Fehlerhafte Sicht der konventionelle Wahrheit der Dinge

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Wir haben uns ein Stück weit mit den ersten vier Kapiteln von Aryadevas Text beschäftigt bisher. Dort geht es ja darum, dass es, dass dort Übungen gezeigt werden, mit denen man sich von vier Arten von fehlerhaften Betrachtungen des Körpers befreien kann. Diese vier Kapitel stehen eben im größeren Kontext des, der ersten Hälfte des gesamten Textes, wo es generell darum geht, fehlerhafte Betrachtungsweisen der konventionellen Seite der Dinge zu beseitigen und die störenden Emotionen zu überwinden, die aus diesen fehlerhaften Betrachtungsweisen resultieren. 

Wir hatten die ersten drei Kapitel komplett besprochen. Dort geht es darum, sich vom Greifen nach dem Körper als etwas Beständigem zu befreien, wo er doch unbeständig ist, vom Greifen nach dem Körper als etwas Angenehmem, da er etwas Unangenehmes ist, vom Greifen nach dem Körper als etwas Reinem, während er stattdessen unrein ist. Wir hatten mit der Hintergrunddiskussion für das vierte Kapitel begonnen, wo es darum geht, sich vom Greifen des Körpers zu befreien, wo man danach greift, dass der Körper ein unmögliches Selbst besitzt würde, während er ein solches unmögliches Selbst nicht besitzt. Wir können jetzt mit dem vierten Kapitel, mit dem eigentlichen Inhalt des vierten Kapitels, beginnen.

Aryadeva spricht ja hier über diese vierte fehlerhafte Betrachtungsweise, und er, ja und, und er spricht sich selbst hier wie ein, wie ein König an; ach so, ja, er redet über die, über fehlerhafte Betrachtungsweisen, die bezogen auf den Körper eben störende Emotionen auftreten lassen können; und hier geht’s, hier tut er das am Beispiel des Körpers, dass man also stolz ist auf sich. Oder also ich bin, nach dem Motto ich bin stolz auf „mich“, und das Ich dabei als etwas für sich Erkennbares, für sich allein Begreifbares auffasst, unabhängig von anderem. Dabei spricht er sich selbst als, als König an, wie den König der dortigen Region, was in diesen Texten relativ typisch ist, was ja auch Nagarjuna zum Beispiel in einigen seiner Texte tut. Natürlich ist es trotzdem, obwohl es erst mal vordergründig den König anspricht, genereller anwendbar, wovon dort die Rede ist. Ich kann nur denken, dass es vielleicht so war, dass die, weil die Könige eben dann vielleicht Gönner der Klöster waren, dass dann eben sie ein stärkeres oder starkes Interesse daran hatten, eben auch entsprechend Belehrungen zu bekommen.

Ob Ihr das nachvollziehen könnt: also wenn man stolz ist, dann basiert das eben zum Beispiel auf der Vorstellung „Ich bin König“, als wäre da ein „Ich“, was unabhängig von eben irgendwas anderem existieren könnte und unabhängig von irgendwas anderem erkennbar wäre, unabhängig vom Körper, vom eigenen früheren Handeln, unabhängig davon, wie man König geworden ist. Dann denkt man eben „Ich bin König“ und ist dann eben auf dieser Grundlage stolz. Dann ist die Frage: Ist eben zum Beispiel der Körper der König? Was ist der König eigentlich? Wenn man natürlich an einen König denkt, dann muss man sich zumindest auf irgendetwas beziehen. Auch wenn man einen König empfängt, dann kann man sich eben fragen: Was ist der König eigentlich?

Er spricht eben den König an und sagt dann, dass es als König eben unangebracht ist, auf das eigene „Selbst“ oder sogenannte „Selbst“ stolz zu sein und meint eben: das Land gehört dir nicht, einfach weil es von allen anderen geteilt wird, die dort leben.

Man ist der Diener der Leute, denn man wird von ihren Steuern bezahlt und muss für sie arbeiten. Und wenn einen die Leute beschützen und sich um einen kümmern, dann ist das nur, damit man sich um die Leute kümmern kann und für sie sorgen kann. Insofern kann man eben an solchen Dingen erkennen, dass der König nicht einfach so losgelöst für sich selbst als König existiert.

Weiterhin heißt es dann eben, dass man teilt nicht nur die Steuereinnahmen oder den steuerlichen Reichtum, den man von den Leuten einnimmt, sondern auch die negative karmische Kraft, die die Leute ansammeln, wenn sie einem dienen, zum Beispiel wenn sie im Krieg für einen kämpfen. Das wird im Abhidharmakosha sehr, sehr deutlich gemacht, dass es eben so ist, wenn ein König die Leute in den Krieg schickt, da er dann eben auch die gleiche negative Kraft aufbaut wie die Leute, die eben selbst diesen Krieg dann wirklich führen.

Wie kann man so als König glücklich sein, wenn man andere Menschen bestraft und ihnen Leiden und Schwierigkeiten einbringt? Wie kann das eine Quelle von eigenem Glück sein? Wie kann man sich freuen, wenn man andere ausbeutet und sie fortschickt, um Kriege für einen zu führen und solche Dinge? Hier geht es natürlich nicht nur um das unmittelbare Glück und die unmittelbaren Folgen, sondern eben auch um die längerfristigen karmischen Auswirkungen solcher Handlungen.

In diesem indischen Kontext ist es eben so, dass die Menschen teilweise ein sehr starkes Kastenbewusstsein oder Kastenempfinden haben und das dann natürlich wiederum eine ziemliche Quelle von Stolz ist, wenn Leute denken, ich gehöre eben zu dieser oder jener hochgestellten Kaste. Und Aryadeva weist eben darauf hin, dass diese Position in ner bestimmten Kaste, dieser Status, aus früheren karmischen Ursachen hervorgegangen ist und nicht von der Kaste selbst irgendwie bestimmt wird oder von der Kaste selbst kommt. Es ist nichts inhärent vorhanden, was einen als, zum Mitglied dieser Kaste macht, also sollte man eben über die eigenen Handlungen nachdenken und über die karmischen Auswirkungen, die sich daraus ergeben werden. Wenn außerdem die Tätigkeit, die Beschäftigung bestimmen würde, zu welcher Kaste man wahrhaft gehört, dann wäre es so, dass auch ein Unberührbarer zum Brahmanen oder zum Mitglied der königlichen Kaste würde, wenn er eben diese entsprechende Tätigkeit ausführt. Also ist diese ganze Vorstellung von Kasten wirklich sehr unlogisch.

Wenn man also stolz auf die eigene Autorität und Macht ist, dann kann man sich, oder dann, wenn der König dies ist, dann kann er, dann soll er sich andere Herrscher vergegenwärtigen, die eben noch mächtiger sind. Das ist also ein genereller Ratschlag gegen Stolz: Also wenn man denkt, man ist besser in irgendner Form oder hat mehr, dann kann man sich andere in Erinnerung rufen, die einen da noch übertreffen. Und wenn man also andererseits denkt, dass man dann wirklich der Schlechteste von allen ist in irgend ner Beziehung, dann kann man das auch relativieren, indem sich in der Regel, also indem sich eigentlich immer jemand finden lässt, der noch entweder der noch schlechter dran ist, dem es noch schlechter geht und so weiter. Auch wenn es vielleicht bei Bill Gates so ist, dass er der, wirklich der reichste Mensch der Welt ist, trotzdem im Zweifelsfall ist dann, sind dann wenigstens Staatsfinanzen noch umfangreicher.

Die Erklärungen in diesem Kapitel sind eben nicht nur für Könige anwendbar und es ist wichtig, solche Punkte eben auf die eigene Situation zu beziehen. Wenn man zum Beispiel auf den eigenen Beruf stolz ist, ganz gleich was das ist, nehmen wir mal das Beispiel eines Arztes, dann kann man eben auch sich vor Augen halten, dass das Arzt-Sein abhängig ist von anderen, dass man der Diener anderer ist und ein Arzt sich eben um andere kümmern muss. Dass man nicht nur positive Kraft dadurch gewinnt, dass man anderen hilft, sondern dass Ärzte eben manchmal auch Fehler machen, dass ihre Patienten sterben, dass dann auch bei den Familien entsprechend, Familien entsprechend in Trauer sind und so weiter. Und die Position eines Arztes, die kommt natürlich aufgrund von vielen Ursachen und Umständen und viel harte Arbeit zustande und nicht einfach so bloß für sich. Und wenn, und es gibt auch immer Ärzte, die besser oder die schlechter sind als man selbst.

Kapitel 5 beschäftigt sich, oder zeigt das Verhalten von Bodhisattvas auf. Aryadeva kommt dann eben zu einem sehr wichtigen Punkt: er weist darauf hin, dass ein Buddha, dass keine Handlung eines Buddhas ohne Nutzen für andere ist. Und der Grund dafür ist eben, dass ein Buddha allwissend ist und deshalb auch weiß, was nützlich und was nicht nützlich ist. Aus diesem Grund sind eben sämtliche Handlungen eines Buddha und eben – letztlich gedanklich ergänzt – auch eines Bodhisattva ausschließlich von Nutzen für andere.

