Hintergrund zu Aryavedas Kapital über die Leerheit

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Wir haben begonnen uns mit den sechzehn Kapiteln von Aryadevas Vierhundert Versen und zu beschäftigen und dort die hauptsächlichen Punkte durchzusprechen. Wir haben festgestellt, dass die ersten acht Kapitel sich damit beschäftigen, wie man fehlerhafte Ansichten über die konventionelle Wahrheit beseitigt. Jetzt sind wir an der Stelle, dass wir zur zweiten Hälfte, zu den zweiten acht Kapiteln des Textes kommen können und dort wird erklärt, wie man fehlerhafte Ansichten über die tiefste Wahrheit überwinden kann, also über Leerheit. 

Wie wir bereits angesprochen haben, ist die zweite Hälfte des Textes sehr tief und sehr tiefgründig und deshalb schwer zu verstehen und es ist eine ganze Menge Hintergrundwissen notwendig, um diese zweite Hälfte des Textes wirklich zu verstehen. Der Grund dafür ist, dass es sehr viele verschiedene Lehrmeinungssysteme gibt, die unterschiedliche Meinungen vertreten, wie bestimmte Dinge existieren, welche Dinge existieren. Da gibt es sowohl verschiedene buddhistische als auch verschiedene indische nichtbuddhistische Lehrmeinungssysteme. Die meisten dieser Systeme, auf die meisten dieser Systeme bezieht sich Aryadeva und widerlegt verschiedene Ansichten, die aus dem, die vom Blickwinkel seiner eigenen Schule, der von ihm vertretenen Schule verkehrt sind und fehlerhaft sind und seine eigene Schule ist eben die Prasangika-Schule innerhalb der Madhyamaka-Schule. Diese Schule wird von den verschiedenen tibetischen Schulen als die tiefgründigste Sichtweise betrachtet. Alle sind der Meinung, dass man diese Sichtweise benötigt, um Befreiung und Erleuchtung zu erreichen. Natürlich ist es so, dass die anderen Schulen auch von sich behaupten, dass ihre Sichtweise notwendig ist und dazu führt, dass man Erleuchtung erreichen kann.

Aryadeva erwähnt verschiedene indische Schulen, nichtbuddhistische indische Schulen, mit denen er sich beschäftigt und deren Positionen er widerlegt, und eine davon ist Nyaya-Vaisheshika – Nyaya und Vaisheshika sind einerseits zwar zwei verschiedene Schulen, haben allerdings in vielen Punkten auch sehr ähnliche Ansichten. Dann die Samkhya-Schule und Vedanta. Aryadeva schränkt nicht genauer ein, auf welche Form von Vedanta er sich bezieht, aber es ist klar, dass es eine sehr frühe Form von Vedanta sein muss, das, was später als Vedanta bezeichnet wird, ist etwas, was hauptsächlich dann auf den Upanishaden basiert. 

Bei den Anhängern des Buddhismus erwähnt er verschiedene Annahmen hauptsächlich der Vaibhashikas und ein wenig auch einige Annahmen der Sautantrikas, und nur sehr kurz geht er auf die Chittamatrin ein. (Die Vaibhashikas und die Sautantrikas sind Hinayana-Schulen, Chittamatra ist eine Mahayana-Schule.) Er erwähnt auch die Jain-Schule etwas, die auch eine nicht-buddhistische Schule ist, aber geht nicht auf ihre philosophischen Ansichten ein. Innerhalb der Madhyamaka-Tradition gibt es in diesem Text jetzt nicht eine offene Diskussion der Prasangika-Position im Gegensatz zur Svatantrika-Position. Auch weil man diesen Text sowohl von der Prasangika als auch der Svatantrika Tradition des Madhyamakas interpretieren kann. Aber einige Punkte, die der Text anspricht, kann man durchaus auf eine Svatantrika-Widerlegung vom Blickwinkel der Prasangikas aus betrachten.

Diese verschiedenen Lehrmeinungssysteme sind alle recht tiefgängig, tiefgründige Systeme, sowohl die buddhistischen als auch die nichtbuddhistischen. In Anbetracht der zeitlichen Beschränkung wird es allerdings weder ich jetzt noch dann Seiner Heiligkeit wahrscheinlich möglich sein, einen größeren Hintergrund für diese verschiedenen Punkte zu geben und diese verschiedenen Ansichten zu erklären, so dass die Tiefe des Textes eben nicht vollständig dann aufgezeigt werden kann.

Es ist auch wichtig, sich vor Augen zu halten, dass diese Unterscheidung oder Einteilung in Svatantrika und Prasangika eine ist, die in dieser Form dann von den Tibetern getroffen worden ist, indem die Tibeter eben diese Namen Svatantrika und Prasangika vergeben haben. Es ist so, dass diese Unterscheidung auch sich auf Madhyamaka-Kommentare bezieht, die nach Nagarjuna und Aryadeva entstanden sind. Andererseits ist es dennoch so, dass man die Texte von Nagarjuna und Aryadeva im Sinne der Svatantrika-Lehrmeinung interpretieren kann, was die Gelug-Tradition auch tut, aber diese Texte sind selbst halt früher als diese klare Einteilung in Svatantrika und Prasangika die, in die dann ein verschiedene indische Kommentare eingeteilt werden.

Dann kann es zusätzlich noch verwirrend sein, dass die verschiedenen Schulen, vor allem die verschiedenen buddhistischen Schulen, oft gemeinsame Begrifflichkeiten verwenden, zum Beispiel gemeinsame Begriffe haben für verschiedene Existenzweisen, die Phänomene haben können, dass allerdings dann diese einzelnen Begriffe von den verschiedenen Schulen unterschiedlich definiert sind. Das erschwert die Sache natürlich zusätzlich, denn wenn man dann die Definition innerhalb ner bestimmten Schule nicht kennt, dann kann es eben ganz schnell passieren, dass man diese, dass man eine falsche Definition zugrunde legt und der Schule dann eine Sichtweise zuschreibt, die dieser Schule gar nicht eigen ist. Es ist, noch dazu kommt dann eben, dass es in den verschiedenen tibetischen Traditionen jeweils nochmal unterschiedliche Erklärungen gibt und unterschiedliche Interpretationen für die einzelnen indischen Schulen.

Ich kann nicht sagen, ob Seine Heiligkeit sehr tief in die Prasangika-Erklärungen hineingehen wird – es könnte sein, dass das der Fall ist und ist vielleicht auch etwas wahrscheinlich – einfach weil der Text vom Herangehen dem folgt, was dann später als Prasangika-Methode oder Prasangika-Herangehensweise bezeichnet wird. Aber, und diese Herangehensweise besteht darin, dass man die Position einer anderen Schule erst mal nimmt und dann innerhalb dieser Position, innerhalb dieser fremden Position die Unstimmigkeiten und die, ja, Widersprüche aufzeigt. Es ist so, dass dieser Text nicht, also ach so, dass man dann aber nicht statt dessen versucht zu beweisen. Letzteres wäre der Svatantrika-Ansatz. In diesem Text ist es also so, dass Madhyamaka nicht mal direkt erklärt wird oder gar die Prasangika-Position erklärt wird, sondern, aber es könnte sein, dass Seine Heiligkeit diesen Hintergrund dann eben noch hinzufügt.

