Eine kostbare Girlande für die vier Themen (des Gampopa)

Prolog 

Auf Sanskrit heißt (dieser Text) „Dharma-chatur-ratna-mala“. Auf Tibetisch heißt er „Chos-bzhi rin-po-che’i ‘phreng-ba“. Auf English heißt der Text „A Precious Garland for the Four Themes (of Gampopa)“ und auf Deutsch „Eine kostbare Girlande für die vier Themen (des Gampopa)“.

Ich werfe mich vor all den Buddhas und Bodhisattvas nieder.

1) Mit einer Krone des hundertfachen Glaubens in das, was Tatsache ist, bringe ich dir Opfergaben dar, oh Sonnen (-gleiche) zur Glückseligkeit gelangte (Buddhas). In der Sphäre des Raumes deines natürlich (verweilenden) Dharmakaya (ein alles umfassender Körper), breitet sich die Mandala-Scheibe deines Körpers der Formen, welcher die fünf Gewissheiten besitzt, aus und hat zur Folge, dass der Lotus (-Geist) der Schüler durch die Sonnenstrahlen deiner erleuchtenden Handlungen erblüht.

2) Der kühle Schatten des kostbaren wunscherfüllenden Baumes der Wege des Dharmas des Triumphreichen bietet Schutz vor den Qualen der zwanghaften (samsarischen) Existenz und dem selbstzufriedenen (Nirvana. Daher,) werde ich Schritt für Schritt den riesigen Baum der guten Qualitäten der vier Aspekte (des Dharmas) erläutern, als ein Weg für alle Wesen, die an Tatsachen glauben, (in seinen Schatten) zu treten. Höre gut zu.

1) Den Geist dazu bewegen, sich dem Dharma zuzuwenden 

Die kostbare menschliche Wiedergeburt

3) Jeder, der sich wünscht, den grenzenlosen Ozean der sich wiederholenden samsarischen Existenz zu überqueren, muss zuerst daran denken, sich genau jetzt, noch in dieser Lebenszeit, gänzlich zu bemühen, das beruhigende und glückselige Gewahrsein zu erlangen, das das Phänomen der Befreiung ist.

4) Zu (dieser) Zeit, wenn du das Schiff eines (menschlichen) Körpers, mit seinen Ruhepausen und Bereicherungen, erlangt hast, die schwer zu finden sind und leicht verloren gehen, wirst du dich, wenn du dich nicht selbst anstrengst, niemals aus dem Ozean der zwanghafte Existenz befreien oder die Kontinuität, zahlreiche und verschiedene (Arten von) Leiden zu besitzen, unterbrechen.

5) Du wirst von diesem unerträglichen, furchteinflößenden riesigen Ozean (des Samsara) hin und her geworfen werden, in dem ein Ende der gegenwärtigen Geburt und des Todes nicht absehbar sind, sich die Schaumkronen von Krankheit und Alter überall verdichten, und die Fluten störender Emotionen überallhin verteilen, bis hin zu den am weitesten entfernten von den am höchsten gelegenen Bereichen zwanghafte Existenz.

6) (Aber) jeder, der die (Dharma-Unterweisungen) hört, wird in der Lage sein, das Kontinuum von Geburt und Tod zu unterbrechen und wird niemals mehr vom äußerst erhabenen glückseligen Gewahrsein getrennt sein. Bemühe dich (daher) mit diesem ausgezeichneten und kostbaren Schiff (einem voll ausgestatteten menschlichen Körper) im überragenden Dharma, (der ein) Sich-Beruhigen mit sich bringt, um die Wasserquellen störender Emotionen der drei Existenzebenen zu überqueren.

7) Wenn du zu dieser Zeit nicht praktiziert hast, um einen gereinigten Zustand mit einem Pfadgeist, der zur Erleuchtung (führt), zu verwirklichen, wirst du in Zukunft nicht einmal den Begriff „glückliche Wiedergeburt“ hören, und über endlose unglückliche Wiedergeburten hindurch, eine nach der anderen, wird es dir an Methoden mangeln, dich selbst davon zu befreien, ewig in der unkontrollierbaren, sich wiederholenden samsarischen Existenz zu verweilen.

8) Leute mit Vernunft, übt euch deshalb jetzt darin, da ihr einen menschlichen Körper mit Ruhepausen und Bereicherungen erlangt habt, (einen Zustand von) Nützlichkeit und Glückseligkeit zu erlangen, praktiziert mit großem Bemühen aus eurem Herzen heraus und erfüllt dadurch sowohl eure eigenen Ziele, als auch die Ziele anderer.

Tod und Vergänglichkeit

9) Selbst wenn du Ruhepausen und Bereicherungen erlangt hast, gibt es niemals irgendeine geistige Sicherheit. Da alle Dinge instabile, sich fortwährend verändernde, essenzlose, augenblickliche, nichtstatische, zerfallende Phänomene sind, bewege in deinem Herzen: „Schon bald werde ich sterben, ganz plötzlich.“

10) Ebenso verhält es sich mit der vergänglichen Welt deiner Umgebung. Zur Zeit ihres Zerfalls durch die sieben Feuer, die eine Flut oder den Wind, wird alles leer werden, ohne dass auch nur der Überrest einer Haarspitze zurückbleibt: Es wird dann nur noch den Raum geben.

11) Seine Bewohner, nichtstatische, umherwandernden Wesen, werden sich immer weiter bewegen. Ganz unabhängig davon, wie viele begrenzte Wesen es geben mag göttliche Wesen, die vermeintlichen Götter, Menschen, Tiere, Klammergeister, Wesen aus den freudlosen Bereichen wenn ihre Zeit abgelaufen ist, müssen sie in die Wasser von Tod, Übergang und Wiedergeburt springen.

12) Jahre, Monate, Tage, Jahreszeiten und Augenblicke sind vergänglich, zerbröckeln und wandern weiter. So wie du Traurigkeit über den Wandel der vier Jahreszeiten empfindest, denke darüber nach, wie auch deine eigene Lebenszeit vergänglich sein wird.

