Einzelheiten der tibetischen Astrologie 1: Philosophischer Kontext und Horoskope

Der Rahmen der Astrologie im buddhistischen Bildungssystem 

Die Astronomie und Astrologie gehören zu den Wissenschaften bzw. traditionellen Wissensgebieten (tib. rig-gnas), die im Lehrplan des tibetischen Buddhismus in der Form studiert werden, wie er an den großen Klosteruniversitäten Indiens formuliert wurde. Es gibt fünf Hauptgebiete und fünf Nebengebiete des Wissens. Die fünf Hauptgebiete sind: 

  • Kunst und Kunsthandwerk – religiöse Malerei, das Anfertigen von Statuen aus Bronze und Ton, die Konstruktion von Pulver- und dreidimensionalen Mandalas, Applikationen und Stickereien von Buddha-Darstellungen, Mandalas und Ähnlichem sowie, in Tibet, die Kunst der Butter-Skulpturen;  
  • Medizin – einschließlich Pharmakologie; 
  • Sprachen und Grammatik – in erster Linie Sanskrit, den klassischen Texten von Panini folgend, die alle ins Tibetische übersetzt und in den Tengyur aufgenommen wurden; Logik – formeller Debattierdiskurs, Innere oder außergewöhnliche Selbsterkenntnis – buddhistische Philosophie, Psychologie, Meditation und so weiter. 
  • Logik – formales Debattieren; sowie
  • Innere oder außergewöhnliche Selbsterkenntnis – buddhistische Philosophie, Psychologie, Meditation und so weiter.  

Die fünf Nebengebiete des Wissens sind:

  • Poesie und Dichtkunst – wie man sie so verfasst, dass der eigene Sinn klar vermittelt wird, frei von Belanglosigkeiten oder Widersprüchen, in logischer Reihenfolge, mit korrekten Verknüpfungen, konsistenten Bezügen sowie in wohlklingenden Worten und Versmaßen; 
  • Rhetorik und Synonymik – das Studium der blumigen Ausdrucksweisen für Wörter, wie sie im Sanskrit verwendet und ins Tibetische übersetzt wurden, wie etwa „wassergeboren“ sowohl für Lotos als auch für den Mond, „zweimalgeboren“ für Vögel, Zähne, Brahmanen und so weiter, die alle im eleganten Schrifttum Anwendung finden; 
  • Prosodie und Verslehre – die verschiedenen Versmaße, die im Sanskrit verwendet werden; 
  • Dramatik und Tanz – die Bewegungsabläufe in religiösen Tänzen, mit denen man die Aktivitäten im Mandala oder im Weltensystem einer Buddha-Gestalt darstellt, wie etwa das Darbringen von Gaben; sowie  
  • Astronomie, Astrologie und Mathematik.  

Mit der erfolgreichen Absolvierung der fünf kleineren Wissensgebiete erlangt man den Titel „Pandit“ (gelehrter Meister), während die Beherrschung der fünf großen Wissensgebiete zur Würde des „Mahapandit“ (großer gelehrter Meister) führt. Der tibetische Ehrentitel Panchen (wie im Begriff Panchen Lama) stellt hierbei eine Halb-Übersetzung und Halb-Lautübertragung von „Mahapandit“ dar; in analoger Weise gibt das burjatische „Bandido“ (etwa im Titel Bandido Khambo Lama) das Sanskrit-Wort „Pandit“ wieder. Da wesentliche Grundlagen und Prinzipien dieser Lehrfächer im „Kālacakra-Tantra“ verwurzelt sind und dort ausführlich dargelegt werden, wird die Buddha-Gestalt des Kalacakra stets mit dem Studium dieser Disziplinen in Verbindung gebracht und als Quelle der Inspiration angerufen.

Der Kontext der Astrologie im Hinduismus 

Es ist interessant zu vergleichen, wie sich Astronomie und Astrologie traditionell in das buddhistische Bildungssystem im Gegensatz zu dem Platz einfügten, den sie im früheren hinduistisch-vedischen Schema einnahmen, wo der Schwerpunkt mehr auf der rituellen Anwendung lag. Astronomie und Astrologie bildeten einen der sechs Zweige der Veden. Diese lauten: 

  • Ritualistik – zur Durchführung der vedischen Opfergaben; 
  • Phonetik – wie die vedischen Gesänge korrekt auszusprechen sind; 
  • poetische Versmaße – wie sie in den Versen der Veden verwendet werden; 
  • Etymologie – insbesondere von verschleierten vedischen Wörtern; 
  • Grammatik – insbesondere des vedischen Sanskrit, das älter ist als das klassische Sanskrit; sowie 
  • Astronomie und Astrologie – um die richtigen Zeiten für die Darbringung der vedischen Opfer zu kennen.  

So, wie man gewisse Parallelen zwischen dem hinduistisch-ayurvedischen System und jener Struktur erkennen kann, die in der tibetischen Medizin angewendet wird, lassen sich auch hier im Bereich der astronomischen und astrologischen Studien ähnliche Parallelen und Unterschiede feststellen. 

Grundlegende Unterteilungen 

Das Studium der Astronomie, der Astrologie und der Mathematik wird als eines der fünf kleineren Wissensgebiete der buddhistischen Klosterausbildung im Tibetischen wörtlich als Sternenberechnung (tib. skar-rtsis) bezeichnet. Diese Tradition breitete sich von Tibet und den Himalaya-Regionen Indiens in die Äußere und Innere Mongolei, die Mandschurei, Burjatien, Kalmückien, Tuwa und alle anderen Gebiete tibetischen Kultureinflusses in Zentralasien und dem heutigen China aus. Sie wurde seit jeher in Verbindung mit der tibetischen Medizin gelehrt. Alle Medizinstudenten müssen die Astrowissenschaften bis zu einem gewissen Grad studieren, während von Astrologiestudenten nicht verlangt wird, Medizin zu studieren.   

