisungen den Gesetzen folgen, wenn wir ein guter Praktizierender mit ausgewogener Sensibilität sein wollen. Wollen wir dem Gesetz folgen und gehorsam sein, bringt dies natürlicherweise den Polizist, den Richter, die Schuld und jede Menge Gefühle der Zurückhaltung mit ins Spiel. Wir meinen gut sein zu müssen, was ziemlich unangenehm sein kann. Es ist sehr hilfreich, dass du darauf hingewiesen hast, weil viele Leute sich so fühlen können. Es ist nicht nur für diese Art des Trainings relevant, sondern für jede Art des buddhistischen Trainings. Viele Menschen fühlen sich deswegen unwohl.

Buddhistische Auffassung der Ethik beruhend auf unterscheidendem Gewahrsein

In der buddhistischen Auffassung basiert Ethik nicht auf Gehorsam, sondern auf unterscheidendem Gewahrsein. Wir unterscheiden zwischen dem, was hilfreich und dem, was schädlich ist. Wir sehen es so, dass eine unausgewogene Sensibilität zu schwierigen Beziehungen führt. Mit größerem Gleichgewicht gibt es weniger schwierige Beziehungen. Um dazu in der Lage zu sein, gibt es bestimmte Methoden. Wir wägen es ab. Zunächst prüfen wir, ob es sich um eine gültige Quelle der Information handelt, ob der Buddha etwas sagte, das dem widerspricht. Dann finden wir heraus, ob es logisch ist. Wenn wir urteilen, kommentieren, über alle möglichen anderen Dinge nachdenken und nicht aufmerksam sind, ist es dann schwierig, sich mit jemandem zu befassen? Schließlich werten wir unsere eigene Erfahrung während dieser Übungen aus und betrachten den Lärm in unserem Geist. Wir probieren die Methode aus und schauen, ob sie funktioniert, unsere Beziehungen etwas zu verbessern, obwohl es natürlich nach wie vor Höhen und Tiefen geben wird. Beruhend darauf treffen wir eine Wahl. Niemand sagt, dass wir dies tun „müssen“.

Wenn wir der Methode folgen wollen, tun wir es. Warum? Weil wir selbst mit unserem Unterscheidungsvermögen herausgefunden haben, dass sie hilfreich ist. Wenn wir sie nicht hilfreich finden, vergessen wir sie. Diese gesamte buddhistische Auffassung der Ethik in Bezug darauf, andere zu schädigen oder zu verletzen, beruht nicht im geringsten auf Gehorsam gegenüber Gesetzen und ist somit ganz anders. Doch sogar wenn wir es verstehen, kommt dieser Gehorsam aufgrund unserer Bedingtheit automatisch hoch und verdirbt unsere Praxis. Wir meditieren und praktizieren aus Schuldgefühl und die Beziehung zu dem Lehrer wird zu einer Beziehung des Gehorsams. Das kann alles verderben. 

Es ist notwendig, mit dem Verständnis der buddhistischen Auffassung zu arbeiten, besonders was den spirituellen Lehrer betrifft. Haben wir Schwierigkeiten mit unserer Beziehung zu einem Lehrer, sollten wir herausfinden, ob sie durch ethische Grundsätze kommen, die auf Gehorsam basieren, denn das ist nicht angemessen. Die ethischen Grundsätze sollten auf unterscheidendem Gewahrsein dessen basieren, was korrekt oder falsch ist, was mit dem Dharma im Einklang steht oder was nicht, was angemessen ist oder was nicht, was hilfreich ist oder was nicht, was nützlich ist oder was nicht. Sie basieren niemals auf Gehorsam. Das ist eine andere Kultur. Danke, dass du diese Punkte in deiner Frage angesprochen hast. Sie sind ausgesprochen hilfreich.

Geführte Meditation – Teil Zwei

Lasst uns die nächsten zwei Teile der Übung durchgehen, bevor unsere Zeit vorbei ist. Der nächste Teil wird mit einem Spiegel ausgeführt und ist ziemlich herausfordernd. Ein paar Leute schauen bereits in den Spiegel und machen sich die Haare zurecht, aber das ist nicht das, was wir hier versuchen zu tun. 

Wir sehen in den Spiegel ohne zu bewerten, ohne Gedanken darüber, wie dick, alt oder dünn wir sind. Hinter alledem steckt zum Beispiel ein Gefühl, attraktiv aussehen zu müssen und das bringt uns ständig dazu, damit beschäftigt zu sein, wie unser Haar liegt. Ist unser Geist ruhig und ohne die bewertenden Faktoren, können wir beispielsweise erkennen, dass wir müde sind, und eine Pause einlegen. Wenn wir ständig mit dem beschäftigt sind, was wir sehen, ist das nicht im geringsten hilfreich. Es gibt einen Unterschied zwischen dem Diskriminieren und dem Beurteilen. Mit dem Beurteilen kommen in der Regel all die verbalen Kommentare hoch, die nicht hilfreich sind. Und auch wenn wir in unserem Geist keine Kommentare abgeben und ruhig sind, kann es ein nicht-verbales Beurteilen geben. Es ist notwendig, auch nicht-verbale Dinge auszuatmen. 

