Weitreichende geistige Stabilität

(1) Nachdem ich meinen Elan in dieser Weise intensiviert habe, werde ich meinen Geist in [einen Zustand] vertiefter Konzentration versetzen; ein Mensch, dessen Geist abgelenkt ist, steckt zwischen den Fangzähnen der störenden Emotionen.

(2) Dadurch, dass ich für (meinen) Körper und Geist Abgeschiedenheit wähle, können keinerlei Ablenkungen auftreten; daher werde ich alle weltlichen Belange beiseite stellen und meine abschweifenden Gedanken zum Erliegen bringen. 

(3) Weltliche Belange werden nicht aufgrund von klebriger Anhaftung und dem Durst nach materiellen Gütern und dergleichen aufgegeben; daher, um auf diese Dinge zu verzichten, würde jemand mit Wissen folgende Unterscheidung treffen: 

(4) „Wenn ein Geisteszustand von außerordentlicher Wahrnehmungsfähigkeit mit einem still gewordenen und zur Ruhe gekommen Geisteszustand verbunden wird, werden dadurch alle störenden Emotionen vollständig überwunden.“ Sobald ich dies verstanden habe, strebe ich als erstes einen still gewordenen und zur Ruhe gekommenen Geisteszustand an; und dieser wird dadurch erlangt, dass ich mich an der Loslösung von weltlichen Angelegenheiten erfreue. 

(5) (Schließlich) wird jede unbeständige Person, die klebrige Anhaftung an unbeständige Lebewesen entwickelt hat, diese von ihm geliebten Lebewesen (nach dem Tod) für viele Tausende von Leben nicht wiedersehen. 

(6) Diese (Lebewesen für lange Zeit) nicht wiederzusehen, wird mich unglücklich machen und ich werde daher nicht in vertiefter Konzentration verweilen können; (und) selbst wenn ich die Lebewesen sehen würde, wäre ich doch niemals zufrieden, und – wie schon zuvor festgestellt – würde ich von meiner Sehnsucht [nach ihnen] gequält.

(7) Meine Anhaftung an die Lebewesen verhindert, dass ich die Dinge (so sehen kann) wie sie sind; ich verliere auch jegliches Gespür von Desillusionierung; und letzten Endes wird mich schrecklicher Kummer quälen. 

(8) Da ich nur an sie denke, wird mein Leben ohne Bedeutung vergehen, und durch vergängliche Freunde und Verwandte, werde ich den beständigen Dharma verlieren. 

(9) Wenn ich in gleicher Weise handle, wie die Vielzahl der kindischen Menschen, werde ich gewiss eine schlechte Wiedergeburt erlangen; wenn ich zu einem Schicksal geführt werde, das (noch) nicht (einmal) gleich ist, was hätte ich dann erreicht, wenn ich mich auf diese kindischen Leute verlasse?

(10) In einem Moment sind sie Freunde; in einem Augenblick werden sie zu Feinden. Zu freudigen Anlässen werden sie zornig: gewöhnliche Menschen sind so schwer zufriedenzustellen.

(11) Wenn man ihnen sagt, was von Nutzen wäre, werden sie wütend, und bewirken, dass ich mich gleichfalls von dem abwende, was nützlich ist. Wenn man nicht auf ihre Worte hört, werden sie zornig und geraten schließlich in schlechte Wiedergeburtszustände. 

(12) Sie sind neidisch auf Höherstehende, wetteifern mit Gleichgestellten, sie sind arrogant gegenüber Unterlegenen, eingebildet, wenn man sie lobt, und voller Hass, wenn man ihnen [Dinge] sagt, die sie nicht hören wollen: Welcher Nutzen könnte aus [dem Kontakt mit] unreifen Menschen entstehen? 

(13) Wenn ich mit kindischen Menschen Umgang pflege, wird daraus unter den kindischen Menschen unausweichlich destruktives Verhalten entstehen, wie beispielsweise, dass ich mich selbst lobe und andere herabsetze, oder dass ich über die Vergnügungen in Samsara schwatze. 

(14) Wenn ich mich in dieser Weise anderen anvertrauen, werden daraus lediglich Nachteile entstehen, da sie mir in Wirklichkeit nicht gut tun und ich Ihnen [gleichermaßen] nicht gut tue.

(15) Daher möchte ich den kindischen Leuten möglichst weit entfliehen; aber wenn ich ihnen begegne, werde ich sie mit Nettigkeiten erfreuen, und ohne ihnen übermäßig nahe zu kommen, werde ich mich Ihnen gegenüber freundlich verhalten, so wie es eine gewöhnlicher Mensch tun würde. 

(16) Gleich einer Biene, die den Blumen Honig entnimmt, nehme ich nur, was für den Dharma hilfreich ist, werde ohne vertraute Menschen leben, so als wäre ich zuvor noch keinem von ihnen begegnet. 

(17) „Aber ich habe viel Besitz, werde verehrt, und viele Leute mögen mich.“ Wenn ich weiter so eingebildet bleibe, werden nach meinem Tod schreckliche Dinge geschehen. 

(18) Da es vollkommen gleich ist, an was mein verwirrter Geist anhaftet: in Verbindung mit jedem [dieser Dinge, an die er anhaftet], werden tausenderlei Probleme entstehen und bestehen bleiben. 

(19) Daher haben die Weisen keine Anhaftung, (da) aus Anhaftung schreckliche Dinge geschehen. Da diese (Objekte) natürlicherweise (mit dem Tod) aufgegeben werden müssen, bleibe stark und erwäge Folgendes gut: 

(20) Es gab viele Menschen, die Reichtum besaßen und es gab viele, die Ruhm und Anerkennung erlangten. Aber man hat nie davon gehört, dass sie [nach ihrem Tod] an einen Ort gelangt wären, wo sie ihren angesammelten Besitz hätten mitnehmen können.

(21) Welches Vergnügen bringt es mir, wenn ich gelobt werde – wenn es andere Menschen gibt, die mich herabsetzen? Und welches Missvergnügen entsteht daraus, wenn ich herabgesetzt werde – wenn es andere (gibt), die mich loben?

(22) Wenn die begrenzten Wesen mit ihren verschiedenen Neigungen nicht einmal vom Triumphreichen zufrieden gestellt werden konnten, dann braucht man darüber, dass sie durch so jemand armen wie mich [zufrieden gestellt werden könnten] gar nicht erst zu reden. Deshalb möchte ich meine Beschäftigung mit den weltlichen Menschen aufgeben.