13) Es gibt keinen geistige Sicherheit: Schon sehr bald werden dein Körper und deine Lebenskraft sich (voneinander) scheiden. (Daher) denke von heute an mit Gewissheit darüber nach: „Es ist ungewiss, was zuerst erscheinen wird, der morgige Tag oder die Zeit wenn mein Leben zu Ende gegangen sein wird.“

Die Unzulänglichkeiten von Samsara

14) Die Leiden der Wiedergeburt sind erschreckender als die des Todes. Es gibt nirgends irgendeine Art von Glück, ganz egal wo du wieder geboren werden würdest, da die funktionelle Natur des sich wiederholenden Samsara einem Feuerschacht gleicht. (Daher) suche nach einer Methode, um dich eben jetzt zu befreien.

15) Die Wesen aus den freudlosen Bereichen leiden unter Hitze und Kälte, die Klammergeister leiden an Hunger und Durst, und die sich gegenseitig verschlingenden Tiere leiden unter Dummheit und sind wirrköpfig. Die Menschen werden durch die drei und die acht Fehler gequält, die vermeintlichen Götter indem sie kämpfen und streiten, und die göttlichen Wesen werden durch Tod, Übertragung und Fallen (in niederer Bereiche) gequält.

16) Das Glück (der göttlichen Wesen) verwandelt sich möglicherweise in Kummer und ihr gefühlsbezogenes Leiden tritt hervor. Nachdem ihre Leben von den Vergnügungen, die mit den göttlichen Bereichen verbunden sind, übertragen wird, gelangen sie möglicherweise nochmals in die Feuer eines freudlosen Bereichs. Nachdem du so darüber nachgedacht hast, arbeite daran, über die zwanghafte Existenz hinauszugehen.

17) Die Erscheinungen dieses Lebens sind wie ein Traum, so als wärest du dabei aufzuwachen. Sie sind veränderlich und vergänglich. Da du weitergehen musst, nachdem du sie hinter dir gelassen hast, was können Gefolge, Reichtum und dergleichen da noch für dich tun? Bemühe dich jetzt im Dharma!

Einen still gewordenen und zur Ruhe gekommenen Geisteszustand von Shamatha entwickeln

18) Begehren ist wie Gift, wie Waffen oder wie Feuer. (Durch das Begehren) gequält, gibt es niemals die Möglichkeit, Glück zu erlangen. Es gibt Leiden, dass durch Anhäufen, Beschützen und Vermehren (der Dinge entsteht, die du begehrest und infolgedessen) wirst du stets durch Arroganz, Gier und Geizigkeit gefesselt sein. Indem du dich mit jedem streitest, wachsen die Befleckungen durch deine störenden Emotionen an. Du erlebst geistige Abschweifung durch geschäftige Arbeit und sie bedroht deinen Körper und dein Leben.

19) Dass eure Ziele und Aktivitäten zu zahlreich und so widersprüchlich zum Dharma sind, wurde von den hochverwirklichten Aryas stets verachtet. (Aber) für diejenigen, die nur wenige Begierden haben, wachsen die konstruktiven (Aktivitäten und Qualitäten) automatisch an. Daher verringert euer Begehren und pflegt die Zufriedenheit durch einen still gewordenen Geist, ihr, (die ihr) den Pfadgeist, der zur Befreiung (führt), betreten wollt.

20) Es wird gesagt, wenn du dein Begehren zum Erliegen gebracht hast, bist du wirklich ein Arya; und wenn du nur wenig Begehren hast, bist du von der Arya-Art. Ebenso wie sich Leiden und störende Emotionen bei jenen vermehren, die voller Begehren sind, so wird sich das Konstruktive bei jenen natürlicherweise vermehren, die nur wenig Begehren haben. Indem du den Fußspuren der heiligen Wesen der Vergangenheit folgst, sei daher stets zufrieden und verringere deine Besitztümer bis auf wenige.

21) Die Fehler, sich mit Menschen zu verbinden, sind in der Tat grenzenlos. Es gibt viel zu viele unnütze Ablenkungen und Aktivitäten. Ärger, Auseinandersetzungen und Kämpfe vermehren sich, und Anziehung und Widerwillen entstehen. Stets steckst du dich mit Leiden an und das ist sinnlos.

22) Ganz egal, was du getan hast, es wird niemals die Zeit kommen, in der du (andere) zufrieden stellen kannst. Ganz egal, wie sehr du dich bemühst, ihnen (den Dharma) beizubringen, die Chancen (ihnen) zu nützen, sind gering. Ebenso, wenn du (ihnen) zuhörst, so ist es doch niemals der ausgezeichnete Dharma. Selbst wenn du (ihnen) als Freund nahe bist, letzten Endes werdet ihr euch trennen müssen.

23) Befreie dich daher vollständig von abhängigen nahen Beziehungen zu Anhängern, Freunden oder Verwandten, und bemühe dich von heute an entschlossen, den heiligen Dharma in Abgeschiedenheit allein zu üben.

24) Die höchsten heiligen Wesen der Vergangenheit haben gesagt, dass sie im Leben der Abgeschiedenheit den Nektar (der Dharma-Erfahrung) gefunden haben. Daher (entschließe ich mich dazu), dass auch ich allein in der Abgeschiedenheit des Waldes leben werde, um den Zustand des Still-Gewordenseins zu verwirklichen.

25) Das Leben in der Abgeschiedenheit wurde von den Triumphreichen (Buddhas) gerühmt. Ohne ungebärdige Menschen (um dich herum) wirst du die vertiefte Konzentration auf Tiefgründiges vertiefen. Ganz natürlicherweise wirst du den Dharma üben und ernsthafte Gedanken über Vergänglichkeit entwickeln. Materielle Besitztümer wirst du beiseite legen und keine geschäftige Arbeit und keine Ablenkungen haben.

26) Deine reichhaltigen Schätze des Glaubens an Tatsachen, der Entsagung und der guten Qualitäten vermehren sich, und weil du keine nahen Beziehungen pflegst, werden sich deine Aktivitäten automatisch verringern. Ohne dich um die acht vergänglichen Dinge im Leben (zu kümmern), oder den Geist anderer fortwährend (glücklich) zu machen oder dein Gesicht zu wahren, verbringe daher deine Tage und Nächte mit dem Dharma in der Glückseligkeit, die damit einhergeht, sich selbst zu beherrschen.

