Die Geschichte des Buddhismus in der Mongolei

Der Einfluss der tibetischen Kultur 

Die tibetische Kultur war mit ihrer Religion, Sprache, Kunst, Medizin und Astrologie eine der wichtigsten in Zentralasien und spielte eine ähnliche Rolle, wie die römische Kultur im Westen. In Asien hat die tibetische Kultur folgende Menschen, Regionen und Länder beeinflusst:

  • Die Himalaya-Regionen Ladakh, Lahaul, Spiti, Kinnaur, Nepal, Sikkim, Bhutan und Arunchal,
  • die Mongolen: 
    • zentrale Mongolen der Äußeren und Inneren Mongolei, sowie Amdo,
    • westliche Mongolen in Kalmückien (Wolga-Fluss), Xinjiang, Kasachstan und Kirgisistan,
    • Burjaten,
  • die Mandschus,
  • Nord-China,
  • die Turkvölker der Tuwa, sowie
  • die Gelben Uiguren aus Gansu.

Historisch gesehen hatte die tibetische Kultur auch einen großen Einfluss auf:

  • die Uiguren in Xinjiang, und
  • die Tanguten in dem Gebiet zwischen Amdo und der Inneren Mongolei.

Hier werden wir unsere Aufmerksamkeit auf die Zentralen Mongolen richten, da sie von allen oben genannten die größte Gruppierung darstellen. Weil der tibetische Buddhismus ihnen und anderen nicht-tibetische Gruppierungen, lange bevor er in den Westen kam, überliefert wurde, gibt es viel was wir aus ihren Erfahrungen lernen können.

Die erste Überlieferung 

Traditionell sprechen die mongolischen Geschichtsschreiber in Bezug auf die Überlieferung des Buddhismus in die Mongolei von drei getrennten Wellen. Die erste Ausbreitung des Buddhismus erfolgte in der Mitte des 13. Jahrhunderts, vor der Herrschaft Kublai Khans.

Durch die Sogdier und die Völker von Kutscha und Khotan haben sich die Hinayana- und Mahayana-Formen des Buddhismus schon im ersten nachchristlichen Jahrhundert bis nach Zentralasien und von dort auch nach China ausgebreitet. Manche Gelehrten behaupten, etwas vom Buddhismus hätte bereits durch das Xiongnu-Reich seinen Weg in die Mongolei gefunden, aber das muss in dieser frühen Zeit äußerst wenig gewesen sein. In der Zeit des Türk-Khaganats (552-744) haben chinesische und indische Mönche sowohl Hinayana- als auch Mahayana-Werke aus dem Sogdischen, Kutschischen und Chinesischen ins Alt-Türkische übersetzt. Zugang dazu hatte jedoch nur der Fürstenhof, nicht die Mongolen selbst. Während der Zeit des uigurischen Reiches (von der Mitte des 9. bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts) gab es auch Übersetzungen von vorwiegend Mahayana-Schriften aus den sogdischen, chinesischen und tibetischen Sprachen ins Uigurische. Wiederum war der Buddhismus weitgehend dem uigurischen Adel vorbehalten, aber die uigurischen Übersetzungen haben einen Einfluss auf die Entwicklung des mongolischen Buddhismus ausgeübt. 

Die erste Überlieferung des Buddhismus in die Mongolei kam aus Zentralasien und obwohl sie bereits im ersten 1. nachchristlichen Jahrhundert begonnen haben mag, ist die wichtigste Quelle dieser Überlieferung das türkische Uiguren-Reich, das die Mongolei von der Mitte des 9. Jahrhunderts bis zur Übernahme von Dschingis Khan (1162-1227) beherrschte, der die Mongolen im frühen 13. Jahrhundert erfolgreich vereinte. 

Die zweite Überlieferung 

Die zweite Überlieferung des Buddhismus in die Mongolei fand während der Zeit des mongolischen Reiches statt, das von den Söhnen und Enkeln Dschingis Khans gegründet wurde.

Dschingis Khan war gegenüber allen Religionen tolerant, solange sie für seinen militärischen Erfolg beteten, und man weiß, dass er Zeit seines Lebens Kontakt zu buddhistischen und taoistischen Mönchen, sowie zu Muslimen und nestorianischen Missionaren pflegte. Dschingis Khan vernichtete nur jene Zivilisationen, die sich ihm widersetzten, und die Uiguren und Tibeter unternahmen keinen Versuch, sich zu verteidigen. Er verordnete die Einführung der uigurischen Schrift, übernahm die uigurische Verwaltungsstruktur und setzte die Uiguren selbst in seiner Administration ein. So fand die erste Konfrontation mit dem Buddhismus, die tatsächlich die mongolischen Herrscher und Adelsleute erreichte, durch die uigurische Tradition statt. Folglich hat das den Stil der Übersetzung buddhistischer Texte in die mongolische Sprache geprägt, die ebenfalls mit den türkischen Sprachen verwandt ist. 