Wenn man mal also bestimmte Erklärungen hört, dann fragt man sich vielleicht manchmal: „Warum hat der Buddha das nun ausgerechnet erklärt? Das ist ja schon irgendwie ein Stück merkwürdig“. Aber ganz gleich, was es ist, also es wird immer für den Nutzen von irgendjemandem gedacht sein oder gemeint gewesen sein, auch wenn man für sich selbst vielleicht diesen Nutzen jetzt an sich selbst nicht, nicht weiß oder, genau. Zum Beispiel könnte man sich eben fragen: „Warum hat der Buddha all diese verschiedenen philosophischen Positionen gelehrt, warum hat er all die anderen Systeme auch erklärt, die eben nicht so genau sind und die eben widerlegt oder falsifiziert werden können? Der Grund dafür ist eben, dass es für einzelne bestimmte Individuen passend war und zu ihrem Nutzen.

Dann kommt ein weiterer sehr wichtiger Punkt, den Aryadeva anspricht, nämlich dass alle Handlungen, die man ausführt, nützlich und schädlich in Abhängigkeit von der Motivation und Absicht sind und dass ein Bodhisattva also aufgrund seiner Absicht auch Handlungen oder dass, ja, Handlungen zu etwas Konstruktivem werden lassen kann, die in der Regel eigentlich eher zerstörerisch und destruktiv sind.

Diesen Punkt kann man eben natürlich debattieren. Wenn man zum Beispiel das Beispiel der Euthanasie nimmt. Wenn man also jemanden tötet, weil er oder der dem Tod relativ nah ist, der keine Möglichkeit hat zur Genesung und der eben starkem Leiden und starken Schmerzen ausgesetzt ist. Ganz gleich, ob das nun eine Person ist oder beispielsweise ein Haustier wie ein Hund oder eine Katze. Wie ist es dann, wenn die Motivation gut ist und wenn man eben wirklich möchte, dass die Person dadurch frei von Leiden und Schmerzen wird, ist das dann karmisch konstruktiv? Und da kam erst mal nochmal der Einwand, dass man auf jeden Fall sehr genau kucken muss, ob man die andere Person vielleicht nicht auch ja in gewissem Sinne loswerden möchte, einfach weil man selbst nicht mehr ertragen kann, damit konfrontiert zu sein. Das ist auf jeden Fall richtig. Wenn es jetzt aber so wäre, dass es wirklich aus Mitgefühl ist, Beispiel dafür hier gehen wir aber davon aus, dass die Motivation wirklich Mitgefühl ist, ein klassisches Beispiel dafür gibt es in den Jataka-Geschichten, was wahrscheinlich jeder kennt: Es war also so, dass der Buddha in einer früheren Geburt als Bodhisattva eben Navigator auf einem Schiff war mit 499 Händlern.

Eben der Steuermann vorhatte, die alle zu töten. Dass es keinen anderen Weg gab, ihn aufzuhalten, als eben diesen Steuermann stattdessen zu töten. Der Buddha tat eben dann genau das aus großem Mitgefühl, um einerseits die ganzen Passagiere zu retten und um andererseits zu verhindern, dass dieser Steuermann eben diese Absicht ausführen kann und dadurch dann eben auch noch eine sehr, also sehr viel Leid durch höllische oder Wiedergeburt in Höllen erfährt. Es stellt sich eben die Frage, war das nun eine konstruktive Handlung, dieses Töten? 

Wenn wir uns also die Erklärung ankucken, dann müssen wir zwei verschiedene Dinge unterscheiden, nämlich einerseits die eigentliche Handlung und andererseits die Motivation, aufgrund derer die Handlung ausgeführt wird. Beide führen zu getrennten Ergebnissen. Bei dieser Geschichte mit dem Buddha, wo er dann diesen Steuermann getötet hat, heißt es, dass er durch diese reine Motivation die erste unzählige Ansammlung von zahllosen Altern an der Ansammlung von Verdienst vollendet hat damit, an positiver Kraft. Andererseits ist es aber so, dass die Handlung des Tötens, was von Natur aus eine zerstörerische Handlung war, dann eben trotzdem eine negative Auswirkung hatte. Ich bin nicht mehr sicher, ob es dann so war, dass der Buddha dadurch eben noch mal Kopfschmerzen hatte oder ob er sich dann dadurch, ob das dadurch war, dass er sich einen Dorn in den Fuß getreten haben soll. Jedenfalls durch diese sehr positive Motivation kann natürlich dann die negative Auswirkung sehr abgeschwächt werden, aber es ist trotzdem eine negative Handlung und sie kann nicht in etwas Positives umgewandelt werden.

Bei den sekundären Bodhisattva-Gelübden gibt es eine Aussage, dass, wenn Notwendigkeit dafür besteht, dass man dann Dinge tun soll, die zerstörerisch sind. Dass man da nicht einfach sagen kann, ich darf das jetzt nicht tun wegen meinen Gelübden. Im Vinaya gibts ja auch Beispiele, die in so eine Richtung gehen: Zum Beispiel wenn eine Frau ertrinkt, dann kann ein Mönch natürlich nicht einfach sagen, ich darf jetzt die Frau nicht anfassen, er muss sie natürlich retten. eine Frau anzufassen ist allerdings keine von Natur aus zerstörerische Handlung. Bei den Bodhisattva-Gelübden gehts also an der Stelle um schwerwiegendere Dinge. Aber jedenfalls wenn man dann negative Handlungen ausführt, dann sind es eben trotzdem negative Handlungen. Und der, die Idee dahinter ist eher, dass ein Bodhisattva dann eben im Zweifelsfall auch bereit ist, die entsprechenden negativen Auswirkungen tatsächlich auf sich zu nehmen und im Zweifelsfall auch Wiedergeburten in ner Hölle auf sich zu nehmen, wenn es eben nötig ist, um anderen wirklich nützen zu können dadurch. Andererseits ist es aber schon so, dass die Motivation insgesamt und die Absicht der wichtigste Faktor sind.

Dann kommt nochmal die Frage, wie das ist, dass es eben einen Kommentar gibt, wo gesagt wird, dass man die sieben zerstörerischen Handlungen, also die drei zerstörerischen Handlungen des Körpers und die vier zerstörerischen Handlungen der Rede, nur dann ausführen kann, wenn man ein Bodhisattva ist, der bestimmte Wunderkräfte hatte: die Fähigkeit hat, entweder einen toten Baum wiederzubeleben oder eine Person, die gestorben ist, das Bewusstsein dieser Person wieder mit dem Körper zu verbinden. Und dass man solche zerstörerischen Handlungen sonst nicht tun darf, wenn man diese entsprechenden besonderen Fähigkeiten nicht besitzt. 

Also für die Fähigkeit, jemanden ins Leben zurückzurufen, gibt es ja auch so eine klassische Geschichte von Tilopa und Naropa. Naropa war ja der gelehrteste Abt von Nalanda, als er eben ausgezogen ist und später dann Tilopa getroffen hat. Es brauchte natürlich ein bisschen was, auch ihn vielleicht zu überzeugen. Es heißt eben, dass dann Tilopa einen lebendigen Fisch gegessen hat und dann später die Gräten auf den Boden getan hat und mit dem Finger geschnipst hat und dann der Fisch wieder lebendig war. Allerdings stellt sich die Frage, ob an der Stelle eben wirklich Mitgefühl für den Fisch mit im Spiel war. Da gibt es dann eben noch eine andere Erklärung, wo davon die Rede ist, dass man als Bodhisattva sich nicht mit Wunderkräften zurückhalten darf und mit dem Verwendung besonderer Fähigkeiten, wenn es nötig ist, jemanden, jemanden in ne, in eine bestimmte positive Richtung zu lenken. Wenn man eben diese Fähigkeiten besitzt und es wirklich von der Situation her notwendig ist, dann darf man sich eben nicht zurückhalten und sagen, ich bin jetzt so bescheiden und mach das deshalb nicht.

Dann kommt nochmal die Frage, ob es nicht vielleicht auch in einem bestimmten Kloster so ist, dass eben diese, oder dass es so erklärt wird, dass man nur mit bestimmten Fähigkeiten diese zerstörerischen Handlungen tun darf. Ich kann nicht sagen, jedenfalls ist es definitiv so, dass man auf ner sehr hohen Stufe sein muss, um solche negativen Handlungen dann wirklich durchzuführen, weil es einfach so ist, dass es sehr viel voraussetzt, tatsächlich reines Mitgefühl zu haben, aufgrund dessen man das dann, aufgrund dessen man dann zerstörerische Handlungen wirklich mit dem Wunsch des Wohls anderer ausführt. Wenn es eben so ist, dass diese zerstörerischen Handlungen nicht aus reinem Mitgefühl passieren, dann ist es eben zum Beispiel so, dass ganz schnell auch Ärger mit im Spiel ist und so was in der Richtung und dann wird es natürlich wesentlich zerstörerischer. 

Auch in den Abhidharma-Texten werden auch weitere Faktoren besprochen, die eben die Auswirkung einer Handlung sehr verstärken. Und da gehört nicht bloß die vorhergehende Motivation dazu, die einen ursprünglich zum Ausführen der Handlung verhandelt, zum Ausführen der Handlung treibt, sondern auch die, der begleitende emotionale Zustand, den man eben während der Handlung selbst hat. Wenn es also zum Beispiel so ist, dass man Mitgefühl mit dem eigenen Kind hat und es deshalb vor einem Moskito schützen möchte, das vielleicht Malaria hat, dann ist es trotzdem so, dass man beim Töten des Moskitos Aggressionen empfinden wird, Aggression empfinden muss in der Regel. Weil man ja dieses Moskito wirklich töten möchte. 