Dieses Wissensgebiet umfasst die Berechnungen für Ephemeriden zur Bestimmung der Planetenpositionen sowie jene für die Erstellung des Kalenders und die Vorhersage von Finsternissen. Es beinhaltet ebenso die astrologischen Berechnungen für persönliche Horoskope als auch für die Informationen, die man im jährlichen tibetischen Almanach darüber findet, welche Tageszeiten und Tage günstig oder ungünstig für den Beginn verschiedener Aktivitäten wie etwa die Aussaat von Nutzpflanzen sind. 

Es gibt zwei Unterteilungen dieses astrologischen Lehrstoffes. Eine wird wörtlich als „weiße“ Berechnungen (tib. dkar-rtsis) und die andere als „schwarze“ Berechnungen (tib. nag-rtsis) bezeichnet. „Weiß“ und „Schwarz“ sind jedoch Abkürzungen für aus Indien und China stammende Berechnungen, da die tibetischen Namen für Indien und China nach den vorherrschenden Farben der Kleidung benannt wurden, die die Menschen in diesen Ländern traditionell trugen. Indien und China sind daher bekannt als die Länder, in denen die Menschen überwiegend weiße beziehungsweise schwarze Kleidung tragen. 

Wie es auch bei der tibetischen Medizin der Fall war, verfügt die tibetische Astrologie ebenfalls über Materialien, die jenen ähneln oder von jenen abgeleitet sind, die man sowohl im hinduistischen Indien als auch in China findet. Und auch hier wurden sie modifiziert und in sehr unterschiedlicher Weise verwendet, um das einzigartige tibetische System zu bilden. Obwohl es daher Begriffe und Konzepte gibt, die sie mit der hinduistischen und chinesischen Astrologie gemeinsam haben, weisen diese oft eine andere Interpretation und Anwendungsweise auf.

Aus Indien stammender Lehrstoff 

Der aus Indien stammende Lehrstoff geht in erster Linie auf zwei Quellen zurück, den Kalachakra (tib. dus-’khor) oder Tantra der Zeitzyklen, der spezifisch buddhistisch ist, und den „Svarodaya“ (tib. dbyangs-’char) oder Tantra des Hervorgehens aus Vokalen, das Themen enthält, die von Hindus und Buddhisten gleichermaßen akzeptiert werden. Wenn zwischen beiden unterschieden wird, verwendet man den allgemeinen Begriff „Sternenberechnung“ (tib. skar-rtsis), um sich auf das vom Kālacakra abgeleitete Material zu beziehen. 

Philosophischer Kontext gemäß dem Kalachakra 

Im „Kalachakra Tantra“ hat der Buddha ein System aus äußeren, inneren und alternativen Zyklen der Zeit präsentiert. Die äußeren Zyklen befassen sich mit der Bewegung der Planeten und dem Verstreichen der Zeit, die durch sie in Jahren, Monaten, Tagen und so weiter gemessen wird. Die inneren Zyklen behandeln den Kreislauf von Energien und Atemzügen im Körper. 

Zeit wird im Buddhismus als das Maß der Veränderung definiert. Sie kann folglich entweder dadurch angegeben werden, wie weit sich verschiedene Körper, wie etwa die Sonne, durch den Himmel bewegen, oder dadurch, wie viele Atemzüge eine Person macht. Ganz ähnlich wie die Schwingungen eines Quarzkristalls heutzutage in der europäischen Kultur verwendet werden, könnte jedes von beidem als bestimmendes Merkmal einer Zeitperiode festgelegt werden. Infolgedessen können Perioden so angesetzt werden, dass sie äquivalent entweder durch eine Planetenbewegung oder durch eine spezifische Anzahl von Atemzügen definiert sind. Dies ist die Grundlage für die Kālacakra-Behauptung der Parallele zwischen Makrokosmos und Mikrokosmos. Die alternativen Zyklen umfassen die verschiedenen Meditationspraktiken des Tantra-Systems rund um die Buddha-Gestalt namens Kālacakra, die dazu dienen, Kontrolle über die beiden erstgenannten Zyklen zu erlangen oder sich von deren Einfluss zu reinigen. 

Die äußeren und inneren Zyklen der Zeit verlaufen demnach parallel zueinander und entstehen aufgrund von kollektiven äußeren sowie individuellen inneren Energieimpulsen beziehungsweise Karma. Mit anderen Worten gibt es bestimmte Energieimpulse, die sowohl die planetaren Zyklen als auch jene des menschlichen Körpers antreiben. Diese können wahlweise in einer störenden oder nicht-störenden Weise erfahren werden, da eine enge Beziehung zwischen Energie und Geisteszuständen besteht. Mit den Kālacakra-Praktiken arbeitet man daran, die Beeinflussung durch unkontrolliert wiederkehrende äußere und innere Situationen zu überwinden, sodass man – nicht mehr durch diese begrenzt oder gestört – sein volles Potenzial verwirklichen kann, um jedem bestmöglich zu nützen. 