(23) Sie setzen begrenzte Wesen, denen es an Besitz mangelt, herab, und über diejenigen, die über Besitz verfügen, reden sie schlecht. Wie kann irgendeine Freude daraus erwachsen, sich in Gesellschaft jener zu begeben, die von Natur aus so schwierig im Umgang sind.

(24) Der So-Gegangene (Buddha) hat Folgendes gesagt: „Ein kindischer Mensch kann niemandem ein Freund sein,“ denn die Freundlichkeit eines kindischen Menschen erwächst allein daraus, dass er nur seine eigenen Ziele verfolgt. 

(Wenn Freundlichkeit mit dem Verfolgen eigener Ziele verbunden wird, ist es eine Freundlichkeit, welche nur die Ziele eines „Selbst“ verfolgt; so wie die Verzweiflung, die durch das Zerbrechen von materiellen Besitztümer entsteht, etwas ist, das dadurch zustande kommt, dass man die die Selbstgefälligkeit verliert.) 

(25) Aber inmitten des Waldes, werden wilde Tieren, Vögeln und Bäume, niemals etwas Schlechtes über dich sagen. Sie werden glücklich sein, wenn ich mich mit ihnen anfreunde. Wann werde ich endlich unter ihnen leben?

(26) Wann werde ich mich endlich loslösen, abgeschieden in Höhlen leben, an leeren Schreinen, oder am Fuße eines Baumes, und niemals zurückblicken?

(27) Wann werde ich endlich in der Natur leben, in einer weiträumigen Landschaft, die niemandem gehört, wo ich mich aus eigenem Antrieb bewegen, oder an Ort und Stelle bleiben kann, frei von Anhaftung?

(28) Wann werde ich frei von Ängste leben? (Lediglich ein paar) kleine Dinge besitzend, eine (tönerne) Bettelschale und dergleichen, Kleidung tragend, die keiner mehr haben möchte, und die diesem Körper nicht einmal Schutz bietet?

(29) Wann werde ich, nachdem ich mich auf ein Leichenfeld begeben habe, die Knochenhaufen anderer mit meinem eigenen Körper vergleichen, der die Natur besitzt zu verrotten?

(30) Eben dieser Körper von mir wird genauso (verfaulen); und wegen seines ekligen Gestankes werden nicht einmal die Schakale in seine Nähe schleichen. 

(31) Und obwohl dieser Körper als ein einzelnes (zusammengehöriges) Objekt geboren wurde, werden doch das Fleisch und die Knochen, die mit [dem Körper] entstanden, wieder auseinanderfallen und ihre eigenen Wege gehen. Was lässt sich dann erst über Freunde sagen, die [gänzlich] andere [Objekte als mein Körper] sind? 

(32) Ein Mensch wird bei der Geburt alleine geborene, und er stirbt alleine, wenn er sich im Todesprozess befindet. Wenn niemand anderes ihm einen Teil dieses Schmerzes abnehmen kann, was können dann hinderliche Freunde bewirken?

(33) In gleicher Weise wie sich Reisende auf ihrem Weg an einem Platz zum Übernachten niederlassen, so nehmen die Reisenden auf dem Weg der zwanghaften Existenz eine Wiedergeburt als einen Ort zum Verweilen an. 

(34) So will ich mich in den Wald zurückziehen, bis die vier Sargträger meinen Körper dort heraustragen, während alle meine weltlichen (Verwandten) trauern.

(35) Lasst diesen Körper dort in Abgeschiedenheit verweilen, ganz allein, weder will ich intime Freundschaften schließen noch Konflikte haben. Wenn die Leute mich bereits jetzt für tot halten, wird es keine Trauernden geben, wenn ich tatsächlich sterbe.

(36) Da es keine Dienerschaft in meiner Nähe geben wird, die trauern und [mir] Kummer bereiten, wird es auch niemanden geben, der diesen (Einsiedler) von der fortdauernden Vergegenwärtigung des Buddha und dergleichen ablenkt. 

(37) Lass mich also in Einsamkeit leben, in schönen, herrlichen Wäldern, mit wenig Störungen, glücklich und mit Wohlbefinden, alle Ablenkungen zur Ruhe bringend. 

(38) Nachdem ich all meine anderen Absichten verworfen habe und mich einsgerichtet auf mein Ziel konzentriere, werde ich danach streben, meinen Geist in vertiefter Konzentration zur Ruhe zu bringen und ihn zu zähmen;

(39) Denn wollüstiges Begehren führt nur zu Katastrophen – sowohl in dieser Welt als auch der nächsten. In dieser Welt führt es zu Mord, Inhaftierung und Messerstechereien, und in der nächsten führt es in die freudlosen Bereiche und dergleichen.

(40) Für diese (Körper der [Begehrten]) hast du wiederholt Kuppler und Kupplerinnen angebettelt und bist dabei weder vor negativem Verhalten noch vor einem schlechten Ruf zurückschreckt; 

(41) (für diese [begehrten Körper]) hast du dich selbst in Gefahr gebracht und sogar all dein Vermögen verprasst, und hast die [Körper] umarmt, durch die du das größtmögliche Vergnügen (einer orgastische Glückseligkeit) erfahren hast – 

(42) sie waren (jedoch) nichts anderes als Skelette, unabhängig und niemals deins! Warum also (stattdessen) nicht zur nirvanischen Glückseligkeit drängen, die du zur Zufriedenheit deines Herzens vollständig umarmen kannst? 

(43) Das Gesicht, das du (bei deiner Hochzeit) zuerst mit Mühe gehoben und (zu dir) herangezogen hast, obwohl es schüchtern nach unten blickte, und ganz gleich ob (du es) vorher gesehen hast oder nicht, war es mit einem Schleier bedeckt, 

(44) dieses Gesicht, das dich emotional so verstört hat, wird jetzt von den Geiern enthüllt und kann direkt betrachtet werden. Warum läufst du jetzt weg?

(45) Das (Gesicht), das du (zuvor) vor den anzüglichen Blicken anderer geschützt hast, warum beschützt du es nicht jetzt, (du eifersüchtiger) Geizhals, während es [von den Geiern] verschlungen wird?

(46) Wenn man sieht, wie dieser Fleischhaufen von Geiern und anderen Tieren verschlungen wird, (sag‘ mir), ist das Essen anderer etwas, dem man Girlanden aus Blumen, Schmuck und Sandelholz schenken sollte? 