Die Söhne und Enkel von Dschingis Khan luden tibetische Lamas, vorwiegend aus den Traditionen der Sakyas, der Karma- und Drigung-Kagyüs, sowie der Nyingma-Tradition in ihre Fürstenhöfe ein. Am Hofe der Mongolen befanden sich hauptsächlich der Zweite Karmapa (Karma Pakshi, 1204-1283) und Sakya Pandita (1182-1251). Karma Pakshi lehnte Kublai Khans (1215-1294) Bitte um ständigen Wohnsitz am mongolischen Hofe ab und blieb stattdessen an der Seite seines Bruders Möngke Khan (1209-1259). Zwischen Möngke und Kublai gab es später einen Erbfolgestreit, den Kublai gewann und so zum Großen Khan der Mongolen, sowie zum Herrscher und Gründer der Yuan-Dynastie (1271-1368) in China wurde. Kublai ließ Karma Pakshi gefangennehmen und ins Exil verbannen, während er Sakya Pandita einlud, um Lehren an seinem Hof zu geben. 

Es gibt eine rege Diskussion darüber, warum sich Kublai Khan für den tibetischen Buddhismus als offizielle Staatsreligion entschied und Sakya Pandita politisch-administrative Herrschaft über Tibet verlieh. Um eine Entscheidung für die Staatsreligion der neuen mongolischen Khanaten zu treffen, gab es Debatten zwischen chinesischen Daoisten und tibetischen Buddhisten, aber es ist schwer vorstellbar, dass sich die militaristischen Mongolen durch die logische und philosophische Gewandtheit der Sakyas überzeugen ließen. Die plausibelste Erklärung ist wohl die, dass die Mongolen von der Macht des Schutzherren Mahakala angetan waren. Mahakala war die wichtigste Schutz-Gottheit der Tanguten, die Dschingis Khan im Kampf besiegt und getötet hatten, und so waren die Mongolen von dieser Gottheit tief beeindruckt. Karma Pakshi selbst war für seine übernatürlichen Kräfte bekannt und war ein Praktizierender Mahakalas, sowie ein Lehrer der Tanguten. Jedoch hatte er auf der verlierenden Seite der Mongolen gestanden, und da die Sakyas ebenfalls eine starke Mahakala-Tradition pflegten, scheint es, dass Kublai Khan sich durch die Unterstützung Sakya Panditas den Beistand Mahakalas erhoffte, insbesondere im Hinblick auf sein Ziel in Südchina einzufallen.

Sakya Pandita brachte seinen Neffen Drogön Chögyal Pagpa (1235-1280) mit, der zum wichtigsten Lehrer Kublai Khans wurde und ihm sogar die Hevajra- und Chakrasamvara-Initiationen verlieh. Er baute mehrere Klöster und begann den Kangyur, sowie einige indische und tibetische Schriften aus dem Tibetischen ins Mongolische zu übersetzen. Der erste Text, den er übersetzte, war Shantidevas „Bodhisattvacaryavatara“. Indes entwickelte Pagpa ein zweites Schriftsystem für die mongolische Sprache, die als Pagpa-Schrift bekannt wurde und einfacher war, um Sanskrit und Tibetisch zu transliterieren, als das uigurische Schriftsystem. Die Mongolen waren bereits mit dem uigurischen Buddhismus vertraut und da ihre uigurischen Übersetzungen, wie die anderer zentralasiatischer Sprachen, viele transliterierte Sanskrit-Begriffe enthielten, übersetzten die Mongolen viele der tibetischen Wörter zurück ins Sanskrit und behielten einige tibetische transliterierte Begriffe. Daraus können wir etwas über die Nutzung so mancher Sanskritbegriffe und tibetischen Wörter im westlichen Sprachgebrauch lernen, da wir hier schon viele Fachbegriffe durch die erste Ausbreitung des Theravada-Pali-Buddhismus im Westen kennen. 

