Dem Leben mit Meditation über Vergänglichkeit und Entsagung eine Bedeutung geben

Dem Leben eine Bedeutung geben 

Nun werden wir mit dem Text weitermachen. Wir sind beim zweiten Vers.

(2) Höre zu mit klarem (Geist), o Glücklicher, dessen Geist sich auf den Pfad stützt, der die Siegreichen erfreut, indem er nicht an den Freuden der zwanghaften Existenz haftet und bemüht ist, diesem Leben, das mit Ruhepausen und bereichernden Faktoren ausgestattet ist, Bedeutung zu verleihen. 

Die Freuden der zwanghaften Existenz beziehen sich auf die Tatsache, dass der Geist von uns normalen Menschen immer Sinnesfreuden hinterherjagt. Wir wollen uns immer gut fühlen und es ist, als wären wir völlig verliebt in den Genuss. Wenn die einzige Sache, nach der wir im Leben trachten, der Genuss ist, dann ist das ziemlich destruktiv. Sie ist der Grund dafür, wenn nichts wirklich Sinnvolles in unserem Leben passiert. Wir jagen einfach nur den Sinnesfreuden hinterher und sind völlig besessen davon, zu genießen und unsere Sinne zufriedenzustellen. Allerdings sind wir nie zufrieden. Unser ganzes Leben ist auf diese Weise völlig banal, denn auch Tiere tun nichts anderes. Darüber hinaus bringt uns das keinen inneren Frieden und wirkt auch nicht als ein Gegenmittel für Leid. 

Sind wir ständig mit weltlichen Aktivitäten beschäftigt oder trachten nach Sinnesfreuden, führt das nur zu jeder Menge Problemen und Leiden. Es gibt einen großen Lama, der einen Text mit dem Namen: „Sich an die Unbeständigkeit erinnern“ verfasste. Laut ihm werden alle weltlichen Aktivitäten, mit denen wir beschäftigt sind, nie zu einem Ende kommen, bis wir uns selbst entscheiden, dass es jetzt reicht, denn sobald wir eine Aufgabe erledigt haben, kommt eine neue. 

Es gibt buchstäblich kein Ende dieser Liste von weltlichen Aktivitäten, mit denen wir unser ganzes Leben verbringen können. Zuerst suchen wir nach einem Haus. Wir müssen genug Geld haben, um ein Haus zu kaufen und uns darum zu kümmern, also brauchen wir einen Job, der normalerweise einen Großteil unserer Zeit raubt. Haben wir dann unser Haus gekauft, müssen wir es einrichten und arbeiten weiter, um es erhalten zu können. Es gibt kein Ende und auch wenn wir ein Haus gefunden und bezahlt haben, ist das nicht das Ende unserer Aktivitäten. Wir müssen das Haus auch ständig saubermachen! Man kann dies ein wenig mit den Wellen im Ozean vergleichen, die eine nach der anderen kommen, ohne Ende. Unsere weltlichen Aktivitäten sind genauso, bis wir uns bewusst dafür entscheiden, ihnen ein Ende zu setzen. Tatsächlich werden wir keine Zufriedenheit in diesen weltlichen Aktivitäten finden.

Ist es nicht so, dass unser ganzes Leben, von der Kindheit bis jetzt, aus einer Aktivität nach der anderen, einem Problem nach dem anderen bestand? Sind wir klein, müssen wir etwas lernen, also gehen wir zur Schule. Uns wird gesagt, dass wir es tun müssen, um später einen guten Job zu bekommen. Später ist es schwierig mit einem Platz an der Universität. Haben wir unsere Ausbildung beendet, ist es wiederum nicht einfach, einen Job zu finden. Und wenn wir ihn gefunden haben, trachten wir nach immer mehr Geld und einer besseren Position. Haben wir es dann geschafft, sind berühmt und haben eine florierende Karriere, müssen wir den Ruhm und Reichtum beschützen, die wir geschaffen haben. Es gibt einfach kein Ende. Wir sind bestrebt, wie es im Text heißt, unser Leben mit Ruhepausen und bereichernden Faktoren sinnvoll zu gestalten, tun es jedoch auf völlig falsche Weise. Im Moment haben wir diese kostbare menschliche Wiedergeburt mit Freiheiten und Ausstattungen. Es ergibt nicht wirklich einen Sinn, nur ein gewöhnliches Leben zu führen, wie wir es gerade beschrieben haben. Ist es nicht so? 

Wir alle haben unsere eigenen Ziele im Leben und niemand kann uns sagen, irgendetwas zu tun. Nicht einmal die Buddhas können uns zwingen, etwas zu tun. Es liegt an uns, unser Leben so zu leben, wie wir es für richtig halten. Doch nun geht es hier um destruktive Emotionen und darum, wie wir sie aufgeben. Werden wir, sobald die Diskussion vorüber ist, mit unserem normalen Leben weitermachen, nicht mehr an das denken, worüber wir gesprochen haben und tun, was uns beliebt, werden die Lehren natürlich nicht funktionieren. Es ist interessant, dass die meisten von uns die Bedeutung der Lehren sehr gut verstehen und sogar völlig mit ihnen einverstanden sind, doch dann, aus irgendeinem Grund, ihr Streben nach weltlichen Aktivitäten und Zielen trotz allem nicht aufgeben. 

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