Die Bedeutung von Liebe, Mitgefühl und Bodhichitta

Wir alle haben die grundlegenden Voraussetzungen zur Entwicklung von Bodhichitta

„Bodhichitta“ ist ein Sanskrit-Wort, welches nicht so einfach zu übersetzen ist. „Chitta,“ der zweite Teil des Wortes, bedeutet „Geist“. Aber wenn wir im Buddhismus über den Geist reden, meinen wir damit sowohl den Geist als auch das Herz. Im Buddhismus machen wir keinen Unterschied zwischen diesen beiden, wie wir es normalerweise in unserer westlichen Denkweise tun. Wir wollen also nicht nur unseren Intellekt – die rationale Seite unseres Geistes – durch Konzentration, Verständnis usw. entwickeln, sondern wir müssen darüber hinaus auch unsere Herzen, d.h. unsere gesamte emotionale Seite entwickeln, damit wir alle „Bodhi“, den ersten Teil des Wortes Bodhichitta, erreichen können.

Und „Bodhi“ ist ein Wort, welches auf einen Zustand des höchsten Wachstums und der Reinigung hinweist. Reinigung bedeutet, sich von allen Hindernissen und Blockaden, sowohl geistigen als auch emotionalen Blockaden, zu befreien und es bedeutet auch Verwirrung und Mangel an Verständnis und Konzentration zu beseitigen. Des Weiteren geht es auch um eine Reinigung auf der emotionalen Seite, um von störenden Emotionen frei zu werden. Störende Emotionen sind zum Beispiel Ärger, Gier, Anhaftung, Selbstsucht, Arroganz, Eifersucht, Naivität… Die Liste ist sehr lang und wir könnten immer mehr aufzählen. Das sind die wahren Unruhestifter in unserem Leben. Und so streben wir mit unserem Geist und unserem Herzen einen Zustand an, in dem wir uns von all diesen Unruhestiftern lösen können.

Der andere Aspekt dieses Wortes „Bodhi“ bedeutet „Wachstum“. Und das heißt, dass wir alle die grundlegenden Voraussetzungen in uns haben: Wir alle haben einen Körper. Wir haben die Fähigkeit zu kommunizieren. Mit unserem Körper haben wir die Möglichkeit zu handeln, Dinge zu tun. Und wir alle haben einen Geist (die Fähigkeit, Dinge zu verstehen), ein Herz (Gefühle, die Fähigkeit anderen gegenüber Wärme zu empfinden) und den Intellekt (die Fähigkeit zu unterscheiden, was hilfreich und was schädlich ist).

Wir haben also all diese Faktoren, all diese guten Eigenschaften und es liegt an uns, was wir daraus machen. Wir können sie dazu nutzen, um durch die Art und Weise wie wir handeln, reden oder denken, Probleme für uns selbst und andere zu schaffen. Oder wir können sie nutzen, um uns selbst und andere glücklicher zu machen und von Nutzen zu sein. Wenn sich die Art und Weise wie wir handeln, kommunizieren und denken unter dem Einfluss von Verwirrung und störenden Emotionen befindet, führt das natürlich zu Problemen. Wenn wir unter dem Einfluss von Ärger handeln, tun wir oft Dinge, die wir später bereuen, nicht wahr? Wenn wir selbstsüchtig handeln, entstehen dadurch oft große Probleme. Niemand mag jemanden, der selbstsüchtig ist.

Das ist die eine Seite. Wenn wir auf der anderen Seite auf der Grundlage von positiven Eigenschaften – wie Liebe, Mitgefühl, Rücksicht auf andere – handeln, kommunizieren und denken, können wir sehen, dass wir dadurch glücklicher und zufriedener im Leben sind: andere mögen uns; andere können größeren Nutzen daraus ziehen. Wir können das zum Beispiel sehr deutlich an den Beziehungen mit unseren Freunden sehen. Wenn wir die anderen immer kritisieren und wütend auf sie werden, wird niemand wirklich gern mit uns zusammen sein mögen. Wenn wir ihnen gegenüber aber freundlich sind und sie gut behandeln, werden sie natürlich unsere Gemeinschaft genießen. Das können wir sogar an der Art und Weise sehen, wie wir unsere Katze oder unseren Hund behandeln: auch sie mögen es nicht, wenn man sie ständig anschreit oder ausschimpft; sie mögen es, gut behandelt zu werden. Diese grundlegenden Voraussetzungen, die wir haben, können weiter anwachsen. Wir können sie in einer positiven Weise immer weiter entwickeln.

