Betrachtung konstruktiver karmischer Impulse und das Heranreifen karmischer Resultate

Konstruktive karmische Impulse 

Ein konstruktiver karmischer Impuls besteht darin, davon abzusehen, etwas Destruktives zu tun, zu sagen oder zu denken. So wie es zehn destruktive Handlungen gibt, die als breite Kategorien festgelegt werden, gibt es in ähnlicher Weise zehn konstruktive, die entsprechend der destruktiven Handlungen, die sie ablehnen, in drei des Körpers, vier der Rede und drei des Geistes unterteilt werden. Der Pfad, einen konstruktiven karmischen Impuls umzusetzen, besteht jedoch nicht einfach darin, eine destruktive Tat zu unterlassen. Damit sie vollständig ist, müssen wir zunächst erkennen, dass es ziemlich selbstzerstörerisch wäre und zahlreiche negative Auswirkungen hätte, wenn wir destruktiv handeln würden. Auf dieser Basis als unserer Motivation müssten wir dann auf eine Weise handeln, mit der wir uns zurückhalten, diese Tat zu begehen und sie letzten Endes tatsächlich unterlassen.

Jede konstruktive Handlung hat wie ihr Gegenteil vier Faktoren, die vollständig sein müssen, damit die Handlung die stärksten Resultate hervorbringt (tib. yan-lag bzhi):

  • eine Grundlage oder ein Objekt, auf welche die Handlung gerichtet wird oder auf die die Handlung abzielt;  
  • ein motivierender geistiger Rahmen; 
  • eine Methode, die umgesetzt wird, um die Handlung stattfinden zu lassen; sowie  
  • ein Erreichen der Vollendung dieser Handlung.  

Betrachten wir den Fall, es zu unterlassen, das Leben eines Wesens, wie das einer Fliege, zu nehmen. Die Fliege selbst ist die Grundlage oder das Objekt, auf die unser konstruktiver karmischer Impuls nicht zu töten, sowie unsere tatsächliche Handlung des Unterlassens gerichtet ist. Der geistige Rahmen, uns selbst von der Tat des Tötens zurückzuhalten, muss durch eine Motivation kommen mit der wir zunächst die Nachteile erkennen, die sich aus dem Töten ergeben, dann dem Nachdenken darüber, dass es nicht im entferntesten richtig wäre, sie totzuschlagen, und schließlich der festen Absicht, es zu unterlassen, dies zu tun. Wenn diese Absicht stärker wird, besteht die eigentliche konstruktive Handlung darin, uns bewusst zu beherrschen, sie nicht zu töten, während wir die Nachteile erkennen, die sich aus dem Totschlagen ergeben würden. Unsere Handlung erreicht ihre Vollendung, wenn wir uns fest entscheiden, das Töten dieser Fliege zu unterlassen, weil wir die leidvollen Resultate erkennen, die sich daraus ergeben würden, ein Leben zu durchtrennen.

Die gleiche Art der Analyse kann für die vier Teile gemacht werden, die für die Vollständigkeit der anderen neun konstruktiven Handlungen notwendig sind. Somit würden wir uns zurückhalten, ein Restaurant zu verlassen, ohne zu bezahlen oder eine Ware aus dem Supermarkt in unserer Tasche zu verstecken, eine Affäre mit unserem Nachbarn zu haben oder Liebe mit unserer Frau während der letzten Monate der Schwangerschaft zu machen, über unsere Vergangenheit zu lügen, unserem spirituellen Lehrer schlechte Dinge über einen Schüler zu erzählen, unsere Freunde zu beschimpfen, wenn sie einen Fehler gemacht haben, unseren Lehrer mit dummen oder sinnlosen Fragen über belanglose Dinge zu unterbrechen, darüber nachzudenken, loszugehen und uns das neuste Auto zu kaufen, weil unser Nachbar sich gerade eins gekauft hat, darüber nachzudenken, das Baby zu schlagen, weil uns das Schreien nervt oder darüber nachzudenken, zu versuchen die Existenz freudloser Bereiche zu leugnen, weil wir die Vorstellung an sie nicht mögen. 

Wir würden uns von all diesen destruktiven Handlungen zurückhalten, weil wir uns deutlich der leidvollen Auswirkungen bewusst sind, die sich ergeben, wenn wir uns nicht in Selbstbeherrschung üben. Handeln wir somit positiv, indem wir destruktive Handlungen unterlassen, ergreifen wir eine bewusste vorbeugende Maßnahme, um Probleme und Schwierigkeiten zu vermeiden, die in der Zukunft entstehen würden, sowohl in einem schlechten Wiedergeburtszustand, sowie als Nachwirkungen in späteren menschlichen Leben.

So, wie es drei Arten von Resultaten gibt, die auf karmische Samen und negative karmische Kraft destruktiver Handlungen zurückzuführen sind, gibt es auch drei von karmischen Samen und positiver karmischer Kraft konstruktiver Handlungen: 

  1. gereifte Resultate;
  2. Resultate, die ihrer Ursache in unserem Verhalten und unserem instinktiven Verhalten entsprechen; und
  3. dominierende Resultate.

[1] Bewahren wir die ethische Selbstdisziplin, die zehn konstruktiven Handlungen zu praktizieren, auch ohne ein Verständnis der Wirklichkeit, aber mit starker Kraft und den geeigneten Gebeten und weitreichenden Geisteshaltungen, können wir als erstes Resultat eine Wiedergeburt mit den Aggregat-Faktoren der Erfahrung eines Götterwesens der höheren Bereiche samsarischer Existenz erlangen, entweder jener der ätherischen Formen (Bereich der Form) oder jener der formlosen Wesen (formloser Bereich). Tun wir es mit mittelmäßiger Kraft, können wir jene eines Götterwesens auf der Ebene des Sinnesbegehrens (Bereich der Begierde) erlangen und mit schwacher Kraft jene eines menschlichen Wesens. Die Kriterien für das Bestimmen der Stärke der Kraft unserer konstruktiven Handlungen sind dieselben, wie jene, die für die destruktiven erwähnt wurden. 

[2] Was die Resultate betrifft, die ihrer Ursache ähneln und die wir in einem späteren menschlichen Leben ernten werden, sind dies die Gegenteile dessen, was sich aus den negativen karmischen Kräften ergibt. Meiden wir es zu töten, werden wir ein langes Leben haben und instinktiv das Töten unterlassen. Meiden wir es zu stehlen, werden wir großen Reichtum besitzen und natürlicherweise ehrlich sein. Meiden wir es, unangemessenes sexuelles Verhalten auszuüben, werden wir eine glückliche und friedliche Ehe haben und nie versucht sein, außereheliche Affären zu haben. Meiden wir es zu lügen, werden unsere Worte als verlässlich gelten und werden instinktiv die Wahrheit sprechen. Meiden wir es, Zwietracht zu säen, werden wir gute Beziehungen mit anderen haben und von Natur aus freundlich sein; und so weiter.

[3] Die dominierenden Resultate kann man ebenfalls verstehen, wenn man sich jene der destruktiven Handlungen ansieht. Beispielsweise werden wir an einem Ort geboren werden, an dem die Nahrung reichhaltig ist und die Speisen, Getränke und Medikamente uns helfen, stark und gesund zu sein; wir werden in einem reichen, florierenden Land geboren, in dem es ausreichend materielle Objekte zum Genießen gibt, an einem Ort mit sauberen und schönen Umgebungen, wo keine Gefahr besteht, dass unsere Frau angegriffen wird und so weiter. Alles Gute und Wünschenswerte kann erreicht werden, wenn wir diese konstruktiven Handlungen ausführen. 

Im Sutra der zehn (Arya-Bodhisattva-) Ebenen des Geistes (tib. mDo-sde sa-bcu-pa, Skt. Daśa-bhūmika Sūtra) sagte der Buddha:

Durch das Aufbauen der hilfreichen Gewohnheiten dieser Zehn, kann man die Resultate eines Shravakas verwirklichen, während man sich vor den unkontrollierbar sich wiederholenden Problemen Samsaras fürchtet und den Worten anderer folgt, ohne ein von Herzen kommendes Mitgefühl zu haben. Indem man sich in ihnen übt, ebenfalls ohne ein von Herzen kommendes Mitgefühl zu haben, jedoch mit dem Wunsch, sein vollstes Potenzial zu erreichen, ohne sich auf andere stützen zu müssen und während man sich auch über abhängiges Entstehen gewahr ist, kann man die Verwirklichung eines Pratyekabuddhas erlangen. Übt man sich mit einer äußerst weitreichenden und umfassenden Sicht und von Herzen kommendem Mitgefühl, Geschick bezüglich der Mittel und großen Wunschgebeten, während man niemals das Schicksal aller begrenzter Wesen aus den Augen verliert und sich auch auf das äußerst umfassende tiefe Gewahrsein der Buddhas ausrichtet, kann man alle Ebenen des Geistes eines Bodhisattvas und jede weitreichende Geisteshaltung verwirklichen; und indem man sich vollständig in ihren Aspekten übt, kann man alle dharmischen Maßnahmen zum Erlangen der Buddhaschaft verwirklichen.

Somit reden wir nie die Macht positiver und konstruktiver Gedanken, Worte und Taten klein.

Zusammenfassen und Aufzeigen der Parameter am Rande, welche die Stärke der Resultate beeinflussen, die Handlungen haben werden 

Die Stärke der Resultate wird im Allgemeinen, ob wir etwas Konstruktives oder Destruktives tun, entsprechend der vier Parameter variieren, welche die Stärke der Resultate einer Handlung beeinflussen (tib. stobs-ldan-gyi las-kyi sgo-bzhi): 

  1. das Feld unserer Handlung (tib. zhing, Skt. kṣetra);  
  2. unsere Ebene des Vertrauens (tib. rten); 
  3. das damit verbundene Phänomen (tib. chos, Skt. dharma); sowie  
  4. unser motivierender geistiger Rahmen. 

[1] Das Feld unserer Handlung bezieht sich auf die Person oder das Wesen, die oder das das Objekt oder der Empfänger von etwas ist, das wir tun. Somit hat das materielle Unterstützen einer gewöhnlichen Person, unserer Eltern, eines Mönchs oder einer Nonne, eines Bodhisattvas, eines Buddhas und unseres spirituellen Lehrers hilfreiche Auswirkungen ansteigender Stärke. Sogar den eigenen Lehrer in einer erleuchtenden Form zu visualisieren und ihm Opfergaben darzubringen, ist eine mächtige Praxis, weil sie solch ein reichhaltiges Feld für spirituellen Wachstum bietet. 

