Es gibt unzählige Arten destruktiver oder konstruktiver Handlungen, die jeweils durch unsere destruktiven karmischen Impulse oder konstruktiven karmischen Impulse entstehen. Obgleich all unsere Handlungen nur durch die Warte eines unserer drei Tore – Körper, Rede oder Geist – auftreten, kann nicht alles, was wir tun, sagen oder denken, genau einer kleinen Anzahl von Kategorien zugeordnet werden.
Buddha hat jedoch zehn spezifische destruktive Handlungen (tib. mi-dge-ba bcu, Skt. daśa-akusalāni) herausgehoben, welche viele andere enthalten und die wichtigsten sind, die man vermeiden sollte. Sie sind deshalb wichtig, weil sie, wenn man sie begeht, zu negativen werfenden karmischen Impulsen (tib. ’phen-byed-kyi las) heranreifen, die unser geistiges Bewusstsein in eine nächste Wiedergeburt in einem der drei schlechten Wiedergeburtszustände treiben und zu der dementsprechenden Art der Wiedergeburt heranreifen. Sie zu unterlassen, weil wir ihre verheerenden Resultate kennen, sind die zehn konstruktiven Handlungen, die zu einer Wiedergeburt in einer der drei besseren Wiedergeburtszustände führen.
Wie Vasubandhu in „Ein Schatzhaus spezieller Themen des Wissens“, IV.66, sagte:
Von diesen (verschiedenen Arten der Handlungen) weitgehend (gesammelt und) zusammengefasst, (hat der Allwissende) über zehn Pfade für impulsives Verhalten, ob positive oder negative, gesprochen.
Betrachten wir zunächst die negativen oder destruktiven Handlungen.
Die eigentlichen Pfade destruktiver karmischer Impulse
Ein Pfad für einen destruktiven karmischen Impuls, ob durch das Tor des Körpers, der Rede oder des Geistes, muss mit vier Faktoren verbunden sein, damit die Handlung vollständig ist (tib. yan-lag bzhi). Folgendes muss vorhanden sein:
- eine Grundlage (tib. gzhi) oder ein Objekt, auf das oder mit dem die Handlung ausgerichtet wird;
- ein motivierender geistiger Rahmen (tib. kun-slong);
- eine Methode, die umgesetzt wird, um die Handlung stattfinden zu lassen (tib. sbyor-ba); sowie
- ein Erreichen der Vollendung dieser Handlung (tib. mthar-thug).
Darüber hinaus muss der motivierende geistige Rahmen verbunden sein mit:
- einem Unterscheiden (tib. ’du-shes, Skt. saṃjñā) der Grundlage für die Handlung;
- einer Absicht (tib. ’dun-pa, Skt. chandas) – dem Wunsch, die Handlung zu begehen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen; sowie
- einer störende Emotion oder Geisteshaltung.
Wenn eines dieser Dinge fehlt, wird die destruktive Handlung unvollständig sein (tib. yongs-su mi-rdzogs-pa’i mi-dge-ba) und folglich werden dessen negative karmische Kraft, karmische Samen und Resultate nicht so entschieden oder stark sein.
Gemäß Vasubandhu, „Ein Schatzhaus spezieller Themen des Wissens“, IV.10, können zwei Ebenen des motivierenden geistigen Rahmens unterschieden werden:
- Der „ursächlich motivierende Geist“ (tib. rgyu’i kun-slong-gi blo) begleitet eine der drei destruktiven Handlungen des Geistes, darüber nachzudenken und sich zu entscheiden, eine der sieben destruktiven Handlungen des Körpers oder der Rede zu begehen.
- Der „gleichzeitig motivierende Geist“ (tib. dus kun-slong-gi blo) begleitet die destruktive Handlung des Körpers oder der Rede, für die man sich durch eine der drei destruktiven Handlungen des Geistes entschieden hat.
Betrachten wir den Pfad für den destruktiven karmischen Impuls, eine bestimmte Person ins Gesicht zu schlagen. Wenn wir die Person nicht finden, gegenüber der wir den geistigen Drang des Schlagens verspüren; wenn wir sie finden und aus Versehen jemand anderen schlagen; wenn wir die beabsichtigte Person schlagen, es jedoch unbeabsichtigt oder irrtümlich tun; wenn wir es aus gutem Grund, aber nicht mit einem störenden Geisteszustand tun; wenn wir sie nicht wirklich schlagen, obwohl wir verärgert sind und es gern tun würden; oder wenn wir beginnen, sie zu schlagen und dann innehalten oder es so sanft tun, dass es keine Schmerzen verursacht – in all diesen Fällen wird unsere destruktive Handlung des Schlagens dieser Person ins Gesicht nicht vollständig sein. Die negative karmische Kraft, die wir aufbauen, wird proportional zur Anzahl der anwesenden Faktoren sein.
Daher sollten wir versuchen, all die Faktoren in den folgenden zehn vollständigen destruktiven Handlungen zu erkennen. Tun wir dies, können wir beginnen, unser Ansammeln negativer karmischer Kraft, karmischer Samen und dem damit verbundenen Erfahren von Leid und Problemen zu mindern, indem wir solche Handlungen nicht vollständig machen, wenn der geistige Drang entsteht, sie zu begehen.
Die drei destruktiven Handlungen des Körpers
Die drei destruktiven Handlungen des Körpers (tib. lus-kyi mi-dge-ba gsum) sind:
- jemandem das Leben zu nehmen (tib. srog-gcod-pa, Skt. prāṇātighāta, töten);
- zu nehmen, was uns nicht gegeben wurde (tib. ma-byin par-len-pa, Skt. adattā-dāna, stehlen); sowie
- unangemessenes sexuelles Verhalten auszuüben (tib. log-par g.yem-pa, Skt. mithyā-cāra).
Jede kann mit den oben genannten Faktoren analysiert werden, um Situationen zu beschreiben, in denen die destruktiven Handlungen vollständig und die leidvollen Konsequenzen verheerend sein würden.
Jemandem das Leben zu nehmen
Wenn wir das Leben von jemandem durchtrennen, ihn mit anderen Worten töten, muss die Grundlage für die Handlung ein bestimmtes Lebewesen, entweder menschlich oder nicht-menschlich, ob bereits geboren oder noch im Mutterleib, außer uns selbst sein. Der Selbstmord (tib. bdag-srog gcod-pa) ist zwar durchaus eine destruktive Handlung, doch sie ist nicht so schwerwiegend und problematisch für uns, als jemand anderen zu ermorden. Das liegt an einem Detail in Bezug auf das Erreichen der Vollendung der Handlung. Da wir bei der Vollendung unserer Handlung sterben werden, wachsen die karmischen Samen und die negative karmische Kraft des Tötens im Geisteskontinuum, wenn es bereits eine zukünftige Wiedergeburt erlangt hat oder ins Bardo gegangen ist. Während wir noch am Leben sind, wird die einzige vollständige destruktive Handlung beispielsweise die des Zustechens sein, jedoch nicht die des Durchtrennens eines Lebens.
Wir dürfen nicht verwirrt in Bezug darauf sein, wen wir beabsichtigen zu töten. Aus Versehen das Leben von jemandem zu nehmen ist weniger schwerwiegend, als es mit Absicht zu tun. Darüber hinaus sollten wir die volle Absicht haben, seine oder ihre Existenz zu beenden. Jemanden aus Versehen zu töten, ist nicht mit denselben Konsequenzen verbunden, wie vorsätzlicher Mord. Somit ist es weniger schwerwiegend, aus Versehen auf eine Ameise zu treten, als absichtlich eine Fliege oder Mücke totzuschlagen. Wir sollten nicht unterschätzen, wie verheerend das Töten von Insekten ist.
Wie Seine Heiligkeit der Vierzehnte Dalai Lama sagte: „Ihr denkt vielleicht, es wäre keine große Sache eine Fliege totzuschlagen. Gehen wir jedoch jedes Mal, wenn uns etwas nervt, mit der Situation so um, dass wir ausholen und töten, schafft das eine ziemlich gefährliche Gewohnheit im Geist. Bald wird es dann schwierig sein, eine Linie zu ziehen und zu wissen, wann man mit dem Töten aufhört, um seine Probleme zu lösen.“
Jemandes Leben zu durchtrennen, muss durch eine der drei giftigen Geisteshaltungen motiviert und begleitet werden. Aus Feindseligkeit mögen wir einen Feind, ein Insekt oder eine Schlange töten. Aus sehnsüchtigem Verlangen oder aus Anhaftung mögen wir ein Schaf wegen seinem Fleisch töten oder angeln gehen, weil es uns entspannt oder Spaß macht. Aus Naivität mögen wir das Leben eines Tieres oder gar eines Menschen nehmen, weil wir meinen, wir würden aus dem Darbringen eines Blutopfers vor einer örtlichen Gottheit oder eines Götterwesens Nutzen ziehen.
Die damit verbundene Handlung muss das Töten eines anderen Wesens durch ein Mittel wie Gift, eine Waffe, unsere eigenen Hände, schwarze Magie und so weiter sein. Tatsächlich müssen wir die Tat nicht selbst ausführen. Beauftragen wir einen anderen damit, für uns einen Mord zu begehen, bauen wir genau so starke negative karmische Kraft auf, wie der Verbrecher, den wir engagiert haben. Dasselbe gilt, wenn wir das Schlachten eines Tieres, Geflügels oder Fisches für unseren Tisch anordnen oder Truppen in Kriegszeiten einsetzen. Schickt ein General beispielsweise 1000 Soldaten in eine Schlacht, die 1000 Männer töten, baut der General dieselbe negative karmische Kraft auf, als wenn er die 1000 Männer selbst töten würde.
Wie Vasubandu in „Ein Schatzhaus spezieller Themen des Wissens“, IV.72b sagte:
Im Krieg und ähnlichem wird der Ausführende (der ihn anstiftet oder leitet), dieselben (leidvollen Konsequenzen) tragen, wie alle anderen (Beteiligten), denn seine Absichten waren die gleichen.
Die Handlung des Fleischessens ist an sich nicht dasselbe wie die Handlung des Tötens eines Tieres oder das direkte Anordnen, es für uns zu schlachten. Sie kann zum Beispiel eine negative karmische Kraft aufbauen, selbst ein fleischfressendes Tier zu sein oder dass unser Fleisch von anderen verzehrt wird, jedoch nicht, ein Mörder zu sein oder selbst ermordet zu werden.
Eine Handlung des Tötens wird vollständig, wenn das Opfer stirbt, bevor wir sterben. Das kann entweder direkt geschehen, wenn unsere mörderische Handlung ausgeführt wird, oder etwas später. Sterben wir vor oder zusammen mit unserem Opfer, wird die negative karmische Kraft, wie im Falle des Selbstmordes, nicht vollständig sein, weil sie im Geisteskontinuum heranreifen muss, das bereits eine andere Wiedergeburt angenommen hat.