Bodhichitta ist also ein Zustand – eine Situation, eine Haltung – unseres Geistes und unseres Herzens, der auf diesen Zustand des Bodhi ausgerichtet ist. Er ist auf diesen Zustand ausgerichtet, in dem all diese Unzulänglichkeiten, all diese Unruhestifter, die wir in uns haben, vollständig und für immer entfernt werden und in dem all unsere positiven Eigenschaften so vollständig wie möglich entwickelt werden. Diese Haltung des Geistes und des Herzens zu haben ist also eine ziemlich außerordentliche Sache.

Und sie entsteht durch sehr positive Emotionen. Was sind diese Emotionen? Grundsätzlich streben wir diesen Zustand nicht nur deswegen an, weil er der höchste ist und weil ich der/die Beste sein will. Wir machen es nicht nur deshalb, weil ich der/die Glücklichste sein will und weil ich dadurch am glücklichsten sein kann. Vielmehr denken wir an alle anderen, an all die unzähligen Wesen in der Welt: an Menschen, Tiere, was auch immer. Und wir verstehen, dass wir alle in dem Sinne gleich sein, dass jeder glücklich und niemand unglücklich sein möchte. Das trifft sogar auf die Tiere zu, nicht wahr? Und jeder versucht auf seine eigene Weise für sich und seine Freunde den Zustand des Glücklichseins zu bewirken. Aber leider wissen die meisten von uns nicht so richtig, was zu diesem Zustand des Glücklichseins führt. Wir probieren verschiedene Dinge aus und häufig entstehen dadurch nur noch mehr Probleme anstatt Glück. Wir kaufen etwas Nettes für jemanden – ein Geschenk – und dann mag er es nicht. Das ist also ganz einfach. Es ist schwierig, jeden zufriedenzustellen, nicht wahr? Aber wir müssen es auf jeden Fall versuchen.

Das Streben nach Erleuchtung mit der Absicht, anderen bestmöglich zu nützen

Und am wichtigsten ist natürlich unsere Absicht; wir wollen anderen helfen: „Wie wunderbar wäre es, wenn jeder frei von seinen Problemen und den Ursachen dieser Probleme sein könnte“. Darum geht es beim Mitgefühl. Mitgefühl ist der Wunsch, dass andere frei von ihren Leiden und den Ursachen der Leiden sein mögen.

Und wie wunderbar wäre es, wenn jeder glücklich sein und die Ursachen des Glücks haben könnte. Das ist die Definition der Liebe im Buddhismus. Liebe basiert nicht darauf, etwas zurück zu bekommen: „Ich werde dich lieben, wenn du mich liebst.“ So ist es nicht. Es beruht nicht darauf, wie sich die andere Person verhält: „Ich werde dich lieben, wenn du ein guter Junge oder ein gutes Mädchen bist. Wenn du unartig bist, dann liebe ich dich nicht mehr.“ Es spielt keine Rolle, wie die anderen sich verhalten. Das ist nicht der Punkt. Der Punkt ist, dass es großartig wäre, wenn alle glücklich sein könnten. Das ist Liebe.

Und es wäre großartig, wenn ich etwas Entscheidendes dazu beitragen könnte, diesen Zustand des Glücklichseins für alle zu bewirken und ihnen zu helfen, ihr Unglücklichsein und ihre Probleme zu beseitigen. Momentan bin ich sehr begrenzt: Ich bin verwirrt, habe störende Emotionen, bin oft faul und habe Probleme einen Job zu finden, einen Partner zu finden... all diese Schwierigkeiten, mit denen wir alle im Leben konfrontiert werden. Aber wenn ich diesen Zustand erreichen könnte, in dem all diese Unzulänglichkeiten, all diese Schwierigkeiten in mir für immer beseitigt wären und wenn ich mein volles Potential erreichen könnte, wäre ich in der besten Lage, allen helfen zu können.

Mit Bodhichitta haben wir die Absicht, dass wir unseren zukünftigen Zustand, den wir „Erleuchtung“ nennen, erreichen wollen. Wir tun dies mit der Absicht, mit all unseren Bemühungen unser Bestes zu geben, um diesen Zustand zu erreichen Und wir tun dies auch mit der Absicht, auf dem Pfad zu diesem erleuchteten Zustand den größtmöglichen Nutzen für alle zu bewirken, der, wenn wir ihn erreicht haben, so vollkommen wie möglich ist.

Keiner von uns kann ein allmächtiger Gott werden; das ist nicht möglich. Wenn das möglich wäre, dann würde niemand mehr leiden. Alles was wir tun können, ist unser Bestes zu geben. Aber andere müssen empfänglich und offen für die Hilfe sein. Und obwohl wir anderen etwas deutlich erklären können, müssen sie es selbst verstehen; wir können das nicht für sie tun, oder? Wir können gute Ratschläge geben, aber die anderen müssen sie annehmen.

