Methode Eins zum Beruhigen des Geistes: Loslassen
Lasst uns die Übung noch einmal mit dem Foto einer Frau und eines Mannes durchgehen.
- Wir werden wieder damit beginnen, uns auf den Atem zu konzentrieren. Wir beruhigen uns durch das Fokussieren auf den Atem, richten den Blick auf den Boden oder schließen die Augen, je nachdem wie angespannt wir sind.
- Dann versuchen wir, das Bild der Frau mit einem ruhigen Geist zu betrachten und praktizieren die Methode, den Geist durch Loslassen zu beruhigen.
- Wir lassen alle verbalen Gedanken, Bilder, alle Schläfrigkeit, Paranoia und so weiter mit dem Ausatmen los.
- Nachdem wir eine Weile die Frau mit einem ruhigen Geist betrachtet haben, wenden wir uns dem Mann auf dem Foto zu und versuchen dasselbe zu wiederholen.
- Dann legen wir das Foto hin und lassen die Erfahrung zur Ruhe kommen.
Es ist interessant, wie verschieden das Ausmaß des geistigen Abschweifens und der verbalen Diskussion sein kann, die wir in Bezug auf verschiedene Menschen, in diesem Fall einen Mann und eine Frau, haben können. Beispielsweise kann es sich mit jemandem der gleichen oder einer anderen Rasse unterscheiden. Machen wir diese Übung vollständig, arbeiten wir mit Bildern eines älteren Mannes, einer älteren Frau, eines jungen Mannes, einer jungen Frau und eines kleinen Kindes aus einer Vielzahl von Rassen und Arten der Herkunft. Damit bekommen wir ein ziemlich großes Spektrum verschiedener Arten von Menschen. Die meisten Menschen schweifen mit ihrem Geist ab, wenn sie das kleine Kind sehen. Sie denken: „oh, wie süß“.
Fragen oder Bemerkungen
Der Unterschied, den ich bei dieser zweiten Übung bemerkt habe, war, dass es viel mehr emotionales geistiges Abschweifen gab. Das erste Mal war es ziemlich verbal und nun war es eher einfühlsam oder verständnisvoll, sowohl gegenüber der Frau als auch gegenüber dem Mann.
Uns geht es besonders darum, eine unangemessene emotionale Erwiderung zur Ruhe kommen zu lassen. Wir wollen uns nicht so sehr beruhigen, dass wir gar nichts empfinden. Diese zuvor erwähnte emotional unangemessene Erwiderung kann Nervosität, Paranoia, Angst, Furcht und dergleichen sein. Sogar in dem Spektrum positiver Emotionen, wie Sympathie und Liebe, sollte es keine übermäßig emotionale Erwiderung geben, zum Beispiel: „wie wunderschön“ oder „que lindo“. Diese Dinge halten uns auch davon ab, Aufmerksamkeit zu schenken und auf angemessene Weise zu erwidern, da unsere Emotion nicht wirklich mit der Person verbunden ist, sondern mit uns selbst. Das ist ein subtiler psychologischer Punkt. Wie dem auch sei, wir werden drei Methoden lernen und es ist die dritte Methode, in der es um emotionale Ablenkungen geht.
Was wäre der Unterschied zwischen normaler Shamatha-Meditation, die wir gerade machen, unserer alltäglichen Praxis, wie der Versuch, sich auf den Atem zu fokussieren, und dieser Übung, unsere Augen auf ein Bild zu richten, in diesem Fall das Bild einer Frau oder eines Mannes? Ich denke, es ist etwas ganz anderes. Wenn ich mich auf den Atem richte oder nur eine kleine Sache sehe, wie zum Beispiel ein Stück Teppich, gibt es viel weniger Elemente, die meinen Geist ablenken können. Sehe ich das Gesicht einer Person, gibt es hingegen tausende Elemente, die mich ablenken können. Was wäre der Unterschied zwischen der einen und der anderen Übung?
Was wir hier tun, sind die Anfangsstufen einer Art Shamatha-Praxis. Für jene, die den Begriff nicht kennen, handelt es sich beim Entwickeln der Konzentration von Shamatha um einen gelassen beruhigten und zur Ruhe gekommenen Geisteszustand. Es gibt zahlreiche Methoden, um diesen Zustand zu erlangen. In der Theravada-Tradition geht man häufig so vor, dass man sich auf Sinneswahrnehmungen, wie die taktile Empfindung des Atems, ausrichtet, der durch die Nase ein- und ausströmt. In den Mahayana-Traditionen, welche die Tibeter folgen, tun wir dies für gewöhnlich nicht. Wir erreichen diesen Zustand der Konzentration mit geistigem Bewusstsein, indem wir beispielsweise einen Buddha visualisieren.