Die Handlung des Tötens ist immer destruktiv, sowohl in der Selbstverteidigung als auch im Schutz der Leben anderer. Sogar wenn es keine störenden Emotionen oder Geisteshaltungen gibt, die mit unserer Handlung verbunden sind, müssen wir so mutig sein wie der Buddha in einem früheren Leben, als er als Schiffskapitän den Ruderer Minyag Dumdum tötete, der das Leben von 500 Passagieren gefährdete. Wir müssen großes Mitgefühl als unsere Motivation haben und vollkommen gewillt sein, selbst die leidvollen Konsequenzen unserer Handlung auf uns zu nehmen, sogar wenn sie uns in einen der freudlosen Bereiche führt.
Nehmen, was uns nicht gegeben wurde
Was das Nehmen von etwas betrifft, das uns nicht gegeben wurde, muss die Grundlage für unsere Handlung des Diebstahls ein wertvolles Objekt sein, das jemand anderem gehört. Es kann irgendetwas sein, das wir nicht rechtmäßig nehmen, nutzen oder behalten dürfen und umfasst Objekte, die wir ausgeliehen und nicht zurückgegeben haben, sowie Steuern, Bußgelder, Gebühren, Eintrittsgelder und Fahrpreise, die wir verpflichtet sind zu zahlen. Sogar wenn wir etwas auf dem Boden finden, was ein anderer offenbar verloren hat, bemühen wir uns, den rechtmäßigen Besitzer zu finden und behalten es nicht einfach selbst. Wären wir nicht selbst erleichtert und glücklich, wenn wir unsere Geldbörse verlieren und jemand anders findet sie und gibt sie uns zurück? Dasselbe gilt für alle anderen, die etwas verloren haben.
Beabsichtigen wir, ein Objekt an uns zu nehmen, das uns nicht gehört, dürfen wir uns nicht im Unklaren darüber sein, was wir stehlen. Wir müssen vollkommen beabsichtigen, dieses Objekt an uns zu nehmen, egal ob wir vorhaben, es gleich wieder loszuwerden oder nicht, und eine der drei störenden Geisteshaltungen sollte damit verbunden sein. Mit Feindseligkeit mögen wir den Reichtum eines verhassten Feindes stehlen. Mit sehnsüchtigem Verlangen mögen wir eine Sache stehlen, die wir unwiderstehlich anziehend finden. Aus Naivität mögen wir behaupten, wir hätten als heiliger Mensch das Recht, alles an uns zu nehmen, was wir wollen, oder als hingegebener Schüler hinauszugehen und für unseren Meister zu stehlen; oder aus sturem und dummen Trotz mögen wir denken, es wäre nichts falsch daran, die Regierung zu betrügen und mit etwas davonzukommen.
Wir müssen tatsächlich eine Handlung, wie Ladendiebstahl, jemanden zu überfallen, in ein Geschäft oder Haus einzubrechen ausführen, oder jemanden beauftragen, für uns solch einen Diebstahl auszuführen, eine Mautstelle zu durchfahren ohne zu bezahlen und dergleichen. Unsere Handlung des Diebstahls ist vollständig, wenn wir die Einstellung entwickeln, dass das, was wir genommen haben, nun uns gehört.
Unangemessenes sexuelles Verhalten ausüben
Unangemessenes sexuelles Verhalten kann vier Varianten annehmen und ist damit verbunden:
- sich mit dem Falschen einzulassen;
- auf falsche Weise;
- am falschen Ort; oder
- zur falschen Zeit.
Zu den falschen Personen, mit denen man Sex hat, gehören jene, die Partner von anderen sind, die es nicht freiwillig tun oder dessen Eltern oder Vormund es nicht erlauben würden und verärgert wären, wenn sie es wüssten, oder Personen im Zölibat. Eine sexuelle Handlung auszuführen, die zu Problemen in der Zukunft führen wird, ob mit einem Kind, mit jemandem des gleichen Geschlechts, mit uns selbst, einem Tier und dergleichen, ist selbstzerstörerisch und daher falsch. Haben wir selbst einen Partner, ist es unklug, Sex mit einem anderen als dieser Person zu haben.
Die falsche Weise, der falsche Ort und die falsche Zeit beziehen sich auf unseren eigenen Partner. Die falsche Weise umfasst merkwürdige Methoden, Stellungen oder Gerätschaften, die aus exzessivem Verlangen und Unzufriedenheit eingesetzt werden, sowie alle gewalttätigen Methoden, die Schmerzen verursachen. Ein falscher Ort ist ein Schreinraum, eine Gebetshalle, in der Nähe einer Stupa, vor unserem spirituellen Meister, vor unseren Eltern, vor einer Gruppe von Menschen oder vor einer Statue oder einem Thangka eines Buddhas. Falsch ist auch ein Ort, der uns oder unseren Partner krank machen oder Schmerzen zuführen würde, wie ein steiniger, nasser Boden. Leben wir in nur einem Raum, hängen wir als Zeichen des Respekts ein Tuch vor unsere Thangkas oder bedecken unsere Statuen mit einem Tuch, bevor wir uns lieben. In ähnlicher Weise wäre es einfach höflich oder anständig, wenn wir im gleichen Raum wie ein hoher spiritueller Lehrer schlafen würden, einen Vorhang zwischen seinem und unserem Bett aufzuhängen, besonders wenn wir mit jemandem schlafen würden.
Falsche Zeiten beziehen sich darauf, wenn wir oder unser Partner uns im Rahmen eintägiger Gelübde (tib. bsnyen-gnas sdom-pa, Skt. upavāsa-saṃvara) zum Zölibat verpflichtet haben oder einer von uns eine Krankheit hat, die sich durch sexuellen Kontakt verschlimmert oder auf den anderen überträgt.
Es ist auch unklug, übermäßig viel Geschlechtsverkehr hintereinander zu haben oder es während des Tages zu tun, wenn man von jemandem überrascht werden könnte, der versehentlich den Raum betritt und alle in Verlegenheit bringen würde. Falsch sind auch Zeiten, wenn die beteiligte Frau ihre Tage hat, sich in den letzten Monaten der Schwangerschaft befindet oder gerade ein Baby im Arm hat, das an ihrer Brust saugt.
Was die vier Faktoren betrifft, so muss die Grundlage für eine Handlung unangemessenen sexuellen Verhaltens, wie beispielsweise Ehebruch, ein anderer als unser Partner sein, wenn wir einen haben, oder der Partner eines anderen, falls wir keinen haben. Wenn die Absicht entsteht, die sexuelle Handlung zu begehen, muss unsere Sicht unmissverständlich sein. Wir müssen erkennen, dass dies nicht unser Partner ist. In ähnlicher Weise müssen wir die volle Absicht haben, eine sexuelle Handlung mit dieser Person auszuführen. Obwohl das meiste sexuelle Fehlverhalten durch schwärmerische Anhaftung und sehnsüchtiges Verlangen motiviert ist, kann es auch durch Feindseligkeit hervorgerufen werden, wie wenn die Frauen und Töchter des Feindes vergewaltigt werden, oder durch Naivität, wie wenn man meint, die sexuelle Vereinigung wäre eine hohe spirituelle Praxis, es wäre einfach Mode oder völlig harmlos, außereheliche Affären zu haben.
Sind wir Mönche oder Nonnen und haben die Gelübde des Zölibats abgelegt, gilt jedes unkeusche Verhalten (tib. mi-tshangs-spyod, Skt. abrahmacarya) als falsch. Ob wir die Person, welche als Grundlage für unsere sexuelle Handlung dient, unmissverständlich erkennen oder nicht: die negative karmische Kraft, die aufgebaut wird, ist dieselbe.
Was die Handlung betrifft, die mit dem sexuellen Fehlverhalten verbunden sein muss, wäre das der Kontakt der zwei Geschlechtsorgane. Die Handlung ist vollständig, wenn wir die Glückseligkeit des Orgasmus erfahren.
Die vier destruktiven Handlungen der Rede
Die vier destruktiven Handlungen der Rede (ngag-gi-mi-dge-ba bzhi) sind:
- Lügen (tib rdzun-du smra-ba, Skt. mṛṣā-vāda);
- Zwietracht säen (tib. phra-ma, Skt. paiśunya);
- grobe Worte benutzen (tib. tshig-rtsub, Skt. pāruṣya); sowie
- sinnloses Geschwätz (tib. ngag-’khyal, Skt. saṃbhinna-pralāpa).
Damit diese vier destruktiven Handlungen der Rede die schwerwiegendsten Konsequenzen nach sich ziehen, müssen alle Faktoren vollständig sein.
Lügen
Lügen kann sich entweder darauf beziehen, etwas zu leugnen, was wir tatsächlich gesehen, gehört, mit unseren anderen Sinnen erfahren oder erkannt haben, oder darauf, zu behaupten, etwas gesehen, gehört, erfahren oder erkannt zu haben, wenn dem nicht so ist. Es umfasst, andere bewusst durch falsche Informationen in die Irre zu führen, ihnen absichtlich falsche Ratschläge oder Belehrungen zu geben, andere zu verleumden, indem wir ihre Qualitäten leugnen oder Fehler erfinden und sogar „Notlügen“, von denen wir meinen, dass sie niemandem schaden. Lügen, die Buddhas verleumden oder die wir unseren spirituellen Lehrern oder Eltern erzählen, sind besonders schwerwiegend. Für jene, die Roben tragen, besteht eine große Übertretung darin, über den eigenen spirituellen Fortschritt zu lügen.
Die beteiligte Grundlage muss eine Person sein, die in der Lage ist, uns zu verstehen, wenn wir lügen. Wenn die Absicht entsteht, zu sprechen oder eine Geste zu machen, müssen wir uns im Klaren darüber sein, dass das, was wir sagen wollen, nicht der Wahrheit entspricht. Mit anderen Worten müssen wir klar erkennen, was die Tatsache war und sie dann absichtlich fälschen. Sind wir uns nicht sicher und sagen etwas Fehlerhaftes, ist dies keine vollständige Lüge.
Unsere Motivation muss die volle Absicht des Lügens sein und es muss eine der drei giftigen Geisteshaltungen vorhanden sein. Wir mögen aus sehnsüchtigem Verlangen lügen, um Reichtum, Ruhm oder Macht zu erlangen, oder aus Feindseligkeit, um einen Feind zu täuschen oder das Ansehen von jemandem zu ruinieren, den wir nicht mögen. Aus Naivität mögen wir lügen, weil wir denken, es wäre amüsant oder weil wir glauben, es wäre nichts Falsches daran. Lügen wir jedoch zu viel, werden wir bald die Tatsachen nicht mehr zuverlässig erkennen und anfangen, unsere eigenen Fabrikationen zu glauben.
Die damit verbundene Handlung muss unsere Lüge entweder laut zum Ausdruck bringen, in geschriebener Form oder auch nicht-verbal, durch eine Geste oder das Nicken mit dem Kopf. Sie kann auch darin bestehen, jemand anderes für uns lügen zu lassen. Sagt jemand zu uns: „du bist so gütig, du musst ein Weiser sein“, worauf wir nur lächeln und nichts sagen, ist dies eine furchtbare Lüge. Oder vielleicht sagen wir: „Ich habe in einem Buch gelesen, dass man ein Arhat sein muss, wenn man eine Nacht allein auf dem Leichenacker außerhalb von Bodh Gaya verbringt und es unbeschadet überlebt. Nun, ich habe die Nacht dort verbracht und hier bin ich!“ Dies ist eine Lüge durch Schlussfolgerung, da wir offensichtlich kein Arhat sind. Unsere Handlung des Lügens ist vollständig, wenn die andere Person versteht und glaubt, was wir sagen. Andernfalls sind unsere Worte lediglich sinnloses Geschwätz.