(47) Wenn du sogar Angst davor hast, ein Skelett zu sehen, obwohl dieses sich nicht mehr bewegt, warum hat es dich dann nicht mit blankem Horror erfüllt, wenn der [Fleischhaufen] sich aus eigenem (Willen) in Bewegung gesetzt hat, wie einem Zombie?

(48) Du hast nach dem [Skelett] gelüstet, auch wenn es [von Fleisch] bedeckt war, warum begehrst du es nicht (jetzt) wollüstig, wo es (von seiner Haut) unbedeckt ist? Wenn du (jetzt) keinen Gebrauch von dem [Skelett] machen kannst, warum hast du es dann sexuell umarmt, als es bedeckt war?

(49) Kot und Speichel entstehen aus ein und derselben Nahrung; warum also erfreust du dich nicht am Kot und findest doch Gefallen am (Geschmack von) Speichel?

(50) Du findest kein sexuelles Vergnügen an Kissen, die mit Baumwolle gefüllt sind und sich weich anfühlen, (denn [du denkst du dir:]) „Sie verströmen keinen üblen Gestank“; lüsterne Menschen sind verwirrt in Bezug auf Exkremente. 

(51) Lustvolle, grobe, verwirrte Menschen (denken:) „Es ist unmöglich, mit Baumwolle, die sich weich anfühlt, Sex zu haben;“ sie werden (stattdessen) sogar wütend auf sie.

(52) Wenn du keine Anhaftung an übel Stinkendes hast, warum umarmt du dann auf sexuelle Weise einen anderen (Körper): ein Knochengerüst, das mit Sehnen verbunden und mit einem Schlamm aus Fleisch verputzt ist?

(53) Du selbst enthältst viel Kot; schaffe es selber, standhaft damit zu sein. Fresssack für Exkremente, du sehnst dich nach einem weiteren Kotbeutel? 

(54) (Wenn du denkst:) „Aber es ist das Fleisch, an dem ich mich erfreue“, sehnst du dich danach, es zu berühren und anzusehen. Aber warum hast du keinen Wunsch nach dem Fleisch (hier,) in seinem natürlichen Zustand, ohne ein geistiges Bewusstsein? 

(55) Und welchen Geist du auch immer begehrst, du kannst ihn nicht berühren oder betrachten, und was auch immer [berührt und betrachtet] werden kann, hat kein Bewusstsein. Es ist also vollkommen zwecklos! Warum umarmst du es dann auf sexuelle [Weise]?

(56) Es ist keine große Überraschung, dass du nicht verstehst, dass der Körper eines anderen seiner Natur nach (voller) Kot ist; aber dass du nicht verstehst, dass dein eigener Körper von Natur aus (voller) Exkremente ist – das ist wirklich schockierend!

(57) Nachdem ich (die aus dem Dreck geborene) zarte Lotusblüte, die durch die Strahlen der Sonne eines unbewölkten Himmels geöffnet wurde, zurückgewiesen habe, welche Freude kann dann für mich Kot-Besessenen aus diesem Käfig [aus Knochen] gefüllt mit Fäkalien erwachsen? 

(58) Wenn du Erde und Orte, die mit Kot verschmiert sind, nicht berühren willst, wie kommt es dann, dass du den Körper berühren willst, aus dem [der Kot] ausgeschieden wurde?

(59) Wenn du keine Anhaftung an übel Stinkendes hast, warum umarmst du dann einen anderen (Körper) sexuell, dessen Samen aus einem Feld (voller) Exkremente wuchs und von ihm genährt wurde?

(60) Ist es wegen ihrer Winzigkeit, dass du dich nicht nach einer widerlichen Made sehnst, die im Kot geboren wurde? Du sehnst dich tatsächlich nach einem Körper, der gleichfalls aus Exkrementen geboren wurde, (da) er von Natur aus (voller) Exkremente ist!

(61) [Schlimm genug,] dass du deine eigene Ausscheidungsnatur nicht verachtest, aber, du Vielfraß von Exkrementen, du sehnt dich auch noch nach anderen mit Kot gefüllten Säcken!

(62) Ganz gleich ob es sich um erfrischende (Bonbons) mit Kampfer und dergleichen handelt, oder um gekochten Reis mit Gemüsecurrys – einmal in den Mund gesteckt und dann ausgespuckt oder erbrochen, wird selbst der Boden schmutzig und unrein. 

(63) Wenn du immer noch Zweifel daran hast, dass es sich so mit der Natur der Exkremente verhält, obwohl es doch so offensichtlich ist, dann schau dir die (grauenhaft) stinkenden Körper anderer Menschen an, die auf den Leichenacker geworfen wurden. 

(64) Wenn die Haut aufgerissen wird, ist das Entsetzen darüber groß. Wenn man das genau weiß, wie kann dann noch Freude an eben diesem Ding entstehen?

(65) Und wenn dem Körper der Geruch von Sandelholz und dergleichen aufgetragen wurde, so stammt [dieser Geruch] nicht vom [Körper selbst, sondern von etwas] anderem. Warum fühlst du dich also von jemand anderem durch den Geruch von etwas anderem angezogen?

(66) Wenn etwas aufgrund seines natürlich üblen Geruchs keine Anziehungskraft auf uns hat, ist das nicht ein Glücksfall? Warum besprenkeln sich die Menschen auf dieser Welt, die Genuss am Sinnlosen finden, mit süß duftenden Substanzen? 

(67) Nun denn, wenn der süße Geruch vom Sandelholz kommt, was stammt dann vom Körper? Warum fühlst du dich also von jemand anderem durch den Geruch von etwas anderem angezogen?

(68) Wenn der natürliche Zustand des Körpers vollkommen furchterregend ist – nackt, mit einem Schmutzschleier überzogen, seine Haare und Nägel lang, seine Zähne gelb und fleckig 

(69) – warum sollte man ihn mit (so viel) harter Arbeit aufpolieren, wie eine Waffe, um mich damit selbst zu verletzen? (Oh je), diese Welt ist wirklich voll von Wahnsinnigen, die so hart daran arbeiten, sich selbst etwas vorzumachen!

(70) Obwohl du nur ein paar Skelette gesehen hast, warst du auf dem Leichenacker vollkommen angewidert; dennoch findest du in den Leichenäcker-Städten, die voller sich bewegender Skelette sind, sexuelles Vergnügen? 