Oft stehen Menschen unter dem Einfluss ihres persönlichen Horoskops oder werden unkontrolliert von den Veränderungen der Jahreszeiten, des Wetters, der Mondphasen oder von ihrer Position im eigenen Lebenszyklus aus Kindheit, Erwachsenenalter, Alter und so weiter beeinträchtigt. Sie unterliegen oft auch den Zyklen der Energie in ihren Körpern, wie etwa dem Menstruationszyklus oder der Phase von der Pubertät bis zur Menopause. Solche Faktoren können Menschen große Einschränkungen auferlegen. Das Kālacakra-System bietet einen meditativen Rahmen, innerhalb dessen man die Beherrschung durch diese Einflüsse überwinden kann, um die durch sie verursachten Begrenzungen zu durchbrechen und dadurch anderen bestmöglich helfen zu können. Dies ist der allgemeine philosophische Rahmen, innerhalb dessen Astronomie und Astrologie im tibetisch-buddhistischen System studiert werden. Er unterscheidet sich daher deutlich vom hinduistisch-vedischen Ansatz des Studiums dieser Fächer, um den exakten Zeitpunkt für die Durchführung vedischer Rituale zu ermitteln.

Kontrast zum philosophischen Kontext der chinesischen Astrologie 

In der klassischen chinesischen Denkweise wurden Astronomie und Astrologie konsultiert, um die politische Legitimität und Herrschaft aufrechtzuerhalten. In der konfuzianischen Philosophie wird der Kaiser als Mittler zwischen Himmel und Erde begriffen. Handelt der Kaiser, der kaiserliche Hof und die Regierung im Einklang mit den allgemeinen Prinzipien des Wandels im Universum – wie sie sich in den Veränderungen der Tage und Jahreszeiten widerspiegeln –, so verläuft im Reich alles zum Guten, da sie offensichtlich über das verfügten, was als „Mandat des Himmels“ bezeichnet wurde. Wichen sie jedoch von diesem Rhythmus ab, traten Naturkatastrophen ein, was signalisierte, dass sie ihre politische Legitimität verloren hatten. Um die Harmonie aufrechtzuerhalten und die politische Macht zu sichern, war es daher essenziell, die exakten Zeitpunkte der Jahreszeiten und den Fluss der universellen astrologischen Kräfte zu kennen.

Astrologie und Astronomie gehörten damals zu den sechs sogenannten chinesischen okkulten Künsten:

  • Astrologie und Astronomie – das Studium des Laufs der Planeten, der Sternbilder, des Auftretens von Finsternissen als Omen des Unglücks und so weiter. Diese mussten sorgfältig überwacht werden, um nicht unbeabsichtigt die Herrschaft zu verlieren.  
  • Der Almanach – um die Jahreszeiten ordnen zu können, sie an die Tag-und-Nacht-Gleichen sowie Sonnenwenden anzupassen und so weiter. Während der Han-Dynastie, vom 2. Jahrhundert v. Chr. bis zum 2. Jahrhundert n. Chr., musste der Kaiser beispielsweise den Ort seines Hofstaates, die Farbe seiner Gewänder, seine Ernährung und Ähnliches in Übereinstimmung mit den wechselnden Jahreszeiten ändern.  
  • Die fünf Elemente oder Wandlungsphasen – Holz, Feuer, Erde, Metall und Wasser –, deren Zyklen alles beeinflussen.  
  • Weissagung – durch das Ziehen von Schafgarbenstängeln, wie sie mit dem I Ging, dem Buch der Wandlungen, interpretiert werden, oder durch das Bohren von Löchern in einen Schildkrötenpanzer, das Einführen eines heißen Metallstabs und das Deuten der Muster der entstandenen Risse. Dies sind die Methoden, um die genaue Konfiguration der Yang- und Yin-Kräfte des Universums zu jedem beliebigen Zeitpunkt zu kennen.  
  • Verschiedene sonstige Formen der Weissagung.  
  • Die Formenkunde – die Deutung der Physiognomie, insbesondere der Gesichtsform potenzieller Regierungsbeamter, und Geomantie, um Gebäude und Grabstätten im Einklang mit den Naturkräften auszurichten.  

Somit war der philosophische Rahmen für die Astronomie und Astrologie in China auch ganz anders als der tibetisch-buddhistische, wie er im Kalachakra-System dargestellt wurde. Er war politischer Natur, anstatt darauf abzuzielen, die eigenen Begrenzungen zu überwinden und die eigenen Potenziale zu verwirklichen, um anderen bestmöglich zu nützen. Persönliche Horoskope kamen in China erst um das 8. Jahrhundert auf, was höchstwahrscheinlich auf buddhistischen Einfluss zurückzuführen ist.

Die zwei Kālacakra-Berechnungssysteme 

In Verbindung mit der Erörterung der äußeren Zeitzyklen präsentiert das Kālacakra-Tantra die Bewegungsgesetze des Universums sowie die Berechnungen für Ephemeriden, Kalender und Almanache. Es entwickelten sich zwei mathematische Berechnungssysteme, die sich in erster Linie hinsichtlich der täglichen Bewegungskonstante (tib. rtag-longs) der Sonne unterscheiden, sprich in der Distanz, um die sich die Sonne jeden Tag im Verhältnis zu den Sternen weiterbewegt. Vom Kālacakra-Wurzeltantra, das nach der Tradition im Jahr 880 v. Chr. vom König Suchandra von Shambhala aus den Lehren des Buddha zusammengestellt wurde, leitet sich das „Siddhānta“-System beziehungsweise das vollständige Lehrsystem der Berechnungen (tib. grub-rtsis) ab. Obwohl dies das exaktere der beiden Systeme ist, ging es zusammen mit dem Text des Wurzeltantras zur Zeit der Begründung der islamischen Zeitrechnung verloren – nach buddhistischen Quellen im Jahr 624 n. Chr., tatsächlich jedoch im Jahr 622 n. Chr. Dieses vollständige Lehr-System überlebte nur in Fragmenten, die in späteren Kommentaren wie dem Vimalaprabhā oder „Makelloses Licht“ zitiert werden, welches vom zweiten Stammeshalter von Shambhala, Pundarika (Regierungszeit 176–76 v. Chr.), verfasst wurde.  