Wir streben also an, anderen so gut wie möglich helfen zu können, haben aber eine realistische Vorstellung – und ein realistisches Verständnis – davon, dass es an ihrer eigenen Bemühung liegt, ob ihnen tatsächlich geholfen wird oder nicht. Wenn wir jedoch diesen Zustand erreichen, in dem all unsere Verwirrung beseitigt ist, werden wir die beste Möglichkeit haben zu verstehen, welcher Weg der effektivste ist, um anderen zu helfen; wir werden verstehen, welche Faktoren daran beteiligt sind, dass jemand jetzt so ist, wie er ist.

Wir alle werden durch so viele Dinge beeinflusst – durch unsere Familie, durch unsere Freunde, durch die Gesellschaft, in der wir leben und durch die Zeit, in der wir leben: manchmal gibt es Kriege, manchmal gibt es wirtschaftliche Probleme und manchmal herrscht Wohlstand. Durch all diese Dinge werden wir beeinflusst. Der Buddhismus spricht von früheren Leben und von zukünftigen Leben. Und von diesem Standpunkt aus betrachtet, werden wir alle darüber hinaus auch durch unsere früheren Leben beeinflusst. Wenn wir anderen also tatsächlich helfen wollen, wenn wir ihnen wirklich einen guten Rat geben wollen, ist es wichtig, sie zu kennen, sie zu verstehen – all die Dinge zu verstehen, durch die ihr Verhalten und die Art und Weise ihres Handelns und ihres Fühlens beeinflusst wird – und das bedeutet, sich wirklich für sie zu interessieren, aufmerksam zu sein und sensibel dafür zu sein, wie sie sind.

Ich nehme an, Sie können das ganz einfach mittels ihren Beziehungen untereinander verstehen. Wenn Sie mit einem Freund zusammen sind, sich nicht wirklich für ihn interessieren und nur über sich selbst reden, dann wissen sie eigentlich sehr wenig über ihn. Und wenn Sie Ihrem Freund keine Aufmerksamkeit schenken – wenn Sie zum Beispiel mit jemandem zusammen sind und mit dem Handy Nachrichten an andere Leute schreiben, dann schenken Sie ihrem Freund keine Beachtung – dann bemerken Sie nicht einmal, dass er vielleicht etwas ungeduldig und unzufrieden mit Ihnen ist, weil Sie ihm keine Aufmerksamkeit schenken. Wenn wir also wirklich jemandem helfen wollen, müssen wir ihm Aufmerksamkeit schenken, wir müssen uns für ihn interessieren und darauf achten, was mit ihm los ist und dementsprechend reagieren, denn auch wir selbst würden gern von anderen ernst genommen und beachtet werden.

Die Gleichheit von uns und anderen verstehen

Sehen Sie, all das basiert auf dem Verständnis der Gleichheit unserer selbst und anderer. Jeder hat Gefühle, so wie auch ich Gefühle habe. Jeder möchte ernst genommen werden, so wie ich auch ernst genommen werden möchte. Wenn ich andere ignoriere oder sie schlecht behandele, fühlen sie sich schlecht, so wie auch ich mich schlecht fühle, wenn andere mich ignorieren oder mir gegenüber rücksichtslos sind. Jeder möchte, dass man ihn mag, so wie auch ich möchte, dass man mich mag. Niemand möchte gern abgewiesen und ignoriert werden, so wie auch ich das nicht mögen würde. Und wir sind miteinander verbunden; wir sind alle zusammen hier.

Manchmal wird ein kleines lustiges Beispiel benutzt, um dies zu verdeutlichen: Stellen Sie sich vor, dass Sie sich zusammen mit ungefähr zehn anderen Menschen in einem Aufzug befinden und der Aufzug bleibt stecken. Und Sie stecken dort fest, Sie sind einen ganzen Tag in diesem Aufzug zusammen mit diesen zehn Menschen gefangen. Wie werden Sie mit allen anderen klarkommen? Wenn Sie nur an sich selbst denken, „ich, ich, ich“ und wenn Sie in diesem kleinen Raum nicht an die anderen Menschen denken, wird es zu vielen Konflikten und Streitereien kommen und es wird eine sehr unangenehme Zeit werden. Wenn Sie aber irgendwie erkennen: „Wir stecken alle zusammen in der gleichen Situation und wir müssen Rücksicht aufeinander nehmen und darüber nachdenken, wie wir miteinander kooperieren können, um zu überleben und uns aus dieser misslichen Lage zu befreien“ dann können wir, obwohl es sicherlich nicht angenehm ist, im Aufzug festzustecken, dennoch die Situation meistern.