Sogar in den Kagyü- und Sakya-Methoden des Mahamudra richtet man sich im Grunde auf ein Objekt. Unser Fokus liegt nicht auf der Sinneswahrnehmung, sondern auf dem Zustand des Geistes. Worum geht es denn beim Erlangen von Konzentration? Man kann sagen, dass es darum geht, sie zu nutzen, um sich auf das Verstehen der Realität, der Leerheit, fokussieren zu können. Wir können sie nutzen, um uns auf einen Zustand der Liebe, des Mitgefühls und so weiter zu fokussieren und unsere Konzentration darauf zu halten. Sie ist kein Selbstzweck; das ist nicht der buddhistische Pfad.
Dharma in unserem täglichen Leben anwenden
Was ist der Zweck oder die Funktion, Konzentration hinsichtlich dem Verständnis der Wirklichkeit, sowie in Bezug auf Liebe und Mitgefühl zu erlangen? Es geht nicht nur darum, dort zu sitzen und sich darauf zu fokussieren, sondern sie im Leben mit Menschen und uns selbst anzuwenden. Das ist einer der Grundsätze oder eines der Prinzipien im Buddhismus. Wir lernen etwas und sollten dessen Funktion in Betracht ziehen. Wozu führt etwas und was wird damit erreicht? Anstatt eine abstrakte Übung zu machen, um Konzentration zu entwickeln, gehen wir in dieser Übung direkt zur Anwendung. Viele Menschen begreifen im Buddhismus nicht den Punkt, worauf die Konzentration abzielt. In diesem Fall nutzen wir andere Menschen als unseren Fokus. Wir nutzen ein Sinnesbewusstsein, mehr im Theravada-Sinn, um die andere Person anzusehen und zu hören, was sie sagt.
Die Methoden sind dieselben, die wir auch im Shamatha haben. Wir nutzen nur eine andere Art von Objekt, das letztendliche Objekt, auf das wir unsere Konzentrationsfähigkeiten hinsichtlich der Sensibilität und dem Helfen anderer beziehen werden. Wir konzentrieren uns auf einen bestimmten Geisteszustand oder eine Geisteshaltung und wenden sie auf die Menschen an. Der ganze Grund hinter der Entwicklung dieses Sensibilitätsprogramms lag in der Erkenntnis, dass Menschen im Westen ein großes Problem haben, wenn sie den Dharma studieren. Sie neigen dazu, ihn wie einen Sport anzugehen, wie eine zusätzliche Aktivität, in der man sich neben seinem täglichen Leben übt. Das größte Problem, das die meisten Westler haben, ist diese große Kluft zwischen ihrer Dharma-Praxis und dessen Anwendung im Leben zu überwinden. Die ganze Motivation für die Entwicklung dieses Programms ist, den Menschen zu zeigen, wie man den Dharma im Leben anwendet.
Während der Übung geschehen mehrere Dinge. Was wäre eine korrekte Erwiderung darauf, was diese spezifische Übung anstrebt? Am Anfang hat es sich so angefühlt, als wäre ich blind, weil ich die andere Person nicht sehen konnte, sondern nur Projektionen all der Dinge, an die mich die Person erinnerte. Später habe ich mich dann bemüht, das alles auszuatmen und ihr mehr Raum zu geben, doch dann fühlte es sich künstlich an, als wäre es unmöglich, ein unbefleckter Empfänger zu sein, der vollkommen offen ist. Ich gab all den Gefühlen mehr Raum, die natürlich durch das Betrachten des Bildes hochkamen und ließ die Gefühle natürlich fließen, ohne sie aufzuhalten, doch dann war es viel mehr eine Verbindung mit dem Herzen und nicht die Übung selbst.