Der Punkt der hier gemacht wird, ist, dass sich die Stärke der Resultate nicht darauf bezieht, wie viel Leid durch unsere materielle Unterstützung gemindert wird oder wie sehr der Empfänger unsere Hilfe benötigt, sondern einfach darauf, wie viel Güte der Empfänger uns und anderen entgegengebracht hat, auf das reine Ziel, das sie anstreben oder erreicht haben und auf ihre guten Eigenschaften.

In ähnlicher Weise sind die Resultate schwerwiegender, wenn wir destruktiv gegenüber solch reichhaltigen Feldern handelt, als wenn wir dasselbe gegenüber einer gewöhnlichen Person tun würden. Wir sollten besonders darauf achten, nicht respektlos oder destruktiv gegenüber jenen zu sein, bei denen wir unsere sichere Ausrichtung in diesem Leben suchen. Die Konsequenzen können nur verheerend sein. Nimmt beispielsweise ein Haushälter ohne Erlaubnis etwas, das ausschließlich dem Sangha gehört oder für ihn bestimmt ist, sind die Auswirkungen äußerst schwerwiegend. Außerdem kann auf einen Bodhisattva gerichtete Wut all unsere positive karmische Kraft zerstören, wie wir bereits erwähnt haben. 

[2] Unsere Ebene des Vertrauens gegenüber dem Glauben an Tatsachen oder unsere Verpflichtung gegenüber den Gesetzen verhaltensbedingter Ursache und Wirkung macht auch einen Unterschied in den Resultaten unserer Handlungen aus. Nehmen wir einmal an, wir wissen, dass eine bestimmte Handlung destruktiv ist, doch weil uns die nötige Selbstbeherrschung fehlt, begehen wir sie trotzdem. Sind wir uns außerdem gewahr, wie wir uns von den leidvollen Auswirkungen reinigen können, indem wir offen unsere Fehler zugeben und die vier Gegenkräfte anwenden, Bedauern zu empfinden, zu versprechen, es nicht wieder zu tun, unsere Zuflucht und Bodhichitta-Ausrichtung erneut zu bekräftigen und Heilmittel anzuwenden, und dies tatsächlich tun, werden die Auswirkungen unserer destruktiven Handlung schwach oder vollständig beseitigt werden. Sind wir uns jedoch über all das bewusst, reden die Macht dieser Gegenmittel klein, begehen die destruktive Handlung mit Absicht und tun auf arrogante Weise nichts, um uns selbst von deren leidvollen Resultaten zu reinigen, sind die Konsequenzen sehr viel schwerwiegender.

Darüber hinaus besteht ein großer Unterschied in der Stärke unserer Handlungen, wenn wir Gelübde genommen haben oder nicht. Nehmen wir einmal an, wir unterlassen es, eine Fliege zu töten. Tun wir es spontan, willkürlich, als Teil eines persönlichen Versprechens, das wir gegeben haben, in dieser Woche niemanden zu töten, in Verbindung mit dem Einhalten der fünf Pratimoksha-Laiengelübde (tib. dge-bsnyen sdom-pa lnga) in diesem Leben, der 36 Gelübde eines Novizen, der 253 Gelübde eines voll-ordinierten Mönches, in Verbindung mit unserem Einhalten der Bodhisattva-Gelübde für all unsere Leben bis wir Erleuchtung erlangen oder auch in Verbindung mit den tantrischen Gelübden – in jedem Fall wird unsere konstruktive Handlung fortschreitend stärker werden. Schlachten wir ein Schaf als eine einmalige Sache, wenn wir fast am Verhungern sind, oder als Teil unserer Entscheidung, den Sommer in einem Schlachthaus zu arbeiten, in Verbindung mit der bekennenden Nicht-Enthaltung (tib. sdom-pa ma-yin-pa, Nicht-Gelübde) vom Töten, das wir abgelegt haben, als wir einen Vertrag unterschrieben haben, für den Rest unseres Lebens ein professioneller Schlachter zu werden – in jedem Fall wird unsere destruktive Handlung des Tötens eine stärkere Auswirkung haben. Der Unterschied entsteht durch unsere verschiedenen Ebenen der Verpflichtung, entweder davon abzusehen, destruktiv zu sein, oder gar keine Enthaltungen zu haben. 

So, wie eine impulsive Handlung des Körpers und der Rede, wenn sie stark motiviert sind, sowohl eine offenbarende Form als auch eine nicht-offenbarende Form der konstruktiven oder destruktiven Energie haben, gilt dies auch für unser Ablegen eines Gelübdes, einer bekennenden Nicht-Enthaltung, einer vorübergehenden Enthaltung oder einer Nicht-Enthaltung, die nicht bekennend ist. Eine einfache Handlung der Enthaltung vom Töten hat seine offenbarenden und nicht-offenbarenden Formen karmischer Impulse und positiver karmischer Kraft.

Die einfache Handlung der Enthaltung vom Töten hat jedoch keine zusätzlichen nicht-offenbarenden Formen, da das motivierende Ziel zu schwach ist, um sie zu erzeugen. Wenn dieselbe Handlung auf der Basis einer vorübergehenden nicht-bekennenden Enthaltung ausgeführt wird, baut sie eine zusätzliche „nicht-offenbarende Form der konstruktiven Energie“ (tib. rig-min-gyi dge-ba, Skt. avijñapti-kuśala) auf. Sie geht jedoch verloren, sobald die Periode endet, für die die nicht-bekennende Enthaltung festgelegt wurde. Wenn die Handlung von einem Gelübde begleitet wird, das für das gesamte Leben oder all unsere Leben bis zur Erleuchtung abgelegt wurde, setzt sich die nicht-offenbarende Form der konstruktiven Energie, die durch das Gelübde aufgebaut wurde, als positive karmische Kraft fort, bis dieses Leben endet oder, wie im letzteren Fall, bis wir Erleuchtung erlangen. Somit existiert die positive karmische Kraft in unserem Geisteskontinuum weiter und wächst sogar, ob wir wach sind oder schlafen. Je länger wir das Gelübde einhalten, desto mehr karmische Kraft wird aufgebaut. Eine ähnliche Analyse gilt für eine einfache destruktive Handlung, eine, die auf der Basis einer vorübergehenden nicht-bekennenden Nicht-Enthaltung und eine, die auf der Basis einer nicht-bekennenden Nicht-Enthaltung ausgeführt wird. 

Die folgenden Analogien können vielleicht helfen zu verstehen, wie die nicht-offenbarende Form entweder der konstruktiven Energie eines Gelübdes oder der destruktiven Energie einer nicht-bekennenden Nicht-Enthaltung weitere positive oder negative karmische Kraft in unserem Geisteskontinuum aufbauen, ungeachtet dessen was wir tun. Nehmen wir einmal an, wir spenden die Gelder oder unsere Arbeit für den Bau an einem Tempel. Die offenbarende Form unseres konstruktiven karmischen Impulses endet, wenn wir unsere Handlung des Darbringens der Gelder oder des Ausführens der Arbeit beendet haben. Die nicht-offenbarende Form dieser konstruktiven Energie setzt sich jedoch in unserem Geisteskontinuum fort und in der Folge wächst diese Energie jedes Mal, wenn der Tempel für eine Zeremonie benutzt wird, um die spirituellen Meister zu würdigen oder den Dharma zu lehren. Dasselbe gilt bezüglich unserer negativen karmischen Kraft, jedes Mal, wenn ein Schlachthaus oder ein Galgen, den wir gebaut haben, zum Töten oder für eine Hinrichtung benutzt werden. [Dargelegt von Vasubandhu in „Ein Schatzhaus spezieller Themen des Wissens“, IV.25-44; und von Tsongkhapa in „Ein großer Kommentar zu (Nagarjunas) Wurzel-(Versen zum mittleren Weg, namens) unterscheidendes Gewahrsein“, 300–301.]

[3] Was mit unserer Handlung verbunden ist, macht auch die verschiedenen Resultate aus. Anderen Menschen Dharma-Lehren zu geben, bringt größeren Nutzen, als ihnen materielle Unterstützung zu bieten. In ähnlicher Weise sind die Auswirkungen größer, wenn wir unserem spirituellen Meister unsere Dharma-Praxis darbringen, als ihm Blumen zu opfern.

[4] Unser motivierender geistiger Rahmen macht schließlich die Stärke der Resultate aus, die wir erfahren. Es besteht ein großer Unterschied in den Resultaten einer konstruktiven Handlung, wenn wir sie nur für unseren eigenen Nutzen ausführen, um anderen zu helfen, um dieses Leben oder zukünftige zu verbessern, oder um Befreiung oder Erleuchtung zum Wohle von allen zu erlangen. Halten wir eine Zeremonie ab, um die spirituellen Meister zu ehren und tun dies mit einer Bodhichitta-Ausrichtung, werden wir ein viel stärkeres Resultat erfahren, als wenn wir einfach daran teilnehmen, weil wir uns dazu verpflichtet fühlen oder uns in unserem neuen Kleid oder Anzug zeigen wollen.

Eine destruktive Handlung wird auch schwerwiegender, je mehr Schaden wir anrichten wollen. Darüber hinaus erhöht sich die Kraft einer Handlung bezüglich der Stärke unserer Motivation und wie lange wir diesbezüglich motiviert sind. Eine Absicht etwas zu tun, die sich über viele Jahre entwickelt hat und gewachsen ist, wird zu einer Handlung mit größeren Resultaten führen, als ein plötzlicher Impuls, dieselbe Sache zu tun. In ähnlicher Weise hat es mehr Kraft, etwas vorsätzlich mit großer zwingender Kraft und Dringlichkeit zu tun, als zwanglos zu agieren, ohne es wirklich tun zu wollen.

