Übungen des Fokussierens der Geistesfaktoren auf uns selbst und andere

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Hintergrund 

Wir machen weiter mit unserer Diskussion darüber, wie wir unsere Geistesfaktoren bei der Entwicklung ausgewogener Sensibilität anpassen können.

Seine Heiligkeit der Dalai Lama spricht über die verschiedenen Aspekte des Buddhismus und unterscheidet zwischen buddhistischer Wissenschaft, buddhistischer Religion und buddhistischer Philosophie. Buddhistische Wissenschaft und buddhistische Philosophie können für alle von allgemeinem Nutzen sein, während sich die buddhistische Religion auf religiöse Arten der Praxis, der Zuflucht und diese Dinge bezieht, die für ein buddhistisches Publikum bestimmt sind. Seine Heiligkeit ist der Meinung, dass der Buddhismus der Welt viel zu bieten hat, ohne sich dabei ausschließlich auf einen buddhistisch-religiösen Kontext zu beziehen.

Dieser Lehrstoff über die ausgewogene Sensibilität scheint in die Kategorie der buddhistischen Wissenschaft zu passen. Es handelt sich dabei um eine Analyse, wie der Geist funktioniert, sowie um die verschiedenen Faktoren, die mit unserer Interaktion mit anderen und uns selbst im Umgang mit den allgemeinen Problemen, die jeder kennt, zu tun haben. Obwohl dieser Lehrstoff aus buddhistischen Quellen stammt, erfordert er nicht unbedingt ein Verständnis des Buddhismus, um ihn in die Praxis umzusetzen und einen Nutzen daraus zu ziehen. 

Wenn wir diesen Lehrstoff der buddhistischen Wissenschaft studieren und lernen, ist es jedoch ausgesprochen wichtig, den gesamten Buddhismus nicht nur auf eine weitere Form der Psychologie zu reduzieren. Im Buddhismus gibt es natürlich psychologische Lehren, aber darüber hinaus gibt es noch so viel mehr, insbesondere wenn es um vergangene und zukünftige Leben geht, um Befreiung und Erleuchtung, sowie all diese so genannten religiösen Aspekte des Buddhismus. Das geht ganz offensichtlich weit darüber hinaus, was wir normalerweise mit der Psychologie in Verbindung bringen würden, und diese religiösen Aspekte sind feste Bestandteile im Buddhismus. Solange wir die buddhistische Wissenschaft als das sehen, was sie ist, nämlich als buddhistische Wissenschaft, ist es nicht verwirrend und wir sind weder unfair noch illoyal gegenüber dem Buddhismus als Ganzes oder als Religion.

Dieses System der ausgewogenen Sensibilität, welches ich entwickelt habe, kann man nicht in den traditionellen buddhistischen Quellen finden. Jedes kleine Bestandteil innerhalb dieses Systems ist in den buddhistischen Quellen vorhanden, aber die Weise, wie es zusammengestellt und angewandt wird, ist eine westliche Entwicklung. Das ist völlig in Ordnung, wenn wir es in einem viel größeren, historischen Kontext betrachten, denn im Laufe der Entwicklung ist der Buddhismus geschichtlich gesehen in verschiedene Bereiche vorgedrungen. Ein gutes Beispiel ist das Studium von Logik und Debatte. Zu Zeiten des Buddhas gab es das ursprünglich nicht, aber weil Logik und Debatte viele Jahrhunderte nach Buddha in Indien vorherrschend war, nutzte man es auch im Buddhismus, um den Menschen dieser Zeit zu helfen, die diversen spirituellen Ziele zu erreichen, um die es im Buddhismus geht. Auch heute sind Logik und Debatte noch immer relevant, wenn es darum geht, anderen zu helfen, klar und realistisch zu denken. 

Ich hoffe, durch diese Hintergrundinformationen wird es etwas klarer, was wir bis jetzt gelernt haben, damit es diesbezüglich keine Verwirrung gibt.

Die Wichtigkeit der ausgewogenen Sensibilität im Umgang mit anderen 

Wir haben bereits über die zehn Geistesfaktoren gesprochen, die in jedem Moment der Wahrnehmung auftreten. Alle sind sich darin einig, dass die ersten fünf Faktoren in jedem Moment der Wahrnehmung auftreten und in manchen buddhistischen Darstellungen ist man der Meinung, dass alle zehn in jedem Augenblick anwesend sind, wovon auch wir in dieser Erklärung ausgehen. Außerdem haben wir gesehen, dass jeder dieser Geistesfaktoren ein breites Spektrum abdeckt. So kann die Aufmerksamkeit von „kaum aufmerksam“ bis hin zu „hundertprozentiger Aufmerksamkeit“ reichen und das bedeutet, dass wir die Ebenen eines jeden dieser Faktoren nach oben und nach unten ändern können, je nachdem, was wir in einer Situation als hilfreich erachten. Eine Ausgewogenheit all dieser Faktoren in unserem Umgang mit anderen und uns selbst zu erreichen, kann wirklich hilfreich sein.

Wie gesagt, hat unser Studienfeld der Sensibilität etwas damit zu tun, achtsam zu sein und auf die Situationen mit anderen und uns selbst zu erwidern, sowie mit der Auswirkung unseres Verhaltens auf andere und uns selbst. Das bedeutet, dass es in einem Austausch mit jemandem überaus wichtig ist, den Zustand der anderen Person zu überprüfen, bevor wir uns darauf einlassen: Ist sie gerade beschäftigt? Ist sie müde? Hat sie gerade gute oder schlechte Laune? Diese Dinge sind ausgesprochen wichtig, um einen positiven Austausch mit der anderen Person zu haben, der gut verläuft. Das gleiche gilt für unsere eigene Situation. Fühlen wir uns gestresst, wenn wir jemanden treffen? Sind wir immer noch aufgebracht wegen einer Sache, die bereits vorher, im Laufe des Tages, passiert ist? Sind wir vielleicht müde?