Obgleich das Lügen eine negative Handlung ist, gibt es bestimmte Situationen, in denen die Notwendigkeit wichtiger ist als das Verbot, wie beim Retten von Leben. Vielleicht sehen wir ein Reh voller Angst davonlaufen und ein paar Minuten später eine Gruppe von Jägern, die es jagen. Wenn sie uns fragen, ob wir das Reh gesehen haben, ist es nicht notwendig, ihnen die Wahrheit zu sagen. Wir können sagen: „ich bin gerade hierher gekommen“ oder „ich bin auf dem Weg, zu diesem oder jenem Ort“. Wir weichen ihrer Frage aus oder erfinden eine lange, verrückte Geschichte, um sie von ihrer Jagd abzulenken und sie zu verzögern.
Wir müssen bei dem, was wir sagen, diplomatisch sein. Wenn jemand für uns eine furchtbare Mahlzeit kocht und uns fragt, ob wie sie mögen, ist es nicht notwendig, der Person die Wahrheit zu sagen und ihre Gefühle zu verletzen. Ihre Absicht war, uns glücklich zu machen. Wir können einfach sagen: „ich habe keinen großen Hunger“, „diese Art von Nahrung mag ich nicht besonders“, „ich vertrage diese Art von Nahrung nicht“ oder „ich fühle mich heute nicht so wohl“ und das Essen ablehnen, was uns angeboten wurde.
Zwietracht säen
Wenn wir Zwietracht säen, sagen wir etwas, das eine harmonische Gruppe auseinanderbrechen lässt oder jene, die im Konflikt miteinander stehen, sich sogar noch mehr hassen. Im Allgemeinen geht es darum, Uneinigkeit und unfreundliche Gefühle zu erzeugen. Die Grundlage für solch eine destruktive Handlung muss somit eine Gruppe von zwei oder mehr Leuten sein, die sich entweder nahe stehen oder feindlich gesinnt sind. Die Spaltung zwischen einem Schüler und seinem oder ihrem spirituellen Meister, sowie innerhalb des Sangha herbeizuführen, hat besonders schwere Auswirkungen.
Wenn der geistige Drang entsteht, unsere spaltenden Worte zu sagen, muss unsere Sicht der beteiligten Seiten und ihren Gefühlen zueinander unmissverständlich sein. Unsere Motivation muss die volle Absicht des Erzeugens von Schwierigkeiten, Uneinigkeit und Disharmonie sein. Auch eine der drei giftigen Geisteshaltungen muss da sein. Aus sehnsüchtigem Verlangen mögen wir versuchen, ein Zerwürfnis zwischen Ehemann und Ehefrau zu erzeugen, um einen von beiden für uns selbst zu gewinnen. Aus Feindseligkeit mögen wir versuchen, Disharmonie bei unserem Feind hervorzurufen, wie bei Handlungen der Spionage des Teilens und Herrschens. Mit Naivität mögen wir auch versuchen, Disharmonie unter den Anhängern einer bestimmten Religion zu erzeugen, um sie zu unserer eigenen begrenzten Sicht dessen zu bekehren, was das Beste für sie ist.
Die damit verbundene Handlung muss entweder ausgeführt werden, um Disharmonie unter Freunden herbeizuführen oder um die Versöhnung von Feinden zu verhindern, indem man eingreift und etwas Wahres oder Falsches sagt. Die Handlung ist genauso negativ, wenn wir jemand anderen dazu bringen, es für uns zu tun. Wir sollten sehr darauf achten, was wir sagen. Auch wenn etwas wahr ist, muss man es nicht unbedingt sagen, wenn man sieht, dass der andere dann schlecht über jemanden denken wird. Unsere Handlung des Nutzens spaltender Rede ist vollständig, wenn die anderen Seiten verstehen und glauben, was wir sagen und daraufhin feindselig gegenüber dem anderen sind.
Nehmen wir einmal an, es gibt eine Gruppe von Menschen, die eine schädliche, unsoziale Handlung planen und wir erzeugen aus reinem Mitgefühl Disharmonie unter ihnen, damit die anderen nicht verletzt werden. Obgleich unsere Handlung des Nutzens spaltender Rede nach wie vor destruktiv ist und nur zu Leid führen kann, werden die Auswirkungen gelindert, weil die Absicht, die vor dem Begehen entstand, nicht von einer störenden Emotion oder einer negativen Motivation begleitet wurde.
Grobe Worte benutzen
Das Benutzen grober und beleidigender Worte umfasst alle Formen des Sarkasmus, der Kränkung, des Spottes und des Fluchens. Mit anderen Worten geht es darum, etwas zu sagen, eine Geste oder einen Gesichtsausdruck zu machen, was die Gefühle von jemanden verletzen wird. Was wir sagen, mag entweder wahr oder falsch sein, das spielt keine Rolle. Bezeichnen wir einen Krüppel als Krüppel oder einen Menschen als Schwein, wird sich die Person in beiden Fällen schlecht fühlen. Sogar, wenn wir solche Dinge mit einem angenehmen Ton unserer Stimme sagen, ist es verletzend. Dabei handelt es sich um eine große destruktive Handlung, weil sie sowohl uns als auch die andere Person unglücklich macht. Sie ist besonders schwerwiegend, wenn unsere groben und beleidigenden Worte auf unseren spirituellen Lehrer oder unsere Eltern gerichtet sind.
Die Grundlage für diese Handlung muss jemand sein, dessen Gefühle durch das, was wir sagen, verletzt werden könnten. Wenn der Wunsch entsteht, etwas Gemeines zu sagen, sollten wir die Person, die wir verletzen wollen, unmissverständlich erkennen. Unsere Motivation muss die volle Absicht des Aussprechens solcher Worte sein und es muss eine der drei giftigen Geisteshaltungen vorhanden sein. Aus sehnsüchtigem Verlangen mögen wir grobe und beleidigende Worte benutzen, um von einer Gruppe von Raufbolden akzeptiert zu werden. Aus Feindseligkeit mögen wir sie nutzen, um unsere Feinde oder unsere eigenen Truppen zum Kampf zu ermuntern. Aus Naivität mögen wir solche Worte nutzen, weil wir meinen, es wäre modern und clever, und es spiele keine Rolle, die Gefühle anderer zu verletzen.
Die damit verbundene Handlung muss das tatsächliche Aussprechen solcher Worte sein, welche die Fehler oder schwachen Punkte anderer treffen, ob sie wahr sind oder nicht. Dazu gehört auch, wenn wir einen anderen dazu bringen, solch scharfe Worte für uns zu benutzen. Die Handlung ist vollständig, wenn die andere Person versteht, was wir sagen, es glaubt, dass wir es wirklich so gemeint haben und verletzt ist. Beleidigen wir ein unbelebtes Objekt, werden die Resultate nicht so schwerwiegend sein, da niemandes Gefühle verletzt wurden.
Sinnloses Geschwätz
Es gibt drei Arten von sinnlosem Geschwätz:
- das, was abartig ist, wie Beschwörungen, schwarze Magie oder teuflische Gebete für furchtbare Dinge;
- das, was sich auf weltliche Dinge bezieht, wie das Wiederholen sinnloser Gespräche über Dinge, die uns nichts angehen oder keine Relevanz für uns haben; sowie
- das, was wahr ist, wie das Erklären buddhistischer Lehren gegenüber jenen, die ungeeignete Gefäße dafür sind, sie zu empfangen, wie beispielsweise Menschen ohne Respekt oder Interesse.
Die schlimmste Form dieser negativen Handlung und jene mit den schwerwiegendsten Konsequenzen ist jene, einen Meditierenden oder Betenden mit unserem sinnlosem Geschwätz oder Singen zu unterbrechen.
Die Grundlage für sinnloses Geschwätz muss etwas Triviales, Unbedeutendes oder Sinnloses sein, das wir für tiefsinnig, bedeutsam oder wichtig halten. Im Gegensatz zu den drei vorangegangenen destruktiven Handlungen der Rede ist es nicht notwendig, dass es jemanden gibt, gegenüber dem wir etwas ausdrücken, oder der versteht, was wir da sagen. Wenn der Wunsch entsteht, etwas zu sagen, müssen wir das Gefühl haben, dass das, was wir sagen wollen, tiefsinnig, bedeutsam oder wichtig ist. Unsere Motivation muss die volle Absicht des Aussprechens solcher Worte sein und es muss eine der drei giftigen Geisteshaltungen vorhanden sein. Aus Anhaftung mögen wir andere in sinnlosem Geschwätz verstricken, weil wir Zeit mit ihnen verbringen wollen; aus Feindseligkeit tun wir es, um andere zu stören, die wir davon abhalten wollen, etwas Positives zu erreichen. Meistens schwatzen und plaudern wir jedoch aus Naivität, weil wir meinen, es wäre nichts falsch daran. Die damit verbundene Handlung muss ein unnötiges Sprechen leerer Worte sein oder ein Anstiften anderer, dies für uns zu tun. Unsere Handlung ist vollständig, wenn wir sie tatsächlich laut aussprechen.
Von dem, was wir sagen, kann man des weiteren sieben Arten des sinnlosen Geschwätzes unterteilen:
- zu meckern, hinter jemandes Rücken zu sprechen, zu streiten und provokativ zu reden;
- Liturgien anderer Religionen ohne irgendeinen konstruktiven Grund zu rezitieren und politische Parolen oder Werbeslogans und Sprüche zu wiederholen;
- zu klagen, zu jammern und zu nörgeln;
- ohne irgendeinen positiven Grund herumzualbern, zu scherzen, zu singen, zu summen und zu pfeifen;
- Geschichten und Tratsch über Regierungsführer, Berühmtheiten, politische Affären, Kriege, Verbrechen und dergleichen zu verbreiten, wenn wir die Situation nicht beeinflussen oder verbessern können und uns damit nur wichtigtun;
- wie ein Betrunkener oder Verrückter zu reden, Unsinn und dummes Zeug von sich zu geben; sowie
- etwas in Zusammenhang mit den fünf falschen Arten des Lebenserwerbs zu sagen, wie anderen zu schmeicheln, sie unter Druck zu setzen, sie zu schikanieren, zu bedrohen, zu bestechen, zu prahlen, anzugeben, anmaßend oder scheinheilig zu reden und dergleichen.
Buddhas haben sich von allem leeren und sinnlosen Geschwätz sowie unnötigen Worten befreit und sind dem entwachsen. Wenn daher andere mit uns streiten und nicht auf das hören, was wir sagen, schweigen wir einfach und erwidern nicht auf irgendwelche empörenden Behauptungen, denn damit würden wir nur unsere Worte verschwenden und sinnloses Geschwätz betreiben. Wir sollten nicht selbstgerecht sein und meinen, wir müssten unseren Punkt machen.