Genau so, wenn man jetzt vielleicht Insekten im Haus hat und dann eben diese Insekten vollständig ausrotten möchte, dann ist es auch sehr deutlich, dass eine Menge Aggression mit im Spiel ist, weil man sie dann eben vollständig beseitigen will. Und ein weiterer Faktor, der dann eventuell noch dazukommt, ist die abschließende Emotion: am Ende ist es vielleicht sogar noch so, dass man dann stolz darauf ist und denkt „Ah, das ist was wirklich toll, ich hab sie alle erwischt“. Das macht die Sache dann natürlich auch nochmal schwerwiegender. Also selbst wenn man jetzt wirklich aus Mitgefühl negative Handlungen ausführen muss für das Wohl anderer, dann sollte man darüber nicht stolz sein oder nicht glücklich sein, dass man das getan hat.

Es gibt also viele Beispiele, die man anbringen könnte für das Ausführen negativer Handlungen mit nem positiven Ziel: wenn also, wenn im Zweiten Weltkrieg jemand vielleicht Juden versteckt hat, die verfolgt wurden und dann vielleicht irgendwelche Sondereinheiten zum Haus gekommen sind und gefragt haben, ja, „Wird hier irgend jemand versteckt?“, dann wäre es sicher nicht angebracht, dass ein Bodhisattva in dieser Situation sagt: „Oh ja, die sind hier!“. „Die sind hier hinter der, hinter der Wand.“ Insofern gibt es durchaus vorstellbare Situationen, wo diese Erklärung eben anwendbar ist auch für uns.

Welche Rolle spielt das Bereuen, wenn man eine negative Handlung bereut?

Eben Reue oder Bedauern die negativen Konsequenzen, verringern kann oder abschwächen kann, die sich ergeben. So dass man sich eben vor Augen hält, dass man was Negatives, also ganz gleich, ob man nun was Negatives getan hat, um anderen zu nützen oder vielleicht auch was Negatives getan hat aufgrund von störenden Emotionen, ohne dass man das hätte tun müssen – in beiden Fällen kann man sich eben vor Augen halten, dass man etwas Negatives getan hat und es eben bedauern, dass man‘s getan hat. Das hat jetzt nichts mit Schuldgefühlen zu tun, aber dass man sich eben vor Augen hält, dass es was Negatives war und dass man wünscht, man hätte es nicht getan und dass man eben sich so gut wie möglich bemüht, das nicht zu wiederholen. Auch die positive Richtung im eigenen Leben wieder für sich innerlich erneuert und diese negative Handlung eben kompensiert, indem man sich bemüht, möglichst viel Positives tut.

Bei diesem Beispiel, wenn eben jemand jetzt Juden versteckt hätte und die, dann die, diesen Sondereinheiten vielleicht sagen würde: „Nein, hier ist niemand“, dann wäre das eben eine Handlung, die nicht aus, aufgrund von Abneigung oder Ablehnung gegenüber diesen Sondereinheiten passieren würde, sondern eben aufgrund von Fürsorge für die versteckten Juden. Und zusätzlich wäre es eine Handlung, bei der derjenige bewusst in Kauf nehmen würde, dass er eben eine negative Handlung tut, indem er lügt und bereit ist eben auch die Konsequenzen zu tragen, falls es jetzt eben rauskommen würde, dass er gelogen hat.

Mitgefühl alleine nicht genug ist, sondern dass da eben auch, dass dies auch mit Weisheit verbunden sein muss. Dass man eben erst mal kucken muss, ob es wirklich überhaupt keine Alternative gibt also.

Sie ist also auf das Beispiel mit der Mutter und dem Moskito zurückgekommen: Vielleicht gibts eben andere Möglichkeiten, vielleicht könnte sie eben, wenn sie das Geld dafür hat, ein Moskitonetz oder eben ja so Repellents kaufen, und das, die, die Insekten vertreiben,. Dann bestünde eben nicht die Notwendigkeit, das Insekt zu töten. Das ist richtig, aber wenn es jetzt eben die Situation so ist, dass das Moskito dem Kind schon auf dem Gesicht sitzt, dann wird man natürlich jetzt nicht zum Laden, sagen „Ich geh jetzt zum Laden und kauf erst mal Repellents.“ Sondern dann wird’s so sein, dass man keine Pause-Taste für das Moskito irgendwas tun musst und. Gut, und dann stellt sich natürlich dann auch die Frage, muss man jetzt das Kind dann sozusagen mit schlagen, um das Moskito töten zu können. Könnte eventuell in der Situation sein, dass man eben eine negative Handlung tun muss, die eben aber im Vergleich mit dem, was man verhindern will, geringer ist.

Der nächste Punkt, den Aryadeva dann anspricht, ist, dass Bodhisattvas, um ihren Schülern zu helfen, eben auf ihre Bedürfnisse eingehen müssen, so wie ein Arzt eben auf die Bedürfnisse der Patienten eingeht und nicht jetzt mit seinen Patienten kämpft.

Weil eben der Feind nicht der Patient ist, sondern die Krankheit des Patienten. Und es geht darum, dem Schüler zu helfen, seine störenden Emotionen zu überwinden, was aber eben vielleicht nicht immer einfach ist, wenn der Schüler eben zum Beispiel faul ist oder eben nicht das tut, was man ihm sagt und so weiter. Aber dann sind eben die störenden Emotionen das Problem.

Es wird eben gesagt, dass der Lehrer, also wenn ein Lehrer eben Schülern Erklärungen gibt, dass er dann mit den Themen anfangen soll, dass, mit, für die sie, oder die sie vorziehen und eben nicht zu schnell sein soll. Dass der Lehrer den Schülern eben nicht sofort die tiefgründigsten Themen beibringen sollte, die ja zu nem spirituellen Verfall der Schüler führen könnten, wenn sie diese zum falschen Zeitpunkt beigebracht kriegen. Und dann geht’s ja, zum Beispiel dass man eben niemandem sofort voreilig Leerheit oder Tantra zu erklären versucht, der dafür noch nicht bereit ist.

Wenn also jemand jetzt, wenn man jetzt jemandem das erklären soll, wofür, was er eben vorzieht, dann ist das sicherlich nicht so gemeint, dass, wenn jemand kommt und sagt „Ja, ich will jetzt Tantra erklärt kriegen“, dass man eben dann sofort vom ersten Tag auf ner tiefgründigen Ebene Tantra erklärt. Sondern es gab mal die, eine Situation, wo jemand zu Serkong Rinpoche gekommen war, ein Hippie, der gerade im Drogenrausch war und der meinte, er würd jetzt gern die Sechs Yogas von Naropa erklärt bekommen. Serkong Rinpoche meinte dazu eben, dass er das, dass das sehr gut sei, dass er sich dafür interessieren würde und dass er eben, wenn er, wenn er das studieren wollte, so und so anfangen sollte. Und dann hat er ihn eben auf grundlegendere Erklärungen erst mal, erst mal hingewiesen, aber er hat ihn sehr ernst genommen und hat nicht einfach gesagt, das ist ja dämlich. Sondern, ja.

Es heißt, dass ein Bodhisattva sich genauso um andere kümmert wie eine Mutter, die sich um ihr krankes Kind kümmert und die dann natürlich sehr besorgt ist, wenn ihr Kind eben krank ist. Es gibt auch niemanden, dem ein Bodhisattva nicht helfen würde, dem ein Bodhisattva eben nicht zur Befreiung und zur Erleuchtung führen würde. Aufgrund dieses Wunsches zu helfen ist es eben so, dass Bodhisattvas so lange bei den anderen Lebewesen bleiben, wie das Universum fortbesteht. Das ist also ein wichtiger Punkt. Wenn jemand jetzt sehr aufgebracht ist oder, oder so, dann ist es oft so, dass wir dann eher Angst bekommen und nicht wissen, wie wir mit der Situation umgehen und dass wir dann die andere Person vielleicht eher abweisen oder zurückweisen, eben vielleicht weil wir so einen Gefühl haben, dass wir nicht, nicht ausreichend mit dieser Situation umgehen können. Das sind aber die Personen, denen ein Bodhisattva gegenüber am freundlichsten und am sanftesten gegenüber wäre. Wenn man also selbst mit so ner Person nicht wirklich umgehen oder so ner Person nicht helfen kann, dann kann man wenigstens versuchen, sie eben auf eine freundliche Art und Weise an jemanden zu verweisen, der ihr helfen kann.