(71) Außerdem erhält man diesen (Beutel) voller Exkremente nicht ohne Preis: Beim (Geld-) Verdienen erschöpft man seine [Kräfte] und erleidet (später) Höllenqualen in freudlosen Bereichen und dergleichen. 

(72) Als Kind ist man nicht in der Lage, ein Vermögen aufzubauen; mit welchen [Mitteln] kann man sich dann als Teenager vergnügen? Wenn er das Erwachsenenalter damit verbringt, Reichtümer anzusammeln, was kann ein alter Mensch dann noch mit sexuellen Begierden anfangen? 

(73) Einige Menschen, (obwohl) von heftigen Begierden befallen, erschöpfen sich den ganzen Tag über mit Arbeit, und wenn sie (spät abends) nach Hause kommen, sind ihre Körper ermattet und sie fallen wie Tote in den Schlaf. 

(74) Einige müssen (für Armee-Einsätzen) ins Ausland gehen; von störenden Emotionen [überwätligt], leiden sie dann massiv darunter, weit weg von Zuhause zu sein. Sie haben Sehnsucht nach ihren Kindern und Frauen, und obwohl die Jahre vergehen, können sie ihre Kinder und Frauen nicht sehen.

(75) Von Begierden in Bezug darauf verwirrt, was für den eigenen Nutzen gut wäre, verkaufen sie sich sogar selbst, um der [Objekte ihrer Begierden] willen, die sie jedoch nie erhalten; und so (mühen) sie sich sinnlos ab, angetrieben von den Winden der karmischen Launen anderer.

(76) Und die Frauen einiger der [Männer], die ihren eigenen Leib verkauft haben und machtlos den Befehlen anderer folgen müssen, müssen ihre Kinder zur Welt bringen, pressen diese zu Füßen von Bäumen oder an trostlosen Orten aus sich heraus. 

(77) (Einige) törichte Menschen, die ihren Lebensunterhalt bestreiten wollen, getäuscht von Begierden denkend: „Ich werde meinen Lebensunterhalt verdienen“ ziehen sie in den Krieg und riskieren (auf diese Weise) ihr Leben, oder sie begeben sich in Knechtschaft, um einen Vorteil für sich zu erwirken. 

(78) Man kann sehen, dass einige Habgierige sogar körperlich verstümmelt und andere von langen Nägeln aufgespießt werden. Einige werden mit Dolchen erstochen und andere sogar lebendig verbrannt. 

(79) Das Anhäufen, Schützen und [wieder] Verlieren von materiellen Gütern geschieht unter Qualen; wisse, dass materielle Annehmlichkeiten Nachteile ohne Ende bergen: Denn diejenigen, die sich von ihrer Besessenheit nach Reichtum ablenken lassen, haben nicht die Zeit, sich von den Leiden der zwanghaften Existenz zu befreien.

(80) Für Menschen mit starkem Verlangen gibt es (somit) reichlich Nachteile wie diese und andere; und (jegliche) Kostprobe von Genüssen fällt dürftig aus, wie bei einem Ochsen, der nach ein paar Bissen Gras [am Wegesrand] schnappt, während er einen Wagen zieht. 

(81) Für diese armselige Kostprobe von Genuss, die nicht einmal für einen Ochsen schwer zu finden ist, wird diese schwer zu findende Fülle an Ruhepausen und Bereicherungen von denen zerstört, die ihr (gutes) Karma verschwenden. 

(82) Wenn man die Härten bedenkt, durch die man die ganze Zeit seine Kräfte erschöpft, und dies den armseligen Begierden (des Körpers) zuliebe, der [jedoch] dahinscheiden wird und (folglich) in die freudlose Bereiche und schlimmeres fallen wird,

(83) so würde man mit einem Millionstel dieser Mühen schon die Buddhaschaft erlangen; die Begierdevollen leiden hingegen mehr als diejenigen, die das Verhalten eines Bodhisattva ausüben, und doch erlangen sie keine Erleuchtung. 

(84) Weder Waffen, Gift, Feuer und Abgründe noch Feinde lassen sich [mit den Nachteilen] des Begehrens vergleichen, wenn ich an die Qualen freudloser Bereiche und dergleichen denke.

(85) Auf diese Weise [nachdenkend] werde ich vor den Begierden zurückweichen und mehr Freude an der Einsamkeit finden. In friedlichen Wäldern, ohne Streit zu haben und frei von emotionalen Störungen,

(86) unter (schönen) Felsbrocken, die riesig wie Paläste sind, und die von den Sandelholzstrahlen des Mondes gekühlt werden, wandern die Glücklichen frohen Herzens umher, umweht von einer stillen, sanften Waldbrise, und reflektieren über das Ziel, anderen zu helfen. 

(87) Sie können überall und so lange wie gewünscht verweilen – in einem leeren Unterstand, am Fuße eines Baumes oder in Höhlen. Diejenigen, die sich von der Belastung, ihren Besitz zu sichern, befreit haben, leben entspannt und ohne Sorge.

(88) Sie handeln der eigenen Absicht entsprechend, ohne Anhaftung, ohne Bindung an irgendjemanden, genießen die Freude der Zufriedenheit, die selbst für mächtige Herrscher schwer zu finden ist. 

(89) Nachdem ich gründlich über diese und andere Aspekten nachgedacht habe, wie die Vorteile des Sich-Zurückziehens, und dadurch meine umherschweifenden Gedanken völlig zur Ruhe gebracht habe, werde ich über Bodhichitta meditieren. 

(90) Zunächst werde ich tief über die Gleichheit von mir selbst und anderen meditieren, (und zwar in dieser Weise): Da jeder ein Mit-Lebewesen  ist, das gleichermaßen Glück und Schmerz erlebt, will ich (mich um andere Lebewesen) in der gleichen Weise kümmern, wie um mich selbst,

(91) so wie wir uns trotz der zahlreichen Körperteile, wie den Hände und so weiter, um den Körper als Ganzes kümmern; so gleichen mir doch, trotz der Unterschiede, die es zwischen den einzelnen [im Daseinskreislauf] wandernden Lebewesen gibt, alle [Lebewesen] in Bezug auf [ihr Empfinden von] Glück und Schmerz: sie alle wünschen sich, glücklich zu sein und (bilden so) ein Ganzes. 

(92) Obwohl mein eigener Schmerz dem Körper anderer nicht weh tut, so ist doch der Schmerz eines „Ichs“ unerträglich, weil [ich mich] an ein „Ich“ klammere.