Witze oder Geschichten zu erzählen kann manchmal zweckmäßig und sinnvoll sein, wenn es hilft, jemanden zu entspannen, der nervös oder verärgert ist, oder um einen Punkt zu verdeutlichen, den wir bezüglich des Dharma versuchen zu erklären. Andernfalls handelt es sich gänzlich um sinnloses Geschwätz, wenn wir beispielsweise anzügliche Witze erzählen, nur um Aufmerksamkeit zu bekommen oder andere damit zu beeindrucken, wie clever wir sind. Dasselbe gilt für das Singen oder musizieren. Wenn wir dies tun, um anderen zu helfen, ihre Depression zu überwinden oder unsere eigene Stimmung zu heben, mag es von Nutzen sein. Ansonsten ist es eine Verschwendung unserer kostbaren menschlichen Wiedergeburt, wenn wir damit einfach andere anziehen oder die Zeit ausfüllen wollen, weil wir meinen, nichts besseres zu tun zu haben oder es vermeiden wollen, etwas Konstruktiveres zu tun.
All diese Formen des sinnlosen Geschwätzes mögen recht harmlos erscheinen, doch da sie unsere Zeit verschwenden, sind sie ziemlich destruktiv und führen zu zahlreichen Fehlern. Vielleicht erzählen wir Geschichten über jemanden, der, ohne es zu wissen, ein Freund des anderen, ziemlich einflussreich oder gar ein Bodhisattva ist. Das würde uns in große Schwierigkeiten bringen.
Wie Sakya Pandita (tib. Sa-skya Pandita Kun-dga’ rgyal-mtshan) in „Ein kostbarer Schatz eleganter Worte“ (tib. Legs-bshad rin-po-che’i gter), VI.36, sagte:
Viel zu reden ist eine Ursache (zahlreicher) Mängel, während nichts zu sagen die Grundlage des Beseitigens von Fehlern ist. Weil ein Papagei redet, ist er in einem Käfig eingeschlossen, wohingegen stumme Vögel nach Belieben herumfliegen.
Wen wir versuchen, etwas Positives zu tun, merken wir, dass wir schnell erschöpft sind und nicht lange aufbleiben können. Schwatzen wir jedoch mit einem Freund, werden wir immer lebhafter und munterer, so später es wird. Daher hat uns Kyabje Trijang Rinpoche einen wirklich praktischen Rat gegeben. Wenn wir zuweilen keine Lust haben, irgendetwas Positives oder Konstruktives zu tun, quengelig sind oder Trübsal blasen, sollten wir nicht mit jemandem reden, um unsere Zeit totzuschlagen oder in andere Stimmung zu kommen, sondern vielmehr schlafen gehen oder ein Nickerchen machen. Wenn wir das tun, mögen wir keine positiven Gewohnheiten schaffen, doch zumindest bauen wir auch keine negativen auf. Der neutrale Zustand des Schlafens ist weit besser, um sich zu entspannen, als leeres Geschwätz mit Freunden, und wenn wir aufwachen, werden wir uns erfrischt fühlen und bereit sein, etwas Positives zu beginnen.
Es ist wichtig, bei alledem nicht fanatisch zu sein oder in Extreme zu fallen, wenn wir anfangen, unsere verhaltensbezogenen Gewohnheiten zu versuchen zu ändern oder zu verbessern. Sind wir ständig bitter und ernst, niemals entspannt und fröhlich, werden wir uns selbst lauter Probleme machen. Dann werden wir wahrscheinlich später dagegen angehen und in ein gegensätzliches Extrem fallen. All die feinen Punkte unseres Verhaltens zu perfektionieren, kommt viel später auf dem spirituellen Pfad. Zu Beginn achten wir auf unsere gröbsten Arten der Handlung und versuchen, ein glückliches Leben zu führen, freundlich zu sein, uns nicht über andere zu erheben oder so überschwänglich und heilig zu sein, dass wir andere Leute vergraulen.
Sind wir wie Milarepa oder Tsongkhapa und bereit, uns mit intensiven Übungen zu beschäftigen, können wir uns darum kümmern all unser unbewusstes Singen und Reden im Laufe des Tages vollständig zu beseitigen. Der entscheidende Punkt ist, das Leben mit einem Wissen über verhaltensbedingte Ursache und Wirkung sowie einer großen und ernsthaften Rücksichtnahme gegenüber anderen zu genießen.
Die drei destruktiven Handlungen des Geistes
Sind wir wirklich faul, wird es zu mühsam sein, rauszugehen und destruktive Handlungen des Körpers und der Rede zu begehen. Doch egal wie lethargisch wir auch sind, es ist einfach, auf eine negative Weise zu denken. Das Wichtigste, woran wir arbeiten müssen, wenn wir versuchen, den Dharma zu praktizieren, ist unser Geist. Es ist notwendig, unsere Geisteshaltungen neu zu formen und zu versuchen, ein wärmeres und gütigeres Herz zu haben. Ob andere gute Menschen sind oder nicht, hängt von ihrer Auffassung des Lebens ab, und nicht von ihrer Figur oder ihrem Aussehen. Unsere Handlungen des Körpers und der Rede sind der Ausdruck unserer inneren Geisteshaltungen und Gedanken.
Wie daher Atisha in „Ein Juwelenkranz des Bodhisattvas“ (tib. Byang-chub sems-dpa’i nor-bu’i phreng-ba, Skt. Bodhisattvamaṇyāvalī), 28, sagte:
Ich will immer wieder meine Sprache prüfen, wenn ich inmitten vieler bin, und meine Geisteszustände, wenn ich alleine bin.
Negatives Denken kann jederzeit auftreten und nur wir sind uns darüber bewusst, wann es passiert, außer wir sind mit einem Hellseher zusammen.
Die drei wichtigsten destruktiven Handlungen des Geistes (tib. yid-kyi mi-dge-ba gsum), vor denen wir uns hüten sollten, sind:
- begehrliches Denken (tib. brnab-sems, Skt. abhidhyāyā);
- boshaftes Denken (tib. gnod-sems, Skt. vyāpāda, Böswilligkeit); sowie
- verzerrtes, feindseliges Denken (tib. log-lta, Skt. mithyā-dṛṣṭi, falsche Ansicht).
Insbesondere geht es darum, darüber nachzudenken und sich zu entscheiden, eine der destruktiven Handlungen des Körpers oder der Rede zu begehen. Damit diese destruktiven Handlungen des Geistes vollständig sind und zu ihren vollsten unglücklichen Konsequenzen führen, müssen all die gleichen Faktoren wie zuvor da sein.
Begehrliches Denken
Das Begehren ist ein starker und selbstsüchtiger Wunsch, etwas in Besitz zu nehmen und es als „meins“ zu besitzen. Die Grundlage für solch ein Denken muss ein äußeres Objekt oder eine innere Qualität sein, die jemand anderem gehört, wie jemandes Reichtum oder Ruhm. Es kann etwas sein, das wir in einem Geschäft sehen oder gar die Qualität eines Buddhas, die wir selbst haben möchten, um Macht, Ruhm und ähnliches zu besitzen. Manchmal kann es sogar etwas sein, was uns schon versprochen wurde, was wir jedoch schon vorher haben wollen, bevor es an der Zeit ist, wie ein Erbe, oder dass wir beim Warten in einer Schlange an der Reihe sind.
Uns muss im Klaren sein, dass das, was wir begehren, genau dieses Objekt ist. Es muss spezifisch sein. Unsere Motivation muss die Geisteshaltung des Wünschens sein, dass dieses Objekt uns gehören wird, und es muss eine der drei störenden Geisteshaltungen anwesend sein. Aus Anhaftung mögen wir eine ganze Reihe nutzloser Produkte begehren, von denen wir meinen, dass wir sie brauchen oder dass sie uns glücklich machen. Aus Feindseligkeit mögen wir uns wünschen, etwas schnell zu kaufen, bevor jemand, den wir nicht mögen, die Gelegenheit hat, es zu tun, damit wir ihm oder ihr die Freude des Objektes nehmen können; oder wir mögen ein Buch aus der Bibliothek nehmen wollen, das unsere Rivalen für ihre Studien benötigen. Aus Naivität mögen wir das Gefühl haben, es wäre gut, viele Produkte zu besitzen, weil es gut für die Wirtschaft ist.
Die damit verbundene Handlung muss unseren Wunsch, das Objekt zu besitzen, so stark machen, dass wir darüber nachdenken, das Objekt tatsächlich zu unserem zu machen. Diese negative Handlung des Geistes ist vollständig, wenn unsere Besessenheit so stark wird, dass wir uns wirklich entscheiden, zu versuchen das Objekt zu erstehen. Die Motivation, Handlung und Vollendung dieser geistigen Handlung müssen somit alle in einer Reihe von Gedanken auftreten. Mit anderen Worten wünschen wir uns, dass ein Objekt uns gehört, denken dann darüber nach, es zu unserem zu machen und entscheiden uns anschließend eine Methode zu finden, dies zu verwirklichen. Vollständiges Begehren ist somit nicht nur der Wunsch, etwas zu besitzen, sondern geht darüber hinaus, bis hin zur festen Entscheidung, etwas dafür zu tun und tatsächlich zu versuchen, das, was wir haben wollen, zu bekommen. Diese Entscheidung muss nicht unbedingt ausgedrückt oder in die Tat umgesetzt werden. Worum es uns hier geht, ist der negative Geisteszustand und die Abfolge von Gedanken, die erzeugt wird.
Des Weiteren müssen auch die folgenden fünf störenden Geisteshaltungen mit unserer Motivation für unser begehrliches Denken da sein, damit es vollständig ist und die schwerwiegendsten Konsequenzen nach sich zieht:
- eine außergewöhnliche Anhaftung an die Objekte, die wir nutzen und genießen;
- die Gier (tib. btkam-chags), mit der wir noch mehr haben wollen;
- die Neugierde (tib. ’chums-pa), mit der wir den zwanghaften Drang haben, alles von guter Qualität gründlich zu durchsuchen, wie die Wertgegenstände von jemandem, und sie selbst aus- oder anzuprobieren;
- eine ehrgeizige Haltung des Wetteiferns mit jemandem (tib. ’khu-ba’i sems), mit dem Gefühl, das, was diese andere Person hat, selbst besitzen oder haben zu müssen; sowie
- eine eigenwillige Haltung, andere fertig machen zu wollen (tib. zil-gyis non-pa’i sems), ohne sich auch nur ein wenig wegen dieser Begierde zu schämen und ohne zu verstehen, dass es sich dabei um einen Fehler handelt oder wir uns von dieser Haltung befreien sollten.
