Grundlegendes Schema der fünf Aggregate

Jeder Augenblick unserer Erfahrung setzt sich aus einer Vielzahl von Variablen zusammen. Die fünf Aggregatfaktoren der Erfahrung (tib. phung-po, Skt. skandha, Aggregate, Haufen) bilden ein Schema, mit dem man diese Variablen – mit anderen Worten, die nichtstatischen (unbeständigen) Bestandteile – klassifizieren kann.

Das Wort Aggregat bedeutet “Ansammlung oder Anhäufung”. Jedes der fünf Aggregate ist somit eine Ansammlung einer Vielzahl von Komponenten. Die Komponenten eines Aggregates können entweder unterschiedliche Arten von Phänomene sein (z.B. Liebe und Hass), oder aber sie können verschiedene Möglichkeiten sein, die einem einzigen Phänomen innewohnen (z.B. verschiedene Grade des Glücklichseins, die man empfinden kann). Wenn sie Teil der Erfahrung sind, verändern sich all diese variablen Komponenten von Augenblick zu Augenblick, wobei jede von ihnen eine andere Länge der Kontinuität hat.

Da im Buddhismus die Definition dessen, was existiert “ was in einer gültigen Weise erkennbar” ist, und da alles, was in einer gültigen Weise erkennbar ist, ein Objekt unserer Erfahrung sein kann, kann alles was existiert ein Objekt unserer Erfahrung sein. Dies bedeutet, dass alle nichtstatischen Phänomene innerhalb der fünf Aggregate klassifiziert werden können. Einige nichtstatische Phänomene sind mit unseren geistigen Kontinua (tib. sems-rgyud, Geistesstrom) verbunden (z.B. unser persönliches Glücksempfinden); andere sind mit den geistigen Kontinua anderer Wesen verbunden (z.B. das Glücksempfinden einer anderen Person). Noch andere sind mit überhaupt keinem geistigen Kontinuum verbunden (z.B. ein Fels). Statische Phänomene wie der Raum können zwar ein Teil unseres Erlebens sein, doch sie werden im Klassifikationsschema der fünf Aggregatsfaktoren nicht mit eingeschlossen.

Die fünf Aggregatsfaktoren ähneln also fünf Säcken. Jeder Augenblick unseres Erlebens beinhaltet eine oder mehrere Komponenten aus jedem der fünf Säcke und jede Variabel, die unser Erleben bildet, befindet sich in dem einen oder anderen Sack. Die Säcke sind allerdings nur Abstraktionen, die auf der Grundlage verschiedener Ansammlung von Komponenten zugeschrieben werden. Die Säcke und ihre Komponenten existieren nicht irgendwo aus sich selbst heraus – weder in uns noch außerhalb von uns. Wenn ein Aggregatsfaktor (z.B. Glücklichsein oder Wut) nicht ein Teil unseres gegenwärtigen Erlebens ist, dann existiert er nicht sonst irgendwo anders als etwas Findbares.

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