Das andere ist das „Karana“- beziehungsweise das Übersichtssystem der Berechnungen (tib. byed-rtsis). Es entstammt dem späteren Text, dem „Abgekürzten Kālacakra-Tantra“, verfasst vom ersten Stammeshalter von Shambhala, Mañjuśrī Yaśas, der 276–176 v. Chr. regierte. Als Übersichtssystem ist es komprimierter und im Allgemeinen weniger präzise als das vollständige Lehrsystem. Es wurde im Jahr 806 n. Chr. vom 11. Stammeshalter von Shambhala, Aja, als eigenständiges System kodifiziert.  

Zwischen dem 15. und 17. Jahrhundert rekonstruierten verschiedene tibetische Meister das vollständige Lehrsystem, sodass heutzutage beide Systeme gelehrt werden. Selbst wenn das vollständige Lehrsystem bevorzugt wird, kommt für die Berechnung von Sonnen- und Mondfinsternissen häufig das Übersichtssystem zum Einsatz, da es hierfür bessere Ergebnisse liefert. Das im vollständigen Lehrsystem präsentierte Material ist anhand der Berechnung der fünf Planeten (tib gza’-lnga) und der fünf zusammenfassenden Kalendermerkmale (tib. lnga-bsdus) strukturiert, während im Übersichtssystem üblicherweise nur die fünf zusammenfassenden Kalendermerkmale berechnet werden. Diese werden später noch detaillierter erörtert.

Das System des „Erscheinens aus Vokalen“ 

Die andere Quelle für aus Indien stammendes Astrologie-Lehrmaterial, das „Tantra des Erscheinens aus Vokalen“ – auch bekannt als Yuddhajaya (tib. g.Yul-rgyal) oder „Tantra der siegreichen Schlacht“ –, ist das einzige śivaitisch-hinduistische Tantra (śivaitisch bedeutet Shiva geweiht), das ins Tibetische übersetzt und in die Tengyur-Sammlung indischer Kommentare aufgenommen wurde. Einige Texte aus diesem Tantra werden im „Abgekürzten Kālacakra-Tantra“ selbst sowie in dessen Kommentar „Makelloses Licht“ kritisch diskutiert und entweder korrigiert oder als Aberglaube verworfen. Weitere von ihm abgeleitete Texte werden in späteren tibetischen Kālacakra-Kommentaren, wie jenen von Butön und Khedrup Je, noch detaillierter kritisch behandelt. 

Ein Beispiel für das System des „Erscheinens aus Vokalen“ (tib. dbyangs-’char, Skt. svarodaya) ist die Korrelation zwischen den Tagen des Mondmonats und den Vokalen des Sanskrit-Alphabets. Im Sanskrit gibt es fünf Grundfamilien von Vokalen, wobei jede Familie über einen kurzen und einen langen Vokal verfügt. Jede Familie wird jeweils mit einem Element aus dem indischen Fünf-Elemente-System in Beziehung gesetzt:

  • a, ā – Raum 
  • i, ī – Wind 
  • ṛ, ṝ – Feuer 
  • u, ū – Wasser  
  • ḷ, ḹ – Erde 

Jeder dieser beiden Vokale kann von einem einfachen Vokal zu einem Diphthong und von dort weiter zu einem Halbvokal gesteigert werden:

  • a, ha; ā, hā 
  • e, ya; ai, yā 
  • ar, ra; ār, rā 
  • o, va; au, vā 
  • al, la; āl, lā 

Somit gibt es insgesamt 30 Vokale und jeder ist mit einem der dreißig Tage eines Mondmonats verbunden. Das Entstehen der Erde-, Wasser-, Feuer- und Wind-Mandalas aus den Keimsilben LAM, VAM, RAM und YAM leitet sich aus diesem Schema ab. 

Dieses Schema findet sich in einem System der Prognostik wieder, bei dem man an einem bestimmten Datum eine Frage über eine Person stellt, beispielsweise über den Ausgang ihrer Krankheit oder eines Konflikts mit jemand anderem. Man notiert das Element des Vokals des Datums, an dem die Frage gestellt wurde, sowie das Element des ersten Vokals des Namens der Person. Der Ausgang des Problems kann ermittelt werden, indem man die Beziehung zwischen den Elementen dieser beiden Vokale nach einem bestimmten Schema analysiert. Dieses System wird heutzutage von den Tibetern nicht mehr angewendet.

Horoskope 

Das Hauptmerkmal, das sich jedoch aus dem System des „Erscheinens aus Vokalen“ ableitet, ist das Erstellen persönlicher Horoskope zur Vorhersage. In der europäischen Astrologie liegt das Hauptaugenmerk bei einem individuellen Horoskop darauf, die Geburtssituation zu betrachten und davon ausgehend die Persönlichkeit zu analysieren und zu beschreiben. Dies ist in den indischen Systemen – weder im hinduistischen noch im buddhistischen – von großem Interesse, obwohl es ebenfalls behandelt wird. 