Die dritte Überlieferung 

Mit dem Fall der Yuan-Dynastie Mitte des 15. Jahrhunderts wurden die Mongolen uneins und schwach, und da der Buddhismus nur unter den Aristokraten praktiziert wurde, schwächte er sich ab, aber verschwand nicht völlig.

Mitte des 16. Jahrhunderts versuchte Altan Khan (1507-1582) des südlichen Zweiges der Zentralmongolen, der ein Nachkomme Kublai Khans war, die Stärke und Einheit der Mongolen wiederzubeleben. Um seinen Anspruch geltend zu machen, lud er Sönam Gyatso (1543-1588), den profiliertesten Lama dieser Tage ein, um ihn als wichtigsten Lehrer zu etablieren. Sich selbst bezeichnete er als Reinkarnation Kublai Khans und Sönam Gyatso als Reinkarnation Pagpas und verlieh ihm den Titel des Dalai Lama (des dritten, um eine Übertragungslinie zu legitimieren). Der Dritte Dalai Lama gründete mehrere Klöster südlich der Gobi-Wüste, in einem Gebiet, das jetzt der westliche Teil der Inneren Mongolei ist, sowie in Amdo, in dem es eine gemischte Bevölkerung von Mongolen und Tibetern gab. Er wurde auch gebeten, ein Kloster nördlich der Gobi zu errichten (was jetzt zur Äußeren Mongolei gehört) und beauftragte einen Repräsentanten damit. Nach seinem Tod wurde der Urenkel Altan Khans als Vierter Dalai Lama Yöntan Gyatso (1589-1617) ernannt und Losang Chökyi Gyaltsen (1570-1662) war sein Lehrer. 

Die Mandschus 

Der Aufstieg der Mandschus als Macht begann im frühen 17. Jahrhundert. Sie kamen durch die Mongolen und Tibeter mit dem Buddhismus in Berührung. Nachdem sie Teile der Mongolei bezwungen hatten, schafften sie die Innere Mongolei als Basis für den Angriff auf China. Sie übernahmen das mongolische Alphabet für ihre Schrift, da ihre Sprache ähnlich ist.

Unterdessen tobte ein fast hundertjähriger Bürgerkrieg in Zentraltibet zwischen Ü und Tsang. Die Karma-Kaygüpas (die Sharmapas) und die Jonangpas (ein Zweig der Sakyas) waren als Ratgeber der Könige von Tsang tätig, während die Gelugpas Ratgeber der Könige von Ü waren. Gegen Ende des ersten Viertels des 17. Jahrhunderts erkannte Losang Chökyi Gyaltsen, der nach dem Tode des Vierten Dalai Lama 1617 auch Lehrmeister des Fünften Dalai Lama (1617-1682) war, im Norden der Mongolei den Urenkel Abdai Khans (1554-1588) und Nachkomme Dschingis Khans, als eine Gelug-Reinkarnation Taranathas (Oberhaupt der Jonangpa-Schule) an. Das war ein politischer Schachzug, der die Macht der Jonangpas in Tsang neutralisierte, denn so konnte das Oberhaupt der Jonangpas nicht mehr als Ratgeber des Königs von Tsang tätig sein. Zu diesem Zeitpunkt befand sich die südliche Mongolei, der Machtbereich der Familie Altan Khans, unter der Kontrolle der Mandschus, und indem man einen Jungen in der Familie Abdai Khans der nördlichen Mongolei auswählte, schuf auch Ü seinerseits eine enge politische Verbindung. Losang Chökyi Gyaltsen und der Fünfte Dalai Lama brachten den Jungen zum Studium nach Tibet. In der Mitte des 17. Jahrhunderts besiegte Gushri Khan (1582-1655) der Choschuten-Mongolen in Amdo den König von Tsang und etablierte den Fünften Dalai Lama als administratives und spirituelles Oberhaupt Tibets, während die Mandschus in etwa zur gleichen Zeit China eroberten und die Qing-Dynastie (1644-1912) gründeten. Der Fünfte Dalai Lama verlieh seinem Lehrer Losang Chökyi Gyaltsen, sowie seinen vorangegangenen drei Inkarnationen, den Titel Panchen und machte ihn damit zum Vierten Panchen Lama.