Auf all diese Dinge gilt es zu achten, sie zu bemerken, und wenn möglich die Laune, in der wir uns befinden, zu ändern. Oft passiert es, dass wir unsere Laune und das, was uns während des Tages beeinflusst hat, in die Begegnung mitbringen und es auf die andere Person projizieren. Vielleicht ärgern wir uns über etwas anderes und sind dann wütend auf die Person. Das ist doch völlig unfair, oder? Kommen wir schlecht gelaunt nach Hause und sind nicht in der Lage, das zu ändern, ist es wichtig ehrlich zu sein. Wir können zu Hause erklären, dass wir schlecht drauf sind, einen harten Tag hatten und erst einmal etwas Ruhe brauchen, bevor wir reden oder zusammen essen können. Wir sollten vollkommen ehrlich sein, denn dann ist alles viel leichter. Wir sind also feinfühlig gegenüber der anderen Person und uns selbst.

Zusätzlich ist es während einer Begegnung notwendig darauf zu achten, wie das, was wir sagen und tun, einen Einfluss auf die andere Person hat. Wir müssen erkennen, ob sie sich verspannt. Wie ist ihr Gesichtsausdruck? Fängt sie an, ein bisschen wütend zu werden? Diese Dinge sind wirklich wichtig, um eine gute Kommunikation zu haben, und wir können sie korrigieren. Ebenso müssen wir darauf achten, wie wir handeln und sprechen, denn dies, sowie die Weise, wie die anderen handeln und sprechen, hat einen Einfluss auf uns. Werden wir ganz angespannt und beginnen, defensiv zu reagieren? Nehmen wir eine defensive Haltung ein, sollten wir damit aufhören, denn das ist völlig unangemessen.

Die Thematik der Sensibilität kann wesentlich sein, was die Kommunikation betrifft und was wir besser machen können. Eine Möglichkeit, die wir hier lernen, besteht darin, mit den Geistesfaktoren zu arbeiten.

Übungen mit Fotos von anderen Menschen 

Wie ich in der letzten Sitzung erwähnt habe, werden nun mit Fotos arbeiten. Ich habe hier ein paar Bilder aus Magazinen aufgehängt, mit denen wir üben werden. Dabei geht es hauptsächlich darum, wie wir unsere Geistesfaktoren ändern und anpassen können. Wie ich auch bereits erwähnt habe, sind die zwei Flügel, auf denen sich diese Übungen stützen, der ruhige Geist und die fürsorgliche Geisteshaltung. Es gibt natürlich besondere Übungen, die uns helfen, diesen ruhigen Geist und die fürsorgliche Geisteshaltung zu entwickeln, und daher ist es nicht ganz fair zu erwarten, wir hätten das ohne Übung bereits erreicht. Es ist jedoch wichtig, ein wenig Erfahrung darin zu haben, bevor wir dieses Anpassen unserer Geistesfaktoren dort draußen, in der realen Welt, ausprobieren.

Wir werden uns diese Fotos ansehen und versuchen, uns auf eins nach dem anderen zu fokussieren.

Zunächst werden wir uns mit einem ruhigen Geist einem Einzelnen zuwenden, und das ist wahrscheinlich das Schwierigste. Es bedeutet, einfach nur offen zu sein, ohne etwas zu kommentieren oder zu beurteilen. Ruhig bedeutet offen zu sein. Natürlich können wir auch gleichzeitig mehrere betrachten, aber es ist am besten, sich jeweils nur auf eines zu fokussieren. Wenn geistige Kommentare hochkommen, versuchen wir sie einfach gehen zu lassen. Eine der einfachsten Methoden dafür ist, sich vorzustellen, dass diese geistigen Kommentare mit dem Ausatmen ausströmen. Außerdem ist es hilfreich, eine Faust zu machen und sie dann zu öffnen und praktisch mit dem Ausatmen loszulassen.

Als nächstes nehmen wir die so genannte fürsorgliche Geisteshaltung mit hinzu. Wir betrachten diese Menschen in den Fotos mit der Einstellung: „Du bist ein menschliches Wesen und hast Gefühle, genau wie ich. Die Art und Weise, wie ich dich behandle und wie ich mit dir spreche, wird einen Einfluss auf deine Gefühle haben, genau wie auch die Weise, wie du mit mir redest und wie du mich behandelst, meine Gefühle beeinflussen wird. Aus diesem Grund nehme ich dich und deine Gefühle ernst. Du liegst mir am Herzen und deine Gefühle sind mir wichtig.“ Es gibt eine bestimmte Ebene des Respekts, die Teil dieser fürsorglichen Geisteshaltung ist. Weil wir fürsorglich sind, werden wir keine Geschichten über die Person erfinden. Wir werden nicht kommentieren oder voreingenommen sein. Wir kümmern uns um die Person und ihre Gefühle. Das ist der grundlegende Geisteszustand, mit dem wir uns anderen zuwenden. Idealerweise ist er offen, fürsorglich und nicht wertend.

Danach versuchen wir bewusst den motivierten Drang zu erzeugen, uns mit dieser Person zu beschäftigen – also einen Drang, der durch die Absicht motiviert ist, uns mit ihr zu beschäftigen und von der Emotion der ernsthaften Fürsorge für sie begleitet wird. Stellt euch vor, wir würden die Person treffen und müssten mit ihre reden. Wenn wir einen Raum betreten, werden wir uns mit dieser Person auseinandersetzen müssen. Wir werden sie nicht einfach ignorieren. Dieser motivierte Drang, wird uns wie ein Magnet im nächsten Augenblick dazu antreiben, uns mit dieser Person zu beschäftigen und auseinanderzusetzen, egal, ob wir vorher Lust dazu hatten oder nicht. Wir können diese Absicht, die Emotion und den Drang erzeugen, auch wenn wir keine Lust darauf haben, dieser Person zu begegnen. Vielleicht arbeiten wir in einem Geschäft und diese Person kommt rein, um etwas von uns zu kaufen. Wir müssen die Absicht haben, uns mit ihr auseinanderzusetzen, sowie die Emotion der Fürsorge und den Drang, der uns zu einer Interaktion mit ihr bewegt, um einen Austausch mit dieser Person zu haben.