Für die Vorhersage wird in der europäischen Astrologie für jedes Lebensjahr einer Person ein fortlaufendes Horoskop erstellt, indem die Sonne einfach um ein Grad pro Lebensjahr zunimmt. Dies entspricht der Betrachtung der Planetenkonstellation an jenem Tag nach dem Geburtsdatum, der der Anzahl der betreffenden Lebensjahre entspricht. Zudem wird ein Transit-Horoskop für die tatsächliche Position der Planeten an dem spezifischen Tag in der Zukunft oder der Gegenwart gezeichnet, den man überprüfen möchte. Anschließend vergleicht man das Geburts-, Progressions- und Transithoroskop – unter besonderer Berücksichtigung der Winkelabstände (Aspekte) zwischen den Planeten der einzelnen Horoskope –, um die Beziehung zwischen den Grundanlagen, dem allgemeinen Lebens-Trend und der aktuellen universellen Lage sowie den Zyklen zu erkennen und so vorherzusagen, was geschehen könnte.

Im indischen System des „Erscheinens aus Vokalen“, das der hinduistischen und buddhistischen Astrologie gemeinsam ist, liegt das Hauptinteresse darin, die Entfaltung des Lebens einer Person kartografisch zu erfassen. Dies geschieht auf eine ganz andere Weise als in der eben skizzierten europäischen Astrologie. Der Ablauf der Lebensereignisse wird anhand von Zeitperioden berechnet und analysiert, die ab dem Zeitpunkt der Geburt von 9 verschiedenen Planeten beherrscht werden. Jeder dieser Himmelskörper herrscht der Reihe nach für eine spezifische Anzahl von Einheiten, die für jeden Planeten in einem festen Verhältnis variiert und deren Summe sich wie folgt auf insgesamt 120 Einheiten addiert:

  • Sonne – 6 Einheiten  
  • Mond – 10 Einheiten  
  • Mars – 7 Einheiten  
  • Planetenknoten des Nordens – 18 Einheiten 
  • Jupiter – 16 Einheiten  
  • Saturn – 19 Einheiten  
  • Merkur – 17 Einheiten  
  • Planetenknoten des Südens – 7 Einheiten  
  • Venus – 20 Einheiten.  

In der indischen Kalachakra-Literatur gibt es ein ähnliches Schema, jedoch nur mit 8 Perioden, nicht 9, wobei man auf 108 Einheiten kommt und eine Periode auslässt, die vom Planetenknoten des Südens beherrscht wird:

  • Sonne – 6 Einheiten 
  • Mond – 15 Einheiten 
  • Mars – 8 Einheiten 
  • Merkur – 17 Einheiten 
  • Saturn – 10 Einheiten 
  • Jupiter – 19 Einheiten 
  • Planetenknoten des Nordens – 12 Einheiten 
  • Venus – 21 Einheiten. 

Die Lebensspanne wird ausgehend vom Geburtszeitpunkt sowie der natalen Mondposition berechnet und anschließend nach diesen Längenverhältnissen in Perioden unterteilt. Dies beginnt mit jener Periode, die von dem Planeten beherrscht wird, welcher der in der Lebensspannenberechnung ermittelten Geburtskonstellation des Mondes übergeordnet ist. In den indisch-hinduistischen Systemen beträgt die maximale Lebensspanne 120 Jahre, wohingegen sie in der indischen Kālacakra-Texttradition bei 108 Jahren liegt. In Tibet wurde diese auf maximal 80 Jahre reduziert, und es wurde das Schema aus dem System des„Erscheinens aus Vokalen“ übernommen, nicht das Kālacakra-Schema. Im 19. Jahrhundert revidierte der tibetische Meister Mipam (tib. Mi-pham ’Jam-dbyangs rnam-rgyal rgya-mtsho) die maximale Lebensspanne auf 100 Jahre.

Angenommen, jemand hat eine berechnete Lebensspanne von 60 Jahren. Diese wird in 120 gleiche Einheiten unterteilt, was 6 Monaten pro Einheit entspricht. Ausgehend von der natalen Mondposition berechnet man, welcher Planet die Regenten-Sequenz beginnt. Angenommen, es ist die Sonne: Da die Sonne über 6 Einheiten herrscht, werden die ersten drei Jahre von der Sonne beherrscht. Die nächste Periode wird vom Mond beherrscht, was 10 Einheiten umfasst und somit die folgenden fünf Jahre abdeckt, und so weiter. Es gibt allgemeine Deutungen für die Perioden von Sonne, Mond, Mars usw. innerhalb eines Lebens, die durch das Lebensalter modifiziert werden, in dem sie auftreten. Nur dies zu interpretieren ist die allgemeinste Art des Erstellens eines Horoskops. Für eine spezifischere Deutung jeder einzelnen Periode muss man die Stärke ihres jeweiligen Regenten-Planeten im Geburtshoroskop berücksichtigen.

Darüber hinaus kann die von jedem Planeten während der Lebensspanne beherrschte Zeitperiode in 120 kleinere Unterperioden unterteilt werden, die von jedem der Planeten nach denselben Proportionalitätsverhältnissen mitbeherrscht werden, beginnend mit demselben Planeten, der den zu unterteilenden Abschnitt regiert. Dieser Unterteilungsprozess kann weiter fortgesetzt werden, bis sehr kleine Zeitabschnitte innerhalb einer Lebensspanne individuell identifiziert und nach Stunde, Tag und Planetenherrschaft spezifiziert sind. Die Ereignisse im Laufe eines Lebens können dann sehr fein vorhergesagt werden, indem man die regierenden, mitregierenden, sub-regierenden und weiteren Planeten jedes dieser kleinen Zeitabschnitte mit dem Geburtshoroskop vergleicht und die Beziehungen analysiert. Heutzutage wird dies in einem tibetischen Horoskop selten praktiziert.

