Resultate der karmischen Hinterlassenschaft

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Schwierigkeiten mit der Terminologie beim Studium des Karmas 

Eine der Schwierigkeiten bei diesem Studium besteht in der tibetischen Terminologie, die unterschiedliche Bedeutungen hat. Im Tibetischen kann man beispielsweise Potenziale und Tendenzen auch als Gewohnheiten bezeichnen. Es ist einfach furchtbar, dass man tibetische Begriffe auch für viele unterschiedliche Dinge, über die wir gesprochen haben, benutzen kann. Ich habe mich bei den Fachausdrücken für Potenzial, Tendenz und Gewohnheit jeweils auf nur eine Bedeutung beschränkt. Wenn ihr die Texte lest, ist es wahrscheinlich ziemlich verwirrend, da die Begriffe oft abwechselnd benutzt werden. Man muss sich die Definitionen einer bestimmten Sache ansehen, die auf vielerlei unterschiedliche Weise bezeichnet werden kann.

[Siehe: Arten von karmischen Folgen: Gebrauch von technischen Begriffen]

Es gibt also Potenziale, die konstruktiv oder destruktiv sein können und vereinfacht ausgedrückt bezieht sich das auf die Handlungen, die Zuschreibungen danach und die nichtoffenbarenden Formen. Es gibt Tendenzen, die unspezifisch und auch Zuschreibungen sind. Sowohl Potenziale als auch Tendenzen werden sich, im Gegensatz zu den nichtoffenbarenden Formen, in ständige karmische Gewohnheiten umwandeln, sobald sie keine weiteren Resultate mehr hervorbringen. Die ständigen karmischen Gewohnheiten sind unspezifisch und lassen die Erscheinung der wahren Existenz entstehen. Die ständigen karmischen Gewohnheiten lassen diese Erscheinung jeden Augenblick entstehen, wohingegen die Potenziale und Tendenzen ihre Resultate nur manchmal und nicht jeden Augenblick entstehen lassen.

Karmische Resultate entstehen aus einer komplexen Verbindung 

Kommen wir zu den karmischen Resultaten und hier werden wir nur über die karmischen Resultate von Potenzialen und Tendenzen reden. Davon ist normalerweise nur die Rede, wenn es um verhaltensbedingte Ursache und Wirkung geht. Hier reden wir über diese Resultate und es gibt vier Arten von Resultaten. Eigentlich sind es nur drei, aber da eins von ihnen hat zwei Teile hat, handelt es sich im Grunde um vier. Es gibt die gereiften karmischen Resultate; die karmischen Resultate, die der Ursache im eigenen Verhalten ähneln; die karmischen Resultate, die der Ursache in der eigenen Erfahrung ähneln; und die dominanten karmischen Resultate.

Zunächst sollten wir erst einmal verstehen, dass es sich bei Ursache und Wirkung um eine höchst komplizierte Thematik handelt, die nur ein Buddha vollkommen verstehen kann. Jedes Resultat wird aus einer Vielzahl von Kombinationen, einer komplexen Verbindung zahlreicher Ursachen und Bedingungen, hervorgebracht. Nichts ist auf nur eine Ursache zurückzuführen und ein Phänomen kann als viele verschiedene Ursachen für zahlreiche unterschiedliche Dinge wirken. Es ist keine lineare Sache, bei der eine Ursache nur eine Auswirkung hervorbringt, und sich ein Resultat aus nur einer Ursache ergibt. Vielmehr handelt es sich um eine unfassbar komplexe Verbindung und damit etwas stattfinden kann, sind zahlreiche Ursachen notwendig. 

Gereiftes karmisches Resultat 

Es ist notwendig, die Definitionen all dieser Resultate zu kennen, um sie verstehen zu können. Das gereifte karmische Resultat, also die erste Art des karmischen Resultats, sind die nicht-behindernden unspezifischen Dinge, die mit unserem geistigen Kontinuum als begrenztes Wesen verbunden sind. Der Begriff unspezifisch heißt, dass sie weder konstruktiv noch destruktiv sind. Sie können entweder konstruktive oder destruktive Phänomene begleiten. Sie bleiben von Natur aus unspezifisch, aber sie können in Verbindung konstruktiv oder destruktiv werden. 