Der Vierte Panchen Lama und der Fünfte Dalai Lama machten, mit Gushri Khans Zustimmung, aus dem Jonangpa-Kloster in Tsang ein Gelug-Kloster und die Taranatha-Inkarnation zum ersten Bogdo Khan (Jebtsundampa, 1635-1723), dem spirituellen und administrativen Oberhaupt der Mongolei und sandten ihn damit wieder zurück in die Nordmongolei. Der erste Bogdo Khan (Bogdo Gegen, Dsanabadsar) war ein bekannter Bildhauer und Wegbereiter. Er änderte die Mönchsroben zu langärmeligen, dunkelroten Chubas (Deel), die den Laien-Chubas ähneln, jedoch ein blaues Futter der aufgerollten Ärmel haben. Das könnte ein Beispiel für die Anpassung der monastischen Roben im Westen sein. Zu diesem Zeitpunkt war der größte Teil des Kangyur bereits ins Mongolische übersetzt worden und die Mongolen rezitierten einige Rituale in der mongolischen Sprache, was für die Überlieferung des Buddhismus gegenüber einer breiteren Öffentlichkeit ausschlaggebend war. 

Die Mandschus hatten fortwährend Angst davor, dass sich die Mongolen zusammentun und sie stürzen würden, obwohl es von außen so aussah, als wären die Mandschus, Tibeter und Mongolen Brüder in Bezug auf eine Form des Buddhismus, die sich von der des chinesischen unterschied. Trotzdem arbeiteten sie daran, jegliche Form der mongolischen Macht zu verhindern und den Buddhismus von mongolischem Nationalismus zu trennen. 

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts fielen die Mandschus in der nördlichen Mongolei ein und Bogdo Khan ergab sich. Um die Mongolen zu schwächen und ihre Wiedervereinigung zu verhindern, entschieden sich die Mandschus, zwei getrennte mongolische Staaten zu schaffen und zu verwalten: die Äußere und die Innere Mongolei. Als ein alternatives Zentrum der Äußeren Mongolei, die der Sitz Bogdo Khans war, gründeten die Mandschus ein Kloster in Dolon Nor in der Inneren Mongolei als spirituelles Zentrum, an dem Ort, an dem Bogdo Khan sich ergeben hatte. Changkya Rinpoche (1717-1786) wurde zum spirituellen Oberhaupt der Inneren Mongolei ernannt, um die Macht der Bogdo Khans zu schwächen; die Hälfte seiner Zeit verbrachte er in Peking. Alle mongolischen Lamas der Äußeren und Inneren Mongolei mussten eine Ausbildung in Dolon Nor durchlaufen. So wie das erste Kloster Bogdo Khans außerhalb der Hauptstadt Dschingis Khans lag, so befand sich auch Dolon Nor außerhalb von Shangdu (Xanadu), der Hauptstadt Kublai Khans, als er über China herrschte. Darüber hinaus gründeten die Mandschus Jehol (das heutige Chengde) in der südlichen Mandschurei als eine Alternative zu Lhasa, mit einem Nachbau des Potala-Palastes.

Ab dem Dritten Bogdo Khan (1758-1773) gestatteten es die Mandschus nicht mehr, dass der Bogdo Khan in einer mongolischen Familie wiedergefunden wurde, insbesondere weil die ersten beiden aus der Familie von Dschingis Khan stammten; die Reinkarnation durfte lediglich unter den Tibetern wiederentdeckt werden. Während die Mandschus eine Übersetzung des Kangyur und Tengyur ins Mongolische finanziell unterstützten, setzten sie sich für das Benutzen der tibetischen Sprache in Ritualen ein, um die Einheit zwischen Mongolen, Tibetern und Mandschus zu fördern. Die Mandschus entwarfen auch eine Mandschu-Version des Kangyur, die Titelangaben wie die einer tibetischen Übersetzung hatte, obwohl sie tatsächlich aus dem Chinesischen übersetzt worden war. Es gab auch zwei übernommene Mandschu-Klöster, auch wenn den Mandschus nicht erlaubt war, den Buddhismus anzunehmen, aus Angst, sie könnten sich nach den Mongolen richten.

In den Klöstern in Amdo, sowie der Inneren und Äußeren Mongolei, gab es Tulkus, denen von den Mandschus oft der Titel von Hutukhtus verliehen wurde, um sie als Verwaltungsleiter zum Eintreiben von Steuern zu kennzeichnen. Jedes Jahr besuchten sie Peking und es prägte sich der Begriff ‘lebende Buddhas’, um die Menschen dazu zu bringen, ihnen zu gehorchen und ihre Steuern zu entrichten.