Die Methode, die wir hier nutzen, ist in erster Linie auf das verbale Denken gerichtet. Es ist ziemlich interessant, denn obwohl ich es schon zuvor in Mexiko unterrichtet habe, finde ich, dass das allgemeine Muster hier viel mehr das emotionale Denken als das verbale Denken ist. In Teilen Europas oder in den Vereinigten Staaten besteht das große Problem darin, dass die Menschen die Stimme in ihrem Inneren nicht ausschalten können. Sie läuft ohne Unterlass, wie ein Radio oder Fernseher, der ständig angeschaltet ist. Ist das richtig so? Findet ihr, dass ihr nicht in eurem Innern redet und alles nur ein großes Spektrum von Gefühlen ist? Verhält sich das so oder schenkt ihr dem einfach keine Aufmerksamkeit, dass da tatsächlich auch so viel verbales Zeug abläuft?
Hebt einmal eure Hände, denn das interessiert mich sehr. Es wird mir helfen, in Lateinamerika zu unterrichten. Hier haben wir zwei Auswahlmöglichkeiten und vielleicht trifft auch keine zu, aber lasst uns für den Moment einmal zwischen diesen beiden unterscheiden. Eine Auswahlmöglichkeit ist, dass es eine Menge emotionale Ablenkungen und Gefühle gibt, aber kaum verbales Denken. Und die andere ist, dass es emotionale Ablenkungen und Gefühle gibt, aber auch verbales Denken abläuft. Ich nehme an, dass die meisten Menschen eine Menge emotionaler Erfahrungen haben. Wie viele Leute sind meistens emotional abgelenkt und erfahren nur wenig Ablenkung durch den geistigen verbalen Vorgang?
Nach dem Durchzählen kann ich sehen, dass es eigentlich nicht so viele gibt, die keine geistigen verbalen Vorgänge haben. Trotz allem sollten wir diese Methode des Ausatmens sowohl auf geistiges Verbalisieren als auch auf irrelevante Emotionen anwenden. Diese Emotionen sind insofern irrelevant, dass wir tatsächlich etwas unbewusst auf die andere Person projizieren und unsere emotionale Erwiderung auf diese Projektion unserer Vergangenheit stattfindet. Sie hat nichts mit dieser Person zu tun, weil wir die Person auf dem Bild ja im Grunde gar nicht kennen. Wir müssen offen sein und erkennen, was bei der tatsächlichen Person abläuft. Man kann es damit vergleichen, eine giftige Tarantel zu sehen, zu denken: „oh, wie süß“ und sie zu streicheln. Zuerst sollten wir erkennen, was etwas tatsächlich ist.
In dieser zweiten Übung mit der Frau und dem Mann habe ich den Unterschied in den Gesten oder der Geisteshaltung dieser zwei Menschen bemerkt. Die Frau hatte einen Ausdruck der Ergebenheit, während der Mann einen viel verführerischen Ausdruck hatte. Der verführerische Ausdruck war ziemlich ablenkend und so habe ich versucht, das Verbalisieren darüber, ergeben oder verführerisch zu sein, zu beenden, es auszuatmen und mich stattdessen auf das ganze Gesicht und dann nur auf die Augen zu fokussieren, um es dekonstruieren zu können, ohne Kommentare über diese anfänglichen Projektionen der Ausdrücke hinzuzufügen.
Das ist wirklich gut. Oft ist das, worauf wir erwidern, die Projektion oder das Urteil, dass diese Person versucht zu gefallen oder diese andere Person versucht zu verführen. Vielleicht haben sie überhaupt gar nicht diese Absicht. Daher geht es später, im dritten Teil des Trainings darum, wie wir die Erscheinungen, die wir sehen, bewerten und wie wir sie dekonstruieren, wenn sie nur eine Projektion sind. Das ist überaus wichtig, doch dazu kommen wir später.
Alles, was wir hier tun, ist uns zu beruhigen, indem wir ausatmen und loslassen. Die Methode, die wir gerade mit dem Ausatmen lernen, ist die einfachste, was das Loslassen von Projektionen betrifft. Wir können jedoch nicht verhindern, dass eine Projektion immer wieder auftaucht, wenn wir sie nicht wirklich auf eine viel aufschlussreichere Weise dekonstruieren. Hier beginnt es tatsächlich viel anspruchsvoller zu werden. Man denke beispielsweise an den Ton der Stimme von jemandem. In Indien oder in einigen ganz südlichen Staaten der USA gibt es beispielsweise Gruppen, deren natürlicher Ton der Stimme ganz laut ist und sich recht aggressiv anhört. In der Tat ist er es aber nicht; es steckt keine Aggression dahinter. Eigentlich erkennen wir vielleicht sogar auf korrekte Weise, dass es sich dabei nur um eine laute, kraftvolle Stimme handelt. In ähnlicher Weise könnte diese Art des Blicks auf dem Foto verführerisch sein, doch tatsächlich war das gar nicht die Absicht dahinter. Das ist eine ziemlich heikle Sache. Das einfachste in diesem Moment ist, es auszuatmen und loszulassen.