(93) Auch wenn der Schmerz der anderen mir nicht widerfährt, so ist doch der Schmerz eines „Ichs“ (auch) schwer zu ertragen, weil [sie sich] an ein „Ich“ klammern.

(94) So ist der Schmerz der anderen etwas, das von mir beseitigt werden muss, einfach weil er seiner (Natur nach) Schmerz ist, wie der Schmerz eines „Ichs“; und ebenso muss ich anderen Lebewesen einfach deshalb helfen, weil sie ihrer (Natur nach) begrenzten Wesen sind, wie der Körper eines „Ichs“.

(95) Wenn Glück etwas ist, das sowohl von mir als auch von anderen gleichermaßen geliebt wird, was ist dann so besonders an mir, dass ich nur für mich allein nach Glück strebe?

(96) Und wenn das Leiden etwas ist, das von mir und anderen gleichermaßen abgelehnt wird, was ist dann so besonders an mir, dass ich mich nur um mich selbst und nicht um andere kümmere?

(97) Wenn ich sie nicht beschütze, weil ihr Leiden mir nicht schadet, warum schütze ich mich dann vor zukünftigen Leiden (in anderen Leben), wenn sie mir (jetzt) nicht schaden?

(98) Die Auffassung ist verzerrt, bei der ich [Folgendes] denke: „Aber ich bin [doch] derjenige, der [die Leiden] erleben wird“, denn es ist jemand anderes, der gestorben ist und wieder jemand anderes, der geboren wird.

(99) Wenn der Schmerz, den jemand erlitten hat, von diesem selbst versorgt werden muss, warum sollte dann, da das Leiden des Fußes nicht das Leiden der Hand ist, er von ihr behandelt werden?

(100) Wenn es der Fall ist, dass (Ignorieren) unlogisch wäre, [denn] hier wird es aus einem Gefühl eines (ganzen) Selbst heraus unternommen; nun gut: dann sollte ich [auch] etwas, das sicherlich in Bezug auf (das Ganze, das) von mir selbst und anderen (gebildet wird) unlogisch ist, so stark wie ich nur kann verwerfen. 

(101) Was „ein Kontinuum“ und „eine Gruppe“ genannt wird, wie z.B. ein Rosenkranz, eine Armee und dergleichen, sind nicht wirklich (ein auffindbares Ganzes), und da es keinen Besitzer des Leidens gibt, in wessen Verantwortung liegt es dann (als „mein“)?

(102) In ihrem Sein ohne einen Besitzer fehlt allen Leiden ein Unterscheidungsmerkmal: Daher müssen die (Leiden einfach) deshalb, weil sie Leiden sind, verhindert werden. Warum werden hier starre (Grenzen) gezogen?

(103) „Aber warum soll das Leiden eines jeden verhindert werden?“ Nun, es ist unbestreitbar: Wenn (das Leiden irgendeines [Wesens]) abgewendet werden soll, dann muss das [Leiden] aller abgewendet werden; wenn das nicht geschieht, (dann gilt) das auch für mich, so wie für (jedes andere) begrenzte Wesen. 

(104) „Aber durch Mitgefühl gibt es so viel Leiden, warum sollte ich es dann mit (solch großer) Anstrengung entwickeln?“ Nun, nachdem ich über die Leiden der wandernden Wesen nachgedacht habe, wie könnte ich da das Leiden, das durch Mitgefühl [entsteht] als groß [bezeichnen]?

(105) Wenn das Leiden vieler durch das Leiden eines [Menschen] verschwindet, dann ist diese [Form von] Leiden etwas, das jemand mit liebevollem Mitgefühl hervorbringen würde, und zwar sowohl um seiner selbst willen als auch zum Nutzen anderer. 

(106) So hat Supushpa-Chandra, [die schöne Mondblume,] obwohl er um die Strafe wusste, die er vom König (erhalten würde), es nicht vermieden, Leiden auf sich zu nehmen, um so das Leiden vieler anderer zu verhindern.

(107) Diejenigen, deren geistigen Kontinua sich derart vertraut gemacht haben, und denen es (gleichermaßen) am Herzen liegt, die Leiden anderer zu bezwingen, tauchen sogar in (einen freudlosen Bereich) voller unerbittlicher Schmerzen hinein wie ein Schwan in einen Lotus-Teich.

(108) Und wenn die begrenzte Wesen dann befreit sind, empfinden sie Ozeane der Freude: Das sind diejenigen, (die echte Erfüllung gefunden haben). Wäre das nicht ausreichend? Warum dann noch den Wunsch nach (fader) Befreiung hegen?

(109) Obwohl man also in dieser Weise zum Wohle anderer arbeitet, gibt es keine Überheblichkeit; es gibt kein Erstaunen; es gibt [auch] kein Hoffen auf eine gereifte Wirkung (für sich selbst) wenn man sich ausschließlich danach sehnt, was anderen nützt. 

(110) So wie ich mich selbst davor schütze, auch nur im geringsten Umfang erniedrigt zu werden, werde ich mich daher auch gegenüber anderen mit einem schützenden Geist und einem Geist des Mitgefühls verhalten.

(111) So wie es aus Gewohnheit ein Verständnis von einem „Ich“ in Bezug auf die Samen- und Bluttropfen anderer gibt, obwohl es nicht als „Ding“ existiert,

(112) warum könnte ich dann nicht auch einen Körper, der jemand anderem gehört, als „mich“ annehmen? (Es ist schließlich auch) nicht schwierig, mit der Andersartigkeit meines Körpers zu leben. 

(113) (So,) nachdem ich verstanden habe, wie fehlerhaft es ist, sich nur um sich selbst (zu kümmern) und welche Ozeane von Vorteilen es hat, (sich um das Wohl) anderer (zu kümmern), werde ich darüber meditieren, wie ich meine Art, ein „Ich“ anzunehmen, aufgeben und auf andere ausweiten kann. 

(114) So wie die Hand und so weiter ihrem Wesen nach deshalb geliebt werden, weil es sich um die Gliedmaßen des [eigenen] Körpers handelt, warum können Lebewesen, die einen Körper haben, nicht auf gleiche Weise deshalb geliebt werden, weil sie Glieder der [in Samsara] wandernden Lebewesen sind?