27) Um deinen Ruhepausen und Bereicherungen Sinn zu geben und um die Essenz deiner Errungenschaften (dieser) zu erhalten da Worte diese und weitere Vorzüge nicht umfassen können, übe dich dein ganzes Leben lang in vertiefter Konzentration über den tiefgründigen (Dharma), alleine, mitten in einem vollständig abgeschiedenen Wald.

28) Möge der kühlende Regen des Dharmas, wohl gesprochen wie dieser, nachdem er (alle) störenden Emotionen und quälenden konzeptuellen Gedanken zur Ruhe gebracht hat, den Teich mit Lotusblumen anfüllen, welche konstruktive Mengen vertiefter Konzentration sind, und (so) die Verzierung eines zur Ruhe gekommenen Zustandes verbreiten.

Das (beendet) das erste Kapitel „Den Geist dazu bewegen, sich dem Dharma zuzuwenden“ des Textes „Eine kostbare Girlande für die vier Themen (des Gampopa)“.

2) Bewirken, dass der Dharma als Pfadgeist (in dich) eindringt 

Die Notwendigkeit den Dharma als Pfadgeist (in dir) zu verinnerlichen

29) Jene von euch, die sich einen Pfadgeist [1] , (der) zur Erleuchtung (führt), wünschen: pflegt (die Aktivität), den Dharma als Pfadgeist zu verinnerlichen, damit euer Geist vollständig gezähmt wird, nun, da ihr euch durch den Glauben an Tatsachen mit dem höchsten, ganzvollen, heiligen Dharma in dieser Weise befasst.

30) Es gibt jene, die sich so mit den Lehren der Triumphreichen (Buddhas) befasst haben und (den Pfad) des Hörens, Nachdenkens und (darüber) Meditierens betreten haben. Einige haben (ihre störenden Emotionen) jedoch noch nicht zur Ruhe gebracht: Ihre geistigen Kontinua sind übel dran. Einige von ihnen befassen sich mit verdrehten Ebenen von Pfadgeist oder mit niederen, oder mit Formen von Pfadgeist, die sie in die Irre führen.

31) (Einige haben) großes Verlangen und große Begierde, und (einige sind) durch (Sorgen über) dieses Leben und dergleichen abgelenkt. All diese Fehler, die dem Dharma widersprechen, kommen dadurch zustande, dass sie den Dharma nicht als einen Pfadgeist verinnerlicht haben. Die Fehler, die daraus in diesem und in zukünftigen (Leben entstehen) sind grenzenlos.

32) Wer auch immer durch (solche) Täuschungen genarrt wird, wird zur Zeit des Todes von Bedauern (erfüllt sein), wird im Zwischenzustand des Bardos Angst und Schrecken (erleben), wird in Zukunft zu übleren Wiedergeburts-Zuständen gelangen und nicht die Gelegenheit haben, sich für immer aus der zwanghaften Existenz zu befreien. Verinnerliche daher den Dharma als einen Pfadgeist.

33) So wie du möglicherweise einwandfreie Medizin als Gegenmittel für eine Krankheit nicht richtig eingenommen hast, welche dich nun, weil du sie nicht richtig eingenommen hast, mehr peinigt, als du (zuvor) gepeinigt warst, so stellt sich die Frage, welchen Nutzen der Dharma hat, wenn du ihn nicht als ein Gegenmittel angewendet hast? Oh ihr Menschen, die ihr an Tatsachen glaubt, begreift dies gut, da es unzählige Fehler wie diesen gibt.

Sich selbst einem spirituellen Mentor anvertrauen

34) Bedenke dies: Da das Verinnerlichen des Dharmas in erster Linie vom spirituellen Mentor abhängt, schätze es, dich einem qualifizierten, heiligen Guru anzuvertrauen. Alle grenzenlosen, guten Qualitäten entstehen daraus.

35) Vertraue dich daher vollständig und mit großem (Respekt und) mit großer Wertschätzung jenen an, die geschickt (in der Wahl) ihrer Methoden sind, die eine mitfühlende Natur besitzen, die beruhigt sind, gezügelt und die Geduld haben; die ein hervorragendes Verhalten zeigen, das mit ihren Gelübden und engen Bindungen (im Einklang steht), die viele (Unterweisungen) gehört haben und die eine hohe (Ebene) erreicht haben, sich in (diesen) gut geübt zu haben;

36) (jenen, die) grenzenlosen erleuchtenden Einfluss haben, der die Erscheinungen anderer automatisch verwandelt; die nicht durch (die Gedanken) an dieses Leben verdorben worden sind; die von den Sorgen über die acht (vergänglichen) Angelegenheiten des Lebens gereinigt sind wie der Himmel; die (dem Leben) Sinn verliehen haben, was ein Maßstab für die Verbindung (mit ihnen) ist, und die (für andere) den Pfadgeist dargelegt haben, der zur Befreiung (führt). (Spirituelle Mentoren wie diese) sind Emanationen der Triumphreichen (Buddhas) in (dieser) Zeit des Verfalls.

37) Die Vorzüge, die daraus entstehen sind grenzenlos und unerschöpflich: Du entwickelst gegen die zwanghafte Existenz einen Widerwillen und entsagst ihr. (So) nimmt dein weltliches Planen ab; deine Sorgen in Bezug auf dieses Leben erlahmen; und dein Greifen nach einer unmöglichen „Seele“, (gegründet in) trügerischen Erscheinungen, fällt zusammen;

38) Ganz natürlich wirst du gezügelt werden; du wirst (die Kraft) des Zuhörens, Nachdenkens und Meditierens (über die Unterweisungen) besitzen; du wirst die guten Qualitäten, wie beispielsweise den Glauben an Tatsachen, besitzen, (die daher kommen,) dass du dich umfassend geübt hast; dein gegenwärtiges Leben gewinnt wird bedeutungsvoll; und in zukünftigen Leben wirst du die Wirkungen ernten. Vertraue dich daher den als heilig verehrten (spirituellen Mentoren) an.

