Implizierende und nicht implizierende Negationen

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Existierendes und Nicht-Existierendes

Existierendes (yod-pa) wird im Buddhismus als das definiert, was gültig erkennbar (shes-bya) ist.

Nicht-Existierendes (med-pa) ist das, was nicht gültig erkannt werden kann, sei es konventionell (tha-snyad) oder letztendlich (mthar-thug). Das Wort „Schildkrötenhaare“ z.B. existiert; es wird erzeugt, indem die Worte „Schildkröte“ und „Haare“ kombiniert werden, und es kann gültig erkannt werden. Nichtsdestotrotz können Schildkrötenhaare nicht gültig erkannt werden, weil es so etwas nicht gibt. Oder anders gesagt: Wir können „Schildkrötenhaare“ zwar begrifflich erfassen, aber das begriffliche Erfassen bezieht sich nicht auf etwas Existierendes.

Bestätigungs-Phänomene und Negierungs-Phänomene

Existierendes umfasst Bestätigungs-Phänomene (sgrub-pa, durch Bestätigung erkanntes Phänomen, Bestätigung) und Negierungs-Phänomene (dgag-pa, durch Negierung erkanntes Phänomen, Negierung, Widerlegung).

Ein Bestätigungs-Phänomen – etwas, das im Zusammenhang mit dem Erweis (sgrub-pa) von etwas definiert wird – ist ein Elemente oder eine Wahrheit über etwas, ohne dass dabei durch die Töne, die es zum Ausdruck bringen, ein zu negierendes Objekt (dgag-bya, zu widerlegendes Objekt) explizit ausgeschlossen wird. Ein Beispiel für ein Bestätigungs-Phänomen ist „Apfel“. Die Töne, die das Wort „Apfel“ zum Ausdruck bringen, negieren nichts.

Ein Negierungs-Phänomen – etwas, das im Zusammenhang mit dem Ausschluss von etwas anderem (gzhan-sel, Beseitigung von anderem) definiert wird – ist ein Element oder eine Wahrheit über etwas, womit durch die begriffliche Wahrnehmung, die das Phänomen wahrnimmt, ein zu negierendes Objekt explizit ausgeschlossen wird. Ein Beispiel für ein Negierungs-Phänomen ist der Ausdruck „ nicht ein Apfel“. Um den Ausdruck „nicht ein Apfel“ begrifflich zu erfassen, muss man zuvor „Apfel“ (das Objekt, das hier zu negieren ist) erkannt haben.

Implizierende und nicht-implizierende Negierungs-Phänomene

Etwas, das die obige Definition für ein Negierungs-Phänomen erfüllt, kann in zwei Arten auftreten: implizierend und nicht-implizierend.

Ein implizierendes Negierungs-Phänomen (ma-yin dgag, bestätigende Negierung) ist ein Ausschluss von etwas anderem, wobei die Töne der Worte, die das zu negierende Objekt ausschließen, nachdem sie eben jenes Objekt negiert haben, in ihrer Folge explizit oder implizit etwas anderes zurücklassen. Nehmen wir zum Beispiel die Formulierung „ein Tisch ohne eine Tischdecke“. Wenn die Töne der Worte „ein Tisch ohne eine Tischdecke“ erst einmal „eine Tischdecke“ (das hier zu negierende Objekt) ausgeschlossen haben, dann bleibt explizit „ein Tisch“ übrig.

Ein nicht-implizierendes Negierungs-Phänomen (med-dgag, nicht-bestätigende Negierung) ist ein Ausschluss von etwas anderem, wobei, nachdem die Töne der Worte, die das zu negierende Objekt ausschließen, eben jenes Objekt negiert haben, in ihrer Folge weder explizit noch implizit etwas anderes zurückbleibt. Nehmen wir zum Beispiel „die Abwesenheit einer Tischdecke“ oder „da ist keine Tischdecke“. Wenn die Töne der Worte „die Abwesenheit einer Tischdecke“ oder „da ist keine Tischdecke“ erst einmal „eine Tischdecke“ (das hier zu negierende Objekt) ausgeschlossen haben, dann bleibt weder explizit noch implizit irgendetwas übrig.