In Asangas „Anthologie spezieller Themen des Wissens“ werden neun Parameter erwähnt, die Resultate einer Handlung effektiv zu machen: 

  • das Feld unserer Handlung; 
  • das damit verbundene Phänomen; 
  • die Natur der Handlung; 
  • die Grundlage dessen, auf den sie gerichtet ist; 
  • unsere Wertschätzung; 
  • unser motivierender geistiger Rahmen; 
  • die unterstützenden Bedingungen unserer Handlung; 
  • ihre Häufigkeit; sowie 
  • die Anzahl der Personen, welche die gleiche Tat mit uns begehen.  

Der Unterschied gemäß des Feldes der Handlung bezieht sich darauf, wie viel Güte oder gute Eigenschaften das Objekt unserer Handlung hat, während sich jener gemäß der Grundlage auf den Status oder die Leistungen dieser Person bezieht, wie, ob sie gerade ein langes Retreat beendet hat oder sehr krank ist. Bei unserer Wertschätzung (tib. yid-la byed-pa, Skt. manasikāra) geht es darum, wie viel Respekt wir gegenüber dem Objekt haben; die unterstützenden Bedingungen (tib. grogs) beziehen sich auf unsere Ebene der Gelübde; während jede Handlung, konstruktiv oder destruktiv, umso mächtiger wird, desto höher die Anzahl der daran beteiligten Personen (tib. skye-bo mang-po) ist.

Dieser letzte Faktor bedeutet, dass die Handlung des Tötens eines Schafes von einer Person eine negative karmische Kraft im Geisteskontinuum einer Person aufbaut, während dieselbe Handlung die negative karmische Kraft des Tötens eines Schafes in zehn verschiedenen geistigen Kontinua aufbaut, wenn sie von zehn Menschen begangen wird. Es ist nicht so, dass die Handlung dann in jedem Geisteskontinuum der Personen eine stärkere karmische Kraft aufbaut, als wenn eine Person das Töten allein begeht. Genauso kann man es verstehen, wenn viele Menschen zusammen eine konstruktive Handlung begehen, wie das Teilnehmen an einer Zeremonie, um die spirituellen Meister zu ehren und dann die karmische Kraft einem positiven Ziel zu widmen.

Wir sollten über all diese Faktoren und Parameter nachdenken, welche die Auswirkungen unserer Handlungen stärker machen können, denn wenn wir uns der Gesetze verhaltensbedingter Ursache und Wirkung gewahr sind, können wir eine enorme positive karmische Kraft aufbauen und umfassende nützliche Resultate erfahren, auch wenn wir nur kleine konstruktive Handlungen mit minimalen Schwierigkeiten ausführen, es jedoch auf die stärkste Weise tun. Und ebenso können wir die verheerenden Konsequenzen unseres destruktiven Verhaltens minimieren, wenn wir uns in ähnlicher Weise darüber bewusst sind.

Aufzeigen anderer Weisen des Unterscheidens karmischer Handlungen 

Werfende und vollendende karmische Impulse

Eine Unterscheidung, die bei karmischen Impulsen gemacht wird, ist die zwischen einem werfenden karmischen Impuls (tib. ’phen-byed-kyi las) und einem vollendenden karmischen Impuls (tib. rdzogs-byed-kyi las). Beides sind karmische Impulse für eine Handlung des Geistes, die zum Zeitpunkt des Todes auftritt und die Wiedergeburt beeinflusst, die wir nehmen. Sie entstehen als das Resultat karmischer Impulse für Handlungen des Körpers oder der Rede, die entweder früher in diesem Leben oder in einem vorangegangenen Leben aufgetreten sind. 

Im Fall eines werfenden karmischen Impulses ist diese Handlung des Körpers oder der Rede eine der sieben, über die wir gesprochen haben. Nachdem die Handlung des Körpers oder der Rede begangen wurde, folgt eine Reihe vorübergehender Durchläufe als ein karmischer Same. Später, in dieser oder einer anderen Wiedergeburt, wird der karmische Samen zum Zeitpunkt des Todes aktiviert und ein werfender karmischer Drang entsteht, der das geistige Bewusstsein anstößt, die Elemente einer nächsten Wiedergeburt als dessen Stütze im nächsten Moment anzunehmen – als erstes die Elemente eines Bardo-Körpers. Nach einer Periode im Bardo entsteht ein weiterer werfender karmischer Drang, der das geistige Bewusstsein anstößt, die Elemente der eigentlichen Wiedergeburt anzunehmen. Wenn der auslösende karmische Impuls des Körpers oder der Rede konstruktiv war, ist es gewiss, dass dies eine Wiedergeburt in einem der drei besseren Wiedergeburtszustände ist. War er destruktiv, ist es gewiss, dass dies eine Wiedergeburt in einem der drei schlechten Wiedergeburtszustände ist.

Ein vollendender karmischer Impuls manifestiert sich am Ende einer Reihe von Durchläufen eines karmischen Samens, der aus dem karmischen Impuls für eine Handlung des Körpers oder der Rede folgt, der entweder eine der sieben ist, jedoch schwach motiviert durch eine destruktive oder konstruktive Emotion, oder mit dem man eine destruktive oder konstruktive Handlung begeht, die nicht zur Liste der sieben gehört. Er reift zusammen mit einem werfenden karmischen Impuls und vollendet die Umstände unserer Wiedergeburt. Es gibt keine Gewissheit, ob die Umstände mehr oder weniger Schwierigkeiten mit sich bringen und ob sie einen der besseren oder schlechteren Zustände bewirken. 

Es gibt vier Möglichkeiten (tib. mu-bzhi, Tetralemma): 

  • Durch die Kraft eines konstruktiven werfenden und vollendenden karmischen Impulses können wir die Geburt eines Chakravartin-Herrschers oder Königs erlangen. 
  • Durch die eines konstruktiven werfenden, aber destruktiven vollendenden karmischen Impulses, können wir als als Bettler geboren werden, der stets in Armut leben wird. 
  • Durch die Kraft eines destruktiven werfenden und vollendenden karmischen Impulses können wir als ein gefangenes Wesen in einem freudlosen Bereich geboren werden. 
  • Durch den eines destruktiven werfenden, aber konstruktiven vollendenden karmischen Impulses können wir als ein Hund Seiner Heiligkeit des Dalai Lama wiedergeboren werden.  

Es gibt auch vier Möglichkeiten dafür, wie viele werfende karmische Impulse zu wie vielen Wiedergeburten führen: entweder ein werfendes Karma oder viele zusammen können entweder eine oder eine Reihe von Wiedergeburten hervorbringen. Ein extremes Vergehen kann eine Reihe höllischer Wiedergeburten herbeiführen, während viele konstruktive Handlungen erforderlich sein mögen, um eine kostbare menschliche Wiedergeburt zu erlangen. Jedenfalls sind viele vollendende karmische Impulse notwendig, um all die Umstände einer Wiedergeburt zu vervollständigen [dargelegt von Asanga in „Eine Anthologie spezieller Themen des Wissens“].

Gemäß Asangas „Anthologie spezieller Themen des Wissens“ muss ein karmischer Drang, um die Kraft zu haben, als Auswirkung der Aggregat-Faktoren der Erfahrung eine karmische Wiedergeburt zu werfen, zumindest mit einer groben Ebene des Geistes stattfinden. Er kann nicht während eines tiefen Zustandes vertiefter Konzentration stattfinden, in dem die grobe Ebene des Geistes vorübergehend beendet wurde [Siehe auch Vasubandhu, „Ein Schatzhaus spezieller Themen des Wissens“ IV.95].

Karmische Impulse, bei denen es gewiss ist oder nicht, in welchem Leben man ihre Auswirkungen zu erfahren beginnt

Es gibt einige karmische Impulse des Körpers oder der Rede, bei denen es gewiss ist, in welchem Leben man beginnt, ihre Resultate zu erfahren (tib. myong-nges-kyi las) und andere, bei denen es keine solche Gewissheit gibt (tib.myong-ba ma-nges-pa’i las). Somit geht es bei der Gewissheit nicht darum, ob wir irgendwelche Auswirkungen erfahren werden oder nicht. Wenn das Kontinuum unseres geistigen Bewusstseins von den karmischen Samen unserer karmischen Impulse nicht gereinigt ist, besteht eines der Gesetze des Karma darin, dass sie nicht verlorengehen, sondern irgendwann heranreifen werden. Diese Variable bestimmt lediglich, ob es eine Gewissheit bezüglich des Lebens gibt, in dem deren Auswirkungen beginnen stattzufinden oder nicht. Die hier beteiligten Auswirkungen sind Unglücklichsein als Resultat destruktiver karmischer Impulse und Glücklichsein als Resultat konstruktiver karmischer Impulse.

Es gibt drei Varianten karmischer Impulse, die gewiss sind: 

  • karmische Impulse, dessen Resultate in der Form sichtbarer Ereignisse (tib. mthong-chos myong-’gyur-gyi las) stattfinden – es ist gewiss, dass sie während diesem Leben zu Glücklichsein oder Unglücklichsein führen werden;  
  • karmische Impulse, dessen Resultate nach der Wiedergeburt erfahren werden (tib. skyes-nas myong-’gyur-gyi las) – es ist gewiss, dass sie in unserer unmittelbar nachfolgenden Wiedergeburt hervorgebracht werden; sowie  
  • karmische Impulse, dessen Resultate später, nach einer Anzahl von Leben, erfahren werden (tib. lan-grangs gzhan-la myong-’gyur-gyi las) – es ist gewiss, dass sie in einem Leben nach diesem hervorgebracht werden und dasselbe bewirken.  

Zum Zeitpunkt, wenn sie das erste Mal erscheinen, erfahren wir nicht notwendigerweise dessen Resultate. Was bestimmt wird, ist das Leben, in dem wir beginnen, deren Resultate zu erfahren.

Verstärkte karmische Impulse und umgesetzte karmische Impulse

Der Unterschied zwischen karmischen Impulsen, bei denen es gewiss ist, in welchem Leben man beginnt, ihre Auswirkungen zu erfahren, und jenen, bei denen dies nicht gewiss ist, wird durch die Variablen bestimmt, ob die karmischen Impulse für eine Handlung des Körpers oder der Rede umgesetzt wurden oder nicht (tib. byas-pa) und ob sie aufgebaut und verstärkt wurden oder nicht (tib. bsags-pa, Skt. upacaya).