39) Indem du darüber hinaus in Bezug auf deine drei Tore (der Handlung) nichts vortäuscht, erfreue (deine spirituellen Mentoren) stets dadurch, dass du ihnen aus deiner Wertschätzung (für ihre Freundlichkeit) heraus Respekt zeigst, wie ein Patient einem Arzt gegenüber, wie ein seefahrender Kaufmann gegenüber dem Navigator, wie ein Reisender gegenüber dem Fährmann, und wie ein Besucher gegenüber seinem Begleiter (dankbar ist).

40) Es wurde gesagt, dass wenn du Gedanken des Unglaubens (in die tatsächlich vorhandenen guten Qualitäten deiner spirituellen Mentoren) hegst, oder (ihnen gegenüber) eine verzerrte Sichtweise entwickelst, wirst du (so viele Äonen lang) in üble Wiedergeburts-Zustände eintreten, wie die Anzahl der Augenblicke, in denen du (diese Gedanken entwickelst). Bemühe dich daher, wie du dein Augenlicht schützen würdest, deine engen Bindungen (zu deinem Lehrer) rein zu halten, indem du äußerst ernsthaft damit bist, offen einzugestehen, (wenn du die Bindungen je verletzt haben solltest), indem du dich davon zurückhältst, (sie zu brechen), und indem du Bedauern darüber empfindest, (wenn du sie jemals übertreten solltest).

Entsagung entwickeln

41) Nachdem du dich völlig dem als heilig verehrten spirituellen Mentoren anvertraut hast, und dein eigenes Geisteskontinuum durch Zuhören, Nachdenken und Meditieren (über ihre Unterweisungen) trainiert hast, verwandle alles, was du tust, in etwas, das auf ein konstruktives (Ziel) gerichtet ist, von Gedanken, die lediglich nach der Befreiung verlangen. Das ist die Quintessenz-Lehren, um den Dharma als ein Pfadgeist zu verinnerlichen.

42) Wenn immer du den (Lehren) zuhörst, über sie nachdenkst oder (sie) rezitierst, so tue das mit der Absicht, dein eigenes Geisteskontinuum zu befreien. Wann immer du (den Dharma) aufschreibst, ihn liest, ihn dir einprägst oder lehrst, tue dies nur mit dem Verlangen nach Befreiung.

43) Wann auch immer du meditierst, (die korrekte) Ansicht (studierst), dich selbst (daran) ausrichtest, bemühe dich äußerst, um (ein Gefühl von) Entsagung und Widerwillen (gegen Samsara zu empfinden), indem du deine Gedanken niemals von (ihrer Ausrichtung auf) die Befreiung löst. Es gibt nichts Höheres als diese Quintessenz-Lehren der Herzessenz.

44) Essen, Schlafen, Gehen, Sitzen, Gespräche führen, Reden, Denken und so weiter   kurz gesagt, egal mit welchen Aktivitäten du dich befasst, verstärke deine Abscheu (gegen Samsara), indem du dich niemals von der Geisteshaltung trennst, die sich die Erleuchtung wünscht, und (auf diese Weise) dein Geisteskontinuum zähmst. Das ist der wesentliche Punkt, um den Dharma als Pfadgeist zu verinnerlichen.

Eine Bodhichitta-Ausrichtung entwickeln

45) Um den (Dharma darüber hinaus) insbesondere als ein Pfadgeist des Mahayana zu verwirklichen, richte, was auch immer du an konstruktiven (Dingen) tust, auf das Wohl anderer aus. (Mit anderen Worten), entwickle mit Mitgefühl eine Bodhichitta-Ausrichtung; zeige eine feste Überzeugung (in die guten Qualitäten der Erleuchtung); widme (deine positive Kraft dem Erreichen dieses Zieles); und erfreue (dich an deinen eigenen Bemühungen und den Bemühungen anderer in Bezug auf dieses Ziel), und übe dich (auf diese Weise) vollständig, um das Wohl (aller) begrenzten Wesen (herbeizuführen).

46) Wenn du dich in dieser Weise (übst), werden alle umherwandernden Wesen, (die zuvor) deine Väter, Mütter, Verwandten und gute Freunde waren, (angemessene) Felder zum (Empfangen) deiner Unterstützung sein. Und (so) übe dich, indem du eine Bodhichitta-Ausrichtung entwickelst, um die Ziele anderer, wie auch deine eigenen, zu erreichen, in allem Konstruktiven zum Wohle der umherwandernden Wesen.

47) „Mögen (alle) umherwandernden Wesen durch meine konstruktive (Kraft) glücklich werden und mögen all (ihre) Leiden in mir reifen. Möge meine konstruktive (Kraft) in allen umherwandernden Wesen zur Reife kommen und mögen (dadurch) alle verkörperten Wesen die Erleuchtung erlangen.“ Diese Gedanken im Sinn haltend, übe dich darin, eine Bodhichitta-Ausrichtung des unermesslichen Mitgefühls zu entwickeln.

48) Welche konstruktiven (Handlungen du auch immer ausführst), entwickle zur Vorbereitung eine Bodhichitta-Ausrichtung, zur eigentliche Durchführung (der Handlung), lasse (diese) nicht (auf unmögliche Arten der Existenzweise) ausgerichtet sein, und zum Abschluss widme (die positive Kraft zum Wohle deiner eigenen Erleuchtung, wie auch zum Wohle der Erleuchtung anderer). Reinige (dich) darüber hinaus vollkommen von (den falschen Vorstellungen in Bezug auf die Natur) der drei Kreise dem Objekt, an dem du dich übst, der Handlung des Übens, und demjenigen, der sich übt. Wie Illusionen, handelt es ich bei ihnen um bloße Erscheinungen, die auf nichts wirklichem (gründen), so wie magische Emanationen. (Wenn du dich selbst bezüglich) der Natur (dieser drei) reinigst, widme (die positive Kraft), um anderen zu nutzen.