Als nächstes erkennen wir verschiedene Aspekte in Bezug darauf, wie die Person auf dem Foto aussieht und was sie tut. Wir erkennen beispielsweise ihren Gesichtsausdruck. Wir müssen ihn nicht benennen und aussprechen, aber dennoch ist es das, was wir erkennen, wenn wir die Person betrachten, im Gegensatz dazu, beispielsweise zu erkennen, was sie anhat. Indem wir diesen Ausdruck erkennen, schenken wir ihm Beachtung als etwas Aussagekräftiges und nicht nur als etwas Interessantes. Er ist aussagekräftig, weil er uns hilft zu verstehen, wie wir uns der Person nähern können.

Dann versuchen wir zu empfinden, dass es angenehm ist, mit dieser Person in Kontakt zu kommen, die auch ein menschliches Wesen ist, mit dem wir einen sinnvollen Austausch haben können. Wie es in den buddhistischen Lehren heißt: wir sollten jede Person, die wir treffen, als kostbares Juwel betrachten. Hier ist jemand, der unser bester Freund werden könnte, der uns auf jede erdenkliche Weise helfen kann und dem auch wir nützlich sein können; man weiß nie.

Dann erzeugen wir das Interesse zu verstehen, was er oder sie fühlt, indem wir unser Anliegen bekräftigen, uns auf die Person einzulassen. Es ist erwähnenswert, dass unsere Vergegenwärtigung und Konzentration steigt, je mehr Interesse wir zeigen. Mit anderen Worten, richtet sich unsere Aufmerksamkeit auf diese Person und bleibt dort, je mehr wir uns für sie interessieren.

Anschließend versuchen wir mit Unterscheidungsvermögen herauszufinden, in welcher Stimmung sich die Person gerade befindet und ob die Zeit gut ist, um mit ihr zu reden. Dann erzeugen wir bewusst die Absicht, das Aufeinandertreffen dementsprechend stattfinden zu lassen, anzupassen oder zu verschieben. Worüber werden wir reden? Geht es um etwas Tiefgreifendes und Bedeutsames, mag es vielleicht nicht die beste Zeit dafür sein. Natürlich würden wir mit dem kleinen Jungen auf dem Foto aus dem Magazin ganz anders umgehen und reden, als mit einem Erwachsenen. Das sind die Dinge, die wir unterscheiden müssen. Daraufhin können wir dann unsere Art des Umgangs anpassen. Wir beabsichtigen, mit dieser Person auf einer Ebene umzugehen, die ihr angemessen ist.

Müssten wir jeder Person auf diesen Fotos etwas erklären, täten wir es bei jedem etwas anders, nicht wahr? Die Fähigkeit, dies zu tun, hängt davon ab, inwieweit wir erkennen können, wer sie sind und welche Eigenschaften und Launen sie haben. Im Grunde erkennen wir, was angemessen ist und was nicht, weil uns daran gelegen ist, mit ihnen zu kommunizieren, und bringen dann die Absicht hervor, auf diese Weise zu sprechen und zu erklären.

Übungen der Ausrichtung: Fotos von anderen Menschen

Wir richten uns nur auf eine Person:

  • Keine Kommentare, keine Urteile, keine Geschichten; 
  • motivierter Drang, uns mit der Person zu befassen – „Du liegst mir am Herzen. Ich nehme deine Gefühle ernst.“ 
  • Auseinanderhalten; 
  • Aufmerksamkeit; 
  • Kontaktbewusstsein; 
  • Gefühl; 
  • Interesse; 
  • Vergegenwärtigung, Konzentration; 
  • Unterscheidung; 
  • Absicht 

In Bezug darauf, das angenehme Kontaktbewusstseins und Glücksgefühl anzupassen, ist eines der Dinge, auf die wir achten müssen, unsere eigene Körpersprache. Was geschieht mit unserer Stirn? Liegt sie in Falten, während wir die andere Person betrachten, als wären wir wütend, angespannt oder nervös? Sind unsere Schultern hochgezogen? Es ist notwendig, sich zu entspannen, und dies als etwas Angenehmes zu betrachten. Es ist in Ordnung.  

Wenn beispielsweise jemand zu uns kommt und wir sitzen mit verschränkten Armen und einer krausen Stirn da, sieht das sehr urteilend aus, als wären wir völlig verschlossen und unnahbar. Befinden sich die Arme dagegen unten und ist unsere Stirn entspannt, sind wir viel offener und aufnahmebereiter. Durch die Körpersprache wird wirklich sehr viel mitgeteilt. Natürlich sind verschiedene Arten der Körpersprache in unterschiedlichen Situation angebracht. Kommen wir zusammen, um einer rauhen Sportart nachzugehen, ist unsere Körpersprache eine ganz andere, als wenn wir zusammenkommen, um miteinander zu reden.

Versuchen wir die Übung ein letztes Mal mit einer anderen Person auf diesen Fotos, während wir unseren Geist zur Ruhe kommen lassen. Es ist ziemlich interessant, sich der Vorurteile bewusst zu werden, denn oft ist es so, dass wir von Natur aus gegenüber bestimmten Menschen auf diesen Bildern offener sind. Nur durch die Art und Weise, wie jemand aussieht, haben wir die Neigung, etwas offener oder verschlossener zu sein. Versucht das zur Kenntnis zu nehmen. Es ist hilfreich, dies mit einem der Menschen auf diesen Bildern zu üben, die wir nicht wirklich gern ansehen wollen und dem wir wahrscheinlich auch nicht gern begegnen würden. Dann haben wir bereits Vorurteile nur auf Grundlage dessen, wie jemand aussieht und das ist schon recht merkwürdig, oder? Es könnte etwas mit dem Alter, dem Geschlecht, dem kulturellen Hintergrund und vielen anderen Dingen zu tun haben. Versucht bitte jemanden auszuwählen, den ihr dieses Mal etwas schwierig findet.