Methode Zwei: Schreiben auf Wasser
Die zweite Methode, um den Geist zu beruhigen, stammt aus der Dzogchen-Tradition, einer der Traditionen, die in manchen Schulen innerhalb des tibetischen Buddhismus gelehrt wird. In dieser Übung arbeiten wir mit dem Bild, dass Gedanken, insbesondere verbale Gedanken, aber auch andere geistige Aktivität, wie das Schreiben auf Wasser sind. Was passiert denn, wenn wir auf Wasser schreiben? Die Schrift erscheint und verschwindet. Das Erscheinen und Verschwinden der Schrift finden gleichzeitig statt. Es ist nicht so, dass wir etwas schreiben und es dann, eine kurze Zeit später, verschwindet. Wir sprechen hier nicht von den Wellen, sondern von der Tatsache, dass es da nichts Substantielles in der Schrift gibt.
Wir wenden dies in erster Linie auf das verbale Denken an, wenn wir merken, dass die erste Methode nicht effektiv ist, weil unsere verbalen Gedanken wirklich hartnäckig sind. Vielleicht machen wir uns große Sorgen und die Stimme in uns erzeugt all diese Sorgen und paranoiden Gedanken, wie: „Warum verspäten sie sich? Warum passiert das?“ und so weiter. Ein anderes Beispiel ist, wenn wir nicht aufmerksam sein können, weil wir uns über etwas anderes ärgern, das gerade passiert oder vor Wochen passiert ist und wir noch immer in unserem Inneren darüber reden. Dann schenken wir der Person vor uns keine Aufmerksamkeit.
In dieser Übung versuchen wir, die verbalen Gedanken zu verlangsamen. Natürlich erfordert das ein wenig Aufmerksamkeit, um es tun zu können. Daher verlangsamen wir den Gedanken und denken jedes Wort für sich – im Grunde denken wir jede Silbe eines jeden Wortes für sich. Wir stellen uns vor, als wären sie wie etwas, das wir auf Wasser schreiben.
Um dies genauer zu erklären, worum es dabei geht, sei zunächst gesagt, dass es sich hierbei nicht um einen Vorgang des Visualisierens handelt. Es ist keine Übung im Buchstabieren, in der wir uns vorstellen, die Worte auf Wasser zu schreiben. Vielmehr arbeiten wir mit einem Gefühl, dass sich der Prozess des Denkens dieser Worte wie das Schreiben auf Wasser anfühlt. Wir tun es Silbe um Silbe, Wort um Wort mit dem Gedanken.
Versuchen wir es mit einem Beispiel. Es wäre gut, wenn wir ein Wort nutzen könnten, das mehrere Silben hat.
- Nehmen wir den Satz: „Der Kassettenrecorder ist kaputt“.
- Versucht dies Silbe für Silbe zu denken und versucht, dieses Gefühl zu haben, dass dieses Wort „der“ wie das Schreiben auf Wasser ist und der Gedanke gleichzeitig entsteht und verschwindet.
- Dann machen wir weiter mit „Ka-set-ten-re-cor-der“, eine Silbe nach der anderen und beobachten einfach, was passiert.
- Wir erzwingen es nicht, sondern beobachten einfach, was mit dem Gedanken geschieht.
Wie war eure Erfahrung?
Gleich im ersten Moment, als Sie den Vorschlag für diese Übung gemacht haben und noch bevor ich sie ausführte, war mir klar, dass ich meine Gedanken für gewöhnlich wie in Stein meißle. Sie einfach auf Wasser zu schreiben, fühlte sich so entspannt an.
Komme ich zu dem Punkt, die Geschwindigkeit des Gedankens zu verlangsamen, wenn ich ihn denke oder sage, und es langsam genug tue, vergrößern sich die Lücken zwischen den Silben und es entsteht Raum, wo vorher alles vollgestopft war.