49) „Feste Überzeugung“ bedeutet, höchstes Vertrauen zu haben in (die guten Qualitäten) der Triumphreichen (Buddhas), in die Dharma-Unterweisungen der Triumphreichen, in die heiligen spirituellen (Bodhisattva-)Nachkommen des Triumphreichen und in die Felder, welche die positive Kraft (anwachsen lassen) (in die guten Qualitäten) all dieser (Wesen), ohne Ausnahme. Dadurch, das du eine feste Überzeugung (in die guten Qualitäten besitzt), die deine eigenen Ziele, die Ziele anderer, und sowohl deine eignen, als auch die Ziele anderer (zur Vollendung bringen werden), wirst du Lob erfahren, man wird dir Respekt erweisen und dich beispiellos schätzen.

50) „Erfreuen“ bedeutet, sich (in der Meditation) daran zu gewöhnen, sich über all die konstruktiven Handlungen der Triumphreichen, ihrer spirituellen Nachkommen und aller umherwandernden Wesen zu freuen. Das ist die überragende Methode, um die unermesslichen Mengen positiver Kraft in etwas unermesslich Großartiges zu verwandeln.

51) Führe „Gebete der Aspiration“ Wunschgebete der reinigenden (Art) durch, um den umherwandernden Wesen zu nutzen. (In Verbindung damit,) meditiere in Übereinstimmung mit den Quintessenz-Lehren in Bezug auf die Reinigung der Objekte deiner Handlungen.

52) Nehme, ohne auch nur für einen Augenblick durch gewöhnliche Angelegenheiten abgelenkt zu sein, das konstruktive (Handeln) durch deine drei Tore (der Handlungen) zum Nutzen anderer als deine Herzessenz(-Praxis) auf. Nachdem du dein eigenes Geisteskontinuum gezähmt hast, ist die Entwicklung eines außergewöhnlichen Entschlusses – so wird gesagt die (Art und Weise), wie du jegliche Dharma(-Übung) als einen Pfadgeist verinnerlichen kannst.

53) Möge das melodiöse Schlagen des Rhythmus’ der wundersamen Trommel der tiefgründigen Bedeutung, das berühmte überwältigende und tiefgründige Dröhnen, auf diese Weise alle umherwandernden Wesen aus dem berauschenden Schlaf ihrer Unwissenheit erwecken. Mögen sie, in einem weit umfassenden Ausmaß, ein freudiges Bankett des Zur-Ruhe-Kommens erblicken.

Das (beendet) das zweite Kapitel „Bewirken, dass der Dharma, als Pfadgeist (in dich) eindringt“ des Textes „Eine kostbare Girlande für die vier Themen (des Gampopa)“.

3) Verwirrung von deinem Pfadgeist beseitigen 

Der gemeinsame Mahayana-Pfadgeist

54) Überdies ist die erste der gemeinsamen, einzigartigen und unübertrefflichen Methoden, um die Verwirrung aus deinem Pfadgeist zu beseitigen, der großartige Mahayana-Pfadgeist, den (sie) alle gemeinsam haben. Durch ihn wird alle Verwirrung beseitigt, indem durch die vier unermesslichen Geisteshaltungen und mittels hoher Wellen von (Bodhisattva-)Verhalten eine Bodhichitta-Ausrichtung mit der Identitäts-Natur von Gebeten der Aspiration und des Mitgefühls entwickelt wird. 

55) Wenn du (eine stabile Verwirklichung der) Leerheit mit der Herzessenz von Mitgefühl erlangt hast und (somit in der Lage bist,) deine eigenen Ziele und die der anderen völlig zu erfüllen, dann meditiere, um die vergänglichen Befleckungen aus der Realitätssphäre zu beseitigen, (welche konstruktiv und unbeeinflusst ist,) über die siebenunddreißig Facetten, die dich durch die vier Pfade des Aufbauens, der Anwendung, des Sehens und des Gewöhnens zu einem gereinigten Zustand führen, und vervollkommne mit der reinen Sicht der sechzehn Leerheiten die sechs weitreichenden Geisteshaltungen mit fehlerfreiem (Bodhisattva-)Verhalten. 

56) Nach dem Erlangen einer stabilen Verwirklichung des Nichtvorhandenseins eines unmöglichen „Selbst“ sowohl der Menschen als auch (aller) Phänomene, ist das Reinigen (des eigenen Geistes) mit dieser Methode als Gegenmittel für störende Emotionen der ausgezeichnete Pfadgeist der Bodhisattvas.

57) Mit anderen Worten: Aus dem Verständnis heraus, dass alles bloß in der Art von Trugbildern, Träumen oder trügerischen Erscheinungen (existiert), arbeite (für andere) im Aufgeben und Annehmen, indem du Konstruktives annimmst und Negatives aufgibst, und reinige (deinen Geist) mit einem Fluss (der Meditation über) Unreinheit, Liebe und abhängiges Entstehen (als Gegenmittel) für die störenden Emotionen des sehnsüchtigen Verlangens, der Feindseligkeit und der Naivität.

58) Auf der tiefsten Ebene dessen, was vollkommen, weil es ungeboren und rein ist, gibt es keinen Dualismus zwischen Samsara und Nirvana, der getrennt von (solchen) konzeptuellen Fabrikationen ist. Der Pfadgeist, (der eine stabile Verwirklichung) der Bedeutung dieser zwei Wahrheiten in Bezug auf das abhängige Entstehen hat, ist das ursächliche Mahayana-Fahrzeug des Geistes, jenes der Dialektik.

Der einzigartige Mahayana-Pfadgeist des Geheimen Mantras: Außen und Innen

59) Der einzigartige Mahayana-Pfadgeist, jener des geheimen Mantras, hat äußere und innere (Klassen). Er hat unermesslich unübertroffene Methoden der Erzeugungs- und Vollständigkeitsstufe als ein vereintes Paar, durch welche du die Verwirrung in verschiedenen Stufen bereinigen kannst.