20. Jahrhundert 

Die Tibeter und die Mongolen bewahrten eine enge Beziehung und zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als die Mandschus/Chinesen aus einem Interessenkonflikt zwischen den Reichen Großbritanniens, Russlands und der Mandschus in Tibet einmarschierten, floh der 13. Dalai Lama (1876-1933) ins Exil in die Mongolei und blieb mehrere Jahre dort. Mit der chinesisch-nationalistischen Revolution von 1911 und dem Fall der Qing-Dynastie wurden die Mongolen frei vom Einfluss der Mandschus. Während die Innere Mongolei von den chinesischen Nationalisten unter Sun Yatsen (1866-1925) übernommen wurde, blieb die Äußere Mongolei bis 1921 unter der Herrschaft des 8. Bogdo Khan (1869-1924), der verheiratet war und viele Gemahlinnen hatte. Später nutzten die Äußeren Mongolen sein Beispiel als Rechtfertigung zu heiraten, während sie sich weiterhin als Mönche bezeichneten. Ab hier werden wir uns in der Darlegung auf die Äußere Mongolei begrenzen.

Fast alle Klöster der Äußeren Mongolei waren Gelug, obwohl auch einige Sakya-, Kagyü- und Nyingma-Klöster überlebten. Zu diesem Zeitpunkt gab es mehr als 300 Klöster und über 70.000 Mönche. Gelug-Mönche, die sich für fortgeschrittene Studien nach Tibet aufmachten, gingen meist nach Gomang in Drepung, aber manche begaben sich in spezielle „Khamtsan“ (Häuser) in Ganden Jangtse, Sera Jey und Tashilhunpo. Obgleich es einige weibliche Praktizierende gab, welche die Chöd-Tradition Machig Drölmas weiterführten, gab es traditionell keine Nonnen, nicht einmal Novizinnen wie in Tibet.

Durch den starken Einfluss des 4. Panchen Lama, ähnelte die Struktur der mongolischen Klöster in den mongolischen Regionen und Amdo der in Tashilhunpo. In den Klöstern gab es getrennte Abteilungen für das Debattieren und für tantrische Rituale. Später regten die Tempel der Klöster, die sich den Praktiken bestimmter Gottheiten verschrieben hatten, die Gründung ganzer Hochschulen an, die sich besonders der Medizin, sowie dem Kalachakra und der Astrologie widmeten. Kalachakra war besonders populär, da Shambhala sich angeblich im Norden befand, und weil Astrologie und Medizin so eng mit der Praxis des Kalachakra verbunden waren, lag viel mehr Betonung auf diesen Studien, als im zentralen Tibet. Der 6. Panchen Lama gründete schließlich eine Kalachakra-Hochschule im Kloster von Tashilhunpo, in Anlehnung an die Vorgehensweisen in Amdo und der Inneren Mongolei. In der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte Sumpa Khenpo Yeshe Paljor, ein mongolischer Gelehrter aus Amdo, bereits die tibetische Medizin und Astrologie den Pflanzen und der Zeitzone der Mongolei angepasst und entwickelte auf diese Weise eine einzigartige mongolische Version dieser zwei tibetischen buddhistischen Wissenschaften. Die Mongolen waren bekannt für ihre Gelehrsamkeit. Sie schrieben eine riesige Anzahl wissenschaftlicher Kommentare, meist auf Tibetisch, wobei einige Texte, wie der Kommentar zu Tsongkhapas Lam-rim, jedoch auf Mongolisch verfasst wurden. 

Ihr Stil des Debattierens stützte sich vollkommen auf logische Argumente und im Gegensatz zu den Tibetern ließen sie keine Zitate aus den Schriften als gültige Argumente zum Belegen eines Punktes gelten. Anfangs debattierte man in der mongolischen Sprache, aber nachdem immer mehr Mönche in Tibet studiert hatten, wurde das Debattieren auf Tibetisch geläufiger. Da den Mongolen einige tibetische Laute in ihrer eigenen Sprache fehlten, sprachen sie viele der tibetischen Phoneme gleich aus, wodurch ihre tibetischen Debatten oft missverständlich und verwirrend waren. Beim Debattieren begannen sie daher, mongolische Worte in den Rahmen einer grundlegenden tibetischen Sprache einzustreuen, während sie einige ihrer Rituale und Gebete auf Mongolisch rezitierten und andere auf Tibetisch beließen. Daran kann man sich ein Beispiel nehmen, wie wir mit unseren westlichen Sprachen vorgehen könnten.