Versuchen wir also, uns selbst im Spiegel anzusehen, ohne zu kommentieren und emotional ruhig und gelassen zu bleiben. Dies ist, wie gesagt, nur das erste Bein, das Beruhigen des Geistes, und wir sollten das zweite Bein, die fürsorgliche Geisteshaltung hinzufügen, um die Gefühle der Distanzierung zu vermeiden. 

  • Kommt zur Ruhe und konzentriert euch auf den Atem.
  • Betrachtet euch mit einem ruhigen Geist im Spiegel. Wie mit den Fotos versuchen wir, ihn etwas höher zu halten, denn wenn sich der Spiegel unten in unserem Schoß befindet, kann uns schwindelig werden.
  • Wir betrachten uns einfach so, wie wir sind, ohne zu bewerten, zu kommentieren oder zu klagen.
  • Wir nutzen die drei Methoden, die wir gelernt haben, um den Geist zu beruhigen.
  • Denkt daran, auch nicht-verbales Beurteilen loszulassen.
  • Legt den Spiegel weg und lasst die Erfahrung zur Ruhe kommen.
  • Fokussiert euch auf den Atem.

Für die meisten Leute ist dies herausfordernder, als das, was wir bisher gemacht haben. Obwohl es besser wäre, etwas Zeit zwischen den Übungen zu haben, sind wir begrenzt, was die Zeit betrifft. Daher kommen wir nun zum letzten Teil, damit wir einen kleinen Geschmack für die Schritte des Trainings bekommen.

Geführte Meditation – Teil Drei

Der Vorgang ist derselbe. Wir betrachten unsere eigene Vergangenheit, ohne zu urteilen oder Kommentare abzugeben. Wir wollen einfach in der Lage sein, uns mit unserer Vergangenheit auf eine ausgewogene Weise auseinanderzusetzen. 

  • Wir beginnen wieder damit, zur Ruhe zu kommen.
  • Wir betrachten unsere Fotos von früher mit einem ruhigen Geist.
  • Wenn wir keine Fotos haben, denken wir einfach an uns in der Vergangenheit.
  • Dann legen wir die Fotos beiseite oder hören einfach auf.
  • Lasst die Erfahrung zur Ruhe kommen.
  • Fokussiert euch auf den Atem.

Abschließende Fragen oder Bemerkungen

Die Schlussfolgerung, die ich nach all diesen Übungen ziehe, ist die, dass ich meist über Dinge kommentiere, die ich nicht mag oder akzeptiere. Das macht mich ziemlich verurteilend. Mit dieser Haltung gehe ich dann Beziehungen ein, was zu Problemen führt. Durch diese Übungen bin ich in der Lage, einiges davon zu beruhigen. Ich bin entspannter und kann mich selbst und andere aus einer anderen Sicht betrachten, ohne diese starke Abneigung.

Wenn wir uns beruhigen, schaffen wir damit eine Grundlage für viele gute Eigenschaften. Eine ist die Akzeptanz, was jedoch nicht bedeutet, nur passiv zu sein. Wir akzeptieren die Realität einer Situation und lassen uns auf das ein, was bei einer anderen Person gerade abläuft. Handelt eine Person beispielsweise auf recht unangenehme und missbräuchliche Weise, leugnen oder ignorieren wir es mit der Akzeptanz nicht und wünschen uns nicht einfach, es würde nicht passieren. Haben wir die Realität akzeptiert, können wir mit unterscheidendem Gewahrsein einschätzen, ob es angemessen oder unangemessen ist. Wir können abwägen, ob wir uns damit auf diese oder jene Weise auseinandersetzen. Es ist nicht passiv. 

Das gilt auch für uns selbst. Vielleicht merken wir, dass wir zu viel arbeiten oder übermüdet sind. Anstatt dies zu leugnen, akzeptieren wir die Realität, stellen fest, dass es nicht gesund für uns ist und tun etwas dagegen.

Wenn ich andere Menschen betrachte, merke ich, dass ich es beherrsche, doch wenn ich mich selbst betrachte, steigen meine Ängste an und ich verliere die Kontrolle. Ich erkenne die Dualität zwischen mir und dem Rest des Universums.

Das ist wirklich gut; ein Teil des Vorgangs besteht darin, die Quelle unserer Schwierigkeiten ausfindig zu machen. Können wir in dieser Erfahrung erkennen, dass wir an ein „Ich“ im Innern denken, dass der Kontrollierende ist und alles beherrschen muss, macht es das wirklich schwierig, eine ausgewogene Sensibilität in Beziehungen mit anderen und uns selbst zu haben. Es ist viel Übung notwendig, um unsere Perspektive hinsichtlich unserer Erfahrung zu ändern. Uns geht es darum, weder der distanzierte Beobachter noch der Kontrollierende zu sein, denn beides weist auf eine Dualität eines „Ich“ getrennt von allem anderen hin. Wir können unsere Perspektive ändern und uns auf viel direktere und gesündere Weise mit Dingen befassen. Es ist gut damit anzufangen, zu erkennen, was die Dinge sind, die uns ein unangenehmes Gefühl geben.