Ein karmischer Impuls für eine Handlung des Körpers oder der Rede wird umgesetzt, wenn die Handlung begangen wird und ihren Abschluss erreicht. Er wird, zusätzlich dazu, aufgebaut und verstärkt, wenn ihm eine Handlung des Geistes vorangeht, mit der sie erwägt (tib. ched-du bsams-pa, Skt. saṃcintya) und entschieden wurde, die Handlung zu begehen. Geht ihm solch eine Handlung voran, schaffen wir im Kontinuum unseres geistigen Bewusstseins einen karmischen Samen von der noch nicht stattfindenden Handlung des Körpers oder der Rede, auch wenn wir keine Handlung des Körpers oder der Rede begehen.  

Es gibt vier Möglichkeiten. Zum Beispiel im Fall der Handlung des Körpers, das Leben von jemandem zu nehmen:

  • Es unbewusst, in einem Traum oder aus keinem besonderen Grund, sondern nur aus „Spaß an der Freude“ zu tun (tib. ched-du ma-byas-pa’i las), oder von jemand anderem gezwungen zu werden, es gegen unseren eigenen Willen zu tun, es nicht im Einklang mit dem zu tun, was wir geplant haben, es irrtümlicherweise zu tun, es unachtsam zu tun, es nur einmal halbherzig zu tun und es dann sofort zu bereuen und zu geloben, es nie wieder zu tun – in all diesen Fällen wurde der karmische Impuls unseres Körpers umgesetzt, jedoch nicht aufgebaut (tib. byas-la ma-bsags-pa’i las). 
  • All die Einzelheiten und Pläne für einen Mord eine lange Zeit auszuarbeiten und die Tat dann nicht auszuführen – in solch einem Fall wurde ein noch nicht stattfindender karmischer Impuls unseres Körpers aufgebaut, jedoch nicht umgesetzt und wird daher nicht verstärkt (tib. bsags-la ma-byas-pa’i las). 
  • Einen vorsätzlichen Mord zu begehen – in solch einem Fall wurde der karmische Impuls unseres Körpers umgesetzt, aufgebaut und verstärkt (tib. byas-la bsags-pa’i las). 
  • Jemanden fast mit unserem Auto zu überfahren – in solch einem Fall wurde kein karmischer Impuls umgesetzt oder aufgebaut (tib. ma-byas-shing ma-bsags-pa’i las).  

Nur ein karmischer Impuls für eine Handlung des Körpers oder der Rede, der umgesetzt, aufgebaut und verstärkt wurde, ist für das Leben, in dem er beginnen wird heranzureifen, gewiss. All die anderen haben keine solche Gewissheit.

Im Fall eines karmischen Impulses für eine Handlung des Geistes (darüber nachzudenken und sich zu entscheiden, eine Handlung des Körpers oder der Rede zu begehen), kann es keinen geben, den wir (vorsätzlich) aufgebaut haben, ohne ihn tatsächlich im Prozess umzusetzen; und im Fall eines Impulses für eine Handlung des Geistes, die wir ausgeführt haben, kann es keine geben, die wir aus keinem bestimmten Grund begangen haben, sondern „nur aus Spaß an der Freude“, noch eine, die wir von einem anderen gezwungen wurden, gegen unseren eigenen Willen zu begehen. Alle anderen Möglichkeiten können jedoch auftreten. [Dargelegt von Asanga in „Ein alles umfassender Text für die tatsächliche Grundlage“; und von Asanga in „Ein alles umfassender Text für Vergewisserungen“ (tib. gTan-la dbab-pa bsdu-ba, Skt. Viniścaya-saṃgraha).

In Asangas „Anthologie spezieller Themen des Wissens“ wurden fünf Arten von Handlungen erwähnt, in denen es keine Gewissheit bezüglich des Lebens gibt, in dem wir beginnen werden, ihre Auswirkungen zu erfahren: 

  • jene, die auf Drängen der Anordnung eines anderen entstehen, wie wenn ein Soldat von seinem Anführer gezwungen wird, jemanden zu erschießen; 
  • jene, die auf Drängen der fordernden Bitte von jemandem entstehen, wie wenn uns jemand mit einer tödlichen Krankheit oder Wunde bittet, ihn von seinen Leiden zu erlösen; 
  • jene, die durch unser eigenes mangelndes Gewahrsein entstehen, wenn wir nicht wissen, dass das, was wir tun, destruktiv ist; 
  • jene, die aus einem unkontrollierbarem Zwang wegen einem der drei grundlegenden störenden Emotionen und Geisteshaltungen des sehnsüchtigen Verlangens, der Feindseligkeit oder Engstirnigkeit entstehen; sowie
  • jene, die durch unser fehlerhaftes Verständnis entstehen, wie wenn wir denken, etwas Hilfreiches zu tun, aber aus Naivität das Falsche tun.  

Werden diese letzten zwei jedoch beide mit Vorsatz aufgebaut und dann tatsächlich begangen, gibt es keine Ungewissheit mehr, was sie betrifft. Wir werden mit Sicherheit ihre Auswirkungen erfahren.

Es gibt acht Arten von Handlungen, dessen Resultate wir mit Gewissheit in der Form von sichtbaren Ereignissen in diesem Leben erfahren werden:

  • destruktive Handlungen, die durch extreme Wertschätzung unserer Körper, Besitztümer oder zwanghafter Existenz herbeigeführt werden; 
  • konstruktive Handlungen, die durch extreme Missachtung dieser drei herbeigeführt werden; 
  • extreme Gedanken der Bosheit gegenüber einem begrenzten Wesen; 
  • extrem starke Gedanken des Mitgefühls und der Wünsche, anderen hilfreich zu sein; 
  • extrem starke Gedanken, den seltenen höchsten Juwelen, unseren spirituellen Meistern und dergleichen zu schaden; 
  • extrem starke Handlungen, die durch respektvollen Glauben und feste Überzeugung an solche Objekte herbeigeführt werden; 
  • destruktive Handlungen, die durch ein Mangel an Dankbarkeit entstehen und mit denen wir gegen jene konkurrieren, die uns am meisten geholfen haben, wie unsere Eltern, unseren spirituellen Lehrer und so weiter; 
  • extrem starke Handlungen, die herbeigeführt werden, indem wir uns voller Dankbarkeit wünschen, die Güte jener wettzumachen, die uns am meisten geholfen haben.  

[Dargelegt von Asanga in „Ein alles umfassender Text für die tatsächliche Grundlage“.]

Ein Beispiel für eine Handlung, deren Resultate wir mit Gewissheit erfahren werden, nachdem wir wiedergeboren wurden, wäre eine der zehn konstruktiven Handlungen, welche die Macht haben, uns in unserem nächsten Leben in eine andere menschliche Wiedergeburt zu werfen. Ein Beispiel für eine Handlung, deren Resultate mit Gewissheit später, nach einer Anzahl von Leben, erfahren werden, wäre eine konstruktive Handlung, die uns dazu bringen kann, als ein Mensch in einem Leben nach unserem nächsten wiedergeboren zu werden.

In Asangas „Anthologie spezieller Themen des Wissens“ wird eine andere Unterteilung erwähnt: 

  • Handlungen, deren Resultate gemeinsam erfahren werden (tib. las thung-mong-ba, kollektives Karma); 
  • Handlungen, deren Resultate nicht gemeinsam erfahren werden (tib. las thun-mong ma-yin-pa); sowie
  • Handlungen, deren Resultate gegenseitig von mehreren begrenzten Wesen erfahren werden (tib. sems-can rnams-kyi phan-tshun-gyi dbang-gis ’byung-ba’i las).  

Die erste ist Karma, das von allen geteilt wird und im weltlichen Umfeld resultiert, in dem alle leben, oder einer epidemischen Krankheit, mit der sich alle anstecken. Die zweite sind karmische Handlungen, die ausschließlich von einer Person ausgeführt werden und in ihrer eigenen inneren Welt der Erfahrungen resultieren, die sie mit niemandem teilt, wie wenn sich eine einzelne Person mit einer seltenen Krankheit infiziert. Die dritte sind Handlungen, die von mehreren Leuten zusammen begangen werden und zu etwas führen, das nur sie erfahren und niemand sonst, wie die vereinzelten freudlosen Bereiche oder eine geteilte Hysterie.

Betrachtung bestimmter Aspekte verhaltensbedingter Ursache und Wirkung 

Nachdem wir all die Leiden und Probleme der drei schlechten Wiedergeburtszustände betrachtet und gesehen haben, dass sie das Resultat davon sind, negativ zu denken, zu sprechen und zu handeln, haben wir uns fest entschieden, der sicheren Ausrichtung zu folgen, die von den drei seltenen und überragenden Juwelen geteilt werden. Somit haben wir uns entschlossen damit aufzuhören, die zehn destruktiven Handlungen zu begehen und nur konstruktive auszuführen. Infolgedessen können wir uns selbst davon abhalten, in unserem nächsten Leben in eine der schlechten Wiedergeburten zu fallen und stattdessen die Aggregat-Faktoren der Erfahrung eines Menschen oder Götterwesens zu erlangen. 

Dies zu erreichen ist jedoch nicht genug. Wollen wir nicht nur einen höheren Status erlangen, sondern auch einen überragenden Zustand der Befreiung oder Erleuchtung, die Verwirklichung unseres vollsten Potenzials, benötigen wir eine möglichst förderliche Arbeitsgrundlage. Solch eine Grundlage ist nicht nur ein kostbares menschliches Leben mit allen Ruhepausen und Möglichkeiten, sondern auch eins mit den acht gereiften guten Eigenschaften (tib. rnam-smin-gyi yon-tan brgyad), die den schnellsten spirituellen Fortschritt ermöglichen und die wenigsten Hindernisse bietet.