Um wenigstens ein bisschen Hintergrund zu vermitteln, möchte ich zumindest einen einzigen Begriff erklären, der, von dem zu erwarten ist, dass er in den Erklärungen dann immer wieder auftauchen wird, auch wenn er im Text selbst nicht auftritt, und das ist der Begriff „wahre Existenz“. Der ist ein gutes Beispiel dafür, wie eben verschiedene Schulen unterschiedliche Definitionen für einen gleichen Begriff haben, weil dieser Begriff eben in den verschiedenen Schulen nicht dasselbe bedeutet. Zweifellos wird also dieses, dieser Begriff immer wieder zu hören sein. 

Erst mal ein ganz grundlegender Unterschied ist, dass der Begriff „wahre Existenz“ bei den Vaibhashikas, den Sautantrikas und den Chittamatrin so verwendet, also für Phänomene verwendet wird, die wirklich existieren. Also es gibt Phänomene, die wahrhaft existent sind. Das wahrhaft Existierende ist dann in diesen Schulen das, was eben wirklich existiert, so wie der Begriff es eben erst mal unmittelbar suggeriert. In den Madhyamaka-Schulen ist es allerdings anders, also bei den Svatantrikas und den Prasangikas. Dort ist es so, dass der Begriff „wahre Existenz“ etwas ist, was überhaupt nicht möglich ist. Man denkt zwar, dass Dinge wahrhaft existieren, aber es ist nicht tatsächlich der Fall, dass dies so ist. Also das ist also schon mal ein sehr wesentlicher Unterschied. 

Auch bei denen, die der Meinung sind, dass wahre Existenz wirklich etwas ist, was existiert, was, was vorkommt, gibt es dann auch noch mal verschiedene Definitionen von wahrer Existenz. Aber, bevor wir diese Diskussion weiter verfolgen, ist es, gibt es einen der Punkt, der ganz wichtig ist, ganz wichtig zu verstehen ist, damit man sein Verständnis dieser Begriffe etwas verfeinern kann. Wenn hier in diesen, also worum es in diesen Diskussionen eigentlich geht, ist nicht so sehr, wie etwas selbst existiert, sondern mehr, wodurch die Existenz von etwas begründet oder bewiesen wird. Das heißt, es stellt, es ist eher die Frage, es geht eher um die Frage, was begründet, was beweist, was demonstriert, dass etwas existiert. Deshalb übersetzt ich das lieber als wahrhaft begründete Existenz oder nicht wahrhaft begründete Existenz.

Ein weiterer Unterschiede, der wichtig ist und der immer wieder Verwendung finden wird, ist folgender, ich weiß jetzt nicht, wie die Begriffe dann dort übersetzt werden werden, es gibt einerseits funktionierende Phänomene und andererseits nichtfunktionierende Phänomene. In der Regel sind funktionierende Phänomene auch das, was dann normalerweise als unbeständig bezeichnet wird und nichtfunktionierende Phänomene sind dann die sogenannten beständigen Phänomene. Die Begriffe selbst bedeuten allerdings wörtlich eher Phänomen und Nichtphänomen, und das bedeutet, manchmal, wenn der Übersetzer dann vielleicht etwas als existierend oder nichtexistierend übersetzt, dann, oder eben als Phänomen und Nichtphänomen, dann ist das eine mögliche Übersetzung, aber das entspricht weniger der Ebene, der Interpretationsebene, die Aryadeva hier in diesem Text verwendet. Bei Aryadeva ist mehr von funktionierenden und nicht funktionierenden Phänomenen. Bei Shantideva zum Beispiel ist es so, dass diese Begriffe dann teilweise sogar so verwendet werden, dass beide Bedeutungsebenen angesprochen werden und beide Bedeutungen der Begriffe Sinn ergeben. 

Da kommt nochmal die Frage, wie das genau gemeint war und ich meine also, wenn von Phänomen die Rede ist oder Nichtphänomen, dann kann das einerseits bedeuten, dass funktionale Phänomene oder nicht funktionale Phänomene gemeint sind oder auch unbeständige beziehungsweise beständige, was auf das gleiche rausläuft, oder es kann bedeuten, dass wirklich Phänomen oder Nichtphänomen gemeint ist in dem Sinne, dass etwas eben existiert oder das etwas nicht existiert. Wie gesagt Shantideva benutzt eben beide Bedeutungsebenen an einigen Stellen und hat Verse, wo beide Ebenen eben Sinn ergeben, das erschwert dann natürlich zusätzlich die Übersetzung.

Ja, dann kommt die Frage, was eben der Unterschied zwischen, also warum nicht funktionierende Phänomene gleichzeitig beständig sind, und ich meine eben, erst mal was sind „funktionierende“ beziehungsweise „nicht funktionierende“ Phänomene. „Funktionierende“ Phänomene sind Phänomene, die eine Funktion ausüben können. Das oder genauer Phänomene, die als Ursache dafür dienen können, dass eine Wirkung hervorgebracht wird. Ein Synonym dafür ist bedingte Phänomene oder den englischen Begriff, den ich gern verwende, könnte man maximal als beeinflusste Phänomene übersetzen. Das bedeutet, dass diese Phänomene eben durch Ursachen beeinflusst sind oder erst mal durch Ursachen bedingt sind, weil sie von Ursachen hervorgebracht werden und selbst, wenn sie existieren, dann werden sie eben beeinflusst von anderen Faktoren. Nichtbedingte Phänomene oder nicht beeinflusste Phänomene sind eben dann Phänomene, die nicht durch Ursachen und Bedingungen hervorgebracht werden und die, wenn sie existieren, eben nicht von anderen Faktoren beeinflusst werden. 

Beeinflusste Phänomene ist also ein etwas weiter, weiterer Begriff, aber das ist, was damit gemeint ist. Funktionierende Phänomene sind Phänomene, die selbst wie gesagt eine Wirkung hervorbringen. Für den, also und diese Phänomene sind unbeständig oder ich benutze lieber den Begriff „nicht-statisch“. Das bedeutet also, dass sie sich ständig in Veränderung befinden, dass sie sich, dass sie eben nicht starr oder statisch sind. “Nicht funktionierende“ Phänomene andererseits, die sind wie gesagt, werden nicht, werden wie gesagt nicht von Ursachen und Bedingungen beeinflusst, sie bewirken nichts, sie erzeugen nichts und sie sind statisch in dem Sinne, dass sie nicht eben Ursache und Wirkung unterliegen und dass sie nicht ständig einem augenblicklichen Wandel unterliegen.

Allerdings muss man hier ein bisschen, also muss man hier das genau richtig verstehen, sowohl bei den statischen als auch bei den nicht-statischen Phänomenen gibt es Beispiele, die trotzdem für immer existieren oder anfangslos und endlos existieren. Wenn man zum Beispiel das geistige Kontinuum nimmt, dann ist es ein nicht-statisches Phänomen, das verändert sich laufend, aber trotzdem ist es so, dass es, dass es ewig existiert, also anfangs- und endlos existiert. Wenn man also solche ewigen nichtstatischen Phänomene nimmt wie das Kontinuum einer Person, dann muss man damit also recht präzise sein. Und dort ist es eben gut eher von einem beeinflussten Phänomen zu sprechen. Das Geisteskontinuum ist eben etwas, was nicht aus Ursachen und Bedingungen entsteht, durch Ursachen und Bedingungen geschaffen wird, aber es wird von anderen Phänomenen beeinflusst. Die Gegenwart oder Abwesenheit von anderen Phänomenen beeinflusst eben zum Beispiel, was das Bewusstseinskontinuum in einem Phänomen erlebt. In diesem Sinne ist es also ein Phänomen, was beeinflusst wird, aber was nicht erzeugt ist. Insofern ist ich die Übersetzung „beeinflusst“ lieber als „bedingt“, auch wenn „bedingt“ auch ganz in Ordnung ist. Und ich weiß eben nicht, wie es dann wirklich übersetzt werden wird, aber das sind auf jeden Fall sehr zentrale Begriffe, von denen man ein klares Verständnis haben muss, weil die eben immer wieder auftauchen und weil man eben nicht versteht, worum es geht, wenn man diese Begriffe nicht versteht.