Beginnen wir diese Dinge zusammenzufügen, ist es ziemlich interessant. Da gibt es die Sache mit dem Gehorsam und dem Polizisten, die uns ein unwohles Gefühl geben, was zu dem Kontrollierenden passt.

Ich habe eine praktische Frage: Ich lebe weit weg und werde am nächsten Wochenende nicht weiter teilnehmen können. Wie kann ich das Training fortsetzen? Gibt es da Videos oder Kassetten?

Die Kassetten und Videos zu bekommen, wird sehr hilfreich sein, zumindest auch das zweite Bein zu bekommen und nicht auf einem hüpfen zu müssen. Wenn man mit diesem Training weitermachen will, so gibt es in anderen Ländern, aber auch hier in Mexiko City Gruppen, die sich mit diesem Training befassen. Es gibt auch ein gutes Buch, wo es ziemlich gut erklärt wird, sowie eine überarbeitete Ausgabe. Sie ist nicht ganz fertig, aber es gibt eine spanische Übersetzung, die man nutzen kann; bildet eine Gruppe und legt los. Wenn ihr irgendwelche Fragen habe, könnt ihr sie mir stellen. Wie gesagt, gibt es eine Gruppe in Mexiko City und so kannst du auch von deren Erfahrungen profitieren. Ich würde vorschlagen, dass die Gruppe aus nicht mehr als 15 bis 20 Leuten bestehen sollte. Wenn sie zu groß ist, wird es unüberschaubar. Dann wäre es besser, zwei Gruppen zu bilden. Im Training kommen so viele Emotionen hoch und die Leute fühlen sich dann wohler in einer kleineren Gruppe. Auch ist es dann nicht so, dass jemand das Gefühl hat, nicht beachtet oder gehört zu werden.

In den nächsten Sitzungen werden wir an der fürsorglichen Geisteshaltung arbeiten. Am Anfang erkennen wir, dass die andere Person auch ein menschliches Wesen ist und Gefühle hat, genau wie wir. Können wir das in anderen Menschen erkennen und sie auf diese Weise betrachten, ist das ausgesprochen hilfreich. Die Weise, wie wir andere behandeln, wird einen Einfluss auf ihre Gefühle haben, genau wie die Weise, wie andere uns behandeln, einen Einfluss auf unsere Gefühle haben wird. 

In ähnlicher Weise haben wir diese Geisteshaltung gegenüber uns selbst, was sich besonders auf Menschen bezieht, die Dinge leugnen oder unsensibel gegenüber ihren eigenen Gefühlen sind. Es ist wichtig, zu erkennen, dass wir menschliche Wesen sind, genau wie alle anderen. So wie wir uns um andere kümmern, sollten wir uns auch um uns selbst kümmern. Es ist notwendig, dass wir uns selbst ernst nehmen, uns mit unseren Gefühlen befassen und sie nicht einfach unterdrücken oder leugnen. Wir mögen eine große emotionale Show daraus machen, wie wir alle lieben und alles wunderbar ist, aber im Grunde ist sie nur ein Ablenkungsmanöver und versteckt einen inneren verdrängten Schmerz bezüglich etwas, das tatsächlich im Innern abläuft. Die Grundlage dafür, in der Lage zu sein, sich damit auseinanderzusetzen, ist Respekt gegenüber uns selbst und die Erkenntnis, dass wir Menschen sind und Gefühle haben, wie alle anderen auch. Zu lernen, einen ruhigen Geist zu haben, ist zusammen mit dieser zweiten Seite, dem Entwickeln der fürsorglichen Geisteshaltung, von großem Nutzen. 

Widmung

Die Widmung sollte sich an unserer ursprünglichen Motivation ausrichten. Nehmen wir zum Beispiel an den Sitzungen teil, um zu lernen, wie wir dieses Leben in einem nicht-buddhistischen Rahmen verbessern können, widmen wir folgendermaßen: Möge dieses Wissen sich immer weiter vertiefen und mögen wir in der Lage sein, es in unserem täglichen Leben anzuwenden, um harmonischere Beziehungen zu haben.

Bestand unser Ziel darin, weitere Schritte aus einer Dharma-light-Perspektive oder einer Perspektive des echten Dharmas in die sichere Ausrichtung hin zur Befreiung und Erleuchtung einzuschlagen, machen wir folgende Widmung: Mögen alle positive Kraft und alles Verständnis, die wir erlangt haben, als Ursache dafür dienen, Erleuchtung zu erlangen, um allen bestmöglich helfen zu können. Vielen Dank.

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