Und um dieses Beispiel auszuweiten: wenn wir alle auf dieser Erde festsitzen, als wären wir in einem sehr großen Aufzug stecken geblieben und wenn wir nicht miteinander kooperieren, wird es eine sehr schwierige Zeit werden, denn jeder steckt in der gleichen Situation. Und die Art und Weise, wie wir miteinander umgehen, wird sich auf alle anderen auswirken, ob es sich nun um zehn Menschen in einem Aufzug handelt, oder um alle Menschen auf dieser Erde. Aus diesem Grund macht es ganz einfach Sinn, zu versuchen, mit allen zu kooperieren. Und anstatt nur zu denken: „Wie kann ich mich aus dieser schrecklichen Situation im Aufzug befreien?“ denken wir: „Wie können wir uns alle aus dieser schrecklichen Situation befreien?“ Und das gleiche gilt auch für das Leben, nicht nur für die Situation im Aufzug.

Wie kann ich nur darüber nachdenken, wie ich mit meinen eigenen Problemen fertig werde (denn an mir ist wirklich nichts Besonderes; ich bin nur einer der Menschen, die im Fahrstuhl stecken geblieben sind)? Und tatsächlich ist das Problem nicht nur mein persönliches Problem: es ist das Problem aller. Denken Sie daran, dass wir hier über die Probleme von Ärger, Selbstsucht, Gier, Unwissenheit und ähnlichen Problemen reden. Es sind die Probleme aller; niemandem gehören sie ganz allein.

Unseren Geist und unser Herz erweitern, um alle Wesen und alles Leben mit einzubeziehen

Wenn wir über Bodhichitta reden. Reden wir deshalb über eine universellen Art des Geistes und des Herzens Wir denken an alle, ohne jemanden zu favorisieren und ohne jemanden auszulassen. Das ist eine wirklich außergewöhnliche Geisteshaltung, ein ganz besonderer Geisteszustand. Wenn wir darüber reden, unseren Geist zu erweitern, dann handelt es sich hierbei um die größtmögliche Erweiterung unseres Geistes. Wir denken an alle und nicht zum Beispiel nur an die Menschen dieser Erde, sondern an alles Leben auf der Erde, an alles Leben im Universum. Wenn wir beispielsweise an die Umweltzerstörung denken – das betrifft nicht nur die Menschen, die in der Umwelt leben, es betrifft zweifellos auch alle Tiere, nicht wahr?

Es gibt also diese weitreichende Ebene all jener, um die wir uns kümmern. Es ist eine weitreichende Ebene in dem Zusammenhang, dass wir über wirklich langfristige Lösungen nachdenken, nicht nur über kurzfristige Lösungen, die lediglich vorübergehend helfen werden. Und wenn wir es in Bezug auf unser eigenes Potential sehen, denken wir an die höchste Ebene der Verwirklichung unseres Potentials; es geht nicht nur um ein klein wenig, sondern um so viel wie tatsächlich möglich ist.

Und wie gesagt besteht die Grundlage darin, Respekt gegenüber uns selbst zu haben. Wir erkennen, dass wir alle die Voraussetzungen haben, um diesen Zustand tatsächlich erreichen zu können und alle anderen haben diese Voraussetzungen auch. Wir nehmen uns selbst also ernst, wir nehmen andere ernst und wir respektieren uns selbst und andere – wir alle sind Menschen, wir alle wollen glücklich sein und niemand will unglücklich sein. Und das alles bezieht sich auf das, was wir tun, wie wir unser Leben führen.

Nützliche Geisteszustände und Gewohnheiten durch Meditation entwickeln

Der Buddhismus bietet viele verschiedene Methoden für das Entwickeln dieser Geisteszustände. Es wird nicht einfach gesagt, dass wir alle lieben sollen, und weiter nichts. Es ist sehr schön zu sagen, dass wir alle lieben sollen, aber wie machen wir das eigentlich? Dafür gibt es die Meditation. Und Meditation bedeutet, eine nützliche Gewohnheit zu entwickeln. Wenn wir zum Beispiel einen Sport betreiben oder ein Musikinstrument spielen wollen, müssen wir üben. Wir üben immer wieder, bis wir wirklich gut sind. Und mit dem Üben lernen wir, so dass wir nach einer Weile gar nicht mehr nachdenken müssen; wir sind einfach sehr gut in dem Sport oder spielen die Musik mit großer Leichtigkeit.