60) In Bezug auf die drei äußeren (Klassen des) geheimen Mantras gibst du, mit der Reinigung als wesentlicher (Praxis), manchmal etwas auf und nimmst anderes an, und beseitigst somit Befleckungen durch Gegenmittel. Für die inneren (drei), verwandelst du mit dem tiefen Gewahrsein des nicht-dualistischen vereinten Paares mit dieser Methode jene tatsächlichen Phänomene, die aufzugeben sind, in einen Pfadgeist.

61) Im Mandala der Grundlagen-Sphäre, welches ein Schoß für einen Glückselig-Hinübergegangenen ist, sind alle Phänomene, die ihre reflexiven Erscheinungen sind, bloße Erscheinungen deines begrenzten Geistes. Sie sind Irreführungen, keine wirklichen Phänomene, sondern leere Formen, die Zustände von Klarheit und Erscheinung sind.

62) Wenn du dir bewusst geworden bist, dass die Aggregate, die Bestandteile, die kognitiven Anreger und so weiter, in reiner (Form) die fünf (Buddha-)Familien sind, wird die samsarische Welt der Erscheinungen durch die (Praktiken) der Erzeugungsstufe zu einem einzigen Mandala. Mit dem Körper als Gottheit und der Rede als Mantra, wendest du dich mit deinen bewussten konzeptuellen Gedanken dem Ausstrahlen und Absorbieren zu, (sodass) letzten Endes (alle) trügerischen Erscheinungen als Buddha-Felder betrachtet werden.

63) Mit (den Praktiken) der Vollendungsstufe wird alles dazu gebracht, in die Sphäre der tatsächlichen Natur (aller Dinge) und in den Geist des klaren Lichts jenseits aller Gedanken einzutreten. (Um dies) durch Yoga (-Praktiken zu bewerkstelligen), die sich mit den Energie-Kanälen, den Energie-Winden und den kreativen Energie-Tropfen befassen, werden die Energie-Winde und der Geist dienstbar (gemacht) und die Sphäre und das tiefe Gewahrseins verbunden. Der Pfadgeist des großen Siegels, Mahamudra, welche (dieses) untrennbar vereinte Paar ist, ist das resultierende Vajrayana-Fahrzeug des Geistes des geheimen Mantras.

Der unübertreffliche Pfadgeist des Dzogchen

64) Das unübertreffliche Fahrzeug des Geistes der herausragenden geheimen großen Vollendung, Dzogchen, verbindet dich direkt mit der Sphäre, die spontan (alle) hervorbringt. In der Grundlagen-Sphäre, die unwandelbar wie der Raum ist, werden alle guten Qualitäten spontan hervorgebracht wie die Sonne, der Mond, die Planeten und die Sterne. Weil (sie) spontan ursprünglich aus der Tiefe hervorgebracht werden, ohne dass man sich um sie bemühen muss, (ist dies) ein Pfadgeist mit der Selbst-Natur der Direktheit, ohne Bemühung oder Anstrengung.

65) Das Mandala der Sphäre des Geistes des klaren Lichts ist von nichts beeinflusst. Es ist ein natürlich andauernder Dharmakaya, (ein alles umfassender Körper), die beabsichtigte Bedeutung dessen, was (in allen) gleich ist. Eine stabile Verwirklichung (diesbezüglich) zu haben, ist die unübertreffliche Sicht der andauernden Natur.

66) In der Sphäre, die völlig rein ist, sind die Wolken der vergänglichen Schleier die Verwirrung der trügerischen Erscheinungen im begrenzten Geist der umherwandernden Wesen. Obgleich sie an einem Ort sind, der völlig frei davon ist, bewegen sich diese (Wesen) weiter als die sechs Klassen (umherwandernder Wesen) in den drei Bereichen, weil sie dennoch dort (in ihrem Geist) auftauchen. Aber was auch immer zur Zeit des Erscheinens auftritt, ist auf der tiefsten Ebene nicht begründet. Wie der Himmel und die Wolken, erscheinen sie bloß (abhängig von) flüchtigen Umständen. Diese Hinzufügungen, die als unkontrollierbar sich wiederholendes Samsara (erscheinen), sind (völlig konzeptionelle Objekte), die frei davon sind, begriffsbestimmend zu sein.

67) (Mit anderen Worten:) „Obgleich sie an einem Ort sind, der völlig frei davon ist, treten (die Phänomene von Samsara) trotzdem in Erscheinung, jedoch ist ihre essentielle Natur die Leerheit. Leere Erscheinungen sind keine (wahren) Phänomene. Sie sind wie ein verschwommenes Bild, wie fallende Haare (die von jemandem wahrgenommen werden, der den grauen Star hat), wie ein Traum, eine Illusion oder eine Muschel, (die von jemandem als gelb wahrgenommen wird, der an Gelbsucht leidet). Wenn sie erscheinen, in welcher Weise (sie auch immer erscheinen mögen), können sie niemals als (gültig) aus sich selbst heraus begründet erlebt werden. Sie haben keine Grundlage, keine Stütze und keinen (tatsächlichen) Anfang, keine Mitte und auch kein Ende. Wisse, dass sie, durch ihre Selbst-Natur, von Anfang an ursprünglich rein sind.

68) In Bezug auf (alle) Phänomene wie diese – die samsarische Welt der Erscheinungen: die Umgebungen und ihre Bewohner – gilt, dass es dort keine (wirklichen) Objekte zu erfassen gibt. Sie sind wie magische Zauberbilder oder visuelle Geistererscheinungen. Und es gibt keinen (wirklichen) begrenzten Geist, der sie aufnimmt; (alles ist) rein wie der leere Raum. (Da) es kein (wirkliches) Paar gibt: Objekte, die aufgenommen werden und einen Geist, der sie aufnimmt, wurde Samsara zu keiner Zeit (gültig) als (wirklich) existent erlebt. Befreie dich selbst, indem du sie als eine Erscheinung in etwas wahrnimmst, das völlig frei davon ist, und das die Selbst-Natur besitzt, trügerisch zu sein.