Die acht gereiften guten Eigenschaften

Die acht gereiften guten Eigenschaften sind: 

  • ein langes Leben (tib. tshe ring-ba) im Sinne unserer Lebenserwartung und unseres Erfolges, es vollständig auszuleben; 
  • einen kräftigen, schönen und gesunden Körper (tib. gzugs bzang-ba), mit vollständigen Sinnesfähigkeiten und vortrefflichen Merkmalen, sowie einer guten Ausstrahlung und einem Körperbau, dessen Erscheinung jeder als angenehm empfindet; 
  • eine gute, angesehene Familie (tib. rigs mtho-ba), die bekannt und in unserer Gemeinde, dem Land und sogar der Welt respektiert und geschätzt wird; 
  • ein großer Reichtum, sowohl im materiellen Sinne als auch was Freunde, Verwandte und Bekannte betrifft, sowie Kontrolle und Einfluss über diesen Reichtum (tib. dbang-phyug che-ba); 
  • Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit der Rede (tib. tshig-brtsun), sodass uns alle als eine vertrauenswürdige und verlässliche Quelle betrachten, um Fragen oder Konflikte zu lösen; 
  • Ansehen als jemand mit großer Macht (tib. dbang che-bar grag-pa, Skt. maheśākhya) um anderen zu helfen, sowie als jemand mit herausragenden Qualitäten, wie Mut und Eifer im Geben, sodass alle uns gern erfreuen würden; 
  • ein Mann zu sein (tib. skyes-pa-nyid yin-pa), was sich darauf bezieht, diese männlichen Eigenschaften und Stärken zu besitzen, die konstruktiv sind, wie stark, unerschrocken und sachlich zu sein; sowie
  • körperliche Stärke (tib. lus-stobs) und geistige Kraft (tib. sems-stobs), mit der Ausdauer und Willenskraft, unter keinen Umständen müde, krank oder erschöpft zu sein.  

Anders ausgedrückt geht es bei diesen Eigenschaften um unsere Fähigkeit, in einem besseren Wiedergeburtszustand zu bleiben, um unsere Körper, Geburt, materielle Mittel und Freunde, unsere Glaubwürdigkeit, unser Ansehen, unsere Fähigkeit, ein Gefäß zum Erlangen aller guten Eigenschaften zu sein, sowie um unsere Kraft, uns jeder Aufgabe zu stellen.

Die Vorteile der acht gereiften guten Eigenschaften

Als gereifte Resultate sind diese acht Qualitäten an und für sich weder konstruktiv noch destruktiv, weder gut noch schlecht. Besitzen wir sie jedoch und nutzen sie richtig, weil wir wissen, was mit ihnen erreicht werden kann, können sie zu Umständen werden, die uns helfen, einfacher ein Netzwerk positiver Kraft aufzubauen, das für uns und andere nützlich ist. Haben wir sie nicht, sind uns aber über ihre Funktionen und Vorteile, sie zu besitzen, bewusst, werden wir motiviert sein und versuchen, sie zu erlangen. Wir beten nicht nur, mit diesen Eigenschaften wiedergeboren zu werden, sondern sie auch angemessen nutzen zu können. Wie mit der Macht kann es gefährlich sein, wenn sie falsch eingesetzt werden.

[1] Mit einem langen Leben können wir viele konstruktive Unternehmungen für uns und andere zum Abschluss bringen. Wir werden in der Lage sein, anderen für einen längeren Zeitraum zu helfen und zu dienen, sodass wir uns um ihre Bedürfnisse kümmern können, wenn sie wachsen und sich entwickeln. Haben wir die Zeit, viele positive Ziele zu verwirklichen, die als Grundlage dafür dienen können, alle glücklich zu machen, und sie langfristig zu bewahren, können wir den Pfad für spirituellen Fortschritt bis zum letztendlichen Ziel gehen. Da es lange dauert hilfreiche Gewohnheiten des Geistes zu entwickeln, wird es schwierig sein sie zu perfektionieren, wenn wir jung sterben.

[2] Mit einem kräftigen, schönen und gesunden Körper werden wir durch unseren bloßen Anblick potenzielle Schüler anziehen. Andere werden sich natürlicherweise um uns scharen, zuhören, was wir zu sagen haben und dazu neigen, es zu akzeptieren. Unser bloßer Anblick wird andere dazu bringen, einen respektvollen Glauben an uns zu haben, wie im Fall von Atisha und Milarepas Schüler Rechungpa. Auf diese Weise werden wir in der Lage sein, einfacher viele Menschen zu erreichen. Sind wir dagegen hässlich, deformiert oder krank, werden andere aus Naivität und Aberglaube abgeneigt sein und vor uns zurückweichen. Wir werden viele ihrer Vorurteile überwinden müssen, um mit ihnen zu kommunizieren, ganz zu schweigen davon, ihnen zu helfen. 

[3] Werden wir in einer guten und angesehenen Familie geboren, werden die Menschen unserem Rat bezüglich ihres Wohlergehens folgen und gehorsam tun, was wir ihnen nahelegen. Sie werden nicht einmal daran denken, unsere Kompetenz infrage zu stellen. In manchen Ländern ist es so, dass Menschen auf uns herabsehen und als niedriger betrachten werden, wenn wir in unteren gesellschaftlichen Kasten oder Klassen geboren werden. Wie könnten wir mehr über das Leben wissen, als sie? Obgleich solch eine Geisteshaltung auf Naivität und Stolz beruht, wird es wirklich schwer sein, solche Menschen zu erreichen, wenn wir mit einem gesellschaftlichen Stigma geboren werden.

[4] Haben wir großen Reichtum sowie materiellen Wohlstand und Freunde, über die wir bestimmen, werden wir in der Lage sein, andere erst einmal anzuziehen, weil wir etwas geben und ihnen bezüglich ihrer materiellen Bedürfnisse helfen können. Langsam können wir uns dann um ihre spirituellen Bedürfnisse kümmern, indem wir ihnen die dharmischen Maßnahmen aufzeigen, die man im Leben ergreifen kann. Sind wir arm und haben keine einflussreichen Freunde, wird es schwierig sein zu helfen, wenn ein Bedürftiger zu uns kommt.

[5] Mit Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit der Rede werden andere uns vertrauen, dass das, was wir sagen, wahr ist. Wenn wir freundlich reden, andere ermutigen und selbst ein Beispiel setzen, werden wir natürlicherweise auf andere einen guten Einfluss ausüben. Auf diese Weise werden wir sie zu gütigen und warmherzigen Menschen heranreifen lassen. Wenn niemand glaubt, was wir sagen und alle uns nur als Heuchler oder Dummkopf betrachten, wie können wir dann jemandem etwas beibringen oder selbst ein gutes Beispiel setzen?

[6] Haben wir das Ansehen, jemand mit großer Macht zu sein, um anderen zu helfen, werden wir die Dankbarkeit von allen bekommen, wenn wir stets Menschen unterstützen, ihre konstruktiven Aufgaben zu erreichen. Niemand wird zögern, das zu tun, was wir ihnen sagen. Anderen zu helfen, ist weit effektiver als Aggression, um andere zu beeinflussen, damit sie tun, was gut für sie ist. Die Untergebenen eines wohlwollenden Herrschers würden nie auf die Idee kommen, dessen guten Rat auszuschlagen, während die Untergebenen eines Tyrannen oder Diktators nur an Möglichkeiten für Revolte denken können. Tun wir darüber hinaus nie etwas, um anderen zu nützen und haben nicht die Macht, anderen zu helfen, wird sich niemand uns zuwenden oder zuhören, was wir vielleicht vorschlagen.

[7] Sind wir, unabhängig von unserem Geschlecht, in dem Sinne ein Mann, stark, unerschrocken und sachlich zu sein, sind wir ein Gefäß zum Erlangen aller Unternehmungen durch feste Absichten und gewissenhafte harte Arbeit. Wir werden furchtlos sein, ungeachtet dessen, in welchem Kreis wir uns befinden. Wir werden nicht davor zurückschrecken, uns für das zu erheben, was wir als richtig erachten oder um den Dharma vor einer Gruppe von Menschen aufzuzeigen. Sind wir sachlich und objektiv, werden wir das weitreichende unterscheidende Gewahrsein haben, um all die subtilen Dinge, die passieren, zu unterscheiden und jede Situation, die auftauchen mag, zu bewältigen. Sind wir ein schwacher, ängstlicher und übermäßig emotionaler Mensch oder jemand, der grob, kämpferisch und kaltherzig ist, beeinträchtigt das ernsthaft unsere Fähigkeit, uns selbst und anderen zu helfen.

Des Weiteren hat es an sich mehrere Vorteile, einfach ein Mann zu sein. In diesem degenerierten Zeitalter haben es Frauen schwerer, weil sie aus Naivität gesellschaftlich diskriminiert werden. In manchen Ländern lässt man sie nicht einmal aus dem Haus gehen. Als Mann werden wir weniger Schwierigkeiten haben, irgendwohin zu gehen, mit jemandem zu sprechen, eine Mahlzeit mit jemandem zu teilen und so weiter, weil wir uns weniger Sorgen darum machen müssen, dass Leute auf falsche Gedanken kommen oder versuchen sich uns anzunähern, wenngleich dies trotz allem ein Problem sein kann. Wir werden weniger Störungen und Hindernisse haben, wenn wir allein, ungestört und an ruhigen isolierten Orten leben wollen, da die Gefahr nicht so groß ist, überfallen oder angegriffen zu werden.

Das heißt nicht, dass wir als eine Frau in diesem Leben keine Erleuchtung erlangen können. Das ist ohne jeden Zweifel möglich. 

[Dargelegt von Tsongkhapa, „Eine Erklärung von (Nagabodhis) Stufen der Darstellung (des Guhyasamaja-Tantra)“ (tib. rNam-bzhag rim-pa’i rnam-bshad), 18b, der „Das Guhyasamaja-Tantra“ XIII.24 zitiert, welches von Chandrakirti in „Eine erhellende Lampe“ (tib. sGron-gsal, Skt. Pradīpa-uddyotana) kommentiert wird.]

Der Punkt ist, dass eine Frau mehr gesellschaftliche Hindernisse überwinden muss, besonders wenn sie in einem Land geboren wurde, in dem Frauen nicht als ebenbürtig behandelt werden und keine Rechte oder persönliche Freiheiten haben. Das sollte uns jedoch nicht entmutigen. Als die vollkommen verwirklichte Tara in einem früheren Leben eine gewöhnliche Frau war und erstmalig Bodhichitta entwickelte, fiel ihr auf, dass es nur wenig Frauen mit dem Mut und Selbstvertrauen gab, dem ganzen Pfad des spirituellen Wachstums zu folgen. Daher gelobte sie unerschrocken, stets in weiblicher Form geboren zu werden und Erleuchtung als eine Frau zu erlangen. Das tat sie und wie vielen Wesen hat sie mit ihrer tröstlichen Warmherzigkeit, Sanftheit und ihrem tiefen Verständnis helfen können!