In ähnlicher Weise können wir unsere Einstellungen schulen. Das machen wir mithilfe der Meditation. Wir versuchen ein gewisses Gefühl, einen bestimmten Geisteszustand zu erzeugen, indem wir darauf hinarbeiten. Wenn man zum Beispiel für einen Sport trainiert, muss man zuerst einige Aufwärmübungen machen, bevor man tatsächlich mit dem Sport beginnen kann. Also machen wir einige Aufwärmübungen für unseren Geisteszustand.

Um einen positiven Geisteszustand erzeugen zu können, müssen wir zunächst zur Ruhe kommen, unseren Geist und unsere Emotionen beruhigen, wenn wir mit unseren Gedanken überall und emotional durcheinander sind. Wir tun das normalerweise, indem wir uns in Ruhe auf unseren Atem ausrichten. Unser Atem ist die ganze Zeit da und wenn wir uns darauf ausrichten, hilft uns das, in Einklang mit dem stetigen Rhythmus des Atems zu kommen und uns zu beruhigen und es verbindet uns mit unserem Körper für den Fall, dass wir mit unseren Gedanken „in den Wolken schweben“. Dies ist die grundlegende Aufwärmübung.

Und wir denken über unsere Motivation nach. Warum möchte ich meditieren? Das ist auch Teil der Aufwärmübung. Wenn wir zum Beispiel einen Sport ausüben oder lernen zu musizieren, ist es sehr wichtig, wirklich zu verstehen und zu überprüfen: „Warum mache ich das?“ Auch wenn wir es nur tun, weil es Spaß macht und Freude bereitet, müssen wir uns daran erinnern, weil Training offensichtlich viel harte Arbeit ist. Wir bekräftigen also, warum wir eine positive Gewohnheit durch Meditation aufbauen wollen. Und der Grund ist der, dass sie mir dabei helfen wird, mit den Problemen des Lebens besser umgehen zu können, wenn ich zum Beispiel nicht so schnell wütend werde. Und wenn ich ständig wütend bin, ist es nicht möglich, dass ich irgendjemandem hilfreich sein kann. Wenn ich emotional aufgebracht bin, kann ich niemandem helfen.

Wir machen also all diese Aufwärmübungen. Und dann kommt die eigentliche Meditation: wir nutzen einen gewissen Gedankengang, um den gewünschten Geisteszustand zu erzeugen. Und wenn wir das tun, ist es sehr wichtig, dies mit unserem persönlichen Leben zu verbinden. Wir denken nicht nur abstrakte Theorie: wir denken an Schritte, die wir tun können, um uns selbst in unserem eigenen Leben hilfreich zu sein.

Ein Beispiel

Sagen wir beispielsweise, einer unserer Freunde hat sich uns gegenüber schlecht verhalten – er hat etwas Gemeines gesagt oder uns nicht angerufen, uns ignoriert oder jemand hat sich über uns lustig gemacht. Das sind furchtbare Dinge, die jedem passieren. Und wir haben darauf reagiert, indem wir uns wirklich schrecklich fühlen und uns sehr über diese Menschen ärgern, vor allem, wenn wir gedacht haben, sie wären unsere Freunde.

Wir untersuchen das also in der Meditation, wenn unser Geist ein wenig zur Ruhe gekommen ist, nachdem wir uns auf den Atem ausgerichtet haben. Und wir stellen wieder fest, dass unsere Freunde, unsere Mitschüler, Menschen genauso wie wir sind: sie wollen glücklich und nicht unglücklich sein. Und irgendetwas muss sie wirklich aufgeregt haben, weshalb sie mich auf so unschöne Weise behandelt haben, oder sie waren in Bezug auf mich nur verwirrt – sie konnten meine guten Eigenschaften nicht wirklich wertschätzen – und so haben sie sich über mich lustig gemacht. Sich über sie zu ärgern, sich deprimieren zu lassen – das wird keinesfalls helfen. Stattdessen wünsche ich mir, dass sie frei von dem sein mögen, was immer sie aufregt, damit sie mich nett behandeln, denn dann werden wir alle glücklich sein, sowohl ich als auch sie.

Anstatt sich also über sie zu ärgern, empfinden wir Liebe und Mitgefühl: „Es wäre großartig, wenn sie von allem frei wären, was sie aufregt. Mögen sie glücklich sein. Wenn sie glücklich wären, würden sie sich nicht auf diese unschöne Weise verhalten.“ Auf diese Weise entwickeln wir uns so, dass wir ihnen gegenüber Liebe anstatt Ärger empfinden. Das hilft uns, mehr Geduld mit ihrer Situation zu haben. Und wenn wir ruhiger, liebevoller und nachsichtiger handeln, wird ihnen das helfen, sich auch zu beruhigen und dann wird es viel einfacher, mit der Situation umzugehen.