Einige gereifte karmische Resultate verhindern die Befreiung und andere nicht. Unser Körper und auch unser Geist verhindern die Befreiung nicht. Wir können konstruktives oder destruktives Verhalten ausüben. Hingegen ist beispielsweise das Greifen nach wahrer Existenz oder das Greifen nach einem unmöglichen „Ich“ unspezifisch und kann entweder so genannte befleckt konstruktive oder destruktive Dinge begleiten und die Befreiung verhindern. 

Worum geht es hier? Hier geht es um gereifte karmische Resultate, also den Körper, das Bewusstsein, die Gefühle von Glück und Leid in Bezug auf die fünf Aggregate. Was die anderen Geistesfaktoren betrifft, wären nur die unspezifischen von ihnen gereifte karmische Resultate, wie Konzentration, Unterscheidungsvermögen und Aufmerksamkeit. Konstruktive und destruktive Geistesfaktoren, wie Wut oder Liebe, sind keine gereiften karmischen Resultate. Sie haben ihre eigenen Tendenzen und ihr eigenes Kontinuum, aus dem sie stammen.

Gereifte karmische Ursachen 

Gereifte karmische Resultate stammen aus reifenden karmischen Ursachen. Auch sie sind mit unserem geistigen Kontinuum verbunden. In Vasubandhus System gibt es sechs Arten von Ursachen und vier Arten von Resultaten, sowie noch einigen mehr, die nicht in dieser Liste enthalten sind. In Asangas System gibt es zwanzig Arten von Ursachen. Die Analyse der Kausalität und die verschiedenen Arten von kausalen Faktoren ist sehr komplex und ausgefeilt. Eine reifende karmische Ursache ist mit unserem geistigen Kontinuum verbunden und muss entweder befleckt konstruktiv oder destruktiv sein. Konstruktive oder destruktive reifende Ursachen bringen laut Definition unspezifische gereifte Resultate hervor. 

Aber um der Definition noch etwas hinzuzufügen, sind reifende Ursachen nicht frei von der Feuchte des Dürstens. Dieses Wort, das ich aus dem Sanskrit-Begriff mit Durst übersetze, wird aus dem Tibetischen normalerweise mit Begehren übersetzt. Aber das ursprüngliche Sanskrit-Wort bedeutet Durst und daher passt es zur Definition der niedrigen Ebene der Feuchte des Durstes. Hierbei handelt es sich um das achte Glied der „zwölf Glieder des anhängigen Entstehens“. Das Dürsten, das achte Glied, ist eines von zwei Gliedern der zwölf Glieder des anhängigen Entstehens, das karmisches Potenzial aktiviert. Aus diesem Grund ist die Rede davon, wie diese reifende Ursachen aktiviert werden muss. Potenziale müssen aktiviert werden und sie werden durch Dürsten aktiviert. Ich werde euch eine Definition dazu geben und beschreiben, was Dürsten in diesem Zusammenhang bedeutet.

Wenn wir wirklich durstig sind und uns nur ein klein wenig Wasser zur Verfügung steht, dürsten wir danach, nicht von diesem Wasser getrennt zu werden, denn wir wollen mehr. Sind wir glücklich, dürsten wir danach, nicht von diesem Gefühl getrennt zu werden. Wir dürsten nach immer mehr und wollen es nicht verlieren. Sind wir unglücklich und erfahren das Gefühl des Unglücklichseins, ist es als wären wir durstig und würden danach trachten, von dem unangenehmen Gefühl des Durstes getrennt zu werden. Haben wir ein neutrales Gefühl, was sich auf diese tiefen Zustände der Meditation auf den höheren Ebenen der Existenz bezieht, dürsten wir danach, dass sie sich nicht zurückziehen oder abschwächen.

Dieses achte Glied, verbunden mit dem neunten, einer herbeiführenden Emotion oder Geisteshaltung, kann karmisches Potenzial aktivieren. Ich werde die herbeiführende Geisteshaltung hier nicht näher beschreiben, da sie ein Komplex vieler verschiedener Faktoren ist. Der Begriff heißt wörtlich „herbeiführen“ und bezieht sich auf das, was die nächste Wiedergeburt herbeiführt. Es ist nicht das gleiche Wort wie beim Greifen oder dem Greifen nach wahrer Existenz, obwohl es oft so übersetzt wird. Es handelt sich vielmehr um einen völlig anderen Begriff und daher ist es verwirrend, es als Greifen zu übersetzen. Das führt zu Missverständnissen, denn es handelt sich nicht um dieses Wort.