[8] Mit der körperlichen Stärke werden wir Widerstandsfähigkeit haben, wie Milarepa große körperliche Schwierigkeiten zu ertragen und alle Praktiken auszuführen, die notwendig sind, um Erleuchtung zu erlangen. Mit der geistigen Kraft werden wir große Willenskraft haben und niemals müde werden, daran zu arbeiten, die Ziele von uns und anderen zu erfüllen. Wir werden nie diese „Null Bock“-Haltung haben, sondern uns wirklich gern bemühen. Durch die Stabilität und das Selbstvertrauen, das wir dadurch bekommen, werden wir die geistige Kraft erlangen, den Zustand aller einzelnen Personen und Situationen, denen wir begegnen, zu analysieren und zu kennen. Das wird als Ursache dafür dienen, schnell in der Lage zu sein, die hellseherischen Fähigkeiten fortgeschrittenen Gewahrseins zu erlangen, um den Geist anderer zu lesen, ihre Vergangenheit und dergleichen zu sehen, was uns erlauben wird, ihnen sogar noch mehr zu helfen.

Die Ursachen für das Erlangen der acht gereiften guten Eigenschaften

Diese acht gereiften guten Eigenschaften, die es uns ermöglichen, unsere spirituellen Ziele mit unseren kostbaren menschlichen Leben einfacher zu erreichen, haben ihre Ursachen. Sind wir überzeugt von den Vorzügen, diese Eigenschaften zu haben, werden wir ganz natürlich ein reges Interesse daran haben, die positive karmische Kraft aufzubauen, die zu ihrem Erlangen heranreifen wird.

[1] Sich zu weigern, ein lebendes Wesen zu töten oder ihm Leid zuzufügen; das Leben von Menschen, Tieren und Insekten zu schützen, indem wir Hunde aus dem Tierheim oder Schafe aus dem Schlachthaus freikaufen, Insekten retten, die in einem Wassereimer ertrinken; daran zu arbeiten, Menschen, Tiere und so weiter aus der Gefangenschaft zu befreien, wie Goldfische aus Aquarien und Vögel aus Käfigen frei zu lassen; anderen Nahrung zu geben; Kranke zu pflegen und sie mit Medizin zu versorgen und all diese Dinge sind Ursachen dafür, eines langen Lebens zu haben.

[2] Eine Gewohnheit der Geduld aufzubauen und nicht wütend zu werden; Butterlampen und Kerzen vor Statuen und Thangkas der Buddhas, vor Sammlungen ihrer geschriebenen Werke und Stupas zu opfern, um sie zu ehren; solche Statuen, Thangkas, Drucke und Stupas in Auftrag zu geben oder selbst zu erstellen; solche Darstellungen von Buddhas erleuchtendem Körper, erleuchtender Rede und des allwissenden tiefen Gewahrseins zu reparieren, wenn sie alt geworden oder beschädigt sind; sie mit Blattgold zu bemalen oder zu bedecken; neue Roben für die Statuen und Umschläge für die Texte zu opfern; sowie anderen Menschen neue Kleidung, Schmuck und dergleichen darzubringen sind die Ursachen für einen kräftigen, schönen und gesunden Körper.

[3] Ob wir ein Haushälter sind oder Roben angenommen haben, nicht überheblich oder angeberisch und arrogant in Bezug auf unsere Fertigkeiten, Ausbildung, soziale Stellung, ethische Selbstdisziplin, Intelligenz, Anhängerschaft, Kleidung, Besitz und so weiter zu sein; unseren Stolz zu dämpfen und anderen Respekt zu erweisen, indem wir uns vor unseren spirituellen Lehrern verbeugen und der Menschheit dienen; demütig zu sein und eine niedere Position einzunehmen; unsere Lehrer zu respektieren, sowie jene, die in das Klosterleben eingetreten sind und unsere Älteren; jenen zu dienen, die gütig gegenüber uns waren, besonders unseren Eltern und jenen, die große Qualitäten haben; sowie den Bedürftigen, Kranken und Armen zu helfen sind alles Ursachen dafür, in einer guten und angesehenen Familie geboren zu werden.

[4] Statuen und ähnliches der Buddhas neu zu bemalen und ihnen Blattgold und neue Roben zu opfern; Bettlern und jenen, die uns um Spenden bitten, Nahrung, Kleidung und Geld zu geben; solch bedürftigen Menschen auf eigene Initiative zu helfen, ohne sie betteln zu lassen; Menschen mit guten Eigenschaften oder jenen mit Problemen Geschenke zu geben, wenn ihnen die Mittel fehlen; die feste Gewohnheit der Liebe zu schaffen, mit der wir allen wünschen glücklich zu sein; voneinander getrennte Freunde und Verwandte wieder zusammenzubringen; und Missverständnisse zu beseitigen sind die Ursachen für den großen Reichtum materiellen Wohlstands und Freunden, über die wir bestimmen können.

[5] Sehr vorsichtig zu sein, was wir sagen; unser Wort zu halten; und uns entschieden von den vier destruktiven Handlungen der Rede zu lösen sind die Ursachen dafür, Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit der Rede zu haben.

[6] Besondere Objekte der Verehrung, wie spirituelle Meister, die drei seltenen und überragenden Juwelen, unsere Eltern und auch Ältere im Allgemeinen zu respektieren; ihnen unsere Dienste und Gegenstände darzubringen; für unser Erreichen aller gereiften guten Eigenschaften zu beten; unsere autoritative Macht, die wir haben, nicht zu missbrauchen, sind alles Ursachen dafür, das Ansehen von jemandem zu haben, der die Macht hat, anderen zu helfen.

[7] Sich an diesen männlichen Qualitäten zu erfreuen, die konstruktiv sind; sich nicht am Schicksal einer Frau zu erfreuen, die sich in einer Welt der Unwissenheit auseinandersetzen muss; die Mängel und Beschränkungen eines weiblichen Körpers in unserem degenerierten Zeitalter zu erkennen; an der Vorstellung, solch einen Körper zu haben, zu verzweifeln, indem man sich bewusst ist, wie ungeeignet er für die ungehinderte, intensive Praxis wäre; die Absichten jener mit sehnsüchtigem Verlangen nach einem weiblichen Körper zurückzuweisen; „Ein Konzert der Namen Manjushris“ (tib. ’Jam-dpal mtshan-brjod, Skt. Mañjuśrī-nāmasaṃgīti) zu rezitieren; zu beten, als ein Mann wiedergeboren zu werden und jene männlichen Eigenschaften zu haben, die konstruktiv sind; nicht kindisch zu sein oder unsere Widersacher zu beleidigen; Menschen und Tiere davor zu bewahren, kastriert zu werden und dergleichen sind Ursachen dafür, ein Mann zu sein.

[8] Zu erreichen, was andere Menschen mit ihrem Körper und Geist nicht erreichen oder nicht einmal im Gedanken erreichen können; anderen zu helfen; schwere Lasten von anderen zu übernehmen; selbst schwierige körperliche und geistige Aufgaben zu übernehmen; andere nicht zu schlagen; und andere mit Nahrung und Nährstoffen zu versorgen sind die Ursachen dafür, körperliche und geistige Kraft zu haben.

Ursachen für das Anwachsen der acht gereiften guten Eigenschaften

Sammeln wir die Ursachen für das Anwachsen dieser acht gereiften guten Eigenschaften mit reinem Gedanken, reiner Handlung und reinem Feld (tib. bsam-sbyor-zhing dag-pa) an, werden wir diese Qualitäten in großer Fülle ernten. 

[1] Die Reinheit des Gedanken umfasst zwei Punkte im Hinblick auf uns selbst und zwei im Hinblick auf andere. Im Hinblick auf uns selbst:

  • Welche konstruktiven Handlungen wir als Ursachen für diese Qualitäten auch ausführen, wir widmen ihre positive karmische Kraft für unser Erlangen der Erleuchtung, ohne zu hoffen oder zu erwarten, ihre reifenden Resultate zu bekommen.  
  • Wir arbeiten mit völliger Ernsthaftigkeit aus der Tiefe unseres Herzens und mit großer Kraft und Entschlossenheit daran, diese Ursachen zu erreichen.  

Im Hinblick auf andere: 

  • Wenn wir in jemandem Aspekte sehen, die diesen acht Qualitäten in großem, mittleren oder kleinen Maß ähneln, hören wir damit auf, jemals eifersüchtig zu sein, mit ihnen zu konkurrieren oder sie herabzusetzen. Vielmehr erfreuen wir uns an ihren Qualitäten.  
  • Sogar wenn wir im Moment nicht in der Lage sind, wie diese Personen zu sein, denken wir jeden Tag viele Male und mit großer Entschlossenheit daran zu versuchen, ihr glückliches Schicksal zu erfahren. 

[2] Die Reinheit der Handlung im Hinblick auf uns selbst besteht darin, hart daran zu arbeiten, diese Ursachen über einen langen Zeitraum ohne Unterbrechung zu erreichen. Was andere betrifft, ermutigen wir alle mit diesen Qualitäten, die sie noch nicht richtig genutzt haben, vernünftigen Gebrauch von ihnen zu machen. Darüber hinaus loben wir Leute, die wir treffen und die sie gut genutzt haben, damit sie noch mehr Freude an ihren Handlungen erfahren. Wir ermutigen sie weiterzumachen und sie nicht aufzugeben.

[3] Die Reinheit des Feldes bezieht sich auf das, was wir als die Ursachen zum Erlangen dieser Qualitäten betrachten. So wollen wir beispielsweise andere nicht betrügen, um reich zu werden. Vielmehr betrachten wir die oben genannten ursächlichen Gedanken und Handlungen als das Feld mit der reichen und vortrefflichen Ernte dieser acht gereiften guten Eigenschaften. Mit diesen acht werden wir in der Lage sein, die volle Essenz des Lebens zu nutzen, indem wir gegenüber uns selbst und anderen so hilfreich wie möglich sind. [Dargelegt von Asanga in „Bodhisattva-Stufen des Geistes“ (tib. Byang-chub sems-dpa’i sa, Skt. Bodhisattvabhūmi).]