(115) So wie aus Gewohnheit eine Haltung von „Ich“ gegenüber diesem (meinen) Körper entstanden ist, obwohl ihm ein „Ich“ fehlte, warum könnte dann nicht auch gegenüber anderen begrenzten Wesen ebenso aus Gewohnheit eine Haltung von „Ich“ entstehen?

(116) Obwohl man also in dieser Weise zum Wohle anderer arbeitet, gibt es weder Verwunderung noch Überheblichkeit; genauso wie man auch nicht auf eine Belohnung hofft, wenn man sich selbst mit Nahrung versorgt.

(117) So wie ich mich daher selbst davor schütze, auch nur im geringsten Maße erniedrigt zu werden, werde ich mich gleichermaßen darin schulen, gegenüber allen wandernden Wesen einen schützenden Geist und eine Haltung des Mitgefühls zu entfalten.

(118) Deshalb hat der Wächter Avalokiteshvara aus großem Mitgefühl sogar (die Kraft) seines eigenen Namens gestärkt, um die Ängste der wandernden Wesen (wie Schüchternheit) vor einem Publikum zu zerstreuen.

(119) Daher werde ich mich nicht von dem abwenden, was schwierig zu tun ist, denn durch die Kraft der Vertrautheit kann es geschehen, dass genau jene Person, deren Namen ich schon zu hören fürchtete, zu jemandem (werden kann), ohne den ich keine Freude erleben kann.

(120) Wer also sich selbst und anderen schnell eine sichere Ausrichtung im Leben geben möchte, muss das heiligste Geheimnis praktizieren: den Austausch des Selbst mit anderen.

(121) Durch die klebrige Anhaftung an diesen Körper als ein „Ich“, entstehen schon bei geringer Gefahr große Ängste. Wer würde also einen solchen Körper (als ein „Ich“) nicht wie einen furchterregenden Feind zurückweisen? 

(122) (Dieser) Körper, der – angetrieben von dem Wunsch, Leiden wie Hunger, Durst und dergleichen zu überwinden, – Geflügel, Fische und Hirsche tötet, und der sich auf der Straße im Hinterhalt versteckt (um andere auszurauben),

(123) und der aus Profitgier und dem Wunsch respektiert zu werden, sogar seinen Vater und seine Mutter ermorden würde, und nachdem er den Besitz der Drei Juwelen gestohlen hätte, in (einem freudlosen Bereich) unerbittlichen Schmerzes brennen würde –

(124) welcher weise Mensch würde einen solchen Körper (als ein „Ich“) begehren, beschützen und verehren? Wer würde diesen [Körper als ein Selbst] nicht als einen Feind ansehen und ihn nicht verachten?

(125) „Wenn ich [anderen etwas] geben würde, was bliebe mir dann noch zum Genießen?“ Solch ein Denken an meinen eigenen Nutzen entspricht der Verhaltensweise von Hungergeistern. „Wenn ich es selbst genießen würde, was könnte ich dann noch geben?“ Ein solches Denken an den Nutzen anderer ist eine Eigenschaft der Göttlichen.

(126) Wenn ich andere für meine eigennützigen Ziele quäle, werde ich in freudlosen Bereichen und dergleichen gepeinigt werden; aber wenn ich zum Wohle anderer Schmerzen erleide, werde ich alle Herrlichkeiten erlangen. 

(127) Durch den Wunsch, dass nur ich selbst vorankomme möge, entstehen schlechte Wiedergeburtszustände, niedriger Status und Dummheit; aber die Übertragung dieses Wunsches auf andere, sorgt für eine bessere Wiedergeburt, für Ehre (und Intelligenz).

(128) Wenn ich andere herumkommandiere, um meine eigenen Ziele zu erreichen, werde ich [zu einem späteren Zeitpunkt] erleben, ein Diener oder etwas Schlimmeres zu sein; aber wenn ich mir selbst Anweisungen gebe, damit andere ihre Ziele erreichen, werde ich [zu einem späteren Zeitpunkt], ein Herrscher oder etwas Besseres sein. 

(129) Alle, die auf der Welt glücklich sind, sind dies durch den Wunsch nach dem Glück der anderen; während all jene, die auf der Welt unglücklich sind, dies durch den Wunsch nach dem eigenen Glück sind.

(130) Aber warum sollte dieser Punkt noch näher ausgeführt werden? Betrachte einfach den Unterschied zwischen diesen beiden Menschen: Ein kindischer Mensch, der lediglich im eigenen Interesse handelt, und der Weise (Buddha), der zum Wohle anderer handelt.

(131) Für diejenigen, die ihr Glück nicht gegen die Leiden anderer getauscht haben, wird die Buddhaschaft unmöglich zu erreichen sein; und sie werden noch nicht mal in Samsara Glück finden.

(132) Lassen wir das Jenseits mal beiseite: Noch nicht einmal die Ziele dieses sichtbaren Lebens werden erfüllt werden, wenn ein bezahlter Diener seine Arbeit nicht verrichtet und ein Meister seinen Lohn nicht bezahlt.

(133) Indem sie aufhören, sich (gegenseitig) glücklich zu machen – ein [einzigartiges] Fest des vortrefflichen Glücks in (diesem) sichtbarem (Leben) und in unsichtbaren (jenseitigen Leben) – wählen verwirrte Menschen stattdessen unerträgliche Leiden, indem sie einander Leid zufügen.

(134) Welche Gewalt es auch immer in der Welt gibt, und so viel Angst und Leid wie es gibt, all das entsteht aus dem Greifen nach einem Selbst: Was nützt mir dann also dieser schreckliche Dämon?

(135) Wenn ich ein (solches) Selbst nicht vollständig fallen lasse, werde ich meine Leiden nicht loswerden; genauso wie ich es nicht vermeiden kann, verbrannt zu werden, wenn ich ein [brennendes] Feuer-[Holz] nicht vollständig loslasse. 

(136) Um meine eigenen Leiden zu überwinden und auch die Leiden anderer zu bezwingen, werde ich mich daher anderen hingeben und (andere genauso) wie mich selbst betrachten.

(137) Entscheide dich mit Bestimmtheit, mein Geist: „Ich unterstehe der Verfügungsgewalt anderer.“ Abgesehen vom Wohlergehen aller begrenzten Wesen, wirst du jetzt keine anderen Absichten mehr verfolgen.

(138) Es ist unangebracht, dass diese Augen und die anderen [Sinnesorgane], über die nun andere herrschen, jetzt eigennützige Ziele (betrachten); es ist auch unangebracht, dass diese (Hände), Augen und so weiter, (die ich ihnen übergeben habe, nun) herumtrödeln.