69) Weil die Erscheinungen der Dinge, die aufzugeben oder anzunehmen sind, Ursachen, Wirkungen und Umstände, sich natürlicherweise selbst bereinigen, wisse, dass ihre andauernde Natur auf der tiefsten Ebene jenseits von Ursache und Wirkung ist. Die grundlegende Stütze für diese (natürliche Reinigung) ist das reine Gewahrsein, Rigpa, der (tiefgründigste) Bodhichitta-Geist. Die Sphäre des (natürlich) befreiten Nirvana, der große spontane Hervorbringer (von allem), ist die tiefste Wahrheit, rein von Anfang an.

70) Mit anderen Worten, mit einer Identitäts-Natur, die weder ein Anfang noch ein Ende hat, und in ihrer Selbst-Natur ein Geist des klaren Lichts ist – tiefgründig, zur Ruhe gekommen und frei von geistigen Fabrikationen – ist sie ein Dharmakaya, der sich ganz natürlich in dir befindet, ursprünglich aus der Tiefe heraus, ohne Befleckungen und mit einer essentiellen Natur, die sich nie durch die drei Zeiten bewegt. 

71) Das ist die Sphäre der Grundlage, die diamantharte Vajra-Essenz. Wer auch immer eine stabile Verwirklichung dessen erlangt hat, besitzt die (richtige) Sichtweise der andauernden Natur; und hat, nachdem die verfälschenden Hinzufügungen und Zurückweisungen zur Ruhe gekommen sind, eine stabile Verwirklichung in Bezug darauf als die Herzessenz der tiefsten Ebene.

In der Meditation die richtige Sicht des Dzogchen entwickeln

72) Unbefleckte Meditation, die in einem Zustand der stabilen Verwirklichung der Herzessenz des Geistes des klaren Lichtes (ausgeführt wird), ist getrennt von geistiger Trägheit, Flatterhaftigkeit des Geistes und konzeptuellen Fabrikationen. Sie ist frei von geistigem Abschweifen und, getrennt von einem dualistischen Intellekt, ist sie eine große Weite. Mit anderen Worten ist sie vollkommen rein wie der Himmel, ohne das Erstellen oder Aufgeben von Plänen, und ohne Vorurteile, sowie jenseits von allen Gedanken, Ausdrucksmöglichkeiten und aller Vorstellungskraft.

Auf Grundlage der Dzogchen-Sicht das richtige Verhalten entwickeln

73) Für das Verhalten gilt: Was auch immer erscheint, hat keine wahre (begründete Existenz); es bereinigt sich selbst. Jeder (konzeptuelle Geist), der (Objekte) innerlich aufnimmt und erscheint, löst sich ganz natürlich selbst auf. Äußere (Objekte), die aufgenommen werden, sind wie ein Traum oder eine Illusion. Auf der tiefsten Ebene gibt es keine Dualität, (daher) handle ohne anzunehmen oder abzulehnen.

Zusammenfassung von Dzogchen

74) Was die Phänomene betrifft, welche (Objekte) erfassen, sowie die erfassten (Objekte), die störenden Emotionen, Negierungen und Bestätigungen, so entstehen und befreien sie sich automatisch selbst. Durch das Kennen ihrer Selbst-Natur befreien sie sich automatisch selbst. Sie befreien sich selbst in einen Zustand der Gleichheit im Dharmakaya, ursprünglich vollkommen, aus der Tiefe heraus. (Somit) gibt es keinen Grund nach einem Nirvana zu suchen, weil man Samsara aufgegeben hat.

75) Was erscheint, sind Spiegel, die ein klares Bild dessen wiedergeben, was am tiefgründigsten ist. Was auch immer auftaucht, befreit sich selbst, wenn es erkannt wird. Sie sind die strahlende Entfaltung des Dharmakaya. Wie das Wasser und die Wellen, sind sie im Dharmakaya eine allumfassende Einheit. Das ist die Absicht (Buddhas) bezüglich des letztendlichen Punktes, der höchste Gipfel der Sicht, die große Vollendung, Dzogchen.

Zusammenfassung

76) Kurz gesagt: wie auch immer man sich auf einem dieser Wege übt, befreit sich das Greifen nach einem „Selbst“ automatisch, und störende Emotionen bereinigen sich selbst in der Sphäre. Sich auf geschickte Weise in allen (Situationen) entsprechend (dieser) Methoden zu verhalten, wird als (der Weg) gelehrt, die Verwirrung vom Pfadgeist zu beseitigen.

77) Mögen alle (Klassen von) Wesen, ohne Ausnahme, den Ozean der zwanghaften Existenz mit Hilfe des wertvollen großen Schiffes (dieser) Pfade des Dharma so überqueren, und mögen sie, auf der unübertrefflichen Insel eines zur Ruhe gekommen Zustandes der kostbaren Befreiung, ein Bankett des unbefleckten Zur-Ruhe-Kommens und der Glückseligkeit erblicken.

Dies (beendet) das dritte Kapitel „Die Verwirrung von deinem Pfadgeist beseitigen“ des Textes „Eine kostbare Girlande für die vier Themen (des Gampopa)“.

4) Verwirrung in tiefes Gewahrsein reinigen 

Vorläufige Reinigung

78) Als nächstes erfolgt das Reinigen deiner Verwirrung in das tiefe Gewahrsein hinein. Von den vorläufigen und letztendlichen Stufen ist die erste die vorläufige, wenn man einen Pfadgeist des Übens hat. Weil du dich mit den tiefgründigen Methoden vertraut gemacht hast, werden alle störenden Emotionen, die erscheinen, völlig in ihre Sphären gereinigt, und manifestieren das (zugrunde liegende) tiefe Gewahrsein, welches reflexive Klarheit ist. Man bezeichnet dies als „Reinigen konzeptueller Gedanken der täuschenden Verwirrung in die Sphäre des tiefen Gewahrseins“.

79) Entsprechend der Methode, der man sich anvertraut hat, kann dies in individuelle (Methoden) aufgeteilt werden – gemeinsame, einzigartige und unübertreffliche – (störende Emotionen) durch Gegenmittel bereinigen, sie mithilfe von Methoden umwandeln, sie sich automatisch an ihrem eigenen Ort befreien lassen und, ohne sie aufzugeben, sie sich selbst in ihre Sphäre hinein bereinigen lassen. Ungeachtet dessen, wie du dich in der Methode übst, die dir gefällt, ist es auf der tiefsten Ebene das Gleiche, die störenden Emotionen aufhören und sie sich selbst bereinigen zu lassen.