Es gibt zwei Arten von nicht-implizierenden Negierungs-Phänomenen: die nichtimplizierende Negierung von etwas Existierendem und die nicht-implizierende Negierung von etwas ganz und gar nicht Existierendem. Ein Beispiel für erstere ist „die Abwesenheit einer Tischdecke“; ein Beispiel für letztere ist „die Abwesenheit von Schildkrötenhaaren“. Eine Tischdecke, obwohl sie vielleicht hier nicht vorhanden sein mag, könnte dennoch an anderer Stelle vorhanden sein. In dem Fall jedoch, in dem hier Schildkrötenhaare nicht vorhanden sind, können sie auch nirgendwo anders vorhanden sein, da Schildkrötenhaare nie existiert haben, jetzt nicht existieren und nie existieren werden.

Es gibt ferner zwei Arten nicht-implizierender Negierung von etwas ganz und gar nicht Existierendem: die nicht-implizierende Negierung einer ganz und gar nicht existierenden Sache und die nicht-implizierende Negierung einer ganz und gar nicht existierenden Existenzweise. Ein Beispiel für erstere ist „die Abwesenheit von Schildkrötenhaaren“; ein Beispiel für letztere ist „ die Abwesenheit unmöglicher Existenz“.

Jede indische Schule buddhistischer Lehrmeinungen vertritt, dass die Leerheit (stong-pa-nyid, Leere) eine nicht-implizierende Negierung einer ganz und gar nicht existierenden Existenzweise ist, aber jede definiert die unmögliche Existenzweise anders.

Zu negierende Objekte, Grundlagen der Negierung und Objekte, die im Zuge einer Negierung zurückbleiben

Man muss ein zu negierendes Objekt von der Grundlage seiner Negierung (dgag-gzhi) unterscheiden – der Sache, die bar des zu negierenden Objekts ist. In der Formulierung „ein Tisch ohne eine Tischdecke“ ist das zu negierende Objekt „eine Tischdecke“, und die Grundlage der Negierung ist „der Tisch“. In der Formulierung „die Abwesenheit einer Tischdecke auf dem Tisch“ ist das zu negierende Objekt „eine Tischdecke auf dem Tisch“, und die Grundlage der Negierung ist „der Tisch“. In der Formulierung „eine Schildkröte ohne Schildkrötenhaare“ ist das zu negierende Objekt „Schildkrötenhaare“, und die Grundlage der Negierung ist „die Schildkröte“. In der Formulierung „die Abwesenheit der unmöglichen Existenz einer Tischdecke“ ist das zu negierende Objekt „die unmögliche Existenz einer Tischdecke“, und die Grundlage der Negierung ist „eine Tischdecke“.

Man muss sich auch darüber im Klaren sein, was das Objekt ist, das im Zuge einer Negierung (bkag-shul) zurückbleibt wie etwa eine Ölschicht, die im Fahrwasser eines Motorboots zurückbleibt. Nicht-implizierende Negierungs-Phänomene lassen im Zuge ihrer Negierungen nichts zurück, implizierende schon.

Zum Beispiel: bei der nicht-implizierenden Negierung einer unmöglichen Existenzweise – wie etwa: „die Abwesenheit der unmöglichen Existenz einer Tischdecke“ – bleibt im Zuge der Negierung nichts zurück, nicht einmal die Grundlage der Negierung, nämlich „eine Tischdecke“. Man beachte, dass das zu negierende Objekt hier „die unmöglich Existenz einer Tischdecke“ ist. Selbst im Falle von „ Abwesenheit der unmöglichen Existenz einer Tischdecke auf dem Tisch“ bleibt im Zuge der Negierung nichts zurück. In diesem Fall ist der „Tisch“ bloß die Lokalisierung für die Grundlage der Negierung, die in diesem Fall „eine Tischdecke auf dem Tisch“ ist.

Im Falle der implizierenden Negierung „eine Tischdecke, die bar einer unmöglichen Existenz ist“, ist „eine Tischdecke“ das Objekt, das im Zuge der Negierung zurückbleibt. In diesem Fall ist „eine Tischdecke“ auch die Grundlage der Negierung.

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