Kommunismus 

Im Jahre 1921 wurde der Bogdo Khan durch die mongolische kommunistische Revolution, die von Sükhbaatar (1893-1923) angeführt wurde, gestürzt, der wenig später, im Jahre 1924, an Syphilis starb. Nach seinem Tod suchte man in der Mongolei nach keinen weiteren Reinkarnationen, aber in Tibet fand man den 9. Bogdo Khan (1932-2012), der dann in Drepung studierte, später jedoch seine Roben ablegte und nach Dharamsala zog. 

Als das stalinistische Russland seine Kontrolle über die Mongolei immer mehr ausweitete, gaben die Anführer die traditionelle mongolische Schrift auf und ersetzten sie mit dem kyrillischen Alphabet. Von 1937 bis 1939 zerstörten die Stalinisten fast alle Klöster in der Äußeren Mongolei und gegen Ende des Zweiten Weltkrieges, als die Russen die Innere Mongolei und Nordchina von den Japanern befreit hatten, zerstörten sie auch die meisten Klöster der Inneren Mongolei. So war schon lange vor der chinesischen kommunistischen Kulturrevolution, der die Klöster in Tibet in des späten Sechzigern zum Opfer fielen, das buddhistische Klostersystem in der Mongolei ausgelöscht worden.

In der Äußeren Mongolei blieben einige Klöster als Museen geöffnet und 1946 eröffnete die Regierung das Gandantegchinlen-Kloster in Ulan-Bator als Vorzeigeobjekt, mit einigen staatlich anerkannten, verheirateten Mönchen, so wie es auch Stalin in Burjatien, der mongolischen Region Sibiriens, nördlich der zentralen und östlichen Teile der Mongolei, tat. In den Siebzigern rief die Regierung ein fünfjähriges Ausbildungsprogramm für Lamas ins Leben, in dem „Dura“, „Lorig“ und „Tarig“ (gesammelte Themen, Geist und Gewahrsein, sowie Zeichen und Argumente), und von den fünf Geshe-Themen nur Prajnaparamita gelehrt wurde. Die Mönche studierten außerdem ein wenig Lam-rim, sowie Russisch, Tibetisch, klassisches Mongolisch, etwas Englisch und Marxismus. Sie praktizierten das Debattieren und Rituale, aber die so genannten Mönche waren verheiratet, tranken Wodka und trugen im Kloster einen mongolischen Deel (Mantel) und zu Hause normale Kleidung. Einige Burjaten kamen zur Ausbildung, jedoch niemand aus der Inneren Mongolei. 

Nach dem Fall des Kommunismus 

Nachdem der Kommunismus im Jahre 1990 gefallen war, wurden viele Klöster wiedereröffnet und nun gibt es einige Mönche. Während einige von ihnen im Zölibat leben, bleiben viele verheiratet. Das Problem ist, dass sie, obwohl sie verheiratet sind, das Ritual des „Sojong“-Gelübdes ausführen.

Bakula Rinpoche, der indische Botschafter für die Mongolei ab 1990, öffnete ein striktes Kloster und schickte junge Mönche zur Ausbildung nach Indien. Er eröffnete auch mehrere Nonnen-Klöster. Seine Heiligkeit der Dalai Lama hat die Mongolei zu mehreren Anlässen besucht. 1996 gab er die Kalachakra-Initiation, eröffnete einen kleinen Zweig des Namgyal-Klosters und ließ die Kalachakra-Rituale wiederaufnehmen. Er regte eine striktere Einhaltung des Vinaya (der monastischen Disziplin) in der Mongolei an.

2010 wurde der 9. Bogdo Khan, dessen Identität wegen anhaltender Verfolgung von Buddhisten in der Mongolei geheimgehalten wurde, vom Gandantegchinlin-Kloster in die Mongolei eingeladen und erhielt die mongolische Staatsbürgerschaft. 2011 wurde er dann zum Oberhaupt der Buddhisten in der Mongolei ernannt, was er bis zu seinem Tod im darauffolgenden Jahr blieb.

In der Mongolei gibt es auch mehrere buddhistische Laien-Verbände. Das „Asian Classics Institute“ hat begonnen, die gewaltige mongolische und tibetische Text-Sammlung in der Staatsbücherei zu katalogisieren. Im Jahr 1999 eröffnete Lama Zopa ein FPMT-Zentrum (Foundation for the Preservation of the Mahayana Tradition) in Ulan-Bator.

Es gibt einen Konkurrenzkampf zwischen ihnen und den Mormonen, Siebenten-Tags-Adventisten und Zeugen Jehovas. Die Mongolen sind durch ihre russische Ausbildung und den russischen Einfluss der letzten 80 Jahre mittlerweile viel westlicher als tibetisch.

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