Über die Prinzipien verhaltensbedingter Ursache und Wirkung, den Weg des Ausübens konstruktiver Handlungen und das Abwenden vom Begehen destruktiver Handlungen nachzudenken 

Shantideva sagte in „Eintritt in das Verhalten eines Bodhisattvas“, II.62: 

„Aus destruktiven Handlungen entsteht (nichts als) Leiden; wie kann ich mich mit Bestimmtheit davon befreien?“ Für jemanden wie mich ist es angebracht, dass ich Tag und Nacht, unaufhörlich nur darüber nachdenke.

Weil wir uns wünschen, vollkommen frei von unseren Problemen und Leiden zu sein, sowohl jetzt als auch in der Zukunft, folgen wir der sicheren Ausrichtung, wie sie von Buddha, Dharma und Sangha vorgegeben wurde, indem wir den festen Entschluss fassen, unser Leben mit dem Glauben an die Tatsachen verhaltensbedingter Ursache und Wirkung zu führen. 

Während den Meditationssitzungen bauen wir die nützliche Gewohnheit des Geistes auf, uns über diese Gesetze gewahr zu sein, indem wir unsere konstruktiven und destruktiven Handlungen betrachten und sie im Licht ihrer angenehmen und leidvollen Resultate, die Gewissheit ihrer Auswirkungen und so weiter zu sehen. Wir betrachten auch unsere angenehmen oder problematischen Erfahrungen und versuchen, sie im Licht ihrer möglichen Ursachen zu sehen.

Zwischen den Sitzungen bemühen wir uns mit aller Kraft Gedanken zu vermeiden, sowie etwas Destruktives zu sagen oder zu tun, was weitere negative karmische Kraft aufbauen würde, und uns in konstruktivem Verhalten zu üben, indem wir uns fortgesetzt die Gesetze verhaltensbedingter Ursache und Wirkung vergegenwärtigen und uns ihrer bewusst sind.

Diese Gesetze sind Tatsachen des Lebens. Wir sollten uns nichts vormachen und versuchen sie zu leugnen oder zurückzuweisen, weil wir sie nicht mögen oder eine destruktive oder negative Tat rechtfertigen wollen. Verhalten wir uns auf diese Weise, sind wir wie der Begründer der nicht-buddhistischen Charvaka-Schule (tib. rgyang-phan-pa, Skt. cārvāka, lokāyata). Er leugnete auf hartnäckige Weise, dass unsere Handlungen irgendwelche Auswirkungen haben, um jegliche Kritik wegen der sexuellen Beziehung zu seiner Tochter zu vermeiden.

Wir sollten auch nicht denken, dass wir die Lizenz hätten, alles zu tun wozu wir Lust haben und nichts eine Rolle spielt, weil wir über die Leerheit von allem gehört haben und alle Gesetze und Regeln nichtig und leer sind. Die Leerheit bedeutet die völlige Abwesenheit jeglicher Fantasie und eine unserer größten Fantasien besteht darin zu denken, unser Verhalten hätte keine Auswirkungen, und wir könnten Handlungen ausführen, die ganz für sich auftreten, ohne Auswirkungen oder Wellen von Resultaten hervorzubringen. 

Wie Tsongkhapa in „Die drei Hauptaspekte des Pfades“ (tib. Lam-gtso rnam-gsum), 13cd, sagte: 

(Wenn du weißt, wie) die Leerheit als Ursache und Wirkung erscheint, wirst du niemals durch Sichtweisen betrogen werden, die nach Extremen greifen.

Wir versuchen nur, unser Verständnis von verhaltensbedingter Ursache und Wirkung in unserem täglichen Leben anzuwenden, ohne scheinheilig zu sein. Dabei sollten wir nicht so sein, wie Geshe Potowa (tib. dGe-bshes Po-to-ba Rin-chen-gsal) es beschrieben hat:

Es gibt eine breite Kluft zwischen Himmel und Erde, die nahen und weiten Ufer des Ozeans, die Berge im Osten und im Westen, und zwischen einer gewöhnlichen Person und dem Dharma!

Als Geshe Ben Gungyal (tib. ’Ban Gung-rgyal, ’Phen rKun-rgal) in seiner Höhle lebte, hatte er zwei Steinhaufen: einen mit weißen und den anderen mit schwarzen Steinen. Während des Tages legte er für jeden konstruktiven Gedanken oder jede konstruktive Tat, die er begangen hatte, einen weißen Stein beiseite, und einen schwarzen für jede destruktive. Am Ende des Tages zog er Bilanz und wenn es mehr weiße als schwarze Steinchen gab, schüttelte er seine rechte Hand mit der linken und gratulierte sich selbst, indem er sich sagte: „Gut gemacht!“

Blieb ihm jedoch eine größere Ansammlung an schwarzen Steinchen, ergriff er seine rechte Hand kraftvoll mit der Linken und tadelte sich, indem er sagte: „Du solltest ein Meditierender sein, der positive Gewohnheiten aufbaut! Ein schönes Beispiel bist du für andere! Ich werde hinunter ins Tal laufen und allen erzählen, was für ein Scheinheiliger und Schwindler du bist und welch dunklen und listigen Geist du hast! Dann werden wir sehen, was deine Lehrer und Förderer dazu sagen werden!“

Es ist wirklich nützlich, jeden Abend vor dem Schlafengehen Bilanz zu all dem zu ziehen, was wir während des Tages getan haben. Je mehr wir unsere Erfahrungen und Taten im Licht der Gesetze verhaltensbedingter Ursache und Wirkung analysieren, desto mehr Erkenntnisse werden wir natürlicherweise haben. 

Wie Geshe Tolungpa (tib. dGe-bshes sTod-lung-pa chen-po rin-chen snying-po) sagte:

Wenn jemand, der die Konzepte (verhaltensbedingter Ursache und Wirkung) versteht, (sich selbst) richtig prüft, kann man das mit losen Steinen vergleichen, die am Berghang ins Rollen kommen. Je länger man auf ihnen läuft, desto mehr werden ins Rollen kommen.

Wenn wir unser Leben ernsthaft auf diese Weise untersuchen, werden wir beginnen zu verstehen, wie diese Gesetze wirken. Wird unser Wunsch dann stärker, keine weiteren Probleme und Leiden mehr zu erfahren, und wird unsere nützliche Gewohnheit des Geistes, die Ereignisse im Hinblick auf Ursachen und Wirkungen zu erkennen, stärker, werden wir ganz von selbst beginnen unser Verhalten zu ändern und zu verbessern. 

Wie Dromtönpa sagte:

Mein Meister Atisha trug mir immer auf, nicht wie ein Wilder zu handeln oder wie ein Dummkopf zu reden, da abhängiges Entstehen recht subtil ist.

Geshe Puchungwa (tib. dGe-bshes Phu-chung-ba) las während des Tages über den Dharma und nachts dachte er darüber nach, was er gelesen hatte. Eines Abends hörte sein Schüler viele aufgebrachte Geräusche, die aus dem Raum seines Meisters kamen. Als er fragte, was los sei, sagte Puchungwa: 

Ich bin nicht krank, aber heute habe ich gelesen, dass man laut dem Buddha wie ein umgedrehter Sandsack in einen der freudlosen Bereiche fallen wird, wenn man destruktiv handelt, und wenn ich darüber nachdenke, macht mich das fertig.

Aus diesem Grund sagte Puchungwa am Ende seines Lebens stets:

Nun, wo ich alt bin, werde ich nur noch das „Sutra der Weisen und Dummen“ lesen, denn darin erfahre ich alles über die Auswirkungen dessen, was ich getan habe.

Finden wir völlige Gewissheit hinter den Gesetzen verhaltensbedingter Ursache und Wirkung, werden wir niemals wieder destruktiv oder negativ handeln, sogar wenn jemand versucht, uns dazu zu zwingen. Das liegt daran, dass wir erkannt haben werden, was Geshe Sharawa (tib. dGe-bshes Sha-ra-ba) sagte: 

Es ist egal, welche Art von furchtbaren Problemen oder Leiden auftreten. Sogar wenn wir zu Unrecht in eine furchtbare Region verbannt oder ins Gefängnis geworfen wurden, kann der Buddha nur sagen, dass es alles unsere Schuld war und dass uns dieses oder jenes passiert ist, weil wir diese oder jene karmische Handlung ausgeführt haben.

Unsere Zukunft liegt vollkommen in unseren eigenen Händen. Wie Nagarjuna in „Brief an einen Freund“, 14, sagte:

Jemand, der sich früher nicht gekümmert, aber dann eine fürsorgliche Geisteshaltung entwickelt hat, wird so schön wie der Mond, wenn sich die Wolken lichten, genau wie Nanda, Angulimala, Ajatashatru und Udayana.

Nanda war Buddha Shakyamunis Cousin, der völlig betört und verzaubert von seiner Frau war; Angulimala war ein Massenmörder; König Ajatashatru hatte seinen Vater getötet; und Udayana war ein König, der seine eigene Mutter getötet hatte. Doch jeder von ihnen konnte sich selbst von seinen negativen karmischen Kräften reinigen und Befreiung erlangen. Wie war dies möglich? Es war möglich, weil sie offen ihre Fehler zugaben und ernsthaft die vier Gegenkräfte anwendeten.

Diese reinigenden Kräfte haben wir bereits in Verbindung mit den vorbereitenden Übungen besprochen. Da dies jedoch so ein wichtiger Punkt ist, wiederholen wir ihn üblicherweise hier noch einmal.

Die vier Gegenkräfte 

[1] Die erste Gegenkraft ist, ernsthaft zu bereuen, was wir getan haben. Das beruht darauf, vollkommen von den Gesetzen verhaltensbedingter Ursache und Wirkung überzeugt zu sein. Wir erinnern uns und visualisieren alle destruktiven Handlungen, die wir begangen haben, und fahren dann fort uns vorzustellen, wie wir ihre Auswirkungen erfahren. Auf diese Weise werden wir ernsthaft bedauern, was wir getan haben, so, als hätten wir Gift genommen. Ist die Kraft dieses ersten Gegenmittels stark, werden wir ganz natürlich dazu übergehen, auch die anderen anzuwenden.