(139) Indem du die begrenzten Wesen (aufgrund dieser Ansicht) als deinen Vorgesetzten annimmst, raube mir, was auch immer du auf meinem Körper siehst, jedes einzelne [dieser Körperteile] und verwende es zum Wohle anderer.

(140) Indem du in Bezug auf niedere Lebewesen und so weiter (das Gefühl von) einem „Ich“ erzeugst und in Bezug auf dich selbst das (Gefühl von) „andere“, meditiere über Neid, Rivalität und Arroganz, mit einem Geist frei von vorurteilsbehafteten Gedanken:

(141) „Diesem Menschen wird Respekt entgegengebracht, mir aber nicht; ich habe keinen Reichtum wie dieser es hat. Dieser wird gelobt, aber ich werde herabgesetzt; dieser erfährt Glück, aber ich erlebe nur Leiden.“

(142) „Ich mache die ganze Arbeit, während dieser (ein Leben in) Muße lebt. Dieser ist in der Welt als überragend bekannt, während man [über] mich [sagt, ich sei] minderwertig [und] ohne gute Eigenschaften.“

(143) „Aber wie könnte (irgendeine Arbeit) von jemandem erledigt werden, der keine guten Qualitäten besitzt? Daher [lässt sich sagen, dass] wir alle gute Eigenschaften besitzen! (Und schließlich) gibt es diejenigen, [verglichen mit] denen dieser unterlegen ist, und es gibt diejenigen, [verglichen mit] denen ich tatsächlich überlegen bin.“

(144) „Dinge wie die Abnahme meiner ethischen Disziplin und meiner Ansichten sind auf störende Emotionen zurückzuführen und nicht darauf, dass sie unter meiner Kontrolle stehen. Ich muss nach seinem bestem Wissen und Gewissen geheilt werden: Dafür nehme ich sogar gerne die (hierfür notwendigen) Beschwerlichkeiten auf mich.“

(145) „[Nicht genug], dass er mich nicht behandelt wie jemanden, der geheilt werden muss, warum schaut er [auch noch] auf mich herab? Was nützen mir seine guten Eigenschaften, wenn er das „Ich“ ist, das über guten Eigenschaften verfügt?“

(146) „Ohne Mitgefühl für wandernde Wesen, die in den Klauen der fleischfressenden Bestie der allerschlimmsten Wiedergeburtszustände gefangen sind, und (stattdessen) mit Arroganz gegenüber allen anderen ausgestattet, weil er von seinen eigenen guten Qualitäten [so ungemein überzeugt ist], will er sogar die qualifizierten Meister übertreffen!“

(147) „Wenn er mich auf gleicher Ebene (mit sich selbst) wahrnehmen würde, würde er (darum kämpfen), den Besitz und Respekt zu erlangen, den ich habe – auch mit umstrittenen Mitteln, um seine eigene Führung in irgendeiner Weise zu vergrößern.“

(148) „Aber wenn sich meine eigenen guten Eigenschaften auf der ganzen Welt zeigen würden, dann würden im Gegensatz dazu alle guten Eigenschaften, die dieser eine besitzen könnte, von niemandem wahrgenommen werden.“

(149) „Und wenn meine eigenen Mängel verheimlicht würden, dann würden mir und nicht ihm Gaben dargebracht werden. Heute würde ich Reichtümer erlangen, und daher würden mir Ehrungen zuteilwerden, und nicht diesem.“

(150) „Und wir würden (alle) mit Freude dabei zusehen, wie dieser eine endlich als inkompetent abgeschrieben werden würde, als Witzfigur aller wandernden Wesen, die überall geschmäht wird.“

(151) „(Ferner) hat sich herausgestellt, dass dieses verblendete (elende) Wesen sogar (neidisch) im Wettbewerb mit mir steht. Aber wie könnte er mir an Gelehrtheit, Intelligenz, Körperbau, Klasse oder Reichtum gleichwertig sein?“

(152) „Da dem so ist und meine eigenen guten Eigenschaften überall verkündet werden, genieße ich ein Fest der Freude, so glückselig-machend, dass sich die Haare auf meinem Körper aufrichten.“

(153) „Auch wenn dieser eine irgendwie zu Besitz gekommen ist, wenn er für uns arbeitet, so soll ihm lediglich genug zum Leben bleiben; seine verbleibenden [Reichtümer] nehmen wir uns dann mit Gewalt.“

(154) „Dieser soll aus seinem (untätigen) Zustand der Behaglichkeit getrieben und stets mit den Leiden in Verbindung gebracht werden, die wir durch ihn erlebt haben. Durch ihn haben wir hunderte Male überall im wiederkehrenden Samsara Leid erlebt.“

(155) Oh mein Geist, unzählige Äonen sind vergangen, während du besessen deine eigennützigen Ziele verfolgt hast; doch trotz all deiner großen Anstrengungen sind daraus nur Leiden entstanden.

(156) Bitte bemühe dich (nun) mit Bestimmtheit zum Wohle anderer; den Nutzen [deiner Bemühungen] wirst du in der Zukunft erfahren, da die Worte des Weisen niemals falsch sind.

(157) Wenn du diese Maßnahme schon früher ergriffen hättest, dann wäre nie eine Situation wie die [jetzige] eingetreten, in der du (stattdessen) den glückseligen Erfolg eines Buddha nicht erlangt hast. 

(158) So wie du das Gefühl für ein „Ich“ mit den Tropfen von Sperma und Blut[-Eizellen] anderer [der Eltern] verbunden hast, so mache es dir ebenfalls zur Gewohnheit, das [„Ich“] auch [mit den Tropfen von Sperma und Blut] von anderen [Lebewesen] zu verbinden. 

(159) Nachdem du für andere zu einem Späher geworden bist, raube alles, was du auch immer an meinem Körper findest und verwende es zum Wohle anderer.

(160) „Dieses „Ich“ ist glücklich, die anderen sind unglücklich; dieses „Ich“ ist vornehm, die anderen sind niedrig gestellt; dieses „Ich“ tut das, was zum (eigenen) Vorteil ist, andere tun das nicht“; wenn du (in dieser Weise) denkst, warum bist du dann nicht auf dich selber neidisch?