Wenn beispielsweise jemand heroinsüchtig ist oder Alkoholiker ist, dann ist es oft so, dass Leute die Einstellung haben, dass sie denken, die Person ist, ist völlig, ja, verloren oder ist ein völlig hoffnungsloser Fall und auf diese Art und Weise die andere Person dann total zurückweisen. Und denken die Person ist ja nichts mehr wert oder so was in der Richtung. Dann geht es eben auch sehr, so ein Grund dafür ist eben oft, dass, dass man dann vielleicht sich mit dieser Person oder dem Problem nicht beschäftigen will oder nicht weiß, wie man sich damit beschäftigen soll. Dann geht’s eben auch sehr, sehr schnell dahin, dass man die Person selbst als negativ identifiziert. An der Ecke muss man also dann vorsichtig sein. Das unterstreicht noch mal einen wichtigen Punkt, also dass wir eben neben Mitgefühl auch zusätzlich Weisheit benötigen. Dass wir eben wissen müssen oder einschätzen müssen, was es ist, womit dem anderen am besten geholfen werden kann oder wer ist eine Person, die dem anderen am besten helfen kann. Oder wer könnte zumindest jemanden kennen, der der anderen Person besser helfen kann.

Da kommt dann die Frage, was man denn tut, wenn man eben ner anderen Person nicht helfen kann oder wenn die andere Person sich eventuell auch distanziert und Abstand möchte. Also wenn die andere Person Abstand möchte, dann kann das vielleicht sogar besser sein oder eine große Hilfe sein für die andere Person, wenn wir eben der anderen Person auch den Raum lassen und uns nicht aufdrängen. Wenn wir, also vielleicht kann es sein, dass wir in bestimmten Situationen im Augenblick nicht helfen, andererseits ist es so, dass wir als ein Bodhisattva natürlich die Bestrebung haben, letztlich allen zu helfen, letztlich alle zur Befreiung und Erleuchtung zu führen. 

Also wenn die andere Person Abstand möchte, dann kann das vielleicht sogar besser sein oder eine große Hilfe sein für die andere Person, wenn wir eben der anderen Person auch den Raum lassen und uns nicht aufdrängen. Wenn wir, also vielleicht kann es sein, dass wir in bestimmten Situationen im Augenblick nicht helfen, andererseits ist es so, dass wir als ein Bodhisattva natürlich die Bestrebung haben, letztlich allen zu helfen, letztlich alle zur Befreiung und Erleuchtung zu führen. 

Wenn jetzt jemand zu uns kommt, also da gabs mal bei Serkong Rinpoche eine Situation, wo jemand eben zu Serkong Rinpoche gekommen ist und ihn um Hilfe gebeten hat. Serkong Rinpoche meinte, ich kann dir da nicht helfen, wir haben einfach die karmische Verbindung nicht, dass ich dir dabei helfen kann. Aber der und der Lama, der kann dir dabei helfen, und hat ihn dann eben zu jemand anderem hingeschickt. Wenn, das wär also was, wenn man, was man tun kann vielleicht, wenn die andere Person zu jemand zu einem kommt und man nicht weiß, wie man helfen soll. Wenn die andere Person nicht kommt, dann kann man sich der anderen Person natürlich auch nicht aufdrängen, also zumindest, wenn die andere Person wirklich die Hilfe nicht annehmen möchte. Dann kann es auch kontraproduktiv sein. Wenn wir andererseits eben die Möglichkeit zur Hilfe haben und die andere Person die Hilfe haben möchte, dann sollten wir es natürlich auch tun. Es kommt eben natürlich immer drauf an also, ob wir helfen können oder nicht helfen können oder auch generell in welche Situation wir uns begeben können, sollten oder nicht sollten, das hängt natürlich immer von extrem vielen Faktoren ab.

Wenn es eben zum Beispiel so ist, dass irgendwo ein Unfall gewesen ist und jemand ist vielleicht von einem Auto angefahren, und es sind schon eine ganze Menge Leute da, die sich vielleicht ein Stück um die Erstversorgung kümmern und ein Krankenwagen ist auf dem Weg und die Leute, die dort sind, die wissen, was sie mit dem Verletzten tun müssen und man selbst hat eigentlich keine Ahnung, wie man jetzt diesem Verletzten in irgend ner Form helfen müsste, dann ist in so ner Situation, wenn man da helfen möchte, wahrscheinlich die Hilfe, wenn man eben eher nicht im Weg steht und dafür sorgt, dass nicht noch eine weitere Person da rumsteht.

Aryadeva weist eben darauf hin, dass Bodhisattvas jede Form annehmen, die, mit der sie anderen helfen können, auch sogar die eines Tieres. Insofern ist es wichtig, sie nicht schlecht zu machen oder generell niemanden schlecht zu machen, weil wir einfach nicht wissen können, wer ein Bodhisattva ist. Das klingt vielleicht erst mal so, als ob das für unser Leben nicht wirklich eine Relevanz hat, aber da ich eben für verschiedene Lamas auch Übersetzer gewesen ist, hat er eben wirklich erlebt, dass sie sich sehr unterschiedlich gegenüber verschiedenen Leuten verhalten haben. Also einigen Menschen gegenüber waren sie extrem freundlich, extrem warmherzig und zuvorkommend, und bei anderen waren sie sehr verschlossen und streng und haben mit ihnen geschimpft und so weiter. Es war teilweise wirklich so, dass diese Lamas das dann eben von einem Augenblick auf den anderen sozusagen umschalten konnten. Wenn wir also anderen helfen wollen, dann müssen wir da auch in dieser Hinsicht flexibel sein. Dann dürfen wir nicht denken, ja, ich bin aber so und so. Ich muss doch mir selbst treu bleiben und meinem Charakter entsprechen. Ich kann doch nur auf die und die Art und Weise sein, weil das andere wär doch nicht, wär doch falsch oder so was. Das ist also wesentlich.

Ein Bodhisattva ist eben froh, wenn er von anderen, oder wenn er, wenn er was geben kann und freut sich sogar schon über das, über das Wort Großzügigkeit, wenn er es hört. Da ist es eben wichtig, dass man nicht was gibt, um einfach bloß wieder was zurückzubekommen. Das wäre nichts anderes als, als ein Tauschhandel oder als eine geschäftliche Transaktion.

Ein häufiges Beispiel dafür, was dafür eben gegeben wird, auch wenn es jetzt hier in dem Text nicht gegeben wird, ist, dass, wenn man eben eine Arztausbildung oder eine Pflegerausbildung hat, dass man dann eben sich freut, wenn man jemandem dann wirklich damit helfen kann mit dem, was man gelernt hat, und in dem man sich geübt hat und dass man dann eben keine, keine Reserviertheit oder Abneigung dagegen empfindet. Wenn ein Bodhisattva also gefragt wird, gebeten wird, was zu geben oder etwas zu tun, um anderen praktisch zu helfen, dann wird er sich freuen, dass er eben helfen kann. 

Wenn man das eben praktisch anwenden möchte, dann ist es bei uns eventuell nicht so, dass wir dann solche Bodhisattvas sind, das wir tatsächlich Tag und Nacht ununterbrochen für andere arbeiten können, aber dann können wir eben vielleicht wenigstens sagen: „Danke für Deine Bitte, und ich kann es zwar jetzt im Augenblick nicht machen, aber ich werd Dir helfen.“ Das verhindert dann eben, dass wir gleich so eine Ablehnung empfinden, wenn wir gefragt werden. Andererseits ist es aber eben wichtig, dass man es auch nicht auf morgen und übermorgen und überübermorgen verschiebt, sondern dass man eben dann meinetwegen sagt: „Diese Woche bin ich sehr beschäftigt, aber nächste Woche habe ich Zeit. Und hab bitte ein bisschen Geduld.“ Ich habe da so ein bisschen seine Emails in Erinnerung, die er ständig kriegt wegen seiner Internetseite, in denen dann die Leute irgendwelche Sachen fragen.

Kommt das sechste Kapitel. Das zeigt Methoden auf, um sich selbst von störenden Emotionen zu befreien. Und hier ist nicht die Rede von den tiefsten Methoden, das wäre dann das Verständnis der Leerheit, sondern hier gehts um Methoden, mit denen man sich zeitweise davon befreien kann. Aryadeva spricht hier vor allem von den drei vergifteten Geisteshaltungen oder vergifteten Emotionen, die die größten Schwierigkeiten bereiten. Das ist: begehrliches Anhaften, Ärger und Naivität.

Die Handlung des Verlangens ist, dass man bemüht ist, Dinge zu einem zu bringen. Also begehrliches Verlangen besteht darin, Dinge bekommen zu wollen. Anhaftung besteht darin, Dinge behalten zu wollen. Dann die Handlung des Ärgers ist, Streit zu verursachen und Dinge von einem entfernen zu wollen. Die Handlung der Naivität ist, dass sie als Grundlage für die anderen beiden wirkt, damit diese beiden aufflammen können. Naivität hat verschiedene Formen. Es gibt Naivität bezogen auf Ursache und Wirkung. Es gibt Naivität bezogen auf die letztliche Wirklichkeit, darauf bezogen, wie die Dinge existieren. Die Existenzweise, die man versteht, kann eben entweder ein Verständnis bezogen auf das, auf die endgültige oder auf die konventionelle Existenzweise der Dinge bezogen sein.

Dann geht Aryadeva etwas ausführlich darauf ein, was diese drei vergifteten Emotionen sind. Oder Einstellungen sind. Und Verlangen entsteht oder kommt zustande, wenn wir Dinge nicht bekommen können, die wir bekommen möchten. Wenn wir nicht die Macht haben, etwas von uns zu entfernen, das wir nicht mögen, entsteht Ärger. Wenn wir kein vollständiges Verständnis der Wirklichkeit besitzen, dann entsteht Naivität.