Den Müll, den andere auf uns werfen, nicht persönlich nehmen

Buddha fragte einst einen Schüler: „Wenn jemand versucht, dir etwas zu geben und du nimmst es nicht an, wem gehört es dann?“ Ganz offensichtlich: Wenn man es nicht annimmt, gehört es der Person, die versucht hat, es einem zu geben. Wenn also jemand versucht, schlechte Schwingungen und negative Gefühle, Kritik usw. auf uns zu übertragen, ist es wichtig, es nicht anzunehmen und es nicht persönlich zu nehmen – mit anderen Worten sollten wir es vielmehr als etwas ansehen, was die andere Person aufgeregt hat. Wenn uns jemand kritisiert, kann es natürlich sehr hilfreich sein, uns selbst zu prüfen und zu sehen, ob er vielleicht auf etwas hinweist, woran ich arbeiten muss. Wir ignorieren es nicht, aber es ist wichtig, nicht wie ein Fänger in einem Ballspiel herumzulaufen und jederzeit bereit zu sein, alle möglichen Bälle von Müll und böser Gedanken zu fangen, die uns zugeworfen werden.

Manchmal tun wir das, nicht wahr? Dann sind wir einfach nur bemüht, jeden Müll zu fangen, den die anderen uns zuwerfen – schlechte Worte, böse Blicke, was immer es auch sein mag. Obwohl es nicht einfach ist, sollten wir versuchen, all die Dinge, die uns passieren, nicht so persönlich zu nehmen und es nicht als Ablehnung zu sehen, sondern zu verstehen, dass die andere Person ein Problem hat. Mit anderen Worten: Anstelle eine Geisteshaltung zu haben, mit der wir die andere Person als furchtbar betrachten, erkennen wir: „Oh, irgendetwas regt sie auf. Etwas stimmt nicht mit ihr.“

Es ist ähnlich wie wenn wir zum Beispiel die Sorge für ein zwei- oder dreijähriges Kind übernommen haben und das Kind ist sehr übermüdet ist und nicht schlafen gehen will. Wenn wir dann sagen: „Nun, es ist Zeit schlafen zu gehen“ und das Kind sagt: „Ich hasse dich!“ Werden wir das wirklich persönlich nehmen? Das Kind ist übermüdet und so nehmen wir diese hässlichen Worte mit denen es uns anschreit, nicht persönlich. Vielmehr haben wir Geduld, empfinden noch mehr Liebe für das Kind und versuchen, es zu beruhigen.

In der Meditation versuchen wir die andere Person, die uns Probleme bereitet hat, auf diese konstruktivere Weise zu sehen und üben, mehr Geduld, mehr Liebe, eine positivere Einstellung gegenüber dieser Person in dieser schwierigen Situation zu haben, damit wir besser damit umgehen können, wenn uns solche Dinge im tatsächlichen Leben begegnen. Kurz gesagt ist diese unfassbare Geisteshaltung des Bodhichitta etwas, worauf wir hinarbeiten müssen, um es zu erreichen. Diese Geisteshaltung, mit der wir die Verantwortung übernehmen, anderen so gut wir können zu helfen, indem wir durch Meditation und anderen Methoden daran arbeiten, von allen Unzulänglichkeiten so weit wie möglich frei zu werden und all unsere Potenziale zu verwirklichen. Denn wenn ich daran arbeite, allen dabei zu helfen glücklich zu werden, dann werde ich natürlich auch der Glücklichste sein. Aber wenn ich nur an meinem eigenen Glück arbeite und es auf Kosten der anderen mache oder andere dadurch ignoriere, werden wir alle leiden.

Wenn man jung ist, wenn man studiert, dann ist das eine beste Zeit, wirklich zu lernen alle Potenziale, alle Fähigkeiten zu schätzen und zu erkennen, dass man alle Voraussetzungen hat, sich zu entwickeln und sich in eine positive Richtung, statt in eine negative oder in gar keine Richtung zu entwickeln. Wir sind nicht allein auf der Welt; in diesem Informationszeitalter, in diesem Zeitalter der sozialen Medien usw., sind wir alle miteinander verbunden. Und wir können uns auf positivere Arten entwickeln, wodurch alle anderen auf konstruktive Weise beeinflusst werden.

Das war ein wenig zum Thema Bodhichitta. Jetzt haben wir Zeit für Fragen.

Was ist Liebe aus buddhistischer Sicht?

Können Sie uns etwas aus buddhistischer Sicht oder aus Ihrer Sicht über die Beziehung zwischen Mann und Frau sagen.