Obwohl es eine Berechnung für die Lebensspanne von Menschen gibt, sollte man nicht meinen, dass es sich hierbei um ein fatalistisches System der Vorherbestimmung handelt. Es gibt auch eine Berechnung dafür, wie sehr man seine Lebensspanne verlängern kann, wenn man viele positive, konstruktive Handlungen vollzieht – und dies gilt tatsächlich für verschiedene Methoden der Lebensspannenberechnung. Ein tibetisches Horoskop ist im Grunde eine allgemeine Vorhersage dessen, was in einem Leben geschehen könnte, wenn man keine bedeutenden positiven oder negativen Handlungen setzt. Ähnlich wie ein europäisches Horoskop zeigt es die allgemeinen Potenziale auf, mit denen man geboren wird. Aber natürlich können sich die Dinge gemäß den eigenen Handlungen und Praktiken ändern – mit anderen Worten: je nachdem, wie man seine Potenziale nutzt. Die buddhistische Philosophie betont, das Beste aus den eigenen guten Gelegenheiten zu machen und sich davor zu hüten, seinen negativen Impulsen und Tendenzen nachzugeben. Selbst in einem europäischen Horoskop haben Aspekte eine höhere oder niedrigere Bedeutung, abhängig von den Handlungen und dem Lebensstil einer Person. Dies gilt in noch höherem Maße für ein tibetisches Horoskop.

Abgrenzung zu einem hinduistischen Horoskop 

Wie bereits erwähnt, besitzt dieses System des „Erscheinens aus Vokalen“ sowohl einen klassisch-hinduistischen als auch einen buddhistischen Aspekt, und diese weisen eine Reihe bedeutender Unterschiede auf. Was beispielsweise die obige Methode zur Berechnung vorhersagender persönlicher Horoskope betrifft, so wird in den gängigsten hinduistischen Systemen das 120-Einheiten-Verhältnis der Planetenregentschaften auf 120 Jahre bezogen und nicht auf die individuelle Lebensspanne einer Person. Die Abfolge der Planeten sowie die Längenverhältnisse der von ihnen beherrschten Zeitspannen sind jedoch dieselben. Ausgehend von der natalen Mondposition berechnet man, an welchem Punkt innerhalb dieser 120-Jahre-Periode der Lebenszyklus einer Person beginnt; die von den einzelnen Planeten beherrschten Phasen besitzen dann für jeden Menschen eine standardisierte Dauer. 

Wenn beispielsweise die erste Lebensperiode von der Sonne beherrscht wird, würde diese nach dem Standardmaß sechs Jahre dauern. Tatsächlich könnte das Leben gemäß der natalen Mondposition jedoch an jedem beliebigen Punkt innerhalb einer solchen sechsjährigen Sonnenperiode beginnen. Die erste Lebensphase bestünde dann aus jener Restdauer dieser sechsjährigen Periode, die nach dem Geburtszeitpunkt verbleibt. Die zweite Phase, jene des Mondes, erstreckt sich jedoch über festgelegte zehn Jahre. Jede Phase kann wie zuvor unterteilt und gedeutet werden. Im Gegenzug dazu umfasst die erste Lebensphase im tibetisch-buddhistischen System, sofern sie von der Sonne beherrscht wird, immer die vollen 6 der 120 Einheiten der jeweiligen Lebensspanne. 

In den obigen Beispielen, in denen die zweite Phase jene des Mondes ist, erstreckt sich diese im hinduistischen Horoskop über 10 Jahre und könnte – abhängig vom Geburtszeitpunkt – beispielsweise die Lebensjahre 5 bis 15 abdecken. Im tibetischen Horoskop würde sie 10 von 120 Einheiten der 60-jährigen Lebensspanne umfassen, also nur 5 Jahre, von den Lebensjahren 3 bis 8. In einem tibetischen Horoskop durchläuft jeder Mensch Perioden, die von jedem der neun Himmelskörper beherrscht werden, wohingegen man im hinduistischen Horoskop nur so viele Perioden aus dem 120-Jahre-Zyklus durchläuft, wie in die tatsächliche Lebensspanne passen. 

Gemeinsamkeiten im hinduistischen und griechischen System: 12 Tierkreiszeichen und 12 Häuser 

Über diese gemeinsame pan-indische Grundlage werden bestimmte Merkmale auch mit den antiken griechischen Astrosystemen geteilt, wie etwa die Unterteilung des Tierkreises in 12 Zeichen und 12 Häuser – mit denselben Namen für die Zeichen, wie sie im modernen europäischen System verwendet werden, jedoch in tibetischer Übersetzung. Im Tibetischen werden die Zeichen allerdings als „Häuser“ (tib. khyim) und die Häuser als „Perioden“ (tib. dus-sbyor) bezeichnet.

Der Ursprung der gemeinsamen indisch-hellenistischen Astrologie-Merkmale ist umstritten. Einige Wissenschaftler postulieren, dass der griechische astrologische Einfluss ab etwa dem 1. Jahrhundert n. Chr. über römische Händler, die zwischen Alexandria und westindischen Häfen reisten, nach Indien gelangte und nicht über die früheren zentralasiatischen griechischen Königreiche. Andere behaupten, dass der astrologische Einfluss in die umgekehrte Richtung verlief, also von Indien in die griechische und römische Welt. Dies lässt sich nur schwer nachvollziehen. Der Einfluss könnte durchaus wechselseitig gewesen sein.