Dann ist nochmal die Frage, wenn man jetzt von Phänomenen spricht, die ewig existieren, dann, ob das dann sich darauf bezieht, dass Phänomene ohne Anfang und Ende sind oder darauf, dass man nur Anfang und Ende dieser Phänomene selbst nicht erfassen kann, oder nicht, dass die nicht zu erfassen sind, und das ist auch ein Punkt, der in buddhistischen Texten aufgegriffen wird. Es gibt dort das Beispiel von Brahma. Brahma ist also ein Gott, der als erstes irgendwie in nem bestimmten Universum, ja, zur Welt kommt sozusagen, und der denkt, dass er und das Universum eben ewig sind und dass er der Schöpfer von allem wäre. Der Grund dafür ist aber, dass er dann eben noch eine geistige Einschränkung besitzt, die ihm nicht erlaubt, da drüber hinaus zu blicken, und dann kann er eben nur seine eigene Existenz ansehen und ansehen, wie das Universum existiert hat seitdem und kann dort keinen Anfang und Ende erkennen, was aber eben nicht bedeutet, dass das Universum wirklich anfangs- und endlos ist oder er selbst so wäre.

Hier ist es allerdings zumindest laut Mahayana-Ansicht so, dass das Bewusstsein wirklich keinen Anfang und kein Ende besitzt. Das heißt, es ist einfach ständig vorhanden oder jederzeit vorhanden, könnte man vielleicht sagen. Im Hinayana gibt’s allerdings eine andere Ansicht zum Bewusstseinskontinuum. Dort wird gesagt, dass das Bewusstseinskontinuum endet, wenn man die persönliche Befreiung oder die Erleuchtung erreicht hat und dann in dem entsprechenden Leben stirbt. Das wird als Parinirvana bezeichnet. Im Mahayana wird das allerdings zurückgewiesen. Und auch Aryadeva erwähnt diesen Punkt und widerlegt ihn. Und es gibt eben auch in den Mahayana-Sutras Stellen, wo der Buddha, Kommentare, wo der Buddha eben erklärt, dass auch Arhats noch geistige Einschränkungen besitzen, die ihnen eben nicht erlauben, über dieses Parinirvana hinaus zu sehen.

Mit diesem Begriff, der dann vielleicht einfach mal als Phänomen oder Nicht-Phänomen übersetzt wird, ist es also wirklich wichtig dann zu verstehen, was sich eigentlich dahinter verbirgt und welche Bedeutungen damit verbunden sind. Ich kann eben nicht sagen, wie es übersetzt werden wird. Ich würde mal vermuten, dass es vielleicht als Ding und Nicht-Ding übersetzt wird. Jedenfalls da ist es dann wichtig, die entsprechende Bedeutung geistig zu ergänzen, weil es sonst eben sehr verwirrend wird oder, ja, nicht sehr viel Sinn ergibt.

Dann kommen wir zu dem Begriff der „wahren Existenz“ oder „wahrhaft begründeten Existenz“ oder wir können auch sagen „wahrhaft erwiesene Existenz“, je nachdem. Bei den Vaibhashikas wäre das Synonym mit dem Begriff, dass etwas „substantiell begründet existiert“. Hier muss man auch wieder aufpassen. „Substantiell begründete Existenz“ ist nicht das gleiche wie substantiell eigenständig erkennbar zu sein. Bei dem Begriff waren wir gestern. Wenn etwas also, wenn etwas entweder ganz für sich oder losgelöst erkennbar ist, dann eben nicht ganz für sich erkennbar ist, sondern nur durch Zuschreibung erkennbar ist, dann ist das wieder ein anderer Punkt. Der wird bei Aryadeva nicht in dieser Form besprochen. Hier geht’s um was anderes. Wenn also von „substantiell begründeter Existenz“ die Rede ist, dann meinen die Vaibhashikas eben da „wahre Existenz“ und die Vaibhashikas sind der Meinung, dass alles, was existiert, auf diese Weise existiert. 

Die Definition für ein substantiell oder für ein wahrhaft, für „wahrhaft begründete Existenz“ ist, dass etwas eine Funktion erfüllt oder Funktion ausübt. Das heißt, auch wenn, und laut ihrer Ansicht ist es so, auch wenn man jetzt „nicht funktionierende“ Phänomene nimmt, dann, also oder statische Phänomene kann man sie auch nennen, dann ist es zwar so, dass diese keine Funktion ausführen, dass sie nichts direkt, dass sie nichts direkt erzeugen, aber sie führen trotzdem eine Funktion aus, auch wenn sie nichts erzeugen, weil sie die Grundlage dafür sind für eine Wahrnehmung, die sie erfassen kann.

Das heißt, in diesem System, bei den Vaibhashikas, können beständige Phänomene oder statische Phänomene zwar nichts erzeugen, aber sie können eine Funktion ausführen, weil sie die Grundlage für ihr Wahrgenommensein bilden. Aryadeva folgt den Vaibhashikas dann zwar mit dem Hammer auf den Kopf bei dieser Position, aber das ist eben die Vaibhashika-Ansicht, dass alles wahrhaft, als wahrhaft existierend begründet ist.

Dieser Punkt ist ebenfalls sehr wesentlich in Aryadevas Diskussion und generell auch in diesen verschiedenen Debatten zwischen den indischen und verschiedenen nicht-in, nee, zwischen den buddhistischen und nichtbuddhistischen Schulen in Indien. Diese Diskussion ob etwas wahrhaft existiert oder nicht wahrhaft existierend, als wahrhaft existierend erwiesen ist, die wird eben vor allem auf wesentliche metaphysische und philosophische Diskussionen angewendet. Zum Beispiel eben, was denn eigentlich Raum ist, was Zeit ist, was, wie die, was allerkleinste Teilchen sind, aus denen alles eben aufgebaut ist.

Dann wird eben die Beschaffenheit dieser verschiedenen Arten von Phänomenen diskutiert. Das ist also auch wieder was, was dann die ganze Sache nochmal tiefgründiger macht. Da gibt es dann eben zum Beispiel solche Fragen wie, ob Zeit eigentlich etwas bewirkt. Zum Beispiel eben könnte dann, könnte man dann sagen, dass die Zeit durchaus was bewirkt, weil eben die Zeit vergeht und irgendwann dann Zeit ist um Teepause zu, oder Kaffeepause zu machen. Das ist allerdings jetzt nicht die Zeit dafür. Und sagt ja auch solche Dinge wie „seine Zeit ist abgelaufen“ oder „Ich hab keine Zeit mehr“ und so weiter.

Wenn wir jetzt wieder zur wahrhaft erwiesenen Existenz zurückkommen, dann gibt es bei den Sautrantikas zwei verschiedene Interpretationen. Zwar schon zwei verschiedene Interpretationen innerhalb der Gelug-Tradition. Und die eine ist die Jetsunpa-Tradition, derzufolge werden die Phänomene, oder demzufolge ist das Merkmal von wahrhaft erwiesener Existenz, dass etwas die Fähigkeit besitzt, eine Funktion auszuüben. Das heißt, laut diesem Erklärungssystem sind nur funktionierende Phänomene Phänomene, die wahrhaft erwiesene Existenz besitzen. Nur sie sind auch Phänomene, die substantiell existieren. Die Jetsunpa-Sichtweise oder Tradition, die wird in Sera Je und in Ganden Jangtse gelehrt und die Geshes, die von dort kommen, werden dann in der Regel diese Position erklären. 