Somit ist es kein vollständiges Begehren, einfach davon zu träumen, wie schön es wäre, wenn unser Chef unser Sklave wäre, auf Abruf bereitstände und wir all seinen Reichtum und seine Macht besäßen, oder wenn andere wüssten, was für gute Praktizierende, wie gelehrt und großzügig wir sind oder wie hart wir für ihr Wohl arbeiten, oder wie schön es wäre, wenn wir von allen in der Welt respektiert werden würden. Wir müssen eine ausgeprägte Geisteshaltung der Anhaftung an Objekte haben, gierig, neugierig und wetteifernd sein, die Oberhand über andere gewinnen wollen, mit dem starken Wunsch und der vollen Absicht, etwas dafür zu tun, unser Ziel zu erreichen und ganz bewusst denken: „ich will den Reichtum und die Macht der Götterwesen besitzen“ oder „ich will alles Geld der Welt haben“. Wenn eine dieser fünf störenden Geisteshaltungen fehlt, ist unser Begehren nicht vollständig.
Boshaftes Denken
Bosheit ist der Wunsch, eine Person oder ein Wesen zu schädigen oder zu verletzen, indem man es tötet, schlägt, zerquetscht oder ihnen etwas Unangenehm zufügt. Somit muss das Objekt solch negativen Denkens, wie im Fall der groben Worte, ein Lebewesen sein, das verletzt werden würde, wenn wir unseren Wunsch in die Tat umsetzen. Bosheit ist wie Feindseligkeit auf etwas Lebendes gerichtet, wohingegen Zorn und Hass entweder auf etwas Belebtes oder Unbelebtes gerichtet sein kann, wie beispielsweise auf unseren Ofen oder unser Auto, das nicht funktioniert.
Wir müssen uns über die Person oder das Wesen, das wir verletzen wollen, im Klaren sein. Unsere Motivation muss der Wunsch sein, sie zu töten, ins Gesicht zu schlagen und dergleichen, oder solche Gedanken, wie: „wäre es nicht toll, wenn ich oder jemand anderer ihm plötzlich alles wegnehmen würde, was ihm gehört!“ Auch eine der drei giftigen Geisteshaltungen muss da sein. Mit sehnsüchtigem Verlangen mögen wir uns wünschen, unseren Vater zu töten, um das Geld zu bekommen, der er uns in seinem Testament hinterlassen will. Aus Feindseligkeit mögen wir uns wünschen, eine Fliege totzuschlagen, die uns nervt und aus Naivität mögen wir jemanden verletzen wollen, weil wir meinen, Gewalt wäre gut oder es wäre egal, was wir anderen antun.
Mit der damit verbundenen Handlung müssen wir darüber nachdenken, unseren Wunsch in die Tat umzusetzen, und sie ist vollständig, wenn wir uns tatsächlich entscheiden, definitiv die Person oder das Wesen zu verletzen. Somit besteht das boshafte Denken nicht nur darin, böswillig zu sein oder jemandem Schaden zu wünschen, sondern geht darüber hinaus. Wir treffen die feste Entscheidung, jemandem Schaden zuzufügen.
Hier muss es, wie mit dem Begehren, auch fünf störende Geisteshaltungen zusammen mit unserer Motivation für unsere destruktive geistige Handlung geben, damit sie vollständig böswillig ist:
- Feindseligkeit, das feste Greifen nach einem Zeichen, welches unseren Grund symbolisiert, jemandem wehtun zu wollen;
- eine Haltung, es nicht zu ertragen (tib. mi bzod-pa’i sems), denn wir können es nicht länger aushalten ohne jemandem zu schaden;
- eine Geisteshaltung des Hegens von Groll (tib. ’khon-du ’dzin-pa, Skt. upānaha), mit der wir immer wieder mit fehlerhafter Betrachtung (tib. tshul-min yid-bcas) über unsere Gründe nachdenken, wütend und genervt zu sein;
- eine ehrgeizige Haltung des Wetteiferns mit jemandem, mit der wir denken: „wäre es nicht toll, wenn ich meinen Rivalen schlagen oder töten könnte“; sowie
- eine eigenwillige Haltung, andere fertig machen zu wollen, ohne das geringste Schamgefühl wegen diesem Wunsch, der Person dadurch zu schaden, und ohne zu verstehen, dass es sich dabei um einen Fehler handelt oder wir uns von dieser Haltung befreien sollten.
„Bloße Bosheit“ (tib. gnod-sems tsam-du ’gyur-ba) wäre einfach zu hoffen, jemand, der uns verletzt hat, würde irgendwie zu schaden kommen, oder zu beten, dass jemand alles verliert, was er hat oder zur Hölle geht. Mit voller Bosheit zu denken, ist andererseits feindselig zu sein, es nicht zu ertragen, einen boshaften Groll zu hegen, zu konkurrieren, andere fertig machen zu wollen und sich dann fest zu wünschen, dem anderen den Hals umzudrehen und es tatsächlich zu planen.
Boshaftes Denken ist äußerst destruktiv für jegliche spirituelle Entwicklung. Bosheit ist der Wunsch, anderen Schaden zuzufügen, und somit das genaue Gegenteil großen Mitgefühls, mit dem wir uns wünschen, alle mögen frei von Problemen sein und dies selbst herbeizuführen. Empfinden wir daher einen geistigen Drang zu dieser Art des negativen Denkens, müssen wir versuchen, ihn aufzuhalten, bevor unsere Abfolge von Gedanken vollständig ist. Seit anfangslosen Wiedergeburten haben wir uns an solche bösartigen geistigen Muster gewöhnt und daher ist es nicht überraschend, wenn wir merken, dass wir boshafte Gedanken hegen. Wir sollten sie jedoch schnell beenden, indem wir uns durch das Anwenden von Gegenkräften davon befreien, wie das Denken mit Liebe und Mitgefühl.
Wie Nagarjuna in „Brief an einen Freund“, 17, sagte:
Wisse, dass Gedanken wie Figuren sind, die auf Wasser, Erde oder Stein gezeichnet werden. Hat man störende Emotionen, ist es am besten, sie wie Erstere (zu machen), und wünscht man sich dharmische Dinge, (ist es am besten, sie) wie Letztere (zu machen).
Verzerrtes, feindseliges Denken
Verzerrtes, feindseliges Denken ist ein engstirniger, unwissender Zustand, in dem wir hartnäckig daran denken, etwas zurückzuweisen (tib. skur-’debs, Skt. abhyākhyāna) oder zu leugnen. Das Objekt muss ein Phänomen sein, das existiert oder zutreffend ist, wie eine Tatsache des Lebens, eine Qualität von jemandem, eine Situation oder dergleichen. Wir müssen davon überzeugt sein, dass unser Leugnen dieses Phänomens korrekt ist, wie wenn ein Krimineller das Gefühl hat, mit seiner Tat im Recht zu sein und sie vor Gericht verteidigen will. Die Motivation muss der Wunsch sein, etwas, das existiert, zu leugnen. Auch eine der drei störenden Geisteshaltungen muss da sein. Aus Anhaftung mögen wir auf verzerrte, feindselige Weise denken, weil wir einen mächtigen Freund haben, der ebenso denkt, und meinen, wir würden seine Gunst erlangen, wenn wir ihm zustimmen. Aus Feindseligkeit mögen wir jemanden nicht leiden können, der eine korrekte Sichtweise hat und weil wir es nicht ertragen, ihm zuzustimmen, vertreten wir um jeden Preis das Gegenteil. Solche Arten von streitsüchtigen Menschen sind recht kindisch. Jemand hatte einen verhassten Feind, der sein Pferd mit Blick nach vor ritt, und nur um anders zu sein, ritt diese Person ihr Pferd umgekehrt! Meistens haben wir jedoch eine verzerrte, feindselige Geisteshaltung aus Naivität, wie wenn wir eine falsche Sicht auf etwas haben und meinen, niemand könne uns sagen, was richtig ist.
Die damit verbundene Handlung muss der Gedanke sein, etwas nicht anzuerkennen, indem wir falsche Propaganda verbreiten oder anderen sagen, was wir denken. Die Handlung ist vollständig, wenn wir den festen Entschluss treffen, das Objekt abzulehnen. Somit ist die verzerrte, feindselige Geisteshaltung nicht einfach ein Unglaube an eine Tatsache, wie die Existenz der Wiedergeburt, sondern geht darüber hinaus, bis hin zur aktiven Entscheidung, sie zu leugnen oder zu widerlegen.
Unsere Handlung, darüber nachzudenken etwas abzulehnen, kann das Leugnen einer Ursache, einer Auswirkung, eines wirksamen oder existierenden Phänomens sein. Ein Beispiel für Ersteres ist zu leugnen, dass es so etwas wie gute oder schlechte Handlungen gibt, dass manche Dinge richtig und andere falsch sind. Auswirkungen abzulehnen ist ein zynisches Leugnen, dass solche Arten von Handlungen irgendwelche Auswirkungen haben. Wenn wir das Funktionieren von etwas leugnen, lehnen wir im Grunde ab, dass das Pflanzen und Umsorgen von Samen Resultate hervorbringt. Ein Beispiel wäre zu denken, dass uns Dinge völlig grundlos passieren, was darauf hinausläuft zu glauben, Kinder würden ohne Eltern entstehen. Demnach würden wir den Wert leugnen, etwas Konstruktives zu tun, um nützliche Resultate zu ernten. Oder wir leugnen die Funktionsweise des Kommen und Gehens, wie das Abstreiten früherer und zukünftiger Wiedergeburten, indem wir darauf bestehen, dass unser Geisteskontinuum, das sich in jedem Moment unseres Lebens fortsetzt, aus dem Nichts kam und einfach ganz plötzlich enden wird, wenn wir sterben. Oder wir leugnen die Funktionsweise des Entstehens bestimmter Dinge, wie Wesen im Bardo oder gefangene Wesen in freudlosen Bereichen und göttliche Wesen, die alle in einem Augenblick als die Ausstrahlung karmischer Impulse entstehen, die im vorangegangenen Moment in ihrem Geisteskontinuum präsent sind. Leugnen wir, dass es Arhats geben kann, die all ihre emotionalen Schleier beseitigt haben, lehnen wir ein existierendes Phänomen ab.
Darüber hinaus muss unsere verzerrte, feindselige Geisteshaltung, um vollständig zu sein, die folgenden fünf störenden Geisteshaltungen umfassen:
- Blindheit (tib. zhva-ba), durch ein Unwissen darüber, wie ein erkennbares Phänomen existiert oder zutreffend ist;
- Streitsucht (tib. drag-shul-gyi sems), durch eine perverse Freude daran, sich negativ zu verhalten;
- eine Geisteshaltung, völlig durchdrungen von unserer Täuschung zu sein (tib. log-par rgyun-du zhugs-pa’i sems), weil wir ein Phänomen entschieden mit fehlerhafter Betrachtung analysiert haben;
- völlige Gemeinheit (tib. rab-tu nyams-pa’i sems), durch das Ablehnen der Werte von Nächstenliebe, Philanthropie, guten Handlungen, spirituellen Übungen und dergleichen;
- eine eigenwillige Haltung, andere fertig machen zu wollen, ohne sich auch nur ein wenig dafür zu schämen, feindselig zu sein und den Glauben anderer abzulehnen, und ohne zu verstehen, dass es sich dabei um einen Fehler handelt oder wir uns von dieser Haltung befreien sollten.