Aryadeva weist darauf hin, dass eben einige Personen Anhaftung und andere Personen Ärger dem gleichen Objekt gegenüber empfinden, d. h. die Reaktion ist nicht inhärent im Objekt vorhanden, sondern sie hat mit dem Geisteszustand der einzelnen Person zu tun. Das ist an Alltagsbeispielen leicht zu verstehen, wenn wir eben verschiedene Essen haben, dann kann es eben sein, dass es irgendwo was Bestimmtes zu Mittag gibt, und einige Personen mögen das sehr gerne, haben vielleicht Verlangen danach, und jemand anders kann das überhaupt nicht gerne, mag das überhaupt nicht gerne und wird dann vielleicht sogar ärgerlich und wünscht sich, dass es eben nicht das, sondern etwas anderes geben sollte. Insofern kann man eben relativ einfach erkennen, dass die Reaktion nicht im Objekt selbst angelegt oder vorhanden ist, sondern dass sie eben von den Personen ausgeht. Und die Personen sind natürlich alle verschieden und individuell.

Da eben verschiedene Personen verschieden sind und hier geht’s um dann um Schüler vor allem, muss eben ein Lehrer auch seine verschiedenen Schüler unterschiedlich behandeln, je nach dem, welche störenden Emotionen am stärksten da bei ihm vorherrschen. Das gilt nicht nur für Schüler, die man vielleicht hat, sondern vielleicht auch, wenn man eigene Kinder hat. Dann muss man eben jedes Kind auch auch als Individuum behandeln. Jedes Kind hat eben eine eigene Persönlichkeit, hat verschiedene störende Emotionen, die bei ihm vorherrschen. Einige Kinder sind vielleicht sehr oft wütend, andere sind vielleicht relativ gierig oder eigensüchtig.

Es ist interessant, was Aryadeva jetzt also vorschlägt. Kann man sicher ein bisschen darüber nachdenken erst mal, wie geschickt dieser Rat ist in unserer jetzt in unserer westlichen Situation und in unserer westlichen Kultur. Jedenfalls meint Aryadeva, dass Schüler, die starkes Verlangen haben, eben nicht mit Ehrerbietung behandelt werden sollten, also nicht besonders gelobt werden sollten, nicht bevorzugt werden sollten und so weiter, und sondern stattdessen wie Diener behandelt werden sollten. Und jemand, bei dem Ärger vorherrscht, der sollte eben wie ein Herr oder Herrscher behandelt werden und eben mit Ehrerbietung, so dass man seinen Ärger nicht anstachelt.

Wie gesagt kann man sich drüber erst mal vielleicht sich Gedanken machen, ob das nun in unserer Situation auch vielleicht ein angemessener Rat ist oder nicht. Wenn also jemand sehr, sehr fordernd ist in ner Beziehung und will ständig, fordert ständig Zeit und Aufmerksamkeit vielleicht vom, vom Partner ein, dann, dann ist die Frage, hilft so was zum Beispiel wirklich? Also es ist schwierig, wie man sich dann vielleicht verhalten soll. Wenn man dem anderen immer nachgibt und ständig seinen Erwartungen entspricht, dann ist es klar, dass der andere trotzdem nie zufrieden gestellt sein wird. Andererseits wenn man überhaupt nicht darauf eingeht, dann kann es eben sein, dass es auch sehr, sehr schwierig wird.

In einer Partnerbeziehung, wenn eben ein Partner ständig Zeit einfordert und Aufmerksamkeit und der andere Partner, und Zuneigung, dann, und der andere Partner versucht dem die ganze Zeit nachzugehen, dann wird es trotzdem eben nie ausreichend sein. Andererseits, wenn der Partner das nicht tut, dann wirds eben vielleicht auch für das Gegenüber schlimmer, also für denjenigen, der diese Erwartung hat, und er fühlt sich dann vielleicht noch, findet noch größeren Mangel, insofern ist das also ein bisschen schwierig.

Wenn man jetzt aber eine Dharma-Lehrer-Schüler-Beziehung nimmt, und ich nehme einen bisschen an, und also bei solchen Beziehungen ist es so, wenn es eine wirklich ernsthafte Beziehung ist, dann steht eigentlich am Anfang die unausgesprochene Abmachung, keine, also es spielt keine Rolle, was der Lehrer auch tun mag, man wird immer es so betrachten, dass der Lehrer versucht, einem zu helfen. Bei mir war es so, dass er eben Serkong Rinpoche helfen wollte und ihm nützen wollte, und dass das aber eben auch damit zu tun hatte, dass er Aufmerksamkeit und Wertschätzung dafür empfangen wollte. Das Ergebnis davon war dann, dass Serkong Rinpoche ihm in neun Jahren genau zweimal gedankt hat. Für mich war das also sehr hilfreich, dass Serkong Rinpoche sich so verhalten hat. Wenn also am Anfang eben wirklich diese Abmachung steht, und dass eben so in so, in so ner Beziehung, in so nem Kontext ist, dann kann das also schon helfen. Aber es ist eben immer die Frage, man muss also genau kucken, warum man so was tut, warum man eben zum Beispiel dem Lehrer hilft anderen helfen, ob es eben, wie Geshe Dhargyey dann teilweise gesagt hat, bloß wie bei einem Hund ist, der dann den Kopf gestreichelt oder gekrault haben will und dann den Schwanz wedelt.

Aryadeva fährt dann fort und bespricht eben die Nachteile der drei vergifteten Geisteshaltungen. Und wenn wir eben sehr von Naivität beeinflusst sind, dann ist es wichtig, abhängiges Bestehen zu studieren, um besser Ursache und Wirkung zu verstehen und die Wirklichkeit besser zu verstehen.

Jemand, der sehr starkes Verlangen hat, der sollte eben von Essen und Unterhaltung und anderen Dingen, an denen er haftet, fernbleiben und stattdessen in der Nähe des Lehrers bleiben. Auch das ist was, worüber man also nachdenken kann.

Bei Schülern, die sehr von Ärger geprägt sind, ist es also wichtig, dass sie dann darüber nachdenken, dass es in keiner Situation hilfreich oder nützlich ist, mit jemandem oder etwas ärgerlich zu sein.

Wenn man jetzt eine Freundschaft hat oder eine Beziehung, und man hat das Gefühl, dass man zu wenig Aufmerksamkeit bekommt, dann ist es zum Beispiel sicher nicht sehr hilfreich, ärgerlich zu werden oder eine große Szene zu machen und zu sagen „Ja, ich bin jetzt so ärgerlich, warum, warum liebst du mich nicht mehr, oder willst du nicht mit mir zusammen sein?“ dann wird die andere Person doch erst recht weglaufen wollen.

Also diese Anweisung eben in der Nähe des Lehrers zu bleiben, die bezieht sich sicherlich auf eine klösterliche Umgebung, wo eben dann die Schüler im Haus des Lehrers wohnen und eben dann nicht alle möglichen Unterhaltungen und alle möglichen Arten von Schokolade und Essen und so weiter zur Verfügung haben. Und üblicherweise wird man dann, wenn man zum Beispiel mit dem Lehrer am Tisch sitzt, nicht anfangen irgendwie gierig in sich rein zu essen oder so etwas in der Richtung.

Viele der Punkte, die hier besprochen werden, wie man, wie man, was die Nachteile des Ärgers sind und wie man Ärger überwindet, die werden auch von Shantideva in seinem Geduldskapitel besprochen und dann dort weiter ausgeführt. Sehr viele Punkte, die Shantideva anspricht, kommen eben hier aus diesem Text und von hier.

Zusammengefasst ist es also so, sagt Aryadeva, dass ein Bodhisattva eben die drei störenden Emotionen überwinden muss und anderen helfen sollte, das gleiche zu tun.

Der Titel des siebten Kapitels ist das Aufzeigen von Methoden, um sich vom Verlangen nach Vergnügungsobjekten oder ja, Genussobjekten zu befreien. Es geht hier darum, dass man sich also von weltlichem Vergnügen befreit oder dem Verlangen nach weltlichem Vergnügen. Wir sind der Meinung, dass weltliches Glück oder weltliches Vergnügen eben von Vergnügungsobjekten kommt wie eben Essen oder Unterhaltung, Bier usw.

Aryadeva schreibt eben, dass wir immer, dass wir, dass wir nicht aus dem Ozean der samsarischen Wiedergeburt herauskommen werden und dass wir wieder und wieder ihn erleben werden, wenn wir eben uns nicht bemühen, uns daraus zu befreien.

Es ist eben so, dass nach der Jugend kommt das Alter und nach dem Alter kommt wiederum die Jugend. Im nächsten Leben wechseln sie sich ab. Es ist also völlig unsinnig, jetzt sich an die Jugend zu klammern und stolz auf die eigene Jugend zu sein. Er schreibt auch, dass Geburt, Alter und Tod sich wie in nem Wettrennen befinden und miteinander wetteifern, wer jetzt vorn liegt oder wer erster ist. Und er weist eben auch darauf hin, dass es zum Beispiel sein kann, dass man stirbt, bevor man wirkliches älteres Alter erreicht.