(161) Beraube dich also deines Glücks und nimm die Leiden anderer auf dich. Untersuche, was der Fehler bei diesem „Ich“ ist, indem du fragst: „Wann tut dieser eine irgendetwas (für andere)?“

(162) Jeden Fehler, den andere möglicherweise machen, verwandle ihn (indem du ihn) als einen Fehler deines „Ichs“ (betrachtest); aber alle Fehler die dieses „Ich“ [vielleicht] macht, selbst die kleinen, räume sie gegenüber vielen anderen Menschen ein. 

(163) Indem du sagst, dass das Ansehen anderer größer ist, lass es das Ansehen dieses „Ichs“ überstrahlen; und gleich dem niedrigsten Diener soll dieses „Ich“ zum Wohle anderer wirken.

(164) Lobe dieses von Natur aus fehlerbehaftete [Selbst] nicht für ein paar (kleine), vorübergehende gute Eigenschaften; handle (vielmehr) so, dass niemand jemals auf irgendeine Weise von irgendwelchen deiner guten Eigenschaften erfährt. 

(165) Kurz gesagt, möge jegliches Leid, das du anderen aus Eigennutz angetan hast, dir selbst (in gleichem Umfang) zum Wohle anderer Lebewesen widerfahren. 

(166) Verstärke dieses [„Ich“] nicht, so dass es übermütig wird; (stattdessen) soll es sich wie eine frisch verheiratete Braut verhalten, schamhaft, schüchtern und zurückhaltend.

(167) „Mach das! Bleib so! Benimm dich nie wieder so!“ – In dieser Weise muss er unter Kontrolle gebracht und niedergerungen werden, wenn er [die Regeln] jemals überschreitet.

(168) Aber wenn du nicht so handelst, mein Geist, wie ich dich angewiesen habe, dann werde ich dich niederringen, da alles Üble von dir ausgeht. 

(169) Die Zeiten, als ich von dir ins Verderben gestürzt wurde, sind vorbei. Aber (jetzt) erkenne ich dich genau; wohin kannst du dich nun noch flüchten? Ich werde dir deine ganze Arroganz austreiben.

(170) Gib jetzt alle Hoffnung auf, wie: „Ich habe doch noch meine eigenen Interessen.“ Ich habe dich an andere verkauft, also denk nicht an deine Müdigkeit; ich habe (anderen) deine Lebenskraft angeboten. 

(171) Wenn ich dich aus Achtlosigkeit nicht den begrenzten Wesen übergebe, dann wirst du mich sicher den Wächtern der freudlosen Bereiche überantworten.

(172) Ich wurde von dir so oft an [die Höllenwärter] ausgeliefert und lange gequält; aber jetzt, da ich mich an diese Feindseligkeit erinnere, werde ich dich zerschlagen, du Geschöpf des Eigeninteresses.

(173) Wenn du Glück für dich selbst erreichen willst, arbeite nicht für dein [eigenes] Glück; wenn du Schutz für dich selbst erwirken willst, beschütze stets andere.

(174) In dem Maße, wie du diesen Körper verwöhnst, in dem Maße verfällt er immer mehr und wird immer empfindlicher. 

(175) Und wenn dieser [Körper] so degeneriert ist, hat nicht einmal die gesamte (mit allen Reichtümern ausgestattete) Erde die Fähigkeit, seine Sehnsüchte zu erfüllen; wer wird also in der Lage sein, seine Wünsche zu erfüllen?

(176) Bei jemanden, der das Unmögliche begehrt, entwickeln sich störende Emotionen und alle Hoffnungen werden zerstört; aber jemand, der keinerlei Hoffnungen für irgendetwas hegt, erlebt nie endende Erfüllung. 

(177) Lass daher keine Möglichkeit offen, dass das Begehren nach einem Körper verstärkt wird. Das Objekt, das nicht genommen wird, weil es begehrenswert ist, ist das beste.

(178) Er endet am Ende als Asche, und da er unbeweglich ist (selbst wenn er lebendig ist), wird er durch etwas anderes in Bewegung gesetzt – diese schmutzige Form ist (wirklich) grässlich. Warum ihn als „meins“ begreifen?

(179) Ob [mein Körper nun] lebendig oder tot ist, was nützt mir dieser Apparat? Wie unterscheidet er sich von einem Tonklumpen oder Ähnlichem? Aber, oh weh, du baust deinen Stolz nicht ab, (dich mit deinem Körper zu identifizieren)!

(180) Wenn man [in Bezug auf] diesen Körper parteiisch ist, sammelt man unnötigerweise Leiden an; was nützt es also, dieses Ding, das einem Holzklotz ähnelt, zu umschmeicheln oder darauf wütend zu sein?

(181) Ob [der Körper] von mir auf diese Weise genährt wird oder von Geiern und dergleichen verschlungen, er zeigt weder klebrige Anhaftung noch empfindet er Wut, also warum habe ich eine solch klebrige Anhaftung an [meinen Körper]?

(182) Weder wird er wütend, weil er herabgesetzt wird, noch erfreut er sich, weil er gelobt wird – wenn er keinen dieser beiden [Zustände] kennt, für wen verausgabe ich mich dann?

(183) „Aber diejenigen, die diesen Körper begehren und ich sind Freunde.“ Nun, da jeder seinen eigenen Körper begehrt, warum schätze ich die [Körper] der anderen dann nicht ebenso [wie meinen eigenen]?

(184) Somit stelle ich diesen Körper ohne Parteilichkeit dem Wohle der wandernden Wesen zur Verfügung. Obwohl er viele Macken hat, muss er nichtsdestotrotz wie ein Werkzeug, das eine Arbeit zu verrichten hat, betrachtet werden. 

(185) Daher ist jetzt Schluss damit, sich wie ein kleines Kind zu benehmen; ich trete nun in die Fußstapfen der Weisen! Indem ich mir die Unterweisungen vergegenwärtige, wie man sich um seine [eigene Bodhicitta-Ausrichtung] kümmert, werde ich meine Schläfrigkeit und Konfusion überwinden.

(186) Wie der mitfühlende Nachkomme des Triumphreichen, werde ich mich mit Disziplin in angemessenem Verhalten üben; denn wenn ich mich nicht ständig bemühe, Tag und Nacht, wann wird mein Leiden dann jemals ein Ende finden? 

(187) Deshalb werde ich meinen Geist von verzerrten Denkweisen zurückziehen und ihn kontinuierlich in vertiefter Konzentration auf ein vollkommenes Objekt ausrichten, um seine Verdunkelungen zu überwinden.

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