Wenn wir aus buddhistischer Sicht über die Liebe sprechen, dann ist die Liebe, wie ich bereits in unserer Diskussion erwähnt habe, der Wunsch, jemand möge glücklich sein und die Ursachen des Glücks besitzen. Das bedeutet, die andere Person, sowohl ihre Stärken als auch ihre Schwächen völlig zu akzeptieren. Und mein Wunsch, sie möge glücklich sein, hängt nicht davon ab, wie sie mich behandelt oder wie sie sich verhält. Ohne irgendeine Bedingung möchte ich, dass sie glücklich ist, auch wenn das bedeutet, ihnen etwas Freiraum zu lassen.

Liebe ist oft mit Begierde vermischt (Begierde bedeutet, dass wir etwas nicht haben, es aber unbedingt haben wollen). Es könnte mit Anhaftung vermischt sein (auch wenn wir etwas haben, wollen wir es nicht loslassen) und Gier (auch wenn wir jemanden als Freund haben, jemanden, den wir lieben, wollen wir immer mehr und mehr von ihm). All das basiert darauf, dass wir nur seine guten Eigenschaften sehen, sie zu sehr hervorheben, eine große Sache daraus machen und alle Fehler, die er haben mag, ignorieren. Und seine guten Eigenschaften bestehen vielleicht nur darin, dass er mich mag, dass ich mich gut fühle, wenn ich mit dieser Person zusammen bin, dass er gut aussieht, sexy ist, oder was auch immer. Wir betrachten also nur einen sehr kleinen Teil der Person, den wir wichtiger erscheinen lassen, als alles andere. Das ist also keine sehr realistische Einstellung. Und sie ist sehr davon abhängig, wie diese Person mich behandelt: Wenn sie mich gut behandelt, dann liebe ich sie; wenn sie mich nicht gut behandelt, dann liebe ich sie nicht mehr. Dies ist keine stabile Art der Liebe.

Wie ich schon sagte, besteht die stabile Art der Liebe – wovon wir im Buddhismus reden – darin, dass wir sowohl die guten als auch die negativen Seiten einer Person anerkennen, denn jeder hat Stärken und Schwächen; niemand ist ideal oder perfekt. Verstehen Sie, das Problem ist, dass viele von uns noch an Märchen glauben. Im Märchen gibt es einen Traumprinzen oder eine Traumprinzessin auf dem weißen Pferd und sie sind absolut vollkommen. Wir sind immer auf der Suche nach dem Prinzen oder der Prinzessin und wir projizieren den Prinzen oder die Prinzessin auf die verschiedenen Menschen, in die wir uns verlieben. Aber leider ist das nur ein Märchen und bezieht sich, wie auch der Weihnachtsmann, nicht auf die Realität.

Dies zu erkennen ist nicht sehr angenehm; es ist sehr schwer zu akzeptieren. Und wir geben nie auf: „Diese Person hat sich nicht als Prinz oder Prinzessin erwiesen, aber vielleicht ist es der/die nächste.“ Solange wir weiter projizieren und auf der Suche nach dem Prinzen oder der Prinzessin auf dem weißen Pferd sind, werden unsere Beziehungen, unsere Liebesbeziehungen zu anderen, problematisch sein, denn niemand kann dem Ideal eines perfekten Partners für uns gerecht werden. Wir werden wütend, wenn sie sich nicht wie der Prinz oder die Prinzessin verhalten. Das bedeutet, dass wir nicht die Tatsache akzeptieren, dass der andere ein Mensch ist, genau wie ich und dass er Stärken und Schwächen hat. Wahre Liebe, stabile Liebe, basiert darauf, die Realität der anderen Person zu akzeptieren.

Ein weiterer Aspekt der Realität der Person, in die wir uns verliebt haben, und den wir oft vergessen, besteht darin, dass wir nicht das Einzige in ihrem Leben sind. Oft verlieren wir den Blick auf die Tatsache, dass es in ihrem Leben noch andere Dinge gibt, als nur mit mir zusammen zu sein – sie hat Freunde und Familie, sie hat andere Pflichten. Es gibt andere Dinge, die Teil ihres Lebens sind; ich bin nicht das Einzige. Es ist also sehr unangemessen, wenn wir eifersüchtig werden und uns aufregen, wenn sie Zeit mit anderen Menschen, mit anderen Dingen in ihrem Leben verbringt. Und wenn sie zum Beispiel schlechte Laune hat, oder nicht mit uns zusammen sein will, dann liegt das nicht nur an mir. Ich bin nicht die Ursache von all jenem, was diese andere Person fühlt und tut. Wenn sie schlecht gelaunt ist, könnte es an Dingen liegen, die mit ihrer Familie zu tun haben; es könnte an Dingen liegen, die andere Freunde betreffen, es könnte daran liegen, dass sie krank ist, sich nicht gut fühlt, es könnte an so vielen Dingen liegen. Warum sollte ich denken, dass ich die einzige Ursache für alles bin, was diese andere Person fühlt?