Die Sautrantikas sind nicht der Meinung, dass statische Phänomene in der Lage sind eine Funktion auszuüben, weil es doch ein bisschen eigenwillig ist zu sagen, ja, Phänomene sind nicht funktionierend, aber sie üben dann doch wieder eine Funktion aus insofern als sie eben als Grundlage für ihre Wahrnehmung dienen. Also damit haben, mit dieser Vaibhashika-Annahme haben auch alle ein Problem, außer den Vaibhashikas. Das heißt für die Sautrantikas nach Jetsunpa ist es so, dass nichtstatische unbeständige funktionierende Phänomene wahrhaft existieren und dass die statischen, nicht funktionierenden beständigen Phänomene keine wahrhafte Existenz besitzen, weil sie eben keine Funktion ausüben können.

Die andere Interpretation innerhalb der Gelug-Tradition ist dann die Panchen Sautrantika-Interpretation, die wird in Drepung Loseling und in Ganden Shartse gelehrt. Und die beiden Tutoren Seiner Heiligkeit, die kommen aus genau diesen beiden Klöstern. Das heißt, wenn Seine Heiligkeit Erklärungen gibt, dann ist es oft von dieser Position ausgehend. Laut dieser Position ist etwas als wahrhaft vorhanden erwiesen, wenn es von seiner eigenen Seite als erwiesen ist, von sich aus erwiesen ist. Dies gilt dann sowohl für funktionierende nichtstatische oder unbeständige Phänomene als auch für die statischen nichtfunktionierenden beständigen Phänomene. Beide haben dann also wahrhaft erwiesene Existenz in diesem System und sind etwas, was wirklich existiert. Die andere Interpretation, also Jetsunpa würde damit übereinstimmen, dass statische und nichtstatische Phänome beide von ihrer eigenen Seite ausgehend erwiesen sind, aber sie würden das eben nicht als Kriterium wählen für „wahrhaft Existierendes erwiesen sein“.

Ja dann kommen wir zu dem Chittamatra-System, das ist dann eine Mahayana-Schule. Dort ist ein Phänomen dann als, existiert ein Phänomen dann als „wahrhaft erwiesen“, wenn es ein Phänomen ist, das auffindbar ist. Auffindbarkeit bedeutet, dass es individuelle charakteristische Merkmale hat, die auf Seiten des Objektes existieren. Laut Chittamatra schließt dies einerseits funktionierende Phänoneme ein, also Phänomene, die nichtstatisch sind, aber andererseits auch Leerheit. Die Leerheit wird in diesem System dann sehr, sehr anders erklärt als bei Madhyamaka. Aber jedenfalls das Chittamatra-Verständnis von Leerheit, das wäre dann auch ein Phänomen, was zwar nicht, was zwar nichtfunktional ist und was statisch ist, aber was trotzdem wahrhaft existiert innerhalb dieses Systems.

Die Chittamatrin sind also der Meinung, dass die Leerheit aufgrund individueller definierender Merkmale erwiesen ist. Als einziges beständiges Phänomene dann wahrscheinlich, ja. Ganz im Gegensatz zum Beispiel zum Raum, der auch ein beständiges Phänomen ist, aber der nicht aufgrund individueller charakteristischer Merkmale von seiner eigenen Seite her erwiesen ist laut den Chittamatrin. 

Da kommt dann nochmal die Frage, was der Unterschied ist zwischen inhärent und wahrhaft existent, weil diese Erklärung von inhärent existent, eine von, diese Definition von wahrhaft begründeter oder wahrhaft erwiesener Existenz sehr nach der Chittamatra-Definition von inhärenter Existenz klingt. Ich meine eben, dass es generell „inhärente Existenz“ bedeutet, dass etwas aufgrund seiner eigenen Natur existiert oder auch durch seine eigene Natur erwiesen ist. Wie ist es dann erwiesen, eben indem etwas auf Seiten dieses Phänomens existiert, was ein individuelles definierendes charakteristisches Merkmal ist. Ich weiß jetzt aber nicht sicher, ob individuell charakterisiert von Eigennatur aus erwiesen oder von seiner eigenen Seite her erwiesen, ob diese drei in allen Systemen jetzt als Synonym betrachtet werden. In Svatantrika zum Beispiel, meine ich jetzt nochmal, ist Existenz, die aufgrund von Eigennatur erwiesen ist, nicht das gleiche wie wahrhaft erwiesene Existenz. In Prasangika sind das Synonyme.

Dann kommen wir zu dem Madhyamaka-System, also Svatantrika und Prasangika. In diesem System ist es so, dass es überhaupt nichts gibt, was als wahrhaft existierend erwiesen ist. Diese Existenzweise ist eine fehlerhafte Existenzweise in diesem System. Nichts existiert wirklich als wahrhaft erwiesen. Eben demzufolge definieren die Svatantrikas und Prasangikas natürlich diesen Begriff wahrhaft erwiesene Existenz auch anders. In beiden Systemen ist es also so, wenn etwas als wahrhaft existierend erwiesen ist, dann ist es erwiesen als etwas, das ohne Zuschreibung, unabhängig von Zuschreibung existiert.

Das heißt, etwas, das existiert ohne einfach eine Benennung zu sein oder eine Zuschreibung auf etwas anderes. Das heißt, wenn man also eine Form hat, etwas, dass etwas, wenn also etwas dadurch erwiesen ist, dass nicht nur Worte oder Begriffe und so weiter sich darauf anwenden lassen, sondern eben noch mehr als das dafür zuständig ist, dass das Phänomen erwiesen ist. Wenn wir also zum Beispiel eine Benennungsgrundlage wie die Aggregate haben, also Körper, Geist, Emotionen usw., dann gibt es Worte, Konzepte, Bezeichnungen, die sich darauf beziehen. Eben zum Beispiel die Bezeichnung „Person“. Das ist eine Benennung, die auf die Aggregate angewendet wird. Und diese Benennung bezieht sich auf etwas, nämlich auf etwa, eine Person. Das heißt, der Begriff bezieht sich auf etwas, er ist nicht völlig unsinnig oder bedeutungslos, aber die Person wird eben durch diese Benennung aufgrund des körperlichen und geistigen Kontinuums erwiesen oder begründet in ihrer Existenz. Wahrhaft erwiesene Existenz wäre jetzt eine Existenzform, die nicht so beschaffen ist. Nicht nur zugeschrieben.

Eine Existenzform, die nicht einfach bloß aufgrund von Benennung, von Zuschreibung erwiesen ist. Das heißt diese und das würde eben für nicht tatsächlich gelten. Das würde nichts einfach unabhängig von Zuschreibung existieren können. Das bezieht sich dann eben auf solche Dinge wie das Ganze, welches in Abhängigkeit von seinen Teilen zugeschrieben wird. Auch solche Dinge sind also nur laut Madhyamaka in Abhängigkeit von Benennungen erwiesen. Es ist nicht so, dass die geistige Benennung selbst das Phänomen erzeugen könnte, aber wenn man sich eben fragt, wodurch ist seine Existenz erwiesen, dann ist es dadurch, dass diese Phänomene jeweils das Bezugsobjekt von bestimmten Worten oder Zuschreibungen sind. Dieser letzte Punkt ist also ein sehr wesentlicher Punkt, der oft falsch verstanden wird. Dass ich jemanden als eine „Person“ benenne, alleine das erzeugt die Person nicht. Sondern, es ist nicht wichtig, dass ich das tue, es könnte irgendjemand die „Person“ als „Person“ benennen. 