Obgleich es viele Ebenen der verzerrten, feindseligen Geisteshaltung gibt, ist diese destruktive Handlung erst vollständig, wenn wir blind gegenüber etwas sind, streitsüchtig und durchdrungen von unserer Täuschung, völlig gemein und mit dem Wunsch, andere fertig zu machen, und uns dann entscheiden, die korrekte Behauptung dieser Person vollständig abzulehnen. Das ist die schwerwiegendste Art des verzerrten Denkens, da sie auf diese schwere negative Weise die Möglichkeit für alle positiven karmischen Kräfte abtrennt, die als Wurzeln für spirituellen Fortschritt und Glück dienen. Daher sollten wir uns gut davor schützen, jemals solch eine selbstzerstörerische Geisteshaltung zu haben.
Zusammenfassend bedeutet dies, dass zwar jede der zehn destruktiven Handlungen durch eine der drei giftigen Geisteshaltungen ausgelöst werden kann, doch jemandem das Leben zu nehmen, das Benutzen grober Worte und das boshafte Denken sind ausschließlich mit Feindseligkeit vollständig; etwas zu nehmen, was uns nicht gegeben wurde, das Ausüben unangemessenen sexuellen Verhaltens und das begehrliche Denken ausschließlich mit sehnsüchtigem Verlangen oder Anhaftung; und das verzerrte, feindselige Denken ausschließlich mit Naivität. Das Lügen, das Säen von Zwietracht und das sinnlose Geschwätz können hingegen mit irgendeinem dieser drei vollständig werden.
[Dargelegt von Vasubandhu in „Ein Schatzhaus spezieller Themen des Wissens“ IV.68–71; und von Asanga in „Eine Anthologie spezieller Themen des Wissens“, 257-2-3 bis 6.]
Durch die sieben destruktiven Handlungen des Körpers und der Rede, außer dem Ausüben unangemessenen sexuellen Verhaltens, wird dieselbe negative karmische Kraft in unserem Geisteskontinuum aufgebaut, ob wir die Handlung selbst ausführen oder es jemand anderen für uns tun lassen. Was das Ausüben unangemessenen sexuellen Verhaltens betrifft, müssen wir die Handlung jedoch selbst begehen, da niemand für uns die Glückseligkeit des Orgasmus erfahren kann [dargelegt von Vasubandhu in „Ein Schatzhaus spezieller Themen des Wissens“, IV.67].
Für weitere Einzelheiten darüber, wie viele destruktive Handlungen gleichzeitig begangen werden können, welche auf den verschiedenen Ebenen der Existenz möglich sind und so weiter, studieren wir Vasubandhus „Schatzhaus spezieller Themen des Wissens“ und Asangas „Anthologie spezieller Themen des Wissens“. Wir sollten lernen, diese diversen feinen Punkte zu unterscheiden, damit wir uns unseres Verhaltens bewusster werden können. Mit unterscheidendem Gewahrsein können wir beginnen, destruktive Handlungen zu unterlassen und die negativen karmischen Kräfte, die wir jeden Tag unbekümmert aufbauen, zu mindern.
Bestimmen der Faktoren, welche diese destruktiven Handlungen schwere oder leichte Resultate haben lassen
Es gibt sechs Faktoren, welche die Schwere der Resultate beeinflussen, die auf unsere destruktiven Handlungen zurückzuführen sind (tib. lci-yang-gi khyad-par drug):
- die Natur der Handlung;
- der geistige Antrieb;
- die tatsächliche Handlung;
- die damit verbundene Grundlage;
- die Häufigkeit (tib. dus rtag-pa, lan-mang); sowie
- eine Abwesenheit von Gegenkräften (tib. gnyen-po med-pa).
[1] Von den sieben destruktiven Handlungen des Körpers und der Rede hat das Nehmen des Lebens eines anderen Wesen von Natur aus die schwersten Konsequenzen. Danach lässt die Ernsthaftigkeit jeder solcher Handlung bis hin zur siebenten, dem sinnlosen Geschwätz, nach, welche von Natur aus am wenigsten schwerwiegend, jedoch die größte Zeitverschwendung ist. Der Grund für diese Abnahme der Schwere ist, dass jede nachfolgende Handlung weniger Leiden für andere verursacht, die mit ihr verbunden sind. Da jedes Lebewesen sein Leben mehr schätzt als seine Besitztümer, ist das Töten von Natur aus schwerwiegender als das Stehlen.
Von den drei destruktiven Handlungen des Geistes hat das begehrliche Denken die leichtesten Konsequenzen, während das verzerrte, feindselige Denken von Natur aus die schwersten aller zehn solchen Handlungen hat. Das liegt daran, weil es die Fähigkeit all unserer positiven karmischen Kraft auf drastische Weise mindert, ihr Resultat hervorzubringen, was nicht einmal durch das Nehmen des Lebens von anderen geschieht [dargelegt von Vasubandhu in „Ein Schatzhaus spezieller Themen des Wissens“, IV.79].
[2] Je stärker die spezifische störende Emotion oder Geisteshaltung ist, welche den Wunsch begleitet, eine destruktive Handlung zu begehen, desto schwerwiegender sind die Konsequenzen. Obwohl an sich das Denken mit Feindseligkeit eine schwerwiegendere störende Geisteshaltung ist, als Anhaftung oder Naivität – da sie sowohl der Person, die feindselig ist, sowie der anderen Seite, auf die sie gerichtet ist, Schaden und Leid zufügt – wird hier kein Unterschied bezüglich der Natur der damit verbundenen spezifischen geistigen Störung gemacht. Der einzige Unterschied besteht in Bezug auf den Grad und das Maß der spezifischen störenden Emotion, welche die negative Handlung motiviert. Jemanden auf flapsige Weise einen Bastard zu nennen ist zwar hart und beleidigend, aber recht leicht, wohingegen das Benutzen des selben Wortes mit tiefer Feindseligkeit ziemlich schwerwiegend wird, wenn es jemandem voller Wut zugebrüllt wird.
[3] Die leidvollen Konsequenzen einer destruktiven Handlung steigern sich in der Schwere proportional zu dem Maß an Leiden, das wir verursachen. Das gilt für das Töten, Stehlen, Vergewaltigen, den Ehebruch, das Lügen, den Missbrauch und so weiter. Betrachten wir einmal das Nehmen des Lebens eines Wesens.
Wenn wir auf ein Insekt treten, stirbt es schnell mit relativ wenig Leiden. Töten wir hingegen ein größeres Tier, indem wir es beispielsweise mit Steinen bewerfen, ist der Tod weniger schnell. Da der Körper viel größer ist und viel mehr Leid über einen größeren Zeitraum erfahren wird, werden die daraus resultierenden Konsequenzen, die wir erleiden müssen, viel schwerwiegender sein. Wir werden proportional genauso viele Schmerzen erfahren, wie wir anderen zufügen. Auch wenn das Insekt, das wir töten, klein ist, werden die Konsequenzen viel schlimmer sein, wenn wir erst einmal dessen Flügel und Beine raus reißen und es dann ins Feuer werfen, als wenn wir es einfach schnell totschlagen. Stellt euch einmal vor, ein Riese würde uns unsere Beine abreißen und uns dann in ein Feuer werfen!
Ein Opfer zu quälen und langsam zu foltern, bevor man es tötet, ist äußerst schwerwiegend. Verursachen wir neben den körperlichen Gräultaten, die wir begehen, auch furchtbare mentale Leiden, wird es sogar noch schlimmer. Das wäre so, als würde man anderen jegliche menschliche Würde nehmen, bevor man sie hinrichtet, indem man ihnen Angst macht, sie hungern, betteln und um Gnade weinen lässt. Erfahren wir darüber hinaus noch sadistische Freude, während wir unsere Handlung des Quälens und Mordens begehen, prahlen und protzen damit vor anderen und stoßen während unserer Tat furchteinflößende Schreie aus, werden die Konsequenzen ausgesprochen schwerwiegend sein. Vielleicht sind wir keine solch verrückten Mörder, wie in diesem Szenario eines Konzentrationslagers, doch wir sollten sorgfältig die Geisteshaltungen überprüfen, die auftauchen, wenn wir Mücken, Flöhe, Wanzen, Kakerlaken und Schädlinge jagen und töten, die Pflanzen befallen. Es mag erschreckend sein, was wir in uns selbst erkennen.
[4] Die Schwere der Konsequenzen einer negativen Handlung steigt gemäß dem Maß an Nutzen und der Hilfe, die wir oder andere in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von demjenigen bekamen oder bekommen, auf den die Handlung gerichtet ist. Somit kann sogar ein giftiger Blick auf unseren spirituellen Mentor, Lehrer, einem Mitglied des Bodhisattva-Sangha oder unsere Eltern schwerwiegende Folgen haben.
Was das Töten betrifft, steigt die Schwere von der Grundlage unseres Mords an einem Insekt, zu einem kleinen Tier, einem großen Tier, einem Fötus, einem Menschen, einem engen Freund, einer Schwester oder einem Bruder, einem Elternteil, einem spirituellen Meister, einem Bodhisattva, einem Arhat und einem Buddha.
Das Stehlen wird schwerer, wenn die Grundlage eine große Anzahl von Objekten oder eine hohe Qualität betrifft, oder wenn es die Besitztümer von einem armen, mittellosen Menschen sind, oder Ausbildungsmaterial, Gebetsbücher, Dharmatexte, oder die Besitztümer eines spirituellen Meisters, eines Arhats, des Sangha, einer Stupa und so weiter.
Unangemessenes sexuelles Verhalten wird schwerwiegender, wenn es sich auf ein Elternteil richtet, jemanden in Roben mit einem Gelübde des Zölibats oder dem Partner eines engen Freundes; wenn die Weise damit verbunden ist, unser Tor der Rede als sexuelle Körperöffnung zu missbrauchen; wenn der damit verbundene Ort vor einer Stupa oder innerhalb eines Klostergeländes ist; wenn die Zeit der Handlung dann ist, wenn unser Partner ein eintägiges Gelübde des Zölibats abgelegt hat, krank ist oder sich die Frau in den fortgeschrittenen Stufen der Schwangerschaft befindet.
Die Konsequenzen des Lügens werden schwerwiegend, wenn wir mit Absicht eine falsche Antwort geben, um jemanden zu täuschen, der eine ernsthafte Frage gestellt hat, oder wenn wir hinsichtlich vieler bedeutsamer Dinge lügen und auch, ähnlich wie bei den drei destruktiven Handlungen des Körpers, wenn die Person, die wir anlügen oder über die wir lügen, unser Elternteil, spiritueller Mentor, ein Mitglied des Sangha, ein Buddha und dergleichen ist. Die schwersten Lügen sind jene, mit denen wir beabsichtigen, eine Spaltung im Sangha herbeizuführen.
Zwietracht zu säen ist besonders schwerwiegend, wenn die damit verbundenen Seiten lange enge Freunde gewesen sind, Familienmitglieder, besonders ein Kind und dessen Eltern, ein spiritueller Mentor und dessen Schüler oder eine Gruppe innerhalb des Sangha. Wir sollten sehr darauf achten, einem spirituellen Meister nie etwas Schlechtes über dessen Schüler zu sagen. Das ist überaus negativ.