80) Wenn du die Seiten des „eigenen Ortes“ für das Auftreten von sehnsüchtigem Verlangen, Feindseligkeit, Naivität, Stolz und Eifersucht erkannt hast, kommen sie selbsttätig zur Ruhe, befreien sich selbsttätig und reinigen sich selbst in die fünf Aspekte des tiefen Gewahrseins hinein. Dies bezeichnet man als: „die Verwirrung der fünf giftigen Emotionen vorläufig in die (fünf) großen Arten des tiefen Gewahrseins zu reinigen“ – in das vollständig erfassende, das spiegelgleiche, das der Wirklichkeitssphäre, das gleichsetzende und das vollbringende Gewahrsein.

Letztendliche Reinigung

81) Die Letztendliche ist getrennt von (allen) vergänglichen Befleckungen ihres Ursprungs. Wenn du diesen gereinigten Zustand erreicht hast, der beruhigt ist und getrennt von jeglicher Befleckung (einer Verunreinigung), manifestiert sich die Selbst-Natur der Sphäre, so wie sie ist. Du hast (die Ebene des) tiefen Gewahrseins erreicht, an dem die Drei Körper eines Buddhas im Dharmakaya (einem Körper, der alles umfasst), auch als „ein Körper der Sphäre, welche zweifache Reinheit besitzt“ bezeichnet, von gleichem Geschmack sind. Es handelt sich nicht um ein kognitives Objekt, dass von irgendjemand anderem als den Siegreichen selbst (erkannt werden kann).

82) Die drei Körper (eines Buddha), nämlich Dharmakaya, Sambhogakaya (ein Köper des Vollständigen Gebrauchs) und Nirmanakaya (ein Emanationskörper), werden zusammen mit dem tiefen Gewahrsein durch einen Svabhavakaya (einen Körper der Essentiellen Natur) integriert, der statisch, alles umfassend, nicht beeinflusst und ohne Verlagerung oder Veränderung ist.

83) Er verweilt in der Sphäre des Dharmakaya, der ein wunscherfüllendes Juwel ist, und dessen Körper des Tiefen Gewahrseins des Erleuchtenden Einflusses, in diesem Zustand seiner wirklichen Natur, als ein Spiel der Sambhogakaya- und Nirmanakaya-Körper, (entsprechend) jenen erscheint, die auf Ebenen des Bhumi-Geistes verweilen, sowie auch anderen umherwandernden Wesen.

84) Er erscheint er auf diese Art durch die Funktionsweise der Kombination der erleuchtenden Inspiration der Siegreichen und der Stärke der positiven karmischen Kraft jenen, die gezähmt werden müssen, und der erleuchtende Einfluss erfüllt ihre Hoffnungen (wie ein wunscherfüllendes) Juwel oder ein wunscherfüllender Baum, ohne Unterbrechung und solange die zwanghafte Existenz (Samsaras) andauert. Dies wird „die (letztendliche) Reinigung der Verwirrung in das tiefe Gewahrsein“ genannt.

85) Möge die von den sieben Pferden gezogene (Sonne), die von tiefgründiger Bedeutung und Herzessenz ist, so wie es hier (erläutert) wird, tausende Lichtstrahlen passender Worte und ihrer Bedeutungen in die Welt jener senden, die durch den Pfad des Himmels ihres Geistes gezähmt werden müssen, und die Dunkelheit der Unwissenheit von allen umherwandernden Wesen bereinigen.

Dies (beendet) das vierte Kapitel „Verwirrung in tiefes Gewahrsein reinigen“ des Textes „Eine kostbare Girlande für die vier Themen (des Gampopa)“.

Kolophon des Autors 

86) Dieses fürstliche Festessen, das zu meinem Wohle wie auch zum Wohle anderer vor dem prachtvollen Herrenhaus der umfassenden Intelligenz dieser (Dharma-)Methoden (bereitgestellt worden ist), und das garniert worden ist mit einer üppigen Fülle von Hören, Nachdenken und Meditieren, wurde in Übereinstimmung mit der Bedeutung der Sutras, Tantras und der Quintessenz-Lehren der Herzessenz angerichtet.

87) Mögen ich und alle umherwandernden Wesen durch die konstruktive (Kraft) dieser (Methoden) den Berg zwanghafter samsarischer Existenz noch in dieser Lebenspanne (dem Erdboden) gleich machen und den höchsten gereinigten Zustand erlangen, der frei ist von jedem Fleck (einer Verunreinigung). Mögen wir Buddhas werden, und vollständig unsere Ziele, wie auch die Ziele anderer erreichen.

88) Und möge dann, in einem Land, das durch die weit reichenden Schneeberge der klaren Bedeutung, (die Sonne unserer) glanzvollen guten Qualitäten, die sich bis an die Grenzen (aller) Himmelsrichtungen ausdehnt, die Herzessenz-Punke auf dem kostbaren Juwel der Schriften hervorheben und (dadurch) den Mengen von Menschen durch den Glauben an das, was Tatsache ist, Freude bringen.

Dieses Werk, das als „Eine kostbare Girlande der vier Themen“ bezeichnet wird, wurde vom Yogi des Höchsten Fahrzeuges verfasst, von Künkyen Ngaggi Wangpo (Longchen Rabjamapa), erhellt vom kristallenen Mond des prachtvollen Wohnsitzes Samantabadhras im „Wolke der Blumen“ genannten Garten auf den Hängen des Kalkstein-Gebirges und wurde in einer Sitzung vollendet.

Möge sich für alle Zeiten und in alle Himmelsrichtungen ein Regen der großen Glückseligkeit ergießen, wie im (goldenen) Zeitalter eines vollständigen Äons, der all das, was sich jeder in seinen Wünschen erhofft hat, gewährt.

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[1] Pfadgeist = Ebene oder Zustand des Geistes, der als Weg in Richtung Befreiung oder Erleuchtung dient. 

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