Aber die Frage ist, was ist die Person. Die „Person“ ist eben einfach eine Benennung oder eine Zuschreibung, die in Abhängigkeit oder auf der Grundlage von Körper und Geist verwendet oder angewendet wurde. Und das ist, was die Existenz der Person begründet oder wodurch die Existenz der Person erwiesen ist. Das heißt, es ist das, worauf ein Wort oder ein Konzept sich auf einer Grundlage beruhend bezieht. Es ist weder das Wort noch die Grundlage.

Dann kommt die Frage wenn ich jetzt sage, ich benenne die Person auf Grundlage von dir, dann ist ja die nächste Frage, was ist dann eigentlich dieses du? Ja, konventionell gesprochen kann man sagen, dass eben ein du oder eine konventionelle Person existiert. Das ist dann eben ein wichtiges weiteres Untersuchungsthema. Madhyamaka ist eben kein Nihilismus, wie andere Schulen den Madhyamakas das oft vorwerfen. Sondern es gibt tatsächlich ein konventionell existierendes Ich. Und die Frage ist aber eben, was begründet die Existenz, die konventionelle Existenz dieses Ichs? Und das ist das, worauf das Wort „Ich“ eben verweist.

Ich will wenigstens noch zu der Unterscheidung zwischen Svatantrika und Prasangika kommen, damit wir diesen Punkt dann erst mal abschließen können, bevor ihr alles gleich wieder vergessen habt. Jedenfalls in diesem Kontext der wahren Existenz bzw. dessen, was überhaupt nicht existiert, gibt es bei den Svatantrikas nochmal einen Unterschied zu den Prasangikas.

Die Svatantrikas sind der Meinung, ja, es stimmt, dass nichts einfach unabhängig von dem erwiesen sein kann, worauf eben entsprechende passende Worte und Begriffe sich beziehen. Aber es gibt trotzdem auf Seiten der Benennungsgrundlage ein individuelles definierendes Merkmal. Die entsprechende passende Benennung zusammen mit diesem individuellen definierenden Merkmal sorgen dann beide gemeinsam dafür, dass die Benennung eben eine korrekte Benennung sein kann oder tragen dafür Rechnung. Das bedeutet also laut den Svatantrikas, gibt es, ist weder dieses definierende Merkmal auf Seiten des Phänomens alleine, noch das, die entsprechende Benennung von ihrer Seite alleine in der Lage die Existenz eines Phänomens zu begründen. Die Prasangikas andererseits sagen, so was gibt’s überhaupt nicht.

Sie sind der Meinung, dass es keine definierenden, auffindbaren definierenden Eigenschaften auf der Seite des Objektes geben kann, auf der Seite irgendeines Objektes geben kann und dass nichts in seiner Existenz aufgrund seiner eigenen Kraft, kraft seiner selbst bewiesen werden kann. Aber wie gesagt, ach so, und laut den Prasangikas ist dieses. Dass ein Phänomen eben kraft seiner selbst erwiesen ist, das wird auch als inhärente Existenz bezeichnet oder, also und das ist also Existenz, die aufgrund der Eigennatur des Phänomens erwiesen ist. Bei den Svatantrikas ist es so, dass dies alleine nicht ausreicht, um die Phänomene zu, in ihrer Existenz zu begründen. Bei den unteren Schulen außerhalb der Madhyamaka-Schule ist es so, dass diese individuellen definierenden Merkmale sogar alleine unabhängig von geistiger Benennung als ausreichend betrachtet werden, um die Existenz eines Phänomens zu begründen. 

Wenn wir also die Farbe orange als Beispiel nehmen, dann ist es nicht so, dass das Universum selbst mit Farben ausgestattet ist, sondern also ganz, ganz von sich aus Farben besitzen würde, sondern es, wenn wir jetzt zum Beispiel oranges Licht oder gelbes Licht oder rotes Licht haben, dann ist die Frage, was begründet eigentlich, dass das gelb, rot oder orange ist? Und das sind eben die Worte „gelb“, „rot“ oder „orange“. Es gibt also nicht, es ist nicht so, dass diese Farben an sich von ihrer Seite aus das sind, worauf die Worte sich beziehen können. Sondern das ist etwas, das Bezugsobjekt eines Wortes ist, das existiert wieder nur in Abhängigkeit vom Vorhandensein des Wortes selbst. Es ist also nicht so, dass orange, gelb und rot zum Beispiel unabhängig von den Worten begründet ist, sondern orange, gelb und rot sind als das begründet, worauf die Worte „orange“, „gelb“ und „rot“ sich beziehen. Dann stellt sich eben die Frage, gibt es eben trotzdem ein definierendes charakteristisches Merkmal auf Seiten des Objektes?

Da würden die Svatantrikas also sagen, ja, das ist durchaus der Fall. Da ist eine Wellenlänge vorhanden und dann kann man das eben einteilen und kann sagen, von da bis dort, die Wellenlänge das ist dann orange und von da bis dort ist dann rot und so weiter und so weiter.

Deshalb ist es bei ihnen also so, dass durch die Kraft einerseits eines definierenden Merkmals, das auf Seiten des Objektes vorhanden ist und andererseits durch die Kraft einer Benennung, die man korrekt anwendet, die eben zum Beispiel auf Seiten des Objektes die Existenz von „orange“ erwiesen wird oder begründet, begründbar ist.

Die Prasangikas sagen an der Stelle eben, Moment mal, also, auch diese definierenden Eigenschaften sind was, was man sich ausgedacht, was man erfunden hat. Es ist nicht so, dass orange von sich aus existieren würde von dieser Stelle bis zu der Stelle des Spektrums, auch das ist wiederum eine zusätzliche Benennung, eine Zuschreibung. Es ist nicht so, dass auf Seiten des Objektes irgendwelche Abgrenzungen existieren würden wie wenn man so ein Diagramm hat, wo dann so kleine Trennpunkte irgendwo sind, so dass die Wellenlängen sauber auseinandergeteilt sind. Es gibt stattdessen einfach bestimmte Phänomene und wir haben eben dann zum Beispiel den Begriff einer „Wellenlänge“ erfunden und benutzen den um diese Phänomene zu erklären. Auch unsere ganzen Messmethoden, die wir eben verwenden, die haben wir eben, auch die sind wieder nur aufgrund von bestimmten Worten, Benennungen, Begriffen in ihrer Existenz erwiesen. Es gibt also „nichts, was auf Seiten des Objektes auffindbar“ ist. Also der wichtige Punkt, um den hier geht, ist die Auffindbarkeit von Merkmalen auf Seiten des Objektes.

So etwas gibt es nicht. Es gibt nichts, was von Seiten des Objektes eben wirklich zu finden wäre. Was von seiner eigenen Seite in der Lage ist oder eben von seiner eigenen Seite zusammen mit geistiger Benennung in der Lage ist das Phänomen als das zu begründen, was es dann eben jeweils ist. Selbst Worte sind eben nichts, was in ihrer Existenz wahrhaft erwiesen wäre. Auch wenn man Worte hat, dann ist das was, was sich, sind das was, sind das Dinge, die sich Menschen ausgedacht haben. Die haben eben irgendwelche bedeutungslosen Klangmuster zusammengenommen und haben ihnen eine Bedeutung verliehen. Auch dies ist, auch bei Worten ist es also nicht so, dass die inhärent von sich ausgehend bedeutsam wären. Auch wenn man sich mal überlegt, ist es ja so, dass Worte ganz unabhängig von ihrer Betonung, von ihrer Lautstärke, von der Stimme, mit der sie gesprochen werden, immer als das gleiche Wort betrachtet werden.