Wir fokussieren uns wieder nur auf eine Person:

  • Ruhiger Geist; 
  • fürsorgliche Geisteshaltung; 
  • motivierter Drang, sich auseinanderzusetzen; 
  • Auseinanderhalten; 
  • Aufmerksamkeit; 
  • angenehmes Kontaktbewusstsein; 
  • zumindest ein Gefühl von Glücklichsein, Entspannen; 
  • Interesse; 
  • Vergegenwärtigung und Konzentration; 
  • Unterscheidung; 
  • Absicht 

Nehmen wir uns einen Moment Zeit, das einwirken zu lassen.

Fragen und Antworten  

Gibt es irgendwelche Fragen oder Kommentare?

Umgang mit geistigem Verbalisieren und dem Hören von Musik in unserem Kopf

Ich habe bemerkt, dass ich bereits damit anfing zu kommentieren, bevor Sie fertig waren und wir gebeten wurden, mit dem Kommentieren zu warten. Wie soll ich mit so einer Geisteshaltung umgehen?

Bei den meisten von uns ist es so, als wären wir ein Radioreporter bei einem Sportereignis und würden alles, was gerade geschieht, beschreiben und kommentieren. Zunächst gilt es natürlich dies zu erkennen und zu verstehen, dass wir damit eine Barriere zwischen uns und anderen schaffen. Es ist so, als würde es da dieses kleine „Ich“ in unserem Kopf geben, das die ganze Zeit kommentiert, und somit befassen wir uns nicht direkt mit den Menschen, Situationen oder dem, was um uns herum geschieht. Es ist notwendig zu sehen, welche Nachteile das mit sich bringt.

Außerdem ist es wichtig zu erkennen, dass das Verstehen und das geistige Verbalisieren nicht unbedingt dasselbe sind. Wir können etwas verstehen, ohne es verbal in unserem Kopf formulieren zu müssen. Zum Beispiel können wir verstehen, dass eine Situation gefährlich ist. Nehmen wir einmal an, wir wollen eine Straße überqueren, die sehr befahren ist. Wir erkennen die Gefahr und müssen vorsichtig sein, aber müssen dies nicht in unserem Kopf formulieren, um es zu verstehen.

Ein anderer Ansatz kann für manche Menschen hilfreich sein, aber nicht für jene, die ein niedriges Selbstwertgefühl haben. Vielleicht stehen wir gerade an einer Straße, die wir überqueren wollen und fangen an zu kommentieren: „Was für ein großer Lastwagen!“ Wir können sehen, wie dumm das ist. Wir müssen das in unserem Kopf nicht in Worten ausdrücken und wenn wir dann auch noch ein niedriges Selbstwertgefühl haben, könnte uns das zusätzlich runterziehen, was nicht wirklich hilfreich ist. Haben wir kein Problem mit niedrigem Selbstwertgefühl und denken darüber nach, würden wir merken, dass es keinen Sinn ergibt über den großen Laster zu kommentieren.

Dennoch ist es noch viel schwieriger, den Geist zu beruhigen, wenn eine Melodie in einer Endlosschleife durch unseren Kopf läuft. Tatsächlich handelt es sich um eines der schwierigsten Dinge.

Normalerweise mögen wir das Lied nicht einmal.

Genau genommen gibt es eine gewisse Anhaftung, die dazu führt, dieses bestimmte Lied und nicht ein anderes zu singen. Es könnte sich um etwas handeln, das wir vielleicht als Teenager mochten oder Ähnliches. Um es zu ändern, müssen wir uns davon angewidert fühlen. Ich finde es hilfreich, eine Art Abscheu zu entwickeln, indem ich denke, ich wäre wie eine Grille. Wenn die Sonne untergeht, fängt dieses Insekt an, ganz automatisch dieses wirklich laute und furchtbare Geräusch zu machen. Es hat keine Kontrolle darüber. Wenn ich dann denke, ich wäre wie eine Grille, ist das oft hilfreich. Im Buddhismus finden wir tatsächlich diese Methode, ein absurdes Beispiel zu finden, und wenn wir dann erkennen, wie absurd etwas ist, kann uns dann dabei helfen, etwas zu überwinden.

Die Methode des Loslassens ist meist nicht so wirksam, wenn es um diese Lieder im Kopf geht. Es gibt auch tiefgründigere Ebenen von Methoden aus den Mahamudra- und Dzogchen-Lehren, die wir nutzen können, aber sie sind nicht so einfach anzuwenden:

  • Im Mahamudra gibt es diese Vorstellung, wie ein Ozean zu sein, in dem dieses Lied wie eine Welle in dem Ozean ist. Wir versuchen dann zu fühlen, wie es ist, der ganze Ozean zu sein, und die Welle zur Ruhe kommen zu lassen. 
  • Die Dzogchen-Methode besteht darin zu versuchen, sich diese Musik, die Noten, die Worte des Liedes, wie auf Wasser geschrieben vorzustellen. Alles entsteht und verschwindet gleichzeitig. 

Versucht es mit einem verbalen Satz: „Ich frage mich, wie spät es ist.“ Sagt es ganz langsam in eurem Geist, eine Silbe nach der anderen und stellt es euch wie auf Wasser geschrieben vor. Während wir es sagen, verschwindet es. Wir lassen es ganz natürlich fließen und forcieren nichts. Was geschieht dann? Es hört einfach auf, nicht wahr? Wir müssen wirklich große Anstrengungen unternehmen, um zur nächsten Silbe zu kommen. Das ist eine Dzogchen-Methode und sie ist ziemlich effektiv, erfordert jedoch etwas Training und Disziplin. Der schwierigste Aspekt besteht im Grunde darin, sich daran zu erinnern und es anzuwenden. Wir können uns sagen: „Das ist albern. Ich bin wie ein Insekt, das ist wirklich absurd“, und dann eine Methode anwenden.