Der Tierkreis ist jener Gürtel am Himmel, durch den die Ekliptik verläuft – die scheinbare Bahn der Sonne im Laufe des Jahres. Er bildet den Hintergrund für die Bewegung von Sonne, Mond und Planeten, die sich aus der Perspektive der Erde alle durch diesen Gürtel um die Erde zu drehen scheinen. Die 12 markantesten Sternbilder, die sich in annähernd gleichem Abstand voneinander in diesem Gürtel befinden, sind als die Zeichen des Tierkreises bekannt, wie etwa Widder, Stier und so weiter.  Für bestimmte Berechnungen, insbesondere für die Erstellung eines Geburtshoroskops, wird der Tierkreis im tibetischen, hinduistischen und griechischen System daher in 12 Abschnitte oder Zeichen von jeweils 30 Grad unterteilt. Aus der Perspektive der Erde drehen sich die 12 Zeichen einmal täglich vollständig, sodass sich alle zwei Stunden ein anderes Zeichen am östlichen Horizont befindet. Wenn man den Gürtel des Tierkreises nimmt und den tatsächlichen, festen physischen Raum, den er relativ zur Erde einnimmt – vom östlichen Horizont über die Himmelsmitte zum westlichen Horizont, zum Nadirpunkt unter der Erde und zurück zum östlichen Horizont –, in 12 Abschnitte unterteilt, so sind dies die 12 Häuser. 

Wenn man an das Modell einer sich drehenden Schallplatte denkt, lässt sich dies möglicherweise leichter verstehen: Wäre die sich drehende Schallplatte selbst in 12 Abschnitte unterteilt, so entsprächen diese den 12 Zeichen. Wäre die ortsfeste Fläche des Plattenspielers, auf der sich die Platte dreht, in 12 Abschnitte unterteilt, so entsprächen diese den 12 Häusern. Stünde der Plattenspieler senkrecht zur Erdoberfläche, befände sich unser Blickwinkel auf der Erde im Zentrum des Plattentellers und die Platte würde sich vertikal über unseren Köpfen von Horizont zu Horizont drehen, wobei zu jedem Zeitpunkt nur die Hälfte der Platte und des Plattenspielers sichtbar wäre. 

Wie in den hinduistischen Systemen ist der präzise natal ermittelte Aszendent kein besonders hervorgehobener Punkt. Der Aszendent ist jener Punkt im Tierkreis, der sich zum Geburtszeitpunkt am östlichen Horizont befindet, und markiert den Beginn des ersten Hauses. Führt man die Analogie der Schallplatte fort, würde der Aszendent dem Punkt entsprechen, an dem die Nadel des Plattenspielers die sich drehende Schallplatte berührt. 

In sowohl den hinduistischen als auch den buddhistischen Systemen wird der Tag in 12 zweistündige Abschnitte unterteilt, die als astrologische Tagesperioden bekannt sind, und es wird ein Ganzzeichen-Häusersystem verwendet, bei dem jedes Haus ein gesamtes Zeichen umfasst. Wenn jemand nach Ortszeit zu einem beliebigen Zeitpunkt während der ersten zweistündigen Periode geboren wird, wird das natale Sonnenzeichen – da es sich nahe am Horizont befindet – als das Zeichen für das erste Haus genommen.  

Mit anderen Worten: Die erste astrologische Periode des Tages beginnt im Morgengrauen. Heutzutage wird diese standardmäßig von 5 bis 7 Uhr angesetzt, unabhängig von der Jahreszeit oder dem tatsächlichen Eintritt der Dämmerung. Es spielt keine Rolle, zu welchem genauen Zeitpunkt innerhalb dieser zweistündigen Periode jemand geboren wurde. Jenes Zeichen, in dem sich die Sonne zu Beginn dieser zweistündigen Periode befindet, wird als das Zeichen für das gesamte erste Haus genommen. Somit wird das erste Haus ohne jede Berücksichtigung eines exakten Aszendenten berechnet. Wenn die Sonne beispielsweise an einem beliebigen Punkt innerhalb des Widders aufgegangen ist, liegt der Beginn des ersten Hauses am Anfang des Widders, und der gesamte Widder bildet das erste Haus. 

Der Aszendent befindet sich somit nicht nur am Beginn des ersten Hauses – wie in einem europäischen Horoskop –, sondern stets auch am Anfang eines Zeichens. Im europäischen System hingegen kann der Aszendent an jedem beliebigen Punkt innerhalb eines Zeichens liegen. Darüber hinaus wird im tibetischen System der genaue Geburtsort überhaupt nicht berücksichtigt. Im europäischen System ist dieser von zentraler Bedeutung, da die Sonne an verschiedenen Orten – sowohl von Nord nach Süd als auch von Ost nach West – zu unterschiedlichen Zeiten aufgeht. Dies wird im Wesentlichen vernachlässigbar, wenn die Position des Aszendenten nicht direkt mit der exakten Stellung der Gestirne zum Zeitpunkt des Sonnenaufgangs verknüpft wird.

Allgemeine Prinzipien der Deutung 

Die Deutung der Häuser ähnelt jener in den antiken griechischen und hinduistischen Systemen und unterscheidet sich – ungeachtet gewisser Akzentverschiebungen – nur geringfügig von der in der modernen europäischen Astrologie. Die Themen, um die es in jedem Haus geht, sind folgende:

  • 1. Haus – der Körper; 
  • 2. Haus – Reichtum; 
  • 3. Haus – Geschwister und Verwandte; 
  • 4. Haus – Freunde; 
  • 5. Haus – Kinder und Enkelkinder;  
  • 6. Haus – Feinde und Krankheiten;  
  • 7. Haus – Familie und Haushalt;  
  • 8. Haus – Tod;  
  • 9. Haus – Religion; 
  • 10. Haus – Arbeit;  
  • 11. Haus – Gewinne oder Bereiche, in denen man sich entfaltet; und 
  • 12. Haus – Verluste und Ausgaben oder, auf einer höheren Ebene, was einen dazu veranlasst, alle weltlichen Sorgen zu verlieren beziehungsweise sich von ihnen zu befreien. In diesem Sinne repräsentiert das zwölfte Haus spirituelle Angelegenheiten.  