Auch das ist ja eigentlich schon ein bisschen merkwürdig. Es ist also wichtig, diese, wenigstens ein grundlegendes Verständnis dieser Begriffe zu haben, „wahrhaft existent“, „inhärent existent“, „funktionierendes Phänomen“, „nicht funktionierendes Phänomen“ und so weiter, weil eben dann bei den Erklärungen auch mit diesen Worten einfach rumgeworfen werden wird. Wenn man also dann einfach diese ganzen Begriffe hört und eben nicht ein Stück diesen Hintergrund hat, dann wird es eben entweder bedeutungslos oder vielleicht auch verwirrend sein.

Wenn man allerdings den Hintergrund eben hat und weiß, was hinter diesen Begriffen steht, dann kann man eben den Erklärungen auch folgen und dann versteht man, wie tiefgründig diese Belehrungen eben sind. Wenn man eben einen gewissen Hintergrund hat oder eben auch nur einen grundlegenden Überblick, dann ist es für einen auch klarer, was man tun muss, um diese Texte dann etwas genauer zu studieren. Es ist eben einfach ein fortgeschrittener Text.

Dann die Frage kommt was bedeutet eigentlich, dass etwas „auffindbar“ ist? Auffindbarkeit würde bedeuten, man sucht nach etwas, entweder nach der konventionellen oder nach der tiefsten Wahrheit eines Phänomens, sucht danach, was die Dinge wirklich sind und kann dann auf etwas zeigen, was da auf Seiten des Objektes wirklich vorhanden ist, wirklich existiert. Aus sich heraus existiert, aus eigener Kraft existiert. Und das, was man da finden kann, hat dann eben dadurch die Kraft die Existenz des Phänomens zu begründen. Wenn man jetzt aber sich fragt, was ist denn eigentlich eine Lichtschwingung, dann ist es doch so, dass das ne, in gewisser Weise was ist, was aus mehreren, was sich über mehrere Nanosekunden hin erstreckt. Und dann kann man eben zu einer bestimmten Nanosekunde messen. Und dann kann man zu einer späteren Nanosekunde wieder auf einen anderen Zustand verweisen und so weiter. Und dann sieht man, also dann und man misst eben irgendwie, aber es gibt nix so richtig, was man direkt aufzeigen kann. Dann kann man sich auch fragen, was ist das eigentlich, mit dem man sich da beschäftigt? Ist das eine Energie, ist das ein Teilchen, worauf kann man da eigentlich genau verweisen. Worauf kann man da genau zeigen?

Seine Heiligkeit benutzt dann bei diesen Erklärungen oft sehr, sehr viele auch recht bildhafte Begriffe, die in der Übersetzung dann oft einfach mit dem gleichen Begriff, zum Beispiel „wahrhaft erwiesene Existenz“, wiedergegeben werden. Aber er benutzt dann eben zum Beispiel Begriffe wie „als ob da etwas auf Seiten des Objektes existieren würde von seiner eigenen Seite, auf das man mit dem Finger verweisen könnte“ und das dann von seiner eigenen Seite in der Lage ist, die Existenz des Phänomens zu belegen oder zu begründen. Diese Dinge kann man natürlich dann schlecht eben auf eine elegante Art und Weise auch so in dieser Form wortwörtlich übersetzen. Deshalb ist das dann in der Übersetzung selten in dieser bildhaften Form enthalten, aber auf diese Art und Weise drücken die Tibeter das dann aus mit solchen Bildern auch.

Dann kommt noch die Frage, dass doch aber dann schon vorausgesetzt ist, dass es den Betrachter gibt, also wenn man jetzt sagt, es ist so als ob man mit dem Finger auf was zeigt, dann würde man ja schon voraussetzen, dass der Finger existiert und der Betrachter, mit dem der Finger verbunden ist, auch schon existiert. Wenn man versucht, die nacheinander eben zu begründen, dann kommt man ja in einen endlosen Regress, das hört ja nie auf.

Das ist wahr, aber andererseits wird eben von den Prasangikas die konventionelle Existenz der Dinge durchaus akzeptiert. Das ist ja das Problem, dass die Nicht-Prasangika-Schulen den Prasangikas vorwerfen, dass sie völlige Nihilisten sind, dass die Prasangikas oder dass die Prasangika-Position letztlich dazu führen müsse, dass ja gar nichts mehr existiert, und das ist aber nicht, was die Prasangikas tatsächlich behaupten oder tatsächlich meinen. Deshalb ist, betont die Gelugpa-Tradition eben auch, dass es laut ihrem Prasangika-Verständnis durchaus positive Behauptung im Prasangika-System gibt. Und dass die Dinge eben durchaus konventionell existieren und das würde sich durchaus auf etwas beziehen. Und dann gibt es eben wieder andere Schulen, die sagen, ja, ihr meint also, dass Worte sich auf etwas beziehen, dann meint ihr wohl, dass die Dinge auffindbar sind. Das ist dann also wieder das andere Extrem, wie man das verstehen kann, wie es auch nicht gemeint ist.

Da kommt man aber auch ein bisschen wieder in das nächste Thema, das ich jetzt aber allerdings wirklich nicht vertiefen möchte, was er weder vorgehabt hat und was auch andererseits zu weit führen würde, nämlich dass die Dinge wie eine Illusion existieren. Es ist also so, dass Dinge nicht aufgrund, als wahrhaft existent erwiesen sind, und andererseits ist es aber eben so, dass konventionelle Dinge aber durchaus existieren. In anderen Schulen, außerhalb der Prasangika-Schule ist es so, dass wahrhafte Existenz für etwas steht, was die Dinge tatsächlich besitzen. Und wenn etwas eben nicht wahrhaft existiert, dann würde es laut Meinung dieser anderen Schulen nicht im geringsten bestehen, nicht im geringsten vorhanden sein. Bei den Prasangikas ist es so, dass konventionelle Dinge existieren, aber dass sie eben auf eine andere Art und Weise beschaffen sind als es uns erst mal erscheint. Das ist auch eine wichtige Unterscheidung. In einigen Interpretationen wird dann eben gesagt, alle Dinge sind tatsächlich eine Illusion. Die wahre Existenz ist eine Illusion. Die Gelugpas verwenden dann eben eine andere Ausdrucksweise dafür und sagen, die Dinge sind wie eine Illusion. Es gibt eine täuschende Erscheinung, und die konventionelle Wahrheit der Dinge, die erscheint auf eine Art und Weise, die von dem abweicht, wie es tatsächlich der Fall ist. So wie eine Illusion eben eine Erscheinung ist, die von dem abweicht, was tatsächlich eigentlich der Fall ist.

Es gibt also keine Möglichkeit vorher zu wissen, auf welcher, bis zu welcher Tiefe Seine Heiligkeit diese Themen diskutieren wird. Aber wenn man eben aus früheren Diskussionen Schlussfolgerungen zieht, dann ist es so, dass er durchaus ziemliche Tiefe da hineinlegen könnte, weil er ja diese Themen gerne diskutiert und daher auch gerne diese Dialoge mit Wissenschaftlern führt und die sehr genießt, kann es auch sein, dass er vielleicht einige Punkte zur Quantenphysik sagt, wo es eben auch genau um diese Interaktion des Geistes geht, der etwas betrachtet und etwas misst und andererseits eben die Existenz der Dinge.