Es gibt also keine Sicherheit oder keine Garantie, welche Wiedergeburt auf diese Geburt folgen oder auf dieses Leben folgen wird. Und deshalb ist es also solange man also unter dem Einfluss von störenden Emotionen und Karma steht, angebracht, in Angst und Schrecken sich zu, ja, voller Angst und Schrecken zu sein und es ist angebracht, die störenden Emotionen und die samsarischen Wiedergeburten zu verwerfen, ihnen zu entsagen und sich eben im Dharma zu bemühen, im Hören des Dharma, im Nachdenken darüber und in der Meditation.

Im Westen werden vielleicht viele Einwände haben, wenn jetzt hier Furcht als Motivation genannt wird. Wenn man eine extreme Furcht hat, dann ist das sicherlich auch was Neurotisches. Aber man muss sich das genauer ansehen. Wenn man zum Beispiel eine gefährliche Arbeit ausführt, zum Beispiel ein Gerät verwendet, was sehr viel, hinter dem sehr viel Kraft steckt, wie eine elektrische Säge oder so was, mit der man sich leicht die Hand abschneiden könnte, dann wird man nicht einfach bloß sagen: „Ja, ich hoff mal, dass mir nichts passieren wird“. Das wär halt dann eher, dass man also so eine gewisse Vorsicht hat oder was in der Richtung. Das wird am Anfang vielleicht nicht ausreichen, am Anfang wird man sicherlich wirklich Angst haben, dass man sich in die Hand schneidet oder dass man jemanden anders damit schadet. Also wird man wirklich, wirklich aufpassen, dass man eben genau das nicht tut. Und dass man auch niemand anders verletzt. Das ist noch nicht zwingend neurotisch, auch wenns natürlich, wenn es zu nem Extrem wird, neurotisch werden kann.

Man sollte also von der Warte her auch Furcht nicht als nen Motivationsfaktor völlig vernachlässigen, zumindest für eine anfängliche Stufe. Im Buddhismus ist es so, dass mit Furcht auch wirklich nur auf ner anfänglichen Stufe gearbeitet wird. Aryadeva weist eben darauf hin, dass es angebracht ist, sich davor zu fürchten, völlig unter die Macht der störenden Emotion zu kommen. Dass man zum Beispiel, also zum Beispiel wäre es angebracht, wenn man sich fürchtet, dass man so ärgerlich wird und so unter die Kontrolle von Ärger verfällt, dass man dann aus diesem Ärger heraus eventuell jemanden töten könnte. Einige haben ja vielleicht sehr, sehr starken Ärger, bei der, bei denen durchaus die Gefahr besteht. Insofern ist es also wichtig auch den, der Kontext, in dem im Buddhismus eben Furcht eingeführt wird, der, ist der, in dem man sich bemüht, ethische Selbstdisziplin zu entwickeln und sich zurückzuhalten, so dass man keine zerstörerischen Handlungen ausführt. Später werden dann andere Motivationen wie zum Beispiel Mitgefühl aufgebaut auf höheren Stufen.

Es besteht zum Beispiel ein großer Unterschied dazwischen, auf welche Art man Angst hat. Wenn man sagt, „Ich hab Angst, einen Fehler zu machen“, dann würde man dies im buddhistischen Kontext so verstehen, dass man sagt, „Ich hab Angst nen Fehler zu machen, also werde ich wirklich aufpassen und werd nicht einfach völlig unachtsam sein oder völlig unkontrolliert sein“. Und wenn es allerdings so ist, dass man sagt „Ich hab Angst was falsch zu machen, also mach ich lieber überhaupt nichts“, dann wär das eine Angst, die nicht wirklich hilfreich ist. Wenn man dann eben, weil man dann anfängt zu denken „Ja, ich bin ja zu überhaupt nichts gut und ich bin total unfähig“. Und so was in der Richtung. So ist es nicht gemeint. Natürlich wird man nicht jetzt Dinge versuchen, für die man die passenden Fähigkeiten nicht besitzt. Worum es aber hier geht, ist, dass man durch eine gewisse Furcht eben Selbstkontrolle und auch eine gewisse Vorsorglichkeit entwickelt und sich dann auf dieser Grundlage eben weiter übt, um diese n, tiefere Verständnis, tiefere Übungen ausführen zu können, wie Aryadeva das erklärt.

Der wesentliche Punkt, der hier betont wird, ist das Arbeiten an Entsagung. Aryadeva beschreibt hier eben die verschiedenen Formen von Leiden. Das Leiden des Leidens, das Leiden des Wandels, was bedeutet, dass es eben kein weltliches Vergnügen gibt, welches wirklich dauerhaft wäre.

Dann weist Aryadeva darauf hin, dass eine, also das Anwachsen von Wirkung hin. Eine Handlung kann also sehr viele karmische Auswirkungen haben.

Darüber hinaus ist es auch noch so, dass selbst die positiven Handlungen, die wir durchführen, nicht zwingend auch zu positiven Ergebnissen führen, weil es so ist, dass die positive Kraft die wir durch das Ausführen positiver Handlungen aufbauen, auch wieder durch Ärger zerstört werden kann, insbesondere durch Ärger gegen Bodhisattvas oder durch Ärger gegen andere, die anderen ähnlich wie ein Bodhisattva helfen.

Weltliches Glück, ganz gleich, ob es vergangenes, gegenwärtiges und zukünftiges Glück ist, wird niemals dauerhaft sein, einfach aus, und niemals ausreichend sein, einfach aus dem Grund, weil es unbeständig ist und nicht anhalten kann. Aus diesem Grund ist es eben nicht ausreichend, sollte man sich nicht damit zufrieden geben, einfach nur auf weltliches Glück hinzuarbeiten. Es heißt eben dann oder Aryadeva sagt dann eben, dass die Weisen dieses Streben bloß nach weltlichem Glück zurückweisen oder dem entsagen.

Dieses Thema ist wohl nicht das angenehmste oder netteste im Buddhismus, aber es ist eben auch wichtig, für den Buddhismus wichtig, dass man über Entsagung wirklich nachdenkt und sich eben anschaut, welche Rolle spielt die Suche nach weltlichem Glück eigentlich in meinem Leben. Um ein einfaches Beispiel zu bringen: Die meisten von uns wollen sicherlich eine gute Zeit mit anderen haben oder überhaupt eine gute Zeit haben und beispielsweise mit Freunden oder nahestehenden Personen. Dann wollen wir eben mit dieser Person zusammen sein oder mit jener Person zusammen sein. Aber die andere Person ist vielleicht beschäftigt oder ist gerade mit jemand anders zusammen und tut irgendwas. Dann funktioniert das nicht, dann sind wir frustriert. 

Oder selbst wenn es uns gelingt, eben das zu haben, was wir als gute Zeit betrachten, dann wird es eben irgendwann aufhören oder es geht vielleicht zu lange und dann sind wir gelangweilt oder müde oder wir gehen uns gegenseitig auf die Nerven. Wenn wir eben mit ner bestimmten Person frustriert sind und irgendetwas nicht so läuft, wie wir es wollen und eben denken, dass wir keine gute Zeit haben, dann suchen wir wiederum nach jemand anders. Wenn es dort nicht so läuft, wie wir wollen, suchen wir wieder nach jemandem anders usw. Das haben wir eben unzählige Male und über unzählige Leben hinweg immer und immer wieder getan. 

Es stellt sich schon die Frage, wann wir endlich aufwachen bei dem Ganzen und eben weil das einfach diese Art, nach Glück zu suchen, schon vergeblich ist. Dann ist es eben so, dass wir vielleicht denken „Ja, ich muss meine Arbeit machen.“ Ich muss dies und das machen. Aber am Abend hab ich dann eine gute Zeit. Oder im Urlaub, da hab ich dann aber eine gute Zeit. Das ist also wichtig, diese Meditation über Entsagung auch auf solche ganz grundlegenden, ganz einfachen Alltagsbeispiele anzuwenden und ganz gewöhnliche, persönliche Beispiele dafür zu verwenden. Wie eben, ob man, wenn man eine gute Zeit haben möchte, nach Unterhaltung sucht und so weiter. Das ist sicherlich für viele von uns recht relevant.

Es ist eben davon die Rede, dass die Weisen also dieses Ziel aufgeben. Das bedeutet natürlich nicht, dass wir jetzt absichtlich versuchen würden, eine schlechte Zeit zu haben, sondern es geht darum, dass man eben auf ein höheres Ziel hinarbeitet, auf ein bleibenderes Ziel.

Es reicht noch nicht aus, dass wir einfach dem Wunsch nach Glück und nach Vergnügen in diesem Leben aufgeben, sondern wir müssen auch aufhören, uns an das weltliche Glück zukünftiger Leben zu klammern. Das bedeutet also, dass die Motivation, die im Lamrim als grundlegende Motivation bezeichnet wird, eben noch nicht ausreichend ist.

Dass es nicht ausreicht, positive Dharmahandlungen auszuüben, nur um in zuküftigen Leben eine gute Zeit zu haben, beispielsweise in irgendwelchen Götterbereichen, wo man eben sehr Angenehmes erfährt. Denn wenn man danach strebt, dann wäre es so, als ob man Anhaftung an die Bezahlung einer Arbeit hat, die man gut ausführt.