Die meisten Menschen machen die Erfahrung, dass diese Methode dem Gedanken vollkommen die Energie entzieht. Und sie entzieht ihm nicht nur die Energie, sondern auch die Bedeutung. Diese Methode anzuwenden, ist schwierig und erfordert einiges an Übung. Doch sie unterbricht den Gedanken und beruhigt den Geist umgehend. Ist die erste Methode, bei der wir lediglich ausatmen, zu sanft, wenden wir die zweite Methode des Schreibens auf Wasser an.
Es ist eine andere Empfindung, müde von so vielen Gedanken zu sein.
Müde vom vielen Denken und Schwatzen zu sein ist gut, aber die Übung selbst macht uns nicht müde. Diese Methode ist etwas schwieriger auf nicht-verbales Denken anzuwenden. Meist wird sie nicht in diesen Begrifflichkeiten erklärt, doch wir könnten sie auch mit Bildern, Kopfkino, geistigen Vorstellungen und so weiter nutzen. In einem kreativen Sinn funktioniert das Schreiben auf Wasser nicht so gut mit einem Film der in unserem Innern abläuft, doch wenn wir etwas, wie ein Licht, auf Wasser projizieren würden, gäbe es kein Bild auf dem Wasser, das dort bleiben würde. Wie ein Lichtschein oder Blitz bleibt er nirgends.
Ist es ein wenig wie ein Traum?
Alles ist wie ein Traum. Zu erkennen, dass Dinge wie ein Traum sind, ist aber etwas anderes. Man muss ziemlich feinfühlig darin sein, wenn man es anwendet und die besonderen Auswirkungen davon kennen. Betrachten wir alles wie einen Traum und wenden es auf falsche Weise an, nehmen wir nichts mehr ernst. Jemand weint und ist aufgewühlt, doch wir denken: „Nun, es ist nur wie ein Traum. Was damit?“
Alles wie einen Traum zu sehen, um uns zu helfen, das Verfestigen von Dingen und Anhaften an Dingen und Situationen zu überwinden, ist jedoch zweifelsohne wie das Schreiben auf Wasser. Im Rahmen des Entwickelns einer ausgewogenen Sensibilität nehmen wir eine Situation, in der uns jemand anschreit, herumbrüllt oder wütend auf uns ist, nicht als etwas so Solides und Festes, wenn wir sie als einen Traum betrachten. Dann denken wir nicht gleich: „er oder sie liebt mich nicht mehr“. Die übertriebene Auswirkung, die sie vielleicht auf uns haben würde, wird dadurch weggenommen, doch wir sollten auch nicht ins andere Extrem fallen und überhaupt nicht reagieren. Es ist notwendig zu reagieren, jedoch nicht automatisch mit: „oh Gott, er oder sie liebt ich nicht mehr“. Es ist nicht festgelegt und konkret, dass die Person nun für immer so in unserer Beziehung existiert.
Das Gefühl oder die Schlussfolgerung, die ich aus dieser Übung des Schreibens auf Wasser ziehe, ist, dass man damit keine Spur hinterlässt. Man lebt sein Leben weiter, jedoch ohne eine Spur zu hinterlassen.
Das ist eigentlich noch eine andere Methode. Es gibt zahlreiche Analogien, die in den Mahamudra-Lehren für das Denken benutzt werden, und eine besteht darin, dass unsere Gedanken wie ein Vogel sind, der im Himmel fliegt, ohne eine Spur zu hinterlassen. Das ist eine weitere Vorstellung. Für das Training habe ich nur drei ausgesucht, doch im Grunde gibt es eine ziemlich lange Liste von Bildern, die wir nutzen können, um uns zu helfen, belanglose Gedankenprozesse zu beruhigen.
Lasst uns diese Methode für ein paar Minuten ausprobieren.
- Nutzt jenes von den zwei Bildern, welches die meisten verbalen Gedanken hervorgerufen hat.
- Beruhigt euch wieder erst einmal, ohne das Bild zu betrachten.
- Gibt es irgendwelche Filme, die in eurem Kopf ablaufen, könnt ihr das Bild eines kurzen Lichtstrahls auf dem Wasser benutzen.
- Um uns zu helfen, uns an das zu erinnern, was wir tun, wenn wir den Faden verlieren, können wir die Schlüsselworte „Schreiben auf Wasser“ nutzen.
Lasst die Erfahrung zur Ruhe kommen.