Gut, dann kommen wir also jetzt zu den Acht Kapiteln über Leerheit. Wie ich schon gesagt habe, ist es so, dass Aryadeva vor allem die Annahmen anderer buddhistischer und nicht buddhistischer Systeme widerlegt, von denen es eben eine große Menge gibt. Er führt diese Widerlegung eben durch, indem er absolute Konsequenzen aus diesen verschiedenen Annahmen und Aussagen zieht. Es ist so, dass es ich nur einfach durch für also einige Punkte in diesen verschiedenen Kapiteln stellvertretend durchnehmen kann. Es wird natürlich keine Zeit sein, die einzelnen Punkte sehr im Detail zu besprechen. Vermutlich wird auch Seine Heiligkeit das nicht allzu detailliert dann tun. Sondern es ist eher anzunehmen, wenn man so so im Vergleich also so wie er‘s bei anderen Belehrungen getan hat, dass Seine Heiligkeit vielleicht eher eine grundlegende Einführung in Leerheit selbst geben wird, wie ich das vorhin auch ein bisschen getan habe, und dass er dann vielleicht auch nicht alle Schulen durchnimmt, sondern eher bloß die Prasangika-Position dabei bespricht. Es ist auch sehr gut möglich, dass er dann durch viele Verse einfach durchgeht ohne sie nochmal direkt zu erklären, und vielleicht hier und paar, hier und da einzelne Punkte dann herausgreift, die er für interessant und relevant hält. Aber indem wir zumindest einige Vorstellungen besprechen, die von Aryadeva in seinen Punkten dann durchgenommen, in seinen Versen dann durchgenommen werden, bekommt man zumindest vielleicht wenigstens nen, eine Vorstellung vom Umfang dieses Textes.

Dann kommen wir zum neunten Kapitel, dem Aufzeigen von Meditationen zur Widerlegung statischer funktionierender Phänomene. Das bedeutet, dass eben in einigen Systemen, in einigen Schulen Phänomene behauptet werden, die einerseits statisch sind, aber andererseits diesen Systemen zufolge auch etwas bewirken können. Verschiedene Schulen haben dann, bringen dann verschiedene Dinge an, die eben ihrer Meinung nach angeblich statisch und andererseits funktionierende Phänomene sein sollen. Diese Phänomene besitzen laut deren Vorstellungen auch wahrhaft begründete Existenz oder wahrhaft erwiesene Existenz. Aryadeva spricht nicht direkt von „wahrhaft erwiesener Existenz“, aber wenn es erklärt wird, dann wird dies in dieser Form erklärt. Es ist so, dass die Nicht-Prasangika-Schulen alle Phänomene, die sie als existent betrachten, auch als wahrhaft existent oder als wahrhaft, von wahrhaft erwiesener Existenz betrachten, so wie die Prasangikas wahrhaft erwiesene Existenz definieren.

Funktionierende Phänomene, die von, die aufgrund von Ursachen und Umständen zustande kommen, was eben die, also funktionierende Phänomene, die aufgrund von Ursachen und Umständen entstehen, was eben, das ist die Definition von funktionierenden Phänomenen, können nicht wahrhaft existent als statische Phänomene sein.

Das bedeutet also, es kann kein funktionierendes Phänomen geben, oder Aryadeva weist eben darauf hin, dass es kein funktionierendes Phänomen geben kann, was ohne Ursache ist. Es ist also laut seiner Meinung völlig ausgeschlossen, dass man ein statisches Phänomen hat, was andererseits ein funktionierendes Phänomen ist.

Was Aryadeva wahrscheinlich im Sinn hat, auch wenn er‘s nicht direkt anspricht, ist die Vorstellung eines Schöpfergottes, wie er zum Beispiel im Nyaya-System angenommen wird. Dort ist eben die Rede davon, dass ein Schöpfergott einerseits statisch ist, also unbeeinflusst von anderen, aber andererseits eben erschafft. Auf diese Weise eben auch ein funktionierendes Phänomen ist. Es kann aber eben nichts geben, was ein statisches und zugleich funktionierendes Phänomen ist wie ein Schöpfer, weil alle funktionierenden Phänomene auch abhängig von Ursachen und Umständen sind. Und beeinflusst sind.

Als nächstes widerlegt eben Aryadeva logische Fehler im System der Vaisheshikas. Die Vaisheshikas meinen eben, wenn etwas erzeugt ist, dann ist es unbeständig; wenn etwas nicht erzeugt ist, dann ist es ein beständiges, statisches Phänomen. Sie sind eben der Meinung, dass Atman beziehungsweise die Seele, sie wird also nicht. Sie sind also jetzt der Meinung, das Atman bzw. die Seele ist also nichts, was geschaffen wurde, also ist es ihrer Meinung nach etwas Beständiges. Also etwas Statisches. 

Aryadeva widerlegt diese Aussage eben, indem er drauf hinweist, dass zwar, dass wenn etwas nicht erzeugt ist, es noch lange nicht als etwas Statisches existieren muss. Es könnte auch ein, etwas sein, was überhaupt nicht im Geringsten existiert. Also nur weil etwas nicht erzeugt ist, heißt es nicht, dass es als etwas Nicht-Erzeugtes wirklich vorhanden ist, wirklich existent ist. Insofern ist also diese, ja, diese Zwangsläufigkeit der Schlussfolgerung nicht gegeben. 

Und die die Nyayas anbringen. Das ist also eine Argumentation, eine formale Argumentation, die Aryadeva dann hier an dieser Stelle eben anbringt: dass also wenn etwas nicht von Ursachen und Bedingungen erzeugt worden ist, dass es dann noch trotzdem nicht zwangsläufig als etwas Statisches existiert; weil es eben einfach auch nichtexistent sein könnte. Wir werden jetzt nicht hier in die Gültigkeit dieser verschiedenen logischen Aussagen von irgend ner Seite in der Tiefe beleuchten können, sondern wir müssen, also das ist einfach, was Aryadeva eben meint.

Außerdem ist es auch so, dass die indische Logik nicht genau den gleichen Regeln und der gleichen Struktur folgt wie die Logik von Aristoteles. Auch das ist eine tiefgreifende und umfangreiche, ein umfangreiches Thema, für das wir jetzt keine Zeit haben.

Wenn man jetzt das Beispiel des statischen Raumes nimmt, dann kann der Raum nicht als ein substantiell existierendes Phänomen betrachtet werden, einfach auf der Grundlage, dass er, also weil man, weil eben behauptet wird, dass er eine Funktion ausführt, indem er die Grundlage für seine eigene Wahrnehmung durch Bewusstseine bildet. Das war ja die Annahme, die Vaibhashikas haben.

Aryadeva widerlegt die eben und meint, dass statischer Raum überhaupt nichts bewirken kann und das ist, dass man nicht meinen kann, dass jetzt der statische Raum eine Funktion erfüllt, nur weil er eben die Grundlage für eine bestimmte Wahrnehmung ist. Das ist einfach eine fehlerhafte Aussage.

Es kann auch nicht so sein, dass Raum allgegenwärtig ist und unteilbar ist, wie die Vaisheshikas das behaupten. Also laut den Vaisheshikas ist Raum eben allgegenwärtig, ist überall vorhanden, ist statisch und hat ihrer Meinung nach keine Teile. Auch das ist unlogisch, weil man Raum immer unterteilen kann eben in die verschiedenen Himmelsrichtungen.