Eine andere Methode, die viel einfacher und ebenso effektiv ist, besteht darin, diese verbale Energie gewissermaßen umzukehren und zu nutzen, indem wir ein Mantra rezitieren, anstatt die Energie in unserem Geist zu bekämpfen. Sie erfordert ebenfalls große Anstrengungen. Im Grunde ist es wirklich interessant, wenn wir es versuchen, denn es ist fast wie ein Kampf zwischen den beiden. Wer wird stärker sein? Das Lied, das wieder hochkommen will, oder das Mantra? Beim Mantra muss man tatsächlich lange bleiben, damit das Lied nicht wieder zurückkehrt.

Was ist der Unterschied zwischen dem Mantra und dem Lied?

Das Mantra ist zumindest ein stetiger Rhythmus, aber das gleiche könnte man auch über das Lied sagen. Mit dem Mantra, wie beispielsweise dem OM MANI PADME HUM, versuchen wir uns, auf Mitgefühl zu fokussieren. Es ist nicht nur so, als würde das Mantra von einem Tonbandgerät abgespielt werden. Wir verbinden das Ganze mit dem Visualisieren, beim OM MANI PADME HUM mit dem Mitgefühl, oder einem Gefühl der Klarheit des Geistes, wenn wir Manjushris Mantra rezitieren.

In der Theorie können wir unsere verbale Energie für alles nutzen und es wäre wahrscheinlich genauso effektiv. Wir könnten in unserem Kopf bis hundert zählen und wenn wir bei hundert angekommen sind, ist das Lied vermutlich auch weg. Nutzen wir jedoch unseren Geist, um etwas gegen das Singen eines Liedes in unserem Kopf zu unternehmen, können wir ihn auch für etwas Konstruktiveres nutzen, als einfach nur bis hundert zu zählen.

Gibt es irgendwelche anderen Fragen oder Anmerkungen?

Sollten wir dieses geistige Verbalisieren auch stoppen, wenn wir beispielsweise versuchen, eine Absicht zu erzeugen oder untersuchen, ob wir uns der Person zuwenden sollen oder nicht?

Am besten ist es, wenn wir in der Lage sind, gänzlich ohne das geistige Verbalisieren auszukommen. Wir sind in der Lage, ausgesprochen komplexe Aufgaben zu bewältigen, ohne jeden einzelnen Schritt, den wir gehen, zu verbalisieren. Wenn wir Auto fahren, verbalisieren wir nicht jede kleine Sache, und sagen uns: „nun werde ich das Lenkrad um soundsoviel Zentimeter bewegen.“ Das tun wir mit Sicherheit nicht und formulieren auch nicht all die Regeln, denen wir beim Fahren folgen müssen. Das gleiche gilt, wenn wir am Computer arbeiten. Wir sagen uns nicht: „Jetzt werde ich diese Taste mit diesem Finger und jene mit jenem Finger betätigen.“ Das tun wir ganz bestimmt nicht. Es hat jedoch etwas mit der Absicht zu tun, mit dem Unterscheiden und dem Auseinanderhalten der verschiedenen Tasten, mit all diesen Geistesfaktoren.

Hier kann man in der Analyse noch tiefer gehen. Was steckt hinter diesem Verbalisieren, neben der Gewohnheit, durch die es am Laufen gehalten wird? Müssen wir zum Beispiel sagen: „ich liebe dich“, damit unsere Liebe zu jemandem real ist? Und müssen wir von jemandem diesen Satz hören, damit es real ist? Es ist spannend, das zu analysieren. Macht das Verbalisieren etwas realer? Denkt einen Moment darüber nach. Dieses Beispiel mit diesem Satz: „Ich liebe dich“ ist, glaube ich, am eindeutigsten.

Natürlich kann man der anderen Person sagen, dass man sie liebt; das ist nicht das Problem. Das Problem ist, wenn es obsessiv und zwanghaft wird, und wir es sagen müssen und wütend werden, wenn man es uns nicht jeden Tag sagt. Dann haben wir ein Problem.

Flexibilität in unseren Interaktionen

Ich nehme an, verschiedene Menschen unterscheiden auf unterschiedliche Weise. Sind das Projektionen oder was ist es?

Verschiedene Menschen unterscheiden auf unterschiedliche Weise. Handelt es sich dabei um verschiedenartige Projektionen? Meinst du in Bezug darauf, was zu tun ist, welche Stimmung herrscht und so weiter?

Ja.

Natürlich unterscheiden wir alle auf unterschiedliche Weise, denn wir haben keine vollständigen Informationen. Ja, ein Teil davon ist Projektion. Nur ein Buddha verfügt über vollständige Informationen.

Ich glaube die Analogie eines Kartenspiels ist hier hilfreich. Wir müssen zumindest eine Vorstellung davon haben, welche Karte man zuerst spielt. Was jedoch die Interaktion und das Fragen nach mehr Informationen betrifft, erklären wir unsere Unterscheidung entweder für gültig oder ändern sie. In jeder Interaktion ist es jedoch so, dass wir wissen müssen, welche Karte man zuerst spielt. Wir planen nicht unsere gesamte Strategie im voraus, denn dann wären wir unflexibel. Im Austausch mit anderen gilt es immer äußerst flexibel zu sein.

Genauso verhält es sich, wenn wir für uns sind und beispielsweise schlechte Laune haben. Wir erkennen, dass wir schlechte Laune haben und warum das so ist. Das kann hilfreich sein, aber manchmal spielt es keine große Rolle. Wir haben eine Strategie, mit der wir versuchen, diese Laune, in der wir uns befinden, zu ändern. In einer Lehre, die mit der Konzentrationsmeditation zu tun hat, geht es darum zu erkennen, wann man damit aufhören sollte, das Gegenmittel anzuwenden. Wir können erkennen, wann es uns besser geht und dann müssen wir nicht mehr weiter essen, können eine Pause machen oder Ähnliches.

Übungen, die uns selbst betreffen

Gut, richten wir die Übung nun auf uns selbst.