Worauf wir uns hier beziehen, ist das karmische Potenzial und wir sollten uns daran erinnern, worum es hierbei geht. Das karmische Potenzial ist das Denken, Sprechen und Handeln; die Zuschreibung dessen; sowie die nichtoffenbarende Form. Da ist das karmische Potenzial und es ist konstruktiv oder destruktiv. Das karmische Potenzial kann als eine reifende karmische Ursache wirken. Auf der anderen Seite sind karmische Tendenzen unspezifisch und sie wirken nicht als reifende karmische Ursache. 

Was bringen karmische Potenziale hervor? Sie bringen einen Körper, Bewusstsein, Gefühle und Dinge, wie Konzentration und Aufmerksamkeit hervor. Fokussieren wir uns aber nur auf Körper, Bewusstsein und Gefühle. Wir haben das alle schon tausende Male gehört: Glück entsteht aus konstruktivem, positivem Potenzial oder Verdienst, und Unglück aus negativem karmischen Potenzial. Das ist der Mechanismus der reifenden Ursachen und Resultate. Glück und Leid sind unspezifisch. Man kann glücklich oder unglücklich sein, während man etwas Konstruktives oder etwas Destruktives tut.

Was heißt es, wenn wir sagen, der Körper wäre ein reifendes Resultat? In Bezug auf die zwölf Glieder geht es darum, einen Körper in einem zukünftigen Leben zu bekommen, sowie darum, welche Art von Körper wir bekommen werden. Wird es beispielsweise der Körper eines Tieres, eines Geistes oder eines Menschen sein? Der Körper selbst ist im Fall eines Menschen auf Same und Eizelle der Eltern zurückzuführen. Same und Eizelle sind nicht die reifenden Ursachen. Die Rede ist davon, was diese Art der Wiedergeburt verursacht und nicht woraus er besteht. Wir sprechen nicht vom rein geistigen Chittamatra-System. 

Was ist in diesem Moment verantwortlich für das Bewusstsein, das Gefühl des Glücklichseins, die Aufmerksamkeit usw., wenn wir es in Bezug auf den Moment der Wahrnehmung betrachten? Welche Körperteile werden in einem Moment der Handlung beteiligt sein, wenn wir den Körper als Grundlage dafür nehmen? Werden wir den anderen mit unserer Hand oder unserem Fuß verletzen? Die Sinne des Körpers sind eine Sache, aber der Körper selbst hat seine eigenen unterschiedlichen Arten von Ursachen. Welche Sensoren der Wahrnehmung werden in einem Moment der Wahrnehmung daran beteiligt sein? Werden es die lichtempfindlichen Zellen der Augen oder die geräuschempfindlichen Zellen der Ohren sein? Um welche geht es? Der wesentliche Aspekt ist, dass sie nicht diese reifenden Ursachen herbeiführen. 

Das Objekt der Wahrnehmung, dass ich beispielsweise jemanden treten werde, wird als gleichzeitig wirkende Bedingung der Wahrnehmung bezeichnet. Es reift nicht von diesem Potenzial heran, wie es laut dem Chittamatra-System der Fall ist. Es ist eine Bedingung, die gleichzeitig mit dem stattfindet, was von unserer Seite kommt. Dieser Körper ist eine gleichzeitig auftretende Ursache des Körpers und das bedeutet, dass die Ursache zur gleichen Zeit auftritt wie das Resultat. Das bezieht sich auf die Elemente des Körpers, wie die Flüssigkeiten, die festen Bestandteile, die Luft, das Verdauungssystem, das Kreislaufsystem usw. Diese führen ganz offensichtlich in gewissem Sinne einen Körper herbei. Sie treten gleichzeitig mit dem Körper auf. Ohne sie würden wir keinen Körper haben, aber das ist eine andere Art der Ursache. Es ist nicht so, dass die Flüssigkeiten und festen Bestandteile zuerst da sind und wir erst dann unseren Körper bekommen. Vielmehr treten sie gleichzeitig auf. 