Das Benutzen grober Worte ist schwerwiegend, wenn es auf unsere Eltern gerichtet ist, auf unseren spirituellen Mentor und so weiter, wenn sie benutzt werden, um jemanden absichtlich zu verletzen, zu beschimpfen oder zu bedrohen, oder es mit groben Worten der Lüge über korrekte, achtbare Objekte oder Dinge verbunden ist.
Sinnloses Geschwätz hat schwerwiegende Konsequenzen, wenn es die Form des Meckerns hat, wenn wir hinter dem Rücken von jemandem reden, streitlustig sind, provokativ sprechen oder mit störender Anhaftung die Liturgien und Texte anderer Religionen rezitieren, oder wenn es sarkastisch, frech oder beleidigend ist, wenn wir über unangemessene Themen oder einfach Unsinn gegenüber unseren Eltern, Lehrern usw. reden
Begehrliches Denken ist schwerwiegend, wenn die begehrten Objekte der Besitz oder die Opfergaben sind, die dem Sangha, unserem spirituellen Mentor oder einer Stupa dargebracht wurden, oder wenn wir aus arroganter Besessenheit und Eitelkeit den Respekt und die Vorteile haben wollen, die von einem König oder einem Gelehrten makelloser Ethik genossen werden.
Boshaftes Denken ist besonders schwerwiegend, wenn es auf unsere Eltern, Verwandten, spirituellen Meister oder jene gerichtet ist, die fehlerlos sind, auf die Armen, Unterdrückten, Bedürftigen, Bedauernswerten und jene, die sich aufrichtig für ihre begangenen Fehler entschuldigt haben und sie bereuen.
Verzerrtes, feindseliges Denken ist ausgesprochen schwerwiegend, wenn wir aktiv leugnen, dass es jemals so etwas, wie einen Buddha, die Befreiung von allen Problemen und Leiden oder die Funktionsweise der Gesetze verhaltensbedingter Ursache und Wirkung geben könnte. Solches Denken ist viel schwerwiegender, als einfach zynisch die Gegenwart eines Arhats oder von etwas Gutem oder Wertvollem in der heutigen modernen Welt zu leugnen.
[5] Je häufiger wir eine destruktive Handlung begehen, desto schwerer werden die Konsequenzen sein. Das liegt daran, weil wir damit eine immer zwingendere Gewohnheit aufbauen, die Handlung zu wiederholen. Daher hat sogar das sinnlose Geschwätz, wenn es ständig und fortwährend ausgeführt wird, schwerwiegende Konsequenzen, während eine negative Handlung, die nur einmal begangen wird, weniger schwerwiegend ist.
[6] Begehen wir letztlich viele destruktive Handlungen, ohne etwas Konstruktives zu tun, um sie zu kompensieren und als Gegenmittel für ihre Konsequenzen einzusetzen, werden diese negativen Handlungen schwerwiegender.
Im Gegensatz zu diesen sechs Faktoren, die in Pabongkas „Befreiung in unseren Händen“ präsentiert werden, gibt es fünf, die in Tsongkhapas „Großer Darstellung“ angeführt werden:
- die Absicht;
- die damit verbundene Handlung;
- die Abwesenheit von Gegenkräften;
- der verzerrte zwingende Antrieb (tib. log-par mngon-par zhen-pa); sowie
- die Grundlage.
Der Faktor der Häufigkeit wird der damit verbundenen Handlung zugeordnet, während die Natur der Handlung in diesen fünf nicht berücksichtigt wird. Der verzerrte zwingende Antrieb bezieht sich darauf, ob es eine verzerrte Sichtweise als Kraft hinter der Handlung gibt, wie beim Töten eines Tieres, das als Blutopfer beruhend auf einer verzerrten Sichtweise bezüglich verhaltensbedingter Ursache und Wirkung dargebracht wird.
Tsongkhapa führt eine weitere Liste von sechs Faktoren an, die sich in Asangas „Alles-umfassenden Text für die tatsächliche Grundlage“ (tib. Sa’i dngos-gzhi, Skt. Vastusaṃgraha) finden:
- die Natur;
- die beeinflussende vorangehend Kraft (tib. mngon-par ’du-byed-pa, Skt. abhisaṃskāra);
- die Gewohnheit;
- die Grundlage;
- die eindeutige Präsenz unharmonischer Faktoren (tib. mi-mthun-pa’i phyogs gcig-tu nges-pa); sowie
- die Auslöschung unharmonischer Faktoren (tib. mi-mthun-phyog sel-ba).
Die beeinflussende vorangehende Kraft wird so erklärt, wie die Absicht in Pabongkas und Tsongkhapas Auflistungen. Die Gewohnheit ähnelt der Häufigkeit, während die eindeutige Präsenz oder Auslöschung unharmonischer Faktoren fast auf das Gleiche wie die Abwesenheit von Gegenkräften hinausläuft.
In Vasubandhus „Schatzhaus spezieller Themen des Wissens“ gibt es noch eine weitere Liste von sechs Faktoren, die angeführt werden, um die Schwere der Resultate einer Handlung zu unterscheiden:
- die Schlussfolgerung oder Fortsetzung;
- das Feld;
- die Grundlage;
- die damit verbundene Handlung;
- die Absicht, mit der die Handlung vollendet wird; sowie
- die Absicht, durch die sie motiviert wurde (tib. bsam-pa).
Die Schlussfolgerung bezieht sich darauf, ob wir die Handlung in der Zukunft wiederholen werden oder nicht. Das Feld bezieht sich auf das, was in Asangas, Tsongkhapas und Pabongkas Auflistungen als Grundlage bezeichnet wird, während sich die Grundlage hier auf das bezieht, was die anderen als die Natur der Handlung bezeichnen. [Dargelegt vom Ersten Dalai Lama (tib. rGyal-ba dGe-’dun grub) in „Klärung des Pfades“ (tib. mDzod-tik thar-lam gsal-byed), 275.]
Müssen wir eine negative Handlung begehen, versuchen wir, dass nicht alle dieser Faktoren der Schwere vollständig sind. Ist es beispielsweise notwendig Bettwanzen auszuräuchern, versuchen wir die Handlung mit so wenig störenden Emotionen und Geisteshaltungen wie möglich auszuführen, möglichst wenig Leiden zu verursachen, es nicht so häufig zu tun und dem mit solch positiven Handlungen entgegenzuwirken, wie offen zuzugeben, dass unsere Handlung falsch ist, sofort die Gegenkräfte der Reue hervorzubringen und so weiter. Wir versuchen nicht, wie das klassische Beispiel von jemandem zu sein, dessen sechs Faktoren vollständig sind: ein professioneller Schlachter, der stets negativ ist, nie etwas Positives tut und seine Eltern aus großer Wut und mit den neun furchtbarsten Arten der Folter tötet.
Am besten ist es natürlich, es niemals zu erlauben, von den negativen karmischen Kräften befleckt zu werden. Während wir jene verachten, die destruktive Handlungen mit schweren Konsequenzen begehen, sollten wir nicht meinen, es wäre für uns in Ordnung, weiter negativ zu sein, solange unsere Handlungen nicht schwerwiegend sind.
Wie Aryadeva in seiner „Abhandlung in Vierhundert Versen“ (tib. bZhi-brgya-pa, Skt. Catuḥśataka), III.22, sagte:
Hätten (einige von ihnen) Lepra, wären nicht alle Menschen, die voller Urin sind, gleich. So wie jene (ohne Lepra) voller Urin (sich die Nase) vor den Lepra-Kranken (zuhalten würden), wären auch sie von allen anderen gemieden.
Gäbe es also eine Gruppe von Menschen, die alle voller Urin wären und einige von ihnen hätten zusätzlich Lepra, würden jene ohne dieser Krankheit sich die Nase in Verachtung vor jenen mit dieser furchtbaren Krankheit zuhalten. Da sie jedoch selbst nach Urin stinken, würden sich alle anderen die Nase vor ihnen zuhalten. Haben wir in ähnlicher Weise nicht schwerwiegend auf destruktive Weise gehandelt, verachten aber jene, die noch schlimmer gehandelt haben, würden uns andere trotz allem wegen unseren Taten verachten. Wir sollten bedenken, dass sogar die kleinsten destruktiven Handlungen in Leiden enden.
Aufzeigen ihrer Resultate
Jede destruktive Handlung bringt drei Arten von Resultaten hervor:
- ein gereiftes Resultat;
- ein Resultat, das seiner Ursache entspricht (tib. rgyu-mthun-gyi ’bras-bu, Skt. niṣyanda-phalam); sowie
- ein dominierendes Resultat (tib. bdag-’bras, Skt. adhipati-phalam).
[1] Gereifte Resultate sind im Allgemeinen unspezifische Phänomene (tib. lung ma-bstan, Skt. vyākṛta, neutral), die mit dem Geisteskontinuum eines begrenzten Wesens verbunden sind (tib. rnam-shes-kyis zin-pa) und die entweder auf ein negatives Phänomen oder ein befleckt positives Phänomen als dessen reifende Ursache zurückzuführen sind. Anders ausgedrückt handelt es sich dabei in diesem Zusammenhang um die Aggregat-Faktoren der Erfahrung – den Körper, Geist, die Sinne und so weiter – eines nächsten Wiedergeburtszustandes, die als ein Resultat karmischer Kräfte reifen, welche durch vorangegangenes zwanghaftes Verhalten aufgebaut wurden. Obwohl solche Aggregat-Faktoren entweder an konstruktiven oder destruktiven Handlungen beteiligt sein mögen, gelten sie an und für sich als nicht-behindernde unspezifische Phänomene und werden vom Buddha beiden zugeordnet; sie sind somit neutral.
Die gereiften Resultate einer schwerwiegenden destruktiven Handlung sind, dass das geistige Bewusstsein bei der Empfängnis zu den Aggregat-Faktoren getrieben wird, die ein gefangenes Wesen in einem freudlosen Bereich erfährt: dessen Körper, die furchterregenden Dinge, die es sieht und mit den Sinnen erfährt, die Empfindungen des Schmerzes, der Furcht und dergleichen. Jene einer mittelmäßigen destruktiven Handlung sind die, zu den Faktoren getrieben zu werden, die von einem Klammergeist erfahren werden, während die gereiften Auswirkungen einer leichten solchen Handlung jene sind, zu denen getrieben zu werden, die von einem Kriechtier erfahren werden. Ob eine destruktive Handlung schwerwiegend, mittelmäßig oder leicht ist, wird entweder durch das Maß der Intensität der störenden Emotionen oder Geisteshaltungen bestimmt, mit denen sie motiviert, ausgeführt und vollendet wurde, wie vollständig die Handlung mit all ihren Bestandteilen war, oder wie schwerwiegend sie mit all den Faktoren war, die sie zu einer solchen machen. Jede negative Handlung kann somit heranreifen, im Tod zu einer Wiedergeburt in einem freudlosen Bereich getrieben zu werden, wenn sie vollständig war, schwer genug und mit einem vollkommen gestörten Geisteszustand begangen wurde.