Für diese Übungen brachen wir einen Spiegel. Hier gibt es zwei Phasen – eine mit und eine ohne Spiegel. Denen, die keinen Spiegel haben, kann ich hier zwei abgeben. Darüber habe ich mir Sorgen gemacht, denn ich habe zwei Spiegel und es wäre vielleicht besser, sie nicht auszuteilen, denn dann denken andere vielleicht: „Warum hat er sie ihnen und nicht mir gegeben?“ Die einfachste und bequemste Sache ist jedoch, sie einfach den zwei Leuten zu geben, die in meiner Nähe sitzen.

Das hat etwas mit dem Auseinanderhalten zu tun. Worauf beziehe ich mich hier? Antwort? Worum geht es mir, wenn ich mich entscheide, wem ich die Spiegel gebe?

Um Interesse.

Interesse von den Menschen? Nein. Viele Leute haben ihre Hand gehoben, um zu zeigen, dass sie keinen Spiegel haben. Worauf habe ich mich bezogen?

Auf Initiative?

Auf Initiative? Nein. Mir ging es darum, wer in meiner Nähe sitzt. Es ging mir nicht darum, wer der Schönste ist, ob es sich um Männer oder Frauen handelt. Es gibt viele Dinge, um die es mir gehen könnte, um zu entscheiden, wem ich die Spiegel gebe. Ich könnte jemanden wählen, den ich mag oder kenne. Es gibt viele Dinge, nach denen wir entscheiden könnten. Mir ging es jedoch nur darum, wer in meiner Nähe sitzt.

Aber zuerst ging es Ihnen darum, was fair ist.

Nein, das war Unterscheidungsvermögen. Ich habe mit diesem Unterscheidungsvermögen gemeint, es wäre fairer, die Spiegel nicht zu verteilen, aber das beruhte auf der Frage, was ich mit den Spiegeln tun sollte. Mit Gewissheit traf ich dann die Entscheidung: „gut, ich werde sie jemandem geben.“ Wie gesagt, gibt es jedoch viele Dinge, um die es uns hier gehen könnte, wie zum Beispiel darum, wem ich vertrauen kann, dass er oder sie den Spiegel auch zurückgibt und nicht für sich behält.

Warum analysieren wir so sehr, ob wir sie verteilen oder nicht, wenn wir sie einfach jemandem geben könnten?

Das ist wahr. Wir könnten das tun, aber hier ist das Problem. Manche Menschen fühlen sich vielleicht sehr verletzt und sind eifersüchtig, weil ich sie anderen und nicht ihnen gegeben habe. Aber wir nutzen es nur als ein Beispiel, um den Faktor des Auseinanderhaltens zu illustrieren. Im Grunde ist es wirklich keine große Sache. Die Methode, die man von all dem lernen sollte, besteht darin, jede Erfahrung in all die Komponenten der Geistesfaktoren dekonstruieren zu können und dann zu sehen, wie wir diese oder jene anpassen können, um die Situation zu verbessern. Im Grunde geht es darum zu lernen, analysieren und dekonstruieren zu können.

Was ist nun die Absicht? Die Absicht ist, den Spiegel jemandem zu geben. Haben wir irgendeine Absicht, wenn wir in eine Situation kommen? Wir schauen nach innen um herauszufinden, was unsere Absicht ist und sind dann bereit, etwas anzupassen. Wäre es unsere Absicht, uns bei jemandem zu entschuldigen, müssten wir herausfinden, ob die Person offen dafür ist, unsere Entschuldigung anzunehmen, oder ob sie sich noch immer in einem sehr aggressiven Geisteszustand befindet. Ist das der Fall, gilt es eine etwas andere Taktik zu wählen und vielleicht das ganze Thema für den Moment zu vermeiden. Unsere Absicht besteht jedoch noch immer darin, uns zu entschuldigen. Wir wollen uns entschuldigen. Nun müssen wir jedoch unsere Absicht ändern, um es nicht noch schlimmer zu machen, indem wir zum Beispiel etwas sagen. Wir lassen die andere Person sich beruhigen. Es ist notwendig zu wissen, was man anpassen und ändern muss.

Aber das ist nur eine gedankliche Übung. Es kommt nicht vom Herzen.

Wenn wir uns darin üben und vertraut damit werden, wird es ganz natürlich vom Herzen kommen. Alles, was wir tun, muss geübt werden. Wir lernen, eine Musikinstrument zu spielen, eine Auto zu fahren, was auch immer. Am Anfang mag es künstlich sein; darin liegt die Natur, wie wir uns in etwas üben. Dann wird es natürlich. Wenn wir lernen Klavier zu spielen, müssen wir am Anfang stets auf die Tasten sehen. Das gleiche gilt beim Schreiben am Computer: unser Blick bleibt auf den Tasten, aber nach einer Weile kennen wir sie und dann wird es ganz normal und wir müssen nicht mehr hinsehen.

Lasst uns weitermachen. Wenn ihr einen Spiegel habt, nutzt ihn. Wenn nicht, spielt es keine große Rolle. Für die meisten von uns ist es eine große Herausforderung in den Spiegel zu schauen und keinen Kommentar abzugeben. Lasst euch nicht auf „die Schönheit und das Biest“ ein. Uns geht es nicht um den Grad der Schönheit oder darum zu denken, das Biest im Spiegel ist nicht das echte „Ich“.