In ähnlicher Weise passieren, wenn ich eine langfristige Beziehung mit dieser Person habe, in unserem täglichen Umgang miteinander sehr viele Dinge. Was häufig passiert ist Folgendes: „Sie hat mich heute nicht angerufen. Sie hat auf meine SMS-Nachricht nicht geantwortet“ und dann geben wir dieser einen Sache eine übermäßige Bedeutung; wir sehen sie nicht im langfristigen Rahmen unserer gesamten Beziehung im Laufe der Zeit. Und wegen diesem einen Vorfall schlussfolgern wir, dass sie mich nicht mehr liebt. Aber das ist wirklich eine sehr beschränkte Sicht der Dinge – wenn wir nur eine kleine Sache betrachten und diese getrennt von der ganzen Beziehung sehen.

Die Realität ist, dass das Leben, die Stimmungen usw. eines jeden auf und ab gehen. Das ist wahr in Bezug auf uns und es ist wahr in Bezug auf alle anderen. Es ist also nur natürlich, dass diese Person, in die ich verliebt bin, manchmal gern mit mir zusammen sein will und manchmal nicht. Manchmal ist sie gut gelaunt; manchmal ist sie schlecht gelaunt. Und wenn sie schlechte Laune hat – oder wenn sie mit anderen Dingen zu beschäftigt ist, um meine SMS-Nachrichten oder was auch immer sofort zu beantworten – dann bedeutet das nicht automatisch, dass sie mich nicht mehr liebt; es ist einfach ein Teil des Lebens.

Das sind einige der Dinge, die wir lernen und verstehen sollten, wenn wir möchten, dass unsere Liebesbeziehungen stabil sind; ansonsten führt es nur zu großem emotionalen Chaos.

Es gibt ein sehr gutes Beispiel von einem großen indischen buddhistischen Meister, in dem es heißt, dass es sich mit unseren Beziehungen zu anderen so verhält, wie bei den Blättern, die vom Wind umher geweht werden, wenn sie im Herbst vom Baum fallen. Manchmal fliegen die Blätter im Wind zusammen; manchmal getrennt. Das gehört ganz einfach zum Leben dazu. Und so verhält es sich mit jeder Beziehung zu einem anderen Menschen – vielleicht hält sie ein ganzes Leben, vielleicht aber auch nicht.

Es ist wichtig zu versuchen, die andere Person wie einen wilden Vogel zu sehen, der an unser Fenster gekommen ist. Ein schöner wilder Vogel kommt an unser Fenster und das ist wunderbar. Es ist schön und es macht mich glücklich, diesen wilden Vogel eine Weile bei mir zu haben. Aber natürlich wird der Vogel wieder wegfliegen: der Vogel ist frei. Und wenn der Vogel wieder an mein Fenster kommt, ist das wunderbar und ich bin sehr glücklich. Aber wenn ich versuche, den Vogel zu fangen und ihn in einen Käfig zu stecken, wird der Vogel sehr unglücklich sein und vielleicht sogar sterben.

Ähnlich ist es mit jemandem, der in unser Leben tritt und den wir lieben. Er ist wie dieser wunderschöne wilde Vogel. Er tritt in unser Leben und bringt viel Freude und Schönheit. Aber er ist frei wie der wilde Vogel. Wenn wir jedoch versuchen, ihn zu fassen und festzuhalten, als wäre er unser Eigentum und dann ständig an ihm herumnörgeln: „Warum hast du mich nicht angerufen? Warum bist du nicht zu mir gekommen? Warum verbringst du nicht mehr Zeit mit mir?“ ist es, als würde man versuchen, den wilden Vogel in einen Käfig zu sperren. Der wilde Vogel wird mit allen Kräften versuchen zu entkommen. Und wenn der wilde Vogel bei uns bleibt, wie diese Person, wenn sie aus Schuldgefühlen bei uns bleibt, wird er sehr unglücklich sein.

Dies ist ein wirklich sehr hilfreicher Gedanke – jeden, in den wir uns verlieben, der in unser Leben tritt, wie diesen wunderschönen wilden Vogel zu sehen. Je entspannter wir sind – je weniger wir festhalten – umso mehr wird dieser wilde Vogel an unser Fenster kommen wollen.

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