Aryadeva schließt damit, dass wir, dass wir meinen, dass wenn wir die, das weltliche Glück wie eine Illusion betrachten, dass wir, dass wir dann aufhören werden, uns daran zu klammern und dass wir auf diese Art und Weise Befreiung und Erleuchtung erreichen werden. Es ist also so, dass wir Entsagung benötigen, um, ja, dass Entsagung die Grundlage dafür darstellt, dass wir auf Befreiung hinarbeiten können. Die eigentliche Befreiung, darauf weist Aryadeva hier eben hin, um die zu erreichen, ist ein Verständnis von Leerheit notwendig. Mit dem Verständnis von Leerheit ist es andererseits so, dass das, dass die Intensität der Entsagung wiederum verstärkt wird.

Das heißt durch, auf der Grundlage von Entsagung haben wir die Möglichkeit, ein Verständnis von Leerheit zu gewinnen und dieses Verständnis von Leerheit führt dann wiederum dazu, dass sich die Entsagung verstärkt. Was folgt jetzt daraus? Also wenn wir tatsächlich eine gute Zeit mit jemandem haben oder einfach auch nur uns selbst unterhalten und allein eine gute Zeit haben, dann wäre es gut, das eben wie eine Illusion zu betrachten. Es scheint eben so, dass das, was wir dann erleben, beständig scheint, dass es solide scheint, und, also es scheint beständig, solide und letztlich befriedigend für uns zu sein, aber es ist eben nicht tatsächlich so auf diese Weise vorhanden, wie es erscheint. Weil es nicht so existiert wie es erscheint, existiert es wie eine Illusion. 

Wenn wir das verstehen, dann können wir die Dinge so genießen, wie sie sind oder als das genießen, was sie sind und nicht als etwas, was sie eigentlich nicht sind. Das heißt, wir können, oder sie können sich als etwas genießen, was flüchtig ist, was nicht bleibend ist und uns nicht letztlich befriedigt. Dann werden wir nicht eben nicht so enttäuscht sein und nicht so danach greifen, wenn, wenn es eben zu Ende geht und wenn wir eben dann nicht vollständig dadurch befriedigt sind. Wenn wir mit ner anderen Person zusammen sind und vielleicht eine gute Zeit haben und die andere Person sagt, ich muss jetzt leider los, dann ist es eben zum Beispiel so, dass wir vielleicht sagen „Ja, kannst du nicht noch eine halbe Stunde bleiben oder noch eine Stunde bleiben?“ Als ob es dann dadurch genug wäre, aber so funktioniert das ja nicht.

Das achte Kapitel heißt dann „Das Training von Schülern“. In Aryadevas Text gibt es also generell eine relativ starke Betonung darauf, wie Lehrer ihren Schülern helfen sollen oder helfen können. Aryadeva sagt dann: So wie es, so Menschen, die sich sehr unterscheiden, nicht lange zusammenbleiben, so wird man auch den Wunsch, in Samsara bleiben zu wollen, verlieren, wenn man seine Nachteile erkennt. Wenn man also Freunde hat, mit denen man eigentlich nichts gemeinsam hat, dann fehlt da auch, fehlen da auch Anziehungspunkte, die dafür sorgen, dass man eben nahe beieinander bleiben möchte. Wenn man eben die Fehler des Samsara sieht und wenn man erkennt, wie sie sich von dem, von den eigenen spirituellen Zielen und Bemühungen unterscheiden, dann wird man eben auch nicht weiter diese Bemühungen auf weltliches Glück lenken wollen. Das heißt, es läuft letztlich darauf raus, das man verstehen muss, dass diese Suche nach weltlichem Glück nicht wirklich das ist, was man eigentlich möchte. Dann möchte man das auch nicht weiter fortsetzen.

Es ist auch gut, sich vor Augen zu halten, wo eben diese Diskussion über Entsagung im Lamrim enthalten ist, an welcher Stelle und in welchem Kontext. Es ist so, dass diese, dass Entsagung im Zusammenhang damit diskutiert wird, dass man dann eben Mönch oder Nonne wird, um die, und die Gelübde der individuellen Befreiung nimmt. Also Pratimoksha bedeutet individuelle Befreiung oder persönliche Befreiung. Das heißt, dass man eben dieses, dass man erkennt, dass dieses Streben nach weltlichem Vergnügen, nach perfekten Partnerschaften, nach dem perfekten Job, nach dem perfekten Zuhause, der perfekten Garderobe usw. letztlich lächerlich ist, letztlich zu nichts führt. Dass man dann auf dieser Grundlage eben Entsagung entwickelt und Mönch oder Nonne wird. Das ist also die Stelle im Lamrim, an der diese Diskussion von Entsagung auftritt. Insofern sollte man also diesen Kontext nicht vernachlässigen. Muss nun also jeder ein Mönch oder eine Nonne werden, um persönliche Befreiung zu erreichen? Das ist nicht der Fall, aber es wird dadurch wesentlich erleichtert.

Aryadeva weist dann als nächstes darauf hin, dass jedes Objekt, ganz gleich welches Objekt, eine Grundlage für Anhaftung, Abneigung oder Gleichgültigkeit sein kann für verschiedenste Leute. Das heißt, eine Person oder ein Objekt ist nicht von sich aus attraktiv. Sondern die Abhängigkeit einer Sache, die beruht nur oder beruht letztlich auf geistiger Benennung und Zuschreibung.

Auch wenn man eine Beziehung zwischen zwei Personen hat, dann gibt es da keine wahrhaft vorhandene Verbindung zwischen diesen beiden, die ewig bestehen könnte. Es, das ist ja einer der stärksten Aspekte unseres Klammerns, dass wir an anderen Leuten hängen. Dann ist es eben so, dass wir so angezogen sind und so verliebt sind und so besessen sind, dass wir dann auch völlig aus der Balance geraten, völlig aus dem Gleichgewicht geraten und sämtliche anderen Aspekte unseres Lebens völlig in den Hintergrund treten. Nicht nur die spirituelle Praxis, sondern eben auch unsere Arbeit, andere Freunde usw. Wir nur noch mit dieser einen Person zusammen sein wollen. Im Westen sagt man ja vielleicht, das ist eine Beziehung, die ist wie im Himmel gemacht, aber es ist eben so, dass es nicht eine wirklich existierende, wahrhaft aus sich heraus bestehende Verbindung zwischen zwei Personen geben kann.

Hier kommen also auch wieder diese Erklärungen über Unbeständigkeit hinein und über die Unattraktivität des Körpers und über den Körper als eine Quelle des Leidens. Darüber, dass der Körper eben nicht als nicht oder generell nicht, der Körper nicht mit nem, mit ner unmöglichen Seele versehen ist, und dass es eine unmögliche Seele generell nicht gibt. Wir denken aber dann eben „Ich“ liebe „dich“, so als ob es da eben so ein „Du“ gäbe, was ganz für sich existiert. Es geht eben darum, dass wir, dass man als Lehrer den Schülern helfen sollte, dieses Greifen nach verschiedenen Dingen zu überwinden. Das bedeutet natürlich auch, dass man nicht dafür sorgen sollte, dass der Schüler an einem selbst, am Lehrer anhaftet und nach ihm greift. Da gibts eben zum Beispiel eine Geschichte, wo Marpa Milarepa rausgeworfen hat und dann eben ihm gesagt hat, dass es jetzt Zeit wäre, in die Berge zu gehen und zu meditieren.

Diese Erklärung darüber, dass die begehrenswerte, dass, dass die, dass das begehrenswert oder nicht begehrenswert sein von Personen und Objekten von geistiger Zuschreibung oder Benennung abhängt, weil wir eben bestimmte Dinge als begehrenswert betrachten und benennen. Diese Erklärung führt dann eben oder leitet dann über zu der Erklärung der Leerheit, die eben dann das Haupt-, der, ja, es ist, es ist n, also dieses, das Hauptthema in diesem Kapitel ist wie man, wie man Leerheit anderen Schülern vermittelt und ist dann eben die Überleitung zum zweiten Teil des Textes. Und der zweite Teil des Textes beschäftigt sich dann eben mit Leerheit.

Ein wichtiger Faktor für das, für die Fähigkeit, Leerheit zu verstehen ist, dass man sehr, sehr viel positive Kraft oder Verdienst angesammelt haben muss, einfach weil man dadurch nen offeneren Geist und mehr Klarheit und Empfänglichkeit entwickelt. Wenn dies nicht der Fall ist, dann wird man eben viele geistige und emotionale Blockaden haben. Aryadeva sagt eben auch in nem Vers, der recht bekannt ist, dass diejenigen mit wenig positiver Kraft nicht einmal Zweifel über die Leerheit haben. Das heißt sie denken nicht mal: „Ja, könnte das wirklich sein, dass das so ist?“. Dass andererseits diejenigen mit sehr viel positiver Kraft eben, oder dass für die anderen Personen mit sehr viel positiver Kraft die samsarische Existenz schon dadurch mürbe wird, dass sie mit der Leerheit konfrontiert wird, werden. Es ist also wichtig, die, die tiefste Erklärung zu verstehen, eben die Erklärung über Leerheit, weil es einfach kein, keine andere Methode gibt, um Befreiung zu erreichen.

Aryadeva weist darauf hin, dass Leerheit aber nicht bedeutet, dass die Dinge völlig nicht vorhanden wären. Das ist eine Beschuldigung, die die anderen Schulen, auch die anderen buddhistischen Schulen, oft gegen die Prasangikas, ja, erheben, und dass eben Prasangika ein völliger Nihilismus sei.