[2] Nachdem wir unsere Erfahrung der Aggregat-Faktoren in einem der schlechten Wiedergeburtszustände als gereiftes Resultat einer destruktiven Handlung beendet haben, gibt es weitere Nachwirkungen (tib. las-mtha’, Skt. karmānta), die als Resultat der karmischen Kraft, die durch diese frühere Handlung aufgebaut wurde, auf uns zukommen. Erlangen wir erneut eine andere menschliche Form als das gereifte Resultat positiver karmischer Kräfte, die in früheren Leben angesammelt wurden, werden wir diese Nachwirkungen in der Form der Resultate erfahren, die ihrer Ursache ähneln. Sie werden ähnlich in Bezug auf unsere Erfahrung (tib. myong-ba rgyu-mthun-gyi ’bras-bu) und unser Verhalten (tib. byed-pa rgyu-mthun-gyi ’bras-bu) während diesem Leben sein.
Haben wir einen Mord begangen, ist das anfängliche Resultat, das heranreift, beispielsweise eine Wiedergeburt in einem der freudlosen Bereiche. Hat sich die karmische Kraft für dieses höllische Leben schließlich erschöpft und bekommen wir eine weitere menschliche Geburt, werden wir, weil wir die Lebensspanne von jemandem verkürzt und dieser Person ihre körperliche Pracht geraubt haben, selbst ein kurzes Leben voller Krankheit und persönlichem Unglück erfahren. Zusätzlich dazu werden wir in Anlehnung dessen, was wir in der Vergangenheit getan haben, instinktiv Gefallen daran finden, schon als Kind Tiere zu quälen, Insekten zu töten und ähnliches, und durch unsere zwingenden karmischen Impulse schließlich dazu angetrieben werden, erneut einen Mord zu begehen.
Haben wir in einem früheren Leben gestohlen, wird unsere menschliche Wiedergeburt voller Armut sein, wir werden selbst bestohlen werden, wir werden gezwungen sein, die Objekte, die wir bekommen, wegzugeben oder sie mit vielen Leuten zu teilen und werden schon als Kinder von selbst anfangen zu stehlen.
Haben wir Ehebruch begangen, werden wir eine schlechte Beziehung mit unseren Ehepartnern haben, sie werden selbst untreu sein, unsere ehelichen Beziehungen und Partnerschaften werden nie von Dauer sein und wir selbst werden stark zu außerehelichen Affären hingezogen sein.
Wenn wir gelogen haben, werden wir keinen Einfluss auf andere haben, niemand wird glauben, was wir sagen, andere werden uns schmähen und falsche Geschichten hinter unserem Rücken verbreiten, während wir nicht in der Lage sein werden, etwas ohne Übertreibung und Verzerrung zu sagen.
Haben wir Zwietracht gesät, werden wir nur wenige Freunde haben, Freunde werden uns verlassen oder im Stich lassen, wir werden von unseren spirituellen Meistern und Nahestehenden getrennt werden, während wir selbst anderen unaufhörlich Probleme bereiten und eine Störung sind, weil wir lästern, ungefragt unsere Meinung sagen und Missverständnisse hervorrufen.
Haben wir grobe Worte benutzt, werden wir ständig kritisiert werden, müssen uns die unangenehmen Neuigkeiten anderer anhören und mit ohrenbetäubendem Lärm um uns leben, während wir selbst aus Gewohnheit grob reden und fluchen.
Durch sinnloses Geschwätz werden wir nicht in der Lage sein, das Vertrauen anderer zu gewinnen, alle werden uns auslachen, niemand wird uns erst nehmen, während wir selbst nicht damit aufhören können zu reden und andere zu unterbrechen. Sogar wenn sich jemand in tiefer Meditation befindet, werden wir den zwanghaften Drang haben zu sprechen und die Person anzustupsen, um ihre Aufmerksamkeit zu bekommen.
Durch begehrliches Denken werden wir nie ein Projekt vollenden können, tausend Dinge beginnen und sobald wir etwas begonnen haben, etwas anderes tun wollen. Wir werden alles, was wir sehen, anfassen wollen, wissen wollen, wie viel etwas kostet, und wenn wir hören, dass sich jemand etwas Neues gekauft hat, werden wir hingehen und es selbst ausprobieren oder anprobieren wollen.
Durch boshaftes Denken werden wir uns immer schuldig fühlen und gegenüber anderen misstrauisch und paranoid sein, während wir selbst Freude daran finden werden, anderen Menschen und Tieren auf sadistische Weise Schmerzen zuzufügen und für Unheil zu sorgen. Wir werden Steine auf die Straße legen, um Autos zu beschädigen oder eine Maus in der Küche von jemandem aussetzen. Wenn wir einen Hund sehen, werden wir den zwanghaften Drang verspüren, ihn zu ärgern und zu quälen.
Durch verzerrtes, feindseliges Denken werden wir uns stets dumpf fühlen, wenn wir versuchen den Dharma zu praktizieren, als hätten wir einen Topf über unserem Kopf gestülpt, aber leicht wie eine Feder, wenn wir uns mit verblendeten, weltlichen Aktivitäten befassen, während wir selbst ständig andere kritisieren, überall Fehler finden, die Taten anderer als falsch oder nichtsnutzig sehen und den Dharma völlig missverstehen. Die Auswirkung einer negativen Handlung entspricht auf diese Weise immer ihrer Ursache.
Die Frucht, die ihrer Ursache in unserem instinktiven Verhalten entspricht, ist die bitterste Frucht von allen. Werden wir geboren, um instinktiv weiter dieselben destruktiven Handlungen zu begehen, wie in der Vergangenheit, führt das zu einem Teufelskreis unkontrollierbarer sich wiederholender Probleme und einer Existenz in Samsara, die nur durchbrochen werden kann, wenn wir dharmische Maßnahmen ergreifen.
[3] Die vorangegangenen Arten von Resultaten negativer Handlungen beeinflussen unsere Wiedergeburt, unsere gesellschaftliche Situation und die zwingenden karmischen Impulse, die entstehen und unser Verhalten formen. Das dominierende Resultat reift andererseits in der Form unserer Umgebung, unserer Besitztümer und der Weise heran, wie wir mit ihnen umgehen, wenn wir als ein Mensch wiedergeboren wurden. Es mag auch andere Wesen gemeinsam beeinflussen und wird manchmal als das „beherrschende Resultat“ (tib. dbang-gi ’bras-bu) bezeichnet.
Haben wir getötet, werden wir an einem niederen Ort geboren werden, ohne Ruhm und in einer niedrigen Kaste, es wird nur eine schlechte medizinische Versorgung geben und die verfügbare Nahrung und Medikamente in dem Land werden schlecht und von mangelhafter Qualität sein. Auch wenn wir die Nahrung und Medikamente bekommen, die uns theoretisch helfen sollten, wird uns die Nahrung nur mit wenigen Nährstoffen versorgen und die Medikamente werden sich als ineffektiv beim Behandeln unserer Krankheit erweisen.
Haben wir gestohlen, werden Sachen, die wir pflanzen, nicht wachsen oder nur einen kleinen Ertrag bringen. Jemand wird uns eine Kuh verkaufen und dann gibt sie weniger Milch als zuvor. Unsere Heimat wird oft von Überflutung, Trockenheit und Hagel betroffen sein.
Durch das Ausüben unangemessenen sexuellen Verhaltens wird der Ort, an dem wir leben, schmutzig, schlammig und ungemütlich sein, nach Latrinen riechen und richtig unangenehm sein.
Durch das Lügen werden wir an einem Ort geboren, wo alle korrupt und unehrlich sind, unsere Geschäfte werden scheitern, wir werden unser Vermögen verlieren, unsere Angestellten werden uns bestehlen und alle werden uns reinlegen und ausnutzen.
Wenn wir Zwietracht säen, wird der Ort, an dem wir leben, steinig und unangenehm sein, mit steilen Abhängen und Anstiegen, da wir die Ebenheit im Geist anderer zerstört haben.
Haben wir grobe Worte benutzt, wird es an dem Ort, an dem wir leben, viele Dornen, scharfe Steine und zerbrochenes Glas geben, die Landschaft wird rau, trocken und öde sein, ohne Wasser, mit vielen Skorpionen, Schlangen und großen Salzwüsten.
Durch sinnloses Geschwätz werden unsere Obstbäume in der passenden Jahreszeit keinen Ertrag bringen, sondern beginnen, in der falschen Jahreszeit zu wachsen, ihre Wurzeln werden unbeständig sein, sie werden nicht andauern sondern leicht entwurzeln oder abgeschnitten werden, während Parks, Wälder und Seen in unserer Umgebung überbevölkert und ruiniert werden.
Durch begehrliches Denken werden unser Besitz, Haus und Eigentum schnell verfallen, sich abnutzen und kaputt gehen. Wenn wir umziehen, werden die Möbel auseinanderfallen, die Wandfarbe wird beginnen abzublättern und in kurzer Zeit wird alles chaotisch aussehen. Wir kaufen ein neues Hemd und wenn wir es das erste Mal tragen, wird es zerreißen oder ein Loch bekommen.
Durch boshaftes Denken werden wir fortwährend Kriege, Katastrophen und Epidemien miterleben und der Ort, an dem wir leben, wird voller giftiger Insekten und Schlangen, gefährlicher wilder Tiere und furchtbarer Geister sein.
Durch verzerrtes, feindseliges Denken werden sich die natürlichen Ressourcen um uns herum erschöpfen, Quellen werden austrocknen, die Umgebung wird verseucht werden, Recht und Ordnung werden verschwinden, es wird keinen Schutz geben und nichts wird mehr heilig sein.
[Dargelegt von Nagarjuna in „Eine kostbare Girlande“ (tib. Rin-chen ’phreng-ba, Skt. Ratnāvalī), 14–18; sowie von Dharmarakshita in „Das Rad scharfer Waffen“, 10–45.]
Wir sollten nicht denken, dass all diese Dinge ohne Grund passieren. Unsere Wiedergeburt, Erfahrungen, unser instinktives Verhalten und unsere Umgebung sind alle das Resultat karmischer Kräfte, die durch unser früheres Verhalten aufgebaut wurden. Wir mögen denken, dass diese verschiedenen Dinge die Resultate von Handlungen sind, die wir in diesem Leben ausgeführt haben, doch das ist ziemlich selten. Wäre das immer der Fall, würden wir uns wundern, wenn netten Leuten ständig schlimme Dinge passieren. Das meiste von dem, was wir in diesem Leben erfahren, ist das Resultat unserer Handlungen früherer Leben, während die Dinge, die wir jetzt tun, größtenteils unsere zukünftigen Wiedergeburten beeinflussen werden.
Wie Dharmarakshita in „Das Rad scharfer Waffen“, 46, sagte:
Kurz gesagt handelt es sich bei den Schwertstreichen der Schicksalsschläge, die wir uns nie ersehnt haben, und die uns wie Blitzschläge auf den Kopf treffen, um die Räder scharfer Waffen des negativen Karmas, die in weiten Bögen zu uns zurückkehren, gleich dem Mord an einem Waffenschmied, der durch das von ihm selbst (hergestellte) Schwert stirbt. Jetzt wollen wir uns vor unseren negativen Handlungen hüten.