  • Grundsätzlich fangen wir damit an, zunächst zur Ruhe zu kommen. Auch wenn ihr keinen Spiegel habt, kommt einfach zur Ruhe. 
  • Dann geht es um die fürsorgliche Geisteshaltung: „Ich bin ein Mensch, wie alle anderen. Ich habe Gefühle, wie alle anderen. Die Weise, wie ich mit mir selbst umgehe, hat einen Einfluss auf meine Gefühle, darauf, wie ich mich fühle. Es beeinflusst meine Stimmung. Ich nehme mich also ernst. Ich gehe fürsorglich mit mir um. Ich achte auf meine Gefühle. Ich achte darauf, wie ich mit mir selbst umgehe.“ 
  • Aus dieser Fürsorge für uns selbst, haben wir dann den motivierten Drang herauszufinden: „Wie geht es mir? Wie fühle ich mich?“ Das treibt uns dazu, es zu überprüfen.  
  • Als nächstes versuchen wir die verschiedenen Aspekte auseinanderzuhalten. Betrachten wir unser Spiegelbild, können wir uns fragen: „Wie sehe ich aus? Sehe ich müde aus? Sehe ich gestresst aus?“ Und auch ohne einen Spiegel können wir uns fragen: „Wie fühle ich mich? Bin ich müde, gestresst, nervös, oder ängstlich?“ 
  • Wir richten unsere Aufmerksamkeit darauf, was wir als bedeutsam oder wichtig erachten. Wir müssen uns damit auseinandersetzen. Versucht nicht es zu verbalisieren. Ich weiß, dass das schwierig ist. 
  • Versucht das Ausrichten der Aufmerksamkeit darauf als etwas Angenehmes zu empfinden. „Ich bin glücklich eine Vorstellung davon zu haben, wie ich mich fühle und ich bin glücklich, bei mir selbst zu sein. Ich ruhe in mir. Ich bin froh darüber, mir die Zeit dafür zu nehmen herauszufinden, wie es mir geht.“ 
  • Bekräftigt oder erzeugt das Interesse daran zu verstehen, was ihr fühlt, indem ihr eure Fürsorge erneut bestätigt. Aus diesem Grund bleibt unsere Aufmerksamkeit bei der Vergegenwärtigung und der Konzentration. 
  • Schließlich entscheiden wir, was wir tun könnten, um die Situation zu verbessern, wenn etwas nicht in Ordnung ist. Es könnte darum gehen, eine Pause einzulegen, sich mehr zu entspannen, mehr zu arbeiten, nach Hilfe zu suchen, wenn notwendig, oder Ähnliches. 
  • Dann haben wir die Absicht, dies in die Praxis umzusetzen und es tatsächlich zu tun. 

Ich wiederhole es noch einmal:

  • Ruhiger Geist;
  • fürsorgliche Geisteshaltung;  
  • motiviert durch diese Fürsorge, der Drang zu überprüfen und sich damit auseinanderzusetzen, wie es uns geht; 
  • Auseinanderhalten; 
  • Aufmerksamkeit; 
  • angenehmes Kontaktbewusstsein, Glücklichsein; 
  • Interesse, Vergegenwärtigung und Konzentration; 
  • Unterscheidung; 
  • Absicht 

Wenn ihr den Spiegel benutzt habt, legt ihn nun zur Seite und wiederholt es ohne den Spiegel:

  • Ruhiger Geist;
  • fürsorgliche Geisteshaltung;
  • motivierter Drang; 
  • Auseinanderhalten; 
  • Aufmerksamkeit: „Das ist sinnvoll“; 
  • angenehmes Kontaktbewusstsein; 
  • eine Ebene des Glücklichseins, dass wir uns tatsächlich mit uns selbst und unseren Situationen auseinandersetzen. Daher entspannen wir unsere Schultern und unsere Stirn. 
  • Interesse, Vergegenwärtigung und Konzentration;
  • Entscheidung darüber, was zu tun ist; 
  • und die Absicht es zu tun, um sich ausgeglichener im Leben zu fühlen. 

Mit Übung sind wir in der Lage, dies jederzeit und auf einmal zu tun. Befinden wir uns mit anderen Worten in einer Situation und fühlen uns gestresst, stellen wir einfach fest, was wir empfinden und tun, was notwendig ist, um uns zu entspannen und den Stress loszulassen. Oder wenn wir ganz aufgeregt sind und es gerade unpassend ist oder wütend werden und die andere Person damit erschrecken oder verängstigen, erkennen wir es und wollen es ändern. Wir haben eine Absicht, es zu ändern. Wir erkennen es und entscheiden, was notwendig ist. Wir müssen langsamer werden, nicht so schnell sprechen und unsere Lautstärke dämpfen. Damit haben wir die Absicht, es zu tun, und tun es.

Tatsächlich sind wir vollkommen dazu in der Lage, es einfach zu tun. Fahren wir mit dem Auto oder einem Fahrrad, tun wir es ständig. Wir passen uns der Geschwindigkeit der anderen Autos oder der Straße an. Wir nutzen all diese Geistesfaktoren und passen sie an, ohne einem sehr detaillierten Vorgang zu folgen, denn wir tun es fast unmittelbar. Das wollen wir auch im Austausch mit anderen lernen, und sogar, wenn wir einfach nur sitzen und allein arbeiten.

Aber wie ich bereits mehrere Male erwähnt habe, müssen wir es ohne dieses Gefühl eines getrennten „Ichs“ tun, denn es gibt kein getrenntes „Ich“, das im Auto oder auf dem Fahrrad sitzt und seine Fahrweise anpasst. Das kann nie genug betont werden. Wir tun es einfach. Es gibt kein kleines „Ich“ in unserem Kopf, das in der Schaltzentrale die Knöpfe drückt.

Gibt es noch irgendwelche letzten Fragen oder Kommentare?

Umgang mit unangenehmen Situationen

Wenn wir jemanden treffen, der uns in der Vergangenheit immer sehr unangenehme Situationen oder Gefühle bereitet hat, wie gehen wir damit um?

Zunächst ist es notwendig, unsere Geisteshaltung anzupassen, wenn wir in diese Situation kommen: Obwohl es dieses Muster gibt, dass die Person stets negativ gegenüber uns war, heißt das nicht, dass sie immer negativ gegenüber uns sein wird. Andererseits müssen wir vorsichtig sein, weil sie sich wahrscheinlich negativ gegenüber uns verhalten wird. Dennoch gilt es offen für die Tatsache zu sein, dass sie sich ändern könnte.