In den hinduistischen und modernen europäischen Systemen betont das 4. Haus eher das Zuhause und das 7. Haus Ehe und Partnerschaften.

Zudem werden die Planeten – wie auch in den hinduistischen Systemen – einfach in ihren natalen Zeichen und Häusern platziert, ohne dass die spezifischen Winkelabstände zwischen ihnen in der Deutung berücksichtigt werden. In der europäischen Astrologie hingegen sind die Winkel oder Aspekte zwischen den Planeten – ob sie miteinander eine Konjunktion, ein Sextil, ein Quadrat, ein Trigon oder eine Opposition bilden – einer der Hauptpunkte, die bei einer Interpretation beachtet werden. Die tibetischen und hinduistischen Systeme berücksichtigen jedoch die allgemeinen Winkelbeziehungen zwischen den verschiedenen Zeichen und Häusern, in denen sich die Planeten befinden; diese Beziehungen variieren allerdings für jeden beteiligten Planeten und sind nicht für alle Planeten, Zeichen und Häuser universell. 

Danksagung 

Dieser Artikel sowie die nachfolgenden Beiträge in diesem Bereich der Website „Study Buddhism“ gehen auf eine Reihe von Vorträgen zurück, die ich vor vielen Jahren in der Sowjetunion gehalten habe.  Im März 1990 hielt ich im Rahmen einer Lehr- und Forschungsreise durch die Sowjetunion und die Mongolei in Moskau eine Vortragsreihe in der Medizinischen Bibliothek des Gesundheitsministeriums der UdSSR. Die Vorträge wurden vom Zentrum für Traditionelle Medizin der Abteilung für Medizinische Information (Sojusmedinform) des Gesundheitsministeriums der UdSSR unter der Leitung von Dr. Natalia Lukjanowa und dem Zentralen Geistlichen Rat der Buddhisten der UdSSR unter der Führung seines Moskauer Repräsentanten Tom Rabdanow organisiert und mitgestaltet. Die Vorträge wurden auf Englisch gehalten und von Andrej Terentjew mündlich ins Russische übersetzt. Gemeinsam mit späteren Überarbeitungen und Erweiterungen wurden sie von Slawa Komarowskij, Jelena Schilingowskaja und Andrej Terentjew unter dem Titel „Tibetischer Buddhismus und tibetische Kultur in moderner Perspektive: Eine Vortragsreihe in der Sowjetunion“ für die Publikation in russischer Sprache vorbereitet. Sie werden bei Sojusmedinform des Gesundheitsministeriums der UdSSR erscheinen. Das vorliegende Werk stellt eine weitere Überarbeitung und Neugliederung auf der Grundlage dieses Textes dar.

Ich möchte Seiner Heiligkeit dem Dalai Lama und Lodi Gyari Rinpoche meinen Dank und meine Wertschätzung für ihre Ermutigung zu diesem Projekt aussprechen. Ebenso bedanke ich mich für all die Hilfe und die Informationen, die ich im Zuge der Recherche zu diesem Material erhalten habe, bei: Dr. Natalja Lukjanowa, Tom Rabdanow und Andrej Terentjew in Moskau; dem verstorbenen Hochehrwürdigen Bandido Khambo Lama J.J. Erdyneev, Ehrw. Cho Dorji, Ehrw. Sherab Jamtso, Ehrw. Bazarsada, Prof. Regbi Pubayev, Dr. Elbert Bazaron und Dr. Viktor Poopyshev in Burjatien; Ehrw. Gombo Badmaevich Tsybikov und Ehrw. Jinba Jamtso Tsybenov in Tschita; Ehrw. Tuwang Dorji, Dr. Petr Bitkeev, Dr. Juli Oglaev, Alevtina Ulanova und Elsa Bakaeva in Kalmückien; Ehrw. Lama Shinbayol, Dr. Uriy Aranchyn, Dr. Kaadyr-ool Bicheldei, Mongush Kenin-Lobsan und Damdin Kuular in Tuwa; dem Hochehrwürdigen Gaadan Gambajov, Ehrw. Choji Jamtso, Ehrw. Divasambuu, Ehrw. Dambajov, Ehrw. Dr. Mugh Tembrel, Ehrw. Dr. Natsogdorj, Ehrw. Nasambogh, Dr. Lubsantseran, Wangchindorj und L. Terbish in der Mongolei; sowie Ehrw. Yeshe Lodro Rinpoche, Gyatsho Tshering, Dr. Tenzin Choedrak, Dr. Namgyal Qusar, dem verstorbenen Prof. Lodro Gyatso, Prof. Jampa Gyeltsan Dagthon, Tenzin Choegyal und Aleksandar Kocharov in Dharamsala, Indien. Weiterhin danke ich Ehrw. Thubten Chodron für ihre Anregungen zur Vereinfachung des Stils und der Sprache dieses Textes. Alle unbeabsichtigten Fehler oder Unklarheiten, die in diesem Werk verblieben sein mögen, liegen allein in meiner Verantwortung. 

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