Das nächste Thema ist Zeit. Es ist auch unlogisch, dass Zeit sowohl statisch ist und andererseits und es andererseits ermöglicht, dass funktionierende Phänomene entweder erscheinen oder zu nem bestimmten Zeitpunkt nicht erscheinen. Das heiß, wir haben eben einen bestimmten Zeitpunkt wie der Frühling oder so was und der ermöglicht es eben, dass wir Blumen haben. Im Winter ist es eben nicht möglich, dass Blumen auftreten. Es ist also auch hier eine widersprüchliche Annahme, dass man meint, dass eben etwas wie die Zeit einerseits statisch wäre und andererseits eine Funktion erfüllen kann.

Da kommt dann eben die Frage, ob das nicht zwei unterschiedliche Dinge sind, einerseits Zeit und anderseits die Jahreszeiten. Die Jahreszeiten schon Zeiten sind. Genauso wie es eben zwölf Uhr sein kann oder ein Uhr, und wie es eben, keine Ahnung, Essenszeit sein kann oder nicht Essenszeit, jedenfalls geht‘s hier um bestimmte Zeitpunkte, die eben etwas geschehen lassen oder nicht geschehen lassen.

Wir haben eben nicht die Gelegenheit, jetzt hier diese ganzen einzelnen Diskussionen im Detail zu besprechen. Aber es ist klar, dass man zu diesen, zu dem einzelnen Thema eben auch schon eine ganze Stunde, ja, machen kann.

Es ist auch nicht möglich, dass allerkleinste Teilchen zugleich statisch sein können und andererseits Objekte bilden können wie das die Vaisheshikas behaupten. Der Grund dafür ist, dass das Zusammentreffen von solchen Teilchen als Ursache für das, für die Erzeugung von materiellen Objekten dient. Aus dem Grund, weil Teilchen eben dazu in der Lage sind, sind sie auch funktionierende Phänomene.

Auch die Vaisheshikas selbst akzeptieren durchaus, dass kleinste Teilchen diese Funktion erfüllen. Also es ist widersprüchlich, dass sie einerseits eben Objekte bilden können in dieser Form und dadurch eine Funktion erfüllen und dass sie andererseits eben angeblich statisch sind, obwohl sie Objekte verursachen können.

Es kommt die Frage, ob dieser Widerspruch auch für die Sautrantikas gelten würde, für die Vaibjashikas und die Sautrantikas. Es ist nicht der Fall, weil bei den Vaibhashikas und den Sautrantikas die kleinsten Teilchen nicht statisch sind. Gut. Also ist diese Vaisheshika-Position ungefähr klar? Sie stellen sich das so vor, dass es eben eine feste Anzahl von Teilchen im Universum gibt, diese Teilchenanzahl ist festgelegt. Diese Teilchen bilden eben bestimmte Objekte und zerfallen wieder, um dann andere Objekte zu bilden. Die Teilchen selbst sind statisch, unveränderlich und die Anzahl der Teilchen ändert sich auch nicht. die Teilchen kommen aber trotzdem eben zusammen um etwas zu bewirken.

Aryadeva erklärt weiter, dass es auch nicht möglich ist, dass es teilelose Teilchen gibt, wie das bei den Vaisheshikas behauptet wird. Wenn es teilelose allerkleinste Teilchen gäbe, dann wäre es so, dass sie sich nicht einfach nur auf einer Seite treffen oder berühren könnten.

Diese Argumentation wurde dann auch von Shantideva bei als Widerlegung der Vaibhashikas wiederholt. Das heißt, auch kleinste teilelose funktionierende Teilchen kann man auf diese Art und Weise nicht aufrechterhalten. Eben einfach weil sie sich berühren müssen, wenn sie sich treffen, um Objekte zu bilden, aber sie könnten sich nicht auf nur einer Seite berühren, wenn sie andererseits völlig ohne Teile sein sollen. Shantideva bringt eben viele dieser Argumente an so wie es auch Aryadeva tut. Das ist auch interessant vom wissenschaftlichen, ja, oder vom wissenschaftlichen Standpunkt aus betrachtet. Auch dort ist ja die Frage, ob es eben allerkleinste Teilchen gibt, die dann Materie oder, Materie, die die Materie bilden oder ob‘s allerkleinste Energiepartikel gibt. Der Buddhismus würde eben sagen nein, das ist nicht der Fall. Egal, wie klein ein bestimmtes Teilchen ist, es lässt sich immer noch weiter unterteilen.

Aryadeva fährt dann fort und widerlegt bestimmte Annahmen über ein beständiges wahrhaft existierendes befreites „Selbst“, so wie die Samkyas und Nyayas dieses annehmen. Es ist also die Samkyas also sind der Meinung, dass ein befreites Selbst mit Bewusstheit versehen ist, aber dass dieses „Selbst“ vom gesamten Universum getrennt und vom gesamten Universum losgelöst ist.

Die Nyayas sind wiederum der Meinung, dass, ach so und das Problem ist aber, dass die Samkyas trotzdem der Meinung sind, dass das Selbst eben Bewusstheit besitzt, obwohl es mit dem gesamten Universum überhaupt nicht mehr verbunden ist. Aryadeva weist eben darauf hin, dass das widersprüchlich ist. Dass es kein Bewu, keine Bewusstheit geben kann, ohne dass man sich irgendetwas bewusst ist. Und insofern kann es also auch nicht sein, dass es eine befreite Seele gibt, die überhaupt nicht sich irgendetwas bewusst ist, das ist einfach widersprüchlich.

Bei den Nyayas ist es so, dass laut ihrer Vorstellung die Seele ganz generell überhaupt keine Bewusstheit besitzt selbst, sondern eben nur in Verbindung mit etwas anderem dann diese Bewusstheit, ja, erwirbt, wie zum Beispiel so ein kleiner, irgendetwas, was in, in den Kopp reinkommt und dann dort alles aktiviert und dann das Gehirn benutzen kann, um eben Dinge zu erkennen oder so in der Art. Aryadeva weist eben darauf hin, dass wenn diese Seele tatsächlich von sich aus nicht bewusst wäre, dass sie dann auch nicht zum Beispiel den Wunsch nach, nach dem Erreichen von Erleuchtung haben könnte.

Denn sie würde ja einfach getrennt vom Bewusstsein und getrennt vom Gehirn und so weiter existieren als etwas, das nicht bewusst ist. Das Problem ist eben, dass diese Schulen beide der Meinung sind, dass dieses angenommene statische Selbst etwas tut.

Bei den Samkyas ist man eben der Meinung, dass das befreite Selbst immer noch Bewusstheit besitzt. Das heißt, um bewusst zu sein, muss es eben etwas erkennen, etwas erfassen. Und wenn es andererseits nicht erkennen würde, dann könnte man auch nicht behaupten, also, ja dann könnte man nicht behaupten, dass es sich bewusst ist. Aber das tun sie eben. Die Nyayas wiederum sind der Meinung, dass dieses Atman zwar also überhaupt nichts weiß, aber sie sind trotzdem der Meinung, dass es den Wunsch nach Befreiung besitzt.

Da ist die Frage, wie soll es diesen Wunsch nach Befreiung besitzen, sobald es eben sich mit einem Körper verbunden hat. Dann könnte man maximal sagen, das Bewusstsein entsprechend, dass dieses Bewusstsein den Wunsch nach Befreiung hat, aber nicht dass das, dass die „Seele“ diesen Wunsch nach Befreiung dann auf einmal hat, sobald sie eben mit nem Körper verbunden ist. Was eben die Nyayas aber annehmen. Das heißt, es ist unmöglich, dass man einerseits eine „Seele“ hat, die überhaupt nichts, die etwas bewirkt oder etwas möchte, aber die andererseits statisch ist.

Das sind also die wesentlichen Punkte im neunten Kapitel.