Eine der Übungen besteht nun darin zu erkennen, dass diese Person, die stets eine negative Einstellung gegenüber uns hat, ebenfalls ein Mensch ist und glücklich sein will, genau wie wir. Sie will nicht unglücklich sein. Sie verhält sich negativ gegenüber uns, weil sie ganz offensichtlich etwas stört. Sie ist unglücklich. Eine Person kann nicht glücklich sein, wenn sie negativ ist, außer sie ist ein Sadist und hat noch ganz andere Probleme. Im Wesentlichen ist es jedoch so, dass diese Person etwas wirklich stört und sie deshalb auf diese Weise handelt. Als Mensch wünschen wir uns, sie würde damit aufhören und das heißt, wir wünschen uns, sie möge glücklich sein. Das ist die Definition für Liebe: der Wunsch, sie möge glücklich sein. Anstatt die Einstellung zu haben, sie im Gegenzug ebenfalls zu verletzen oder einfach davonzulaufen, besteht die grundlegende Haltung darin sich zu wünschen, sie könnte glücklich und somit in einer besseren Stimmung sein, um uns auf positivere Weise zu behandeln. Hier gibt es etwas Eigeninteresse.

Dann können wir die Gründe dafür erforschen, warum sie diese negative Einstellung gegenüber uns hat. Ist es etwas in unserem Verhalten? Sind es Faktoren auf ihrer Seite? Wenn es an uns liegt und es etwas ist, das wir ändern können und es sinnvoll ist, es zu ändern, tun wir es. Ist es nicht akzeptabel, können wir es nicht tun. Haben wir beispielsweise einen Job bekommen, und die andere Person nicht, ist das natürlich etwas, das wir nicht ändern können. Es ist einfach eine Tatsache. Ist es jedoch etwas auf unserer Seite, das geändert werden kann, ändern wir es, wenn es akzeptabel ist. Handelt es sich um etwas, das wir nicht ändern können oder liegt es an der Person, dass sie ständig schlechte Laune hat, wird es nicht viel helfen, sich darüber zu ärgern oder sich deswegen zu nerven. Wir können es nicht ändern. So ist die Situation und wir versuchen es zu vermeiden, sie zu provozieren. In gewissem Sinne üben wir uns einfach in Zurückhaltung. Wenn wir wissen, was sie noch mehr aufregen wird, tun wir es nicht. Wir reiten nicht darauf herum. Die Strategie hängt von der Situation ab. Ist die Person eifersüchtig auf uns? Oder ist sie wütend auf etwas, das wir getan haben? In dem Falle entschuldigen wir uns.

Es ist fast so, als würden wir uns dem entziehen.

Versuchen wir zu flüchten? Wenn es nichts gibt, was wir tun können, um die Situation zu ändern, versuchen wir natürlich sie zu vermeiden und entziehen uns ihr gewissermaßen. Gibt es jedoch etwas, das man tun kann, laufen wir nicht davor weg, sondern versuchen, die Situation zu verbessern. Eine Aussage, die ich ziemlich hilfreich finde, ist folgende: „Nicht jeder mochte Buddha. Was erwarte ich also, das jeder mich lieben wird?“ Es gibt Menschen, die uns nicht mögen, die eifersüchtig auf uns sind oder ähnliches. So ist das Leben; was kann man tun?

Die Schlussfolgerung lautet also: Wenn es etwas gibt, das wir tun können, tun wir es. Und wenn man nichts tun kann, machen wir uns keine großen Sorgen. Wir versuchen einfach, die Person zu vermeiden, obwohl das manchmal nicht so leicht es, wenn es sich beispielsweise um ein Familienmitglied handelt, dem wir nicht wirklich aus dem Weg gehen können.

Schlussfolgerung 

Das bringt uns zum Ende. Das Wesentliche, das es aus all dem zu lernen gilt, ist, dass es notwendig ist, Feingefühl auszugleichen, und wir weder überempfindlich noch unsensibel sein sollten. 

In Bezug auf uns selbst:

  • Wir sind nicht überempfindlich und ständig wie besessen von uns selbst und anderen. Wir haben nicht diese Einstellung, jedem erzählen zu müssen, was wir empfinden. Wir müssen es nicht mit der Welt teilen, als würde es irgendjemanden wirklich interessieren, wir wir zu diesem oder jenem stehen, denn leider tut es das nicht. Manchmal müssen wir jedoch etwas mit anderen teilen. Wir müssen beispielsweise jemandem sagen, dass die Worte, die er gestern zu uns gesagt hat, uns wirklich verletzt haben oder das wir uns schlecht wegen etwas fühlen. Manchmal ist das unbedingt notwendig. 
  • Auf der anderen Seite sollten wir nicht unsensibel sein. Wir müssen unserem Ärger nicht auf unserer Facebook-Seite Luft machen, indem wir schreiben: „Diese Person hat gestern das zu mir gesagt und das hat mich wirklich verletzt.“ Andererseits müssen wir dieser Person vielleicht etwas sagen. Wir sollten nicht unsensibel sein und darauf achten, denn es könnte immer stärker werden. Sich verletzt zu fühlen, kann zu einem inneren Groll führen und viele Dinge in unserem Leben gefährden.  

Unsere Sensibilität in Bezug auf uns selbst, andere, Situationen, Auswirkungen unseres Verhaltens usw. auszugleichen, kann das Leben viel leichter machen.

Praktizieren wir im Kontext eines buddhistischen spirituellen Pfades, sind dies ausgesprochen wichtige Methoden, die wir lernen sollten. Unser Ziel, die Motivation, besteht darin, dies zu lernen und zu praktizieren, um jedem bestmöglich helfen und Befreiung und Erleuchtung erlangen zu können.

Wir enden mit einer Widmung. Möge alles Verständnis und alle positive Energie, die aus dieser Diskussion entstanden sind, sich immer weiter vertiefen und als Ursache dafür wirken, Erleuchtung zu erlangen. In einem buddhistischen Sinne tun wir es, um allen möglichst hilfreich zu sein, mit einer ausgewogeneren Sensibilität. Vielen Dank.

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