[2] Die zweite Kraft ist die eines Heilmittels, um unserer negativen karmischen Kraft entgegenzuwirken und sie außer Kraft zu setzen. Von Shantideva wurden sechs solche Methoden in „Ein Kompendium von Schulungen“ (tib. bsLab-btus, Skt. Śikṣāsamuccaya) erwähnt:

  • Sutras über tiefgreifende Themen, wie das Herz-Sutra, zu rezitieren; 
  • über Leerheit zu meditieren – dies ist das stärkste Gegenmittel, um uns selbst von unseren negativen karmischen Kräften und Neigungen zu reinigen; 
  • Mantras zu rezitieren, wie das Hundert-Silben-Mantra von Vajrasattva (tib. rDo-rje sems-dpa’) oder das Sechs-Silben-Mantra von Avalokiteshvara; 
  • Statuen zu bauen oder Bilder und Zeichnungen der Buddhas zu erstellen, besonders wenn es mit großem Glauben und nicht aus Geschäftsgründen geschieht, und solche Arbeiten in Auftrag zu geben; 
  • den Buddhas und ihren Stupas Opfergaben darzubringen; 
  • die Namen der Buddhas und Bodhisattvas, wie jene der 35 Buddhas für das offene Zugeben unserer Übertretungen (tib. ltung-bshags de-bzhin gshegs-pa so-lnga) zu rezitieren.  

[3] Die dritte Gegenkraft ist unser Versprechen, unsere Fehler nicht zu wiederholen, während [4] die vierte darin besteht, uns auf die sichere Ausrichtung und unser Bodhichitta-Ziel zu stützen und sie zu bestärken.

Wenn wir diese Gegenmittel anwenden, sollten wir dies so lange tun, bis wir bestimmte Zeichen unserer Reinigung bekommen. Diese kommen in Träumen und bestehen darin, sich zu übergeben, Milch zu trinken und Joghurt zu essen, die Sonne oder den Mond aufgehen zu sehen, durch die Luft zu fliegen oder zu laufen, Feuer als konstruktiv zu sehen, Kriminelle oder verrückte wilde Bullen zu überwinden, Mönche oder Nonnen zu sehen, Bäume zu sehen, aus denen eine weiße Flüssigkeit austritt, Pferde oder Elefanten zu reiten, Berge zu besteigen, in wunderschönen Häusern zu wohnen, sich Dharma-Vorträge anzuhören und so weiter. Außerdem sollten wir solche Träume immer wieder haben und nicht nur als eine einmalige Sache.

Egal wie groß eine negative karmische Kraft ist, die wir in unserem Geisteskontinuum aufgebaut haben, und auch wenn es Handlungen sind, deren Resultate wir mit Sicherheit erfahren werden, ist es möglich, uns selbst von ihnen zu reinigen, indem wir alle vier Gegenkräfte auf ernsthafte Weise anwenden. Es gibt viele Möglichkeiten dafür, wie diese Reinigung auftreten kann. So können die Ursachen für unsere großen Leiden in einem der schlechten Wiedergeburtszustände beispielsweise zu Ursachen werden, dort entweder weniger oder keine der Leiden zu erfahren, die wir sonst durchgehen müssten; oder diese Ursachen könnten in diesem Leben in der Form von Kopfschmerzen in uns heranreifen und auf diese Weise beseitigt werden. In ähnlicher Weise könnte ein Problem, das wir für einen ziemlich langen Zeitraum durchgehen müssten, in einer kürzeren Zeit vorbei sein. Es ist sogar möglich, uns selbst vollständig von der karmischen Kraft zu reinigen, sodass sie gar nicht mehr heranreift (tib. rnam-smin, Skt. vipāka). Da alles von der Kraft des Geistes abhängt, mit dem wir die Reinigung ausführen, von der Kraft der Gegenmittel, die wir nutzen, ob sie alle vollständig sind oder nicht und wie lange wir sie kontinuierlich anwenden, kann es in dieser Hinsicht keine Gewissheit geben.

Das Anwenden der vier Gegenmittel vor dem Erlangen nicht-konzeptueller einfacher Wahrnehmung (bloßer Wahrnehmung) der Leerheit kann negative karmische Kraft beseitigen, jedoch nicht dessen karmische Tendenzen im Geisteskontinuum. Ungeachtet dessen kann es diese Tendenzen davon abhalten, jemals heranzureifen. Nur ein unbefleckter Pfad des Geistes (tib. zag-med lam, Skt. anāsrava-mārga), wie einer mit solch einer einfachen Wahrnehmung der Leerheit kann die Tendenzen wie auch die ständigen Gewohnheiten (tib. bag-chags, Skt. vāsanā, Instinkte) von diesen karmischen Kräften beseitigen.

Jedes mal, wenn wir die Gegenkräfte anwenden, behalten wir diese Punkte im Geist und stellen uns danach trotz allem vor, dass unser Geisteskontinuum nun von seinen negativen karmischen Kräften gereinigt und völlig rein ist. Wir krönen dies (tib. rgyas-’debs), indem wir in einen nicht-objektivierenden Zustand (tib. mi-dmigs-pa, Skt. anupalabdha, objektlosen Zustand) bleiben, in dem wir nichts als konkret oder festgelegt betrachten. Indem wir auf diese Weise wiederholt die Gegenmittel anwenden, begeben wir uns auf einen mittleren Weg zwischen Naivität und Aberglaube bezüglich unseres Verhaltens und seinen Auswirkungen.

Darüber hinaus können negative karmische Kräfte nur außer Kraft gesetzt werden, wenn sie noch nicht herangereift sind. Haben wir die karmische Kraft blind zu werden, können wir uns nur von ihr reinigen, bevor wir unsere Sicht verlieren. Haben wir sie bereits verloren, ist es zu spät. Besitzen wir eine scharfe Chilipflanze, wird sie nicht süß werden, wenn wir Zucker an ihre Wurzeln geben.

Jeder Grad negativer karmischer Kraft, wie zwingend sie auch sein mag, kann zwar auf diese Weise überwunden werden, bevor sie heranreift, aber es ist immer besser, gar nicht erst negativ gehandelt zu haben. Verlieren wir ein Bein, können wir es mit einem künstlichen Glied ersetzen und obwohl wir mit diesem Bein aus Holz oder Plastik funktionieren können, wäre es viel besser, wenn wir unser Bein gar nicht erst verloren hätten. In ähnlicher Weise ist es so, dass wir zwar vermeiden können, die leidvollen Resultate unserer negativen karmischen Kräfte zu erfahren, doch es wird viel länger dauern, die tatsächlichen Verwirklichungen der Bhumis und Pfade des Geistes zu entwickeln, als wenn wir nicht auf diese negative Weise gehandelt hätten. Aus diesem Grund würden hochverwirklichte Wesen nie bewusst etwas Schädliches tun, nicht einmal wenn es ihr Leben kostet.

Wie Tsongkhapa in seinen „Gekürzten Punkten des Stufenpfades“ (tib. Lam-rim bsdus-don), 12, sagte:

Da die volle Auswirkung des Realisierens der höchsten Pfade des Geistes nicht zu Stande kommen wird, ohne (ein kostbares menschliches Leben) mit den vollständigen (acht) definierenden Faktoren als Arbeitsgrundlage erlangt zu haben, werde ich mich in deren ursächlichen (konstruktiven Handlungen) üben, damit sie nicht unvollständig sind. Es ist ausgesprochen essenziell, diese Beeinträchtigungen (meiner) Makel negativer karmischer Kraft und Übertretungen (der Gelübde), insbesondere karmische Hindernisse, in meinen drei Toren zu bereinigen, und daher werde ich mich in fortgesetzter Hingabe üben, die vollständigen vier Gegenmittel (anzuwenden).
Der edle, makellose Lama hat auf diese Weise praktiziert, und daher werde ich, der nach Befreiung strebt, mich ebenfalls auf diese Weise kultivieren.

Zuvor haben wir reges Interesse (tib. don-gnyer) an den weltlichen Phänomenen dieses Lebens gezeigt. Es war nichts gekünstelt (tib. bcos-ma, künstlich) an unserer völligen Beschäftigung (tib. snang-zhen) damit. Haben wir uns überhaupt für unsere zukünftigen Leben interessiert, waren es nur Lippenbekenntnisse gegenüber dem, was wir gehört oder gelesen haben. Nun haben wir jedoch unser großes Glück erkannt, einen spirituellen Mentor und ein kostbares menschliches Leben zu haben. Wir haben über unseren bevorstehenden Tod und den wahrscheinlichen Fall in eine der schlechten Wiedergeburtszustände nachgedacht. Weil wir Angst davor haben und von der Fähigkeit der drei seltenen und überragenden Juwelen überzeugt sind, uns einen Weg hinaus zu zeigen, haben wir uns ihrer Richtung anvertraut.

Nun haben wir über die Gesetze verhaltensbedingter Ursache und Wirkung nachgedacht. Wir haben gesehen, dass uns eine Wiedergeburt mit Ruhepausen, Bereicherungen und allen förderlichen Bedingungen und gereiften guten Eigenschaften für weiteren spirituellen Fortschritt sicher ist, wenn wir konstruktiv und niemals destruktiv handeln und uns von unseren negativen karmischen Kräften reinigen. Hat sich unser Hauptanliegen geändert, ist uns sehr daran gelegen, unsere zukünftigen Wiedergeburten zu verbessern und ist unsere Beschäftigung mit weltlichen Dingen dieses Lebens nur zweitrangig, haben wir die Verwirklichung des Pfadgeistes von jemandem mit einer anfänglichen Ebene der spirituellen Motivation erlangt.

Tsongkhapa sagte in „Eine große Darstellung des Stufenpfades (tib. Lam-rim chem-mo), 132b4:

Obgleich (du eine anfängliche Verwirklichung erlangt haben magst), musst du deinen (zuversichtlichen Glauben in dem) festigen (was du verstanden hast). Hast du einmal (eine feste Überzeugung) erlangt, musst du (das, was du glaubst) gründlich praktizieren.

Nur wenn wir diese erste Ebene der dharmischen Maßnahmen vollständig in unser tägliches Leben integriert haben, können wir ernsthaft auf dieser Grundlage der Pfade des Geistes der mittleren und fortgeschrittenen Motivation aufbauen. Tun wir dies beruhend darauf, dass wir uns von unserer Besessenheit mit diesem Leben abgewendet haben, führen uns diese Pfade zur Befreiung und Erleuchtung zum Wohle aller.

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