Aryadeva warnt davor, dass man das so eben nicht verstehen sollte. Er weist auch darauf hin, dass man die verschiedenen Sichtweisen über die Leerheit nicht verkehrt auffassen sollte, dass man keine sektiererischen Ansichten entwickeln sollte und nicht sich an verschiedene Ansichten von Leerheit halten oder sie übertrieben zurückweisen sollte.

Also Nihilismus erklärt Aryadeva auch, das würde, das ist die Vorstellung, dass dann, dass man meint, ja, alles ist leer, also existiert überhaupt nichts. Wenn überhaupt nichts existiert, dann würde es auch gar nichts nützen, auf die Befreiung hinzuarbeiten. Diese Fehleinschätzung, die weist Aryadeva aber eben zurück.

Aryadeva weist darauf hin, dass es eben wichtig ist, Schüler auch entsprechend ihrer Kapazität und Schritt für Schritt anzuleiten. Und das ist also so’n bisschen ne, ja, Vorwegnahme des Lamrim, die hier auftritt, auch wenn die Stufen verschiedene sind, ist hier eben von drei Stufen die Rede, nach denen man die Schüler Schritt für Schritt führen kann. Aryadeva sagt eben, dass der Buddha jene, die die geringste Kapazität besitzen, Großzügigkeit gelehrt hat, jene mit mittlerer Kapazität ethische Disziplin und jene von überragender Kapazität die Leerheit. Wenn man also anderen helfen will und sich fragt, wie man anderen helfen kann, dann würde man ihnen also nicht sofort sagen, dass sie disziplinierter mit sich umgehen sollten oder so was in der Richtung, sondern man würde damit beginnen, dass man ihnen empfiehlt, großzügiger zu sein, gütiger mit anderen umzugehen usw.

Das klingt zwar vielleicht erst mal so, als sei das die hohe Motivation wäre, eine fortgeschrittene Mahayana-Motivation wäre, aber in dieser Form ist das eben relativ einfach. Wenn Seine Heiligkeit auf der grundlegendsten, einfachsten Ebene Erklärungen gibt, dann erklärt er eben auch, wie man, dass man eine bessere Person sein sollte und sich bemühen sollte, grundlegend mit anderen gut umzugehen und wenigstens ein guter Mensch sein sollte. Und wenn dann jemand eben stärker ist, oder, ja, dann kann man ihm eben beibringen, dass er diszipliniert mit sich umgehen sollte, dass er bestimmte zerstörerische Handlungen und Verhaltensweisen und Emotionen, mit ihnen arbeiten soll und sie eben nicht, ja, ihnen nicht nachgeben sollte. Wenn jemand dann noch stärker geworden ist, dann kann man ihn eben Leerheit lehren.

Aryadeva hat dann drei, eine Abfolge in drei Stufen, wie man, wie ein Lehrer die Erklärungen geben sollte und die sind dem Lamrim dann sehr ähnlich, den Abstufungen im Lamrim, wenn auch mit anderer Betonung. Er erklärt eben, dass es als erstes wichtig ist, dass man den Schülern beibringt, sich von zerstörerischen Handlungen abzuwenden. Das entspricht also der ersten Stufe der Motivation im Lamrim. Dann soll man ihnen helfen, sich vom Greifen nach einem groben Selbst zu befreien, was eben notwendig ist, um Befreiung zu erreichen. Das Dritte ist dann, dass man sich von allen Formen des Greifens nach einer, oder ja, des Greifens nach wahrhaft begründeter Existenz befreit, und das für alle Phänomene. Dieses Verständnis ist dann notwendig, um Erleuchtung zu erreichen.

So, wie es hier formuliert ist, entspricht es erst mal eher den Nicht-Prasangika-Schulen. Man kann diese Aufzählung aber eben, oder den letzten Teil davon, auf, auf eine Prasangika und eine Nicht-Prasangika Art und Weise auslegen. Die Mahayana-Schulen außer der Prasangika-Schule, das heißt, das sind die Svatantrikas und die Chittamatrin, die sind eben der Meinung, dass man die persönliche Befreiung erreichen kann, indem man ein grundlegenderes Verständnis von einer nicht-, von einer bestimmten unmöglichen Existenzform hat und dass man dieses Verständnis nur bezogen auf die Person benötigt. Wenn man aber dann Erleuchtung erreichen möchte, dann muss man laut diesen Schulen ein Verständnis einer subtileren unmöglichen Existenzweise haben und dieses Verständnis auf alle Phänomene anwenden können. 

Bei den Prasangikas wird es allerdings so erklärt, dass es ein bestimmtes Verständnis gibt, was sowohl auf die Person als auch für alle Phänomene angewendet muss und dass man dieses Verständnis sowohl für die Befreiung als auch für die Erleuchtung benötigt. Dass man dieses Verständnis aber eben zuerst auf die Person anwenden sollte und dann auf alle Phänomene anwenden sollte. Das ist auch ein gutes Beispiel dafür, wie so nen Wurzeltext eben als eine Grundlage dienen kann, um dann anhand des gleichen Textes eben verschiedene Lehrmeinungen zu erklären, in diesem Fall zum Beispiel eine Svatantrika- und eine Prasangika-Position.

Dann folgt eben eine sehr bekannte Zeile, wo es heißt, dass man, wenn man die Leerheit einer Sache erkennt, die Leerheit von allen erkennt. Das bedeutet also, man muss jetzt nicht jede einzelne Sache durchgehen, wenn man versucht, die Leerheit zu verstehen, sondern es reicht, wenn man die Leerheit an einem Phänomen versteht, dann hat man sie generell verstanden.

Dann kommen wir zum letzten Punkt dieses Kapitels. Dort ist davon die Rede, dass der Buddha die Leerheit nicht für alle auf die gleiche Art und Weise erklärt hat. Sondern dass so wie eben eine Medizin nicht alle Krankheiten heilen kann. Sondern es ist davon die Rede, dass der Buddha einigen, die alle Phänomene als wahrhaft existent oder, ja, wahrhaft existent gelehrt hat, anderen hat er einige Phänomene als wahrhaft existent gelehrt und anderen wiederum hat er gelehrt, dass überhaupt keine Phänomene wahrhaft existiert. Das ist also eine der frühesten Formulierungen der sogenannten drei Drehungen des Dharmarades oder auch der drei Übermittlungszyklen der Erklärung oder der Lehren.

Wir haben jetzt nicht die Gelegenheit, dass, uns damit tief uns damit zu beschäftigen, aber jedenfalls diese drei verschiedenen, ja, sogenannten Drehungen des Dharmarades basieren eben auf Grundlage dieser Unterscheidung, was wahrhaft existiert und was nicht. Das heißt, der Buddha hat eben die Leerheit verschiedenen Schülern unterschiedlich erklärt. Wenn man also das System der Vaibhashika nimmt, dann ist wie gesagt alles wahrhaft existent. Bei den Sautrantikas und bei den Chittamatren sind einige Phänomene wahrhaft existent und andere nicht und bei den Madhyamakas gibt es überhaupt keine Phänomene, die wahrhaft existent sind. Bei diesen verschiedenen Lehrmeinungssystemen ist es allerdings so, dass wahrhaft begründete Existenz in diesen verschiedenen Systemen jeweils unterschiedlich definiert wird, wie auch immer das sei. Das ist, dieser Text ist also eine sehr frühe Einteilung für die verschiedenen Einteilungen der buddhistischen Erklärungen und damit auch für die Einteilung in diese Lehrmeinungssysteme.

Aryadeva weist darauf hin, dass auch schon das Verständnis der weniger ausgefeilten Lehrmeinungen sehr hilfreich ist, weil man dadurch zumindest eine höhere Wiedergeburt erreichen wird. Dass, und dass ein volles Verständnis der tiefgründigsten Lehrmeinung aber dann letztlich dazu führen wird, dass man die Befreiung erreicht. Und das ist dann das Ende der ersten Hälfte des Textes.

Auch schon jetzt an dieser Zusammenfassung der ersten Hälfte des Textes können wir erkennen, dass dieser Text also eine sehr wichtige frühe Quelle für viele Themen ist, die dann später in anderen tibetischen Erklärungen eben besprochen werden. Und es gibt also viele Punkte, die Seine Heiligkeit hier eventuell herausgreifen könnte und dann detaillierter erläutern könnte, wie z. B. eben diese drei Übertragungen oder drei Umdrehungen, je nachdem, des Dharma. Es kann aber auch sein, dass Seine Heiligkeit eben dann über diese Punkte hinwegliest und etwas anderes detaillierter erklärt. Aber es ist eben gut, eine ungefähre Vorstellung vom Umfang dieses Textes zu haben, so dass man dann eben vielleicht ein Interesse entwickelt, später diesen Text noch mal detaillierter zu studieren.

Ja, das ist die erste Hälfte des Textes und morgen werden wir dann die zweite Hälfte des Textes besprechen. In der erläutert Aryadeva, wie man das Verständnis von Leerheit verwendet oder anwendet, um bestimmte verzerrte und fehlerhafte Sichtweisen über die Existenzweise der Dinge zu beseitigen.