Karmische Tendenzen sind Ursachen des gleichen Status 

Welche Rolle spielen dann hier die karmischen Tendenzen? Sie sind unspezifisch und nicht die reifenden Ursachen von Körper, Bewusstsein und Gefühlen. Sie werden als Ursachen des gleichen Status bezeichnet. Das ist eine andere Art von Ursachen und sie haben eine andere Auswirkung auf Körper, Bewusstsein und Gefühle. Gleicher Status heißt, dass sie eine Art von Ursache sind, dessen Resultate spätere Momente in derselben Kategorie von Phänomenen sind, wie sie selbst. In diesem Fall sind sie unspezifisch, denn Körper, Bewusstsein und Gefühle sind unspezifisch. Potenziale sind konstruktiv oder destruktiv und können daher nur reifende Ursachen sein. Tendenzen sind unspezifisch, weswegen sie lediglich Ursachen des gleichen Status sein können. Jede wirkt auf etwas andere Weise im Komplex der Kausalität.

Karmische Resultate, die der Ursache im eigenen Verhalten ähneln 

Die nächste Art des karmischen Resultats ist das karmische Resultat, das seiner Ursache im eigenen Verhalten ähnelt. Das bezieht sich auf die Geistesfaktoren oder Wünsche, eine vorher begangene karmische Handlung zu wiederholen. Vielleicht erinnert ihr euch daran, wie wir mit der Abfolge der Entfaltung des Karmas begonnen haben. Zunächst gab es den Geistesfaktor, sich zu wünschen etwas zu tun, mit dem wir denken: „dies würde ich gern tun“. Dieser Geistesfaktor ist das karmische Resultat, das der Ursache im eigenen Verhalten ähnelt. Wir würden gern etwas tun und beruhend darauf haben wir den Drang es zu tun. Wenn ich gern jemanden anschreien würde, heißt das nicht, dass ich ihn auch anschreien muss. Ich könnte mich ebenso entscheiden, es nicht zu tun und das ist der Moment, an dem wir innehalten und uns beherrschen. Wenn der zwingende Drang erst einmal da ist, kann man ihn schwer aufhalten. Wir können zu einem früheren Zeitpunkt einschreiten, wenn wir etwas gern tun würden und beispielsweise den Wunsch haben, zum Kühlschrank zu gehen, oder wenn wir beim Bäcker vorbeigehen und den Wunsch nach einem Schokoladenkuchen haben. Es bedeutet keineswegs, hineingehen zu müssen und ihn zu kaufen. Aber der Wunsch, die Handlung zu wiederholen, wird weiterhin auftreten. Wenn wir beispielsweise mit dem Rauchen aufhören, haben wir vielleicht immer noch den Wunsch nach einer Zigarette, aber das heißt nicht, dass wir sie auch rauchen werden. Das ist das karmische Resultat, das der Ursache im eigenen Verhalten ähnelt. Darum geht es hier.

Resultate des gleichen Status 

Woher stammen nun also diese Resultate des Wünschens, eine frühere Handlung zu wiederholen? Sie stammen aus den karmischen Potenzialen. Der Wunsch etwas zu tun, kann konstruktiv oder destruktiv sein, je nachdem, ob das, was wir tun wollen, konstruktiv oder destruktiv ist. Zum Beispiel ist der Wunsch, andere anzuschreien oder der Wunsch, Schokolade zu essen, destruktiv oder konstruktiv und kann daher kein reifendes Resultat sein. Reifende Resultate sind ausschließlich unspezifisch. 

Es sind Resultate des gleichen Status karmischer Potenziale. Karmische Potenziale sind konstruktiv oder destruktiv und das karmische Resultat, das seiner Ursache im eigenen Verhalten ähnelt, der Wunsch etwas zu tun, ist konstruktiv oder destruktiv. Das Verhältnis zwischen diesen beiden muss vom gleichen Status und kann keine reifende Beziehung sein. Nehmen wir den Wunsch, jemandem zu helfen, oder es jemandem schwer zu machen. Was würden wir gern tun? Wollen wir jemanden quälen oder haben wir den Wunsch, jemandem zu helfen? 

Karmische Resultate, die den Resultaten in der eigenen Erfahrung ähneln 

Dann gibt es karmische Resultate, die den Resultaten in der eigenen Erfahrung ähneln. Sie beziehen sich auf das Bewusstsein, mit dem wir erleben, wie uns etwas widerfährt, das dem ähnelt, was wir selbst vorher getan haben. Da das Bewusstsein ein unspezifisches Phänomen ist, handelt es sich bei dem Resultat auch um ein reifendes Resultat unseres konstruktiven oder destruktiven karmischen Potenzials und um eine Ursache des gleichen Status, wie dem unserer karmischen Tendenzen. Bei diesem Resultat geht es lediglich um das Bewusstsein, etwas zu erleben und nicht darum, was jemand uns antut. Es bezieht sich darauf, wie wir erleben, was jemand uns antut. 

Was andere tun ist das Resultat ihrer karmischen Tendenzen oder Potenziale, und nicht das, unserer karmischen Tendenzen und Potenziale. Unsere karmischen Tendenzen und Potenzialen führen lediglich dazu, dies zu erfahren. Das Karma des anderen ist beispielsweise dafür verantwortlich, dass er uns mit seinem Auto anfährt, während wir nur dafür verantwortlich sind, es zu erleben. Wir sind nicht schuld daran, dass der andere uns mit seinem Auto angefahren hat. Das ist ausgesprochen wichtig in Bezug auf unser ganzes westliches Syndrom der Schuld. Uns trifft keine Schuld, wenn der andere uns mit seinem Auto anfährt. Das Karma des anderen ist verantwortlich dafür, uns mit seinem Auto anzufahren, während unser Karma nur dafür verantwortlich ist, von einem Auto angefahren zu werden. Wäre es nicht dieses Auto gewesen, hätte uns jemand anderes angefahren. 

Dominante Resultate 

Kommen wir zu den dominanten Resultaten. Sie beziehen sich auf das Bewusstsein, mit dem wir die Art der Umgebung oder des Umfeldes erfahren, in dem wir geboren wurden oder eingetreten sind. Durch das Bewusstsein werden wir geprägt, Objekte, wie unser Eigentum und was mit ihnen geschieht, zu erfahren. Beispielsweise denken wir, Dinge gehen ständig kaputt, oder Dinge gehen nie kaputt. Diese Auswirkungen dominieren in der Weise, dass sie sich in einer bestimmten Wiedergeburt auf alles erstrecken, was wir erfahren. 

Die Umgebung entsteht aus allen möglichen äußeren Ursachen. Der karmische Aspekt davon ist unsere Erfahrung dieser Umgebung. Natürlich könnten wir beispielsweise an der Umweltverschmutzung beigetragen haben. Das ist etwas anderes und wird als ein von Menschenhand geschaffenes Resultat bezeichnet. Hier geht es jedoch um den Grund, warum wir etwas erfahren. Das bezieht sich auf das geistige Bewusstsein, aber durch das Bewusstsein könnten wir es ebenso wahrnehmen. Das Bewusstsein ist ein unspezifisches Phänomen und ist wiederum das reifende Resultat unseres karmischen Potenzials und die gleiche karmische Ursache der karmischen Tendenzen 

Herbeiführende Ursachen 

Neben diesem System haben wir auch die so genannten herbeiführenden Ursachen. Die herbeiführende Ursache ist das, von dem man etwas als sein Nachfolger erhält und das dann aufhört zu existieren, wenn der Nachfolger in Erscheinung tritt oder wenn eine Reihe von Nachfolgern in Erscheinung getreten sind. Der Same ist die herbeiführende Ursache für den Keimling. Wenn der Keimling in Erscheinung tritt, gibt es den Samen nicht mehr. Der Keimling ist der Nachfolger des Samens, der nach ihm kommt. 

Die karmischen Potenziale, die die essentielle Natur einer Tendenz haben, und die karmischen Tendenzen sind die herbeiführenden Ursachen für alle vier Arten von Resultaten, über die wir gesprochen haben, mit Ausnahme des Körpers. Die herbeiführende Ursache für den Körper sind nicht die karmischen Potenziale. Ein karmisches Potenzial wird nicht zu unserem Körper. Es wird zu dem Bewusstsein, den Gefühlen usw. Es ist das, was es herbeiführt und zu sagen, es würde zu etwas werden ist auch nicht wirklich korrekt. 

Der Körper ist auf die karmischen Ursachen und Potenziale als herbeiführende Ursache zurückzuführen. Ein Beispiel wäre der ungebackene Teig, der die herbeiführende Ursache für das Brot ist. Die karmischen Tendenzen und Potenziale sind also die herbeiführende Ursache für das Bewusstsein, die Gefühle usw., aber sie sind nicht die herbeiführende Ursache für den Körper.

Ursprungsquelle 

Es gibt einen weiteren Aspekt, über den wir hier reden müssen und man bezeichnet ihn als Ursprungsquelle. Die Ursprungsquelle ist wie der Mutterleib, der ein Baby hervorbringt, oder der Ofen, aus dem Brot kommt. In vielen Fällen sind die herbeiführende Ursache und die Ursprungsquelle dasselbe. Der Same ist die herbeiführende Ursache für den Keimling, aber auch seine Ursprungsquelle, denn der Keimling wird vom Samen hervorgebracht. 

Ursache der gleichen Art 

Hier kommt nun die nichtoffenbarende Form mit ins Spiel. Zunächst sollte ich in Bezug auf das Netzwerk positiven Potenzials erwähnen, dass es entweder zu weiterem, jedoch besserem und schönerem Samsara beiträgt, oder, je nach Motivation und Hingabe, zu Befreiung oder Erleuchtung führt. Ist die Motivation Bodhichitta und wird es dem Bodhichitta, unserer Erleuchtung, gewidmet, wirkt es als ein erleuchtungsbildendes Netzwerk positiver Kraft. Wird es nicht gewidmet, trägt es lediglich zu einem verbesserten Samsara bei. 

Das Netzwerk erleuchteten positiven Potenzials, diese zugeschriebene nichtkongruente Variable, ist die herbeiführende Ursache für die Formkörper eines Buddhas. Hier sollten wir nicht vergessen, dass das positive Potenzial der Handlungen zu einem Ende gekommen ist und nicht mehr stattfindet. Diese nichtkongruenten Variablen sind unserem geistigen Kontinuum zugeschrieben und sie begleiten uns bis hin zur Erleuchtung, wenn wir es nicht ruinieren. Es geht darum, immer mehr Bodhichitta aufzubauen. Dieses Netzwerk ist immer noch da, direkt bevor man Erleuchtung erlangt, und wird die herbeiführende Ursache für die Formkörper eines Buddhas sein. 

Die Handlungen sind ebenfalls Potenziale, aber sie sind zu einem Ende gekommen; sie sind vorbei und finden nicht länger statt. Jedoch haben wir immer noch die nichtkongruenten Variablen, die sich, unserem geistigen Kontinuum zugeschrieben, bis hin zur Erleuchtung weiter fortsetzen, wenn wir sie nicht vollends erschöpfen. Daher ist es wichtig, mehr und mehr positive Potenziale aufzubauen und alles, bis zur Erleuchtung, zu widmen. Ohne Motivation und Widmung führt es einfach nur zu einer schönen Zeit in Samsara und dann ist es erschöpft und wird zu einer ständigen karmischen Gewohnheit. 

Die positiven Handlungen des Bodhichitta werden als Ursache der gleichen Art bezeichnet. Man nennt sie auch die „32 hervorragenden Zeichen und 80 vorbildlichen Merkmale des höchsten Nirmanakaya“. Was ist beispielsweise die Ursache dafür, dass ein Buddha eine lange Zunge oder irgendeines der großen oder kleinen Merkmale eines Buddhas hat? Der Grund ist, dass Buddha sich beispielsweise als ein Bodhisattva um andere mit solcher Güte gekümmert hat, wie eine Mutter, die ihr Junges ableckt. Das positive Potenzial dieser tatsächlichen Handlung nennt man Ursache der gleichen Art. Es ist wie ein Vorbild der Merkmale eines höchsten Nirmanakaya. Man kann nicht sagen, es wäre die herbeiführende Ursache, da sie nicht länger stattfindet und nicht mehr gegenwärtig ist.

Natürlich ist es auch notwendig, ein Netzwerk tiefen Gewahrseins als gleichzeitig auftretende Bedingung für das Erlangen eines Formkörpers zu haben. Aber wir werden es nicht noch komplizierter machen, indem wir auch darauf eingehen. 

Nichtoffenbarende Formen als Ursprungsquelle für den Formkörper eines Buddhas 

Kommen wir zu dem, auf das all diese Dinge hinführen. Wie ihr euch vielleicht erinnern könnt, stammen Körper, Geist, Bewusstsein und Objekt, im Chittamatra-System von Asanga, von der gleichen Ursprungsquelle ab. Das ist im Prasangika-System nicht der Fall. Die Ursprungsquelle des Formkörpers und die Ursprungsquelle des Geistes eines Buddhas müssen verschieden sein. Das ist meine eigene Analyse und vielleicht liege ich auch falsch. Für mich ergibt es einen Sinn, dass die Ursprungsquelle als unmittelbar vorangehende Ursache, als das, was da ist, bevor der Formkörper eines Buddhas erscheint, auch die Form eines physischen Phänomens sein sollte. Die nichtoffenbarenden Formen, und die Bodhisattva-Gelübde als eine nichtoffenbarende Form positiven Potenzials, sind einer der Gründe, warum Tsongkapa diese ganze Erklärung von Vasubandhu über die nichtoffenbarenden Formen wieder mit ins Spiel bringt. Auf diese Weise kann es eine unmittelbar vorangehende Ursache für den Formkörper eines Buddhas als seiner Ursprungsquelle geben, die auch eine Form des physischen Phänomens und Teil des gesamten Netzwerks positiver Kraft ist.

Unser grober, befleckter Körper, der zwar all die Kanäle, Winde usw. aufweist, kann sich nicht in den Körper eines Buddhas umwandeln. Aber es gibt diese nichtoffenbarenden Formen und Bodhisattva-Gelübde im Sutra-System. Im Anuttarayoga-Tantra-System würde man dann auch darüber reden, aus was die nichtoffenbarenden Formen bestehen und man würde die subtilsten Winde behandeln. Das ist eine weitere Präzisierung.

Nun können wir verstehen, warum es so schlimm ist, Bodhichitta oder die Bodhisattva-Gelübde aufzugeben, oder beispielsweise nie wieder daran zu arbeiten, anderen zu helfen. Auf diese Weise verlieren wir die nichtoffenbarende Form und damit das Gelübde. Wir verfügen dann nicht mehr über das, was den Formkörper eines Buddhas hervorbringt und das wäre eine Katastrophe. 

Schlussfolgerung und Widmung 

Das war eine ziemlich ausführliche Erklärung, obwohl man natürlich noch weiter ins Detail gehen könnte. Wir müssen damit arbeiten und wie ihr gesehen habt, hilft uns Tsongkhapas Gelugpa-Version des Karmas, viele andere Dinge in den Dharma-Lehren zu verstehen. All das ergibt einen Sinn. Wir können verstehen, warum er das System der Erklärung des Karmas ablehnte, das zu seiner Zeit vorherrschend war und auf Vasubandhu zurückgriff, um diese Darstellung mit seinem Madhyamika-Prasangika-Verständnis zu modifizieren. 

Wenn wir nun die Widmung aussprechen, bezieht sich der Abschnitt: „möge jegliches Verständnis, jegliche positive Kraft“ auf das positive Potenzial und das tiefe Gewahrsein. Wenn wir sagen: „möge es als Ursache dafür wirken, die Erleuchtung aller zu erreichen“, stärken wir damit das erleuchtungsbildende Netzwerk, denn es geschieht mit Bodhichitta. Wir haben mit der Motivation begonnen und nun bauen wir das erleuchtungsbildende positive Potenzial auf und stärken es immer mehr, indem wir es der Erleuchtung widmen. Das betrifft sowohl die nichtkongruente Variable mit der Zuschreibung als auch die nichtoffenbarende Form. Diese Dinge werden jedes Mal gestärkt, wenn wir eine Widmung machen. Das erleuchtungsbildende Netzwerk wird bis hin zur Erleuchtung fortgesetzt und wird auf sehr komplexe Weise für die Formkörper eines Buddhas verantwortlich sein.

Wir denken also: Mögen die positive Kraft und das Verständnis, die hier aus all dem entstanden sind, sich immer weiter vertiefen und als Ursache nicht nur für mich, sondern für alle wirken, die Erleuchtung eines